Als Eagles und Steelers zu den Steagles wurden

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Am kommenden Samstag kommt es in der NFL zu einem Traditionsduell: Die Philadelphia Eagles empfangen die Pittsburgh Steelers. Auch wenn beide in unterschiedlichen Conferences spielen, verbindet sie einiges. Abgesehen von der Rivalität zwischen Ost- und Westpennsylvania ist da natürlich die generelle NFL-Geschichte. Die Steelers sind weit älter als die meisten AFC-Teams, spielten schon weit vor dem „Merger“ (dem Zusammenschluss der NFL und AFL) in der „eingleisigen“ NFL. Eagles und Steelers wurden 1933 gegründet und spielten bis 1970 regelmäßig gegeneinander. 67 Mal um genau zu sein, also fast 2 Mal pro Jahr. Seit 1970 gab es dann allerdings nur noch 13 Partien. Immer dann wenn – meist alle vier Jahre – NFC East auf AFC North trifft. Diesmal ist es dem zusätzlichen Spieltag zu verdanken, dass diese Partie zu Stande kommt. Einer der größten geschichtlichen Verbindungen stellt aber die frühe Phase dar, als aus beiden Teams die Steagles wurden.

Die NFL in den 1940ern

Wir schreiben das Jahr 1942, die USA sind in den zweiten Weltkrieg eingestiegen und viele junge Menschen wurden vom Militär abkommandiert. Die Saison geht weitgehend normal über die Bühne, auch wenn bereits diverse Spieler nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch im Trainerstab gab es einen berühmten Fall, George Halas, der legendäre Bears-Coach und Besitzer, legte seine Trainertätigkeit 1942 nieder um in der Navy zu dienen.

Poster eines Spiels der Steagles gegen die Giants, Aufgenommen in der Hall of Fame in Canton.
© https://en.wikipedia.org/wiki/User:Coemgenus

Die NFL entschied sich Anfang 1943 ihren Betrieb fortzusetzen. Kleinere Football Ligen hatten den Spielbetrieb eingestellt, die NFL wollte aber der Major League Baseball folgen. Die MLB war damals noch die ultimative Nummer Eins unter den Sportligen und galt als wichtige Ablenkung vom Krieg. Präsident Roosevelt hatte gar einen Brief an den damaligen MLB Commissioner geschrieben um die Bedeutung des Baseballs auf die Moral der Bevölkerung hervorzuheben. Die NFL ging den Schritt mit, auch wenn ihre Bedeutung noch wesentlich geringer war.

Die Teams mussten sich in der Saison 1943 damit arrangieren, dass ihnen viele Spieler fehlten. Nur wenige wurden nicht vom Militär eingezogen. Einzig Spieler die frisch Vater geworden waren, in der Rüstungsindustrie arbeiteten oder vom Militär als untauglich gemustert wurden blieben zurück. Viele Kader waren dadurch stark zusammengeschrumpft. Bei den damals noch in Cleveland ansässigen Rams führte es dazu, dass der Spielbetrieb für ein Jahr ausgesetzt wurde.

Auch die Steelers standen vor dem Aus, nur sechs Spieler standen zur Verfügung. In Philadelphia waren es immerhin sechzehn. Für einen Kader zu wenige, auch wenn Teams damals aus weniger als 30 Spieler bestanden haben. Es war Usus, dass Spieler in Offense und Defense, teilweise auch in den Special Teams zum Einsatz kamen.

Das traurigste Kapitel der NFL Geschichte

Der Draft konnte beiden Teams kaum helfen, da die meisten College Spieler direkt in den Krieg abberufen wurden. Und dann war da ja noch eines der traurigsten Kapitel der NFL Geschichte, welches eine eigene Aufarbeitung verdient und hier eher knapp zusammengefasst sein soll. Zunehmender Rassismus führte dazu, dass seit den 1920er Jahren schwarze Spieler zunehmend aus der NFL ausgeschlossen wurden. Ab 1934 gab es keine schwarzen Spieler mehr und bis zum Ende des zweiten Weltkrieges sollte sich daran nichts ändern. Schwarze Spieler durften nur in kleinen Ligen spielen, selbst College Superstars wie Kenny Washington bekamen keine Chance. Washington gilt als vielleicht besser College Spieler der späten 30er Jahre und erhielt durch seine Leistungen bei UCLA nationale Aufmerksamkeit. Erwähnter George Halas wollte ihn zu den Bears holen, aber daraus wurde nichts. Unter anderem durch George Preston Marshall.

Marshall gründete die heutigen Commanders und war ein extremer Rassist, welcher die Rassentrennung unterstützte. Ein „Gentlemen’s Agreement“ zwischen den Teambesitzern, welches die Verpflichtung schwarzer Spieler untersagte, war vor allem auf Marshalls Mist gewachsen, aber von seinen Ligakollegen mitgetragen. Erst 1946 wurde diese rassistische Absprache gebrochen, als die nun in LA gelandeten Rams den erwähnten Lokalhelden Kenny Washington unter Vertrag nahmen.

Marshalls Franchise nahm erst 1962 erstmals einen schwarzen Spieler unter Vertrag. Gegen seinen Willen. Der damalige US-Innenminister und der Generalstaatsanwalt hatten ein Ultimatum an Marshall gerichtet. Da das Stadion auf Bundesgelände lag und aus öffentlicher Hand finanziert wurde, drohte man der Franchise mit dem Entzug der Stadionnutzung.

Mittlerweile wurde sein Name bei den Commanders weitgehend getilgt.

Pennsylvania Polka

Zurück nach Pennsylvania. Die Umstände und der rassistische Bann sorgten also dafür, dass Eagles und Steelers kaum Spieler zur Verfügung hatten, weshalb man einen alten Plan aufgriff. Steelers’ Owner Art Rooney hatte schon 1940 den Plan Eagles und Steelers zu einem einzigen Pennsylvania-Team zu verschmelzen, die Pennsylvania Keystoners. Das Team sollte sowohl ins Philadelphia als auch in Pittsburgh beheimatet sein und seine Heimspiele aufteilen.

Rooney wollte damals seine erfolglose Franchise verkaufen und fand in Alexis Thompson einen Käufer. Thompson hatte ursprünglich die Eagles kaufen wollen, wurde von deren damaligen Besitzer Burt Bell an Rooney vermittelt. Mit dem Geld aus dem Verkauf erwarb Rooney nun 50% der Eagles. Thompson wollte das Team von Pittsburgh in die Nähe seiner New Yorker Heimat verlegen, während Rooney kein Interesse hatte Pittsburgh zu verlassen. Das Ergebnis dieses Plans waren die Keystoners.

Rooneys Idee wurde aber von der Liga abgelehnt. 1941 kam es dann zu einem sehr merkwürdigen Tausch. Rooney (und Eagles-Miteigentümer Bell) einigten sich mit Thompson auf einen Tausch. Die Eagles zogen nach Pittsburgh um dort als Steelers zu spielen. Die Steelers nach Philadelphia um dort die als Eagles zu agieren. Auch große Teile der jeweiligen Kader wurden zwischen Ost- nach Westpennsylvania getauscht. Burt Bell war nun also 50% Miteigner der Steelers statt der Eagles. Die Steelers operierten in Folge dieses „Pennsylvania Polka“ genannten Deals noch bis 1945 als Philadelphia Eagles Football Club, Inc. Wild, oder?

Logo der "Steagles".
Logo der “Steagles”

Die Steagles

1943 entschied man sich dann zu einer vorübergehenden Spielgemeinschaft. Da es aber eine klare Trennung geben sollte, gab es den sperrigen Namen Phil-Pitt. Landläufig setzte sich dann aber das Kofferwort Steagles durch. Da Philadelphia die Mehrheit an Spielern stellten, waren sie der „dominante“ Part der Zweckgemeinschaft. Das Team spielte in grün-weiß statt im schwarz-gold der Steelers und 4 der 6 Heimspiele fanden in Philly statt. Keinen Sieger gab es in der Frage nach dem Head Coach. Weder Philadelphias Greasy Neale noch Pittsburghs Walt Kiesling wollten sich unterordnen. Erschwerend kam dazu, dass beide Trainer eine starke Abneigung zueinander hatten und taktisch extrem unterschiedliche Vorstellungen besaßen.

Greasy Neale bevorzugte in seiner Offense die T-Formation. Eine der ältesten Formationen im Football, noch aus dem 19. Jahrhundert. An jeder Seite der Line ein (Tight) End und hinter dem Quarterback drei Backs, aufgestellt wie ein T. Die Formation erfuhr Anfang der 1940er ein Revival, Notre Dame dominierte damit mehrere Jahre den College Football.

Walt Kiesling zog die Single Wing Back Formation vor. In dieser Formation wurde eine Seite des Feldes asymetrisch überlagert. Meist die rechte Seite, da der überwiegende Teil an Spielern rechtshändig war. Der Center war in dieser Formation zweiter Spieler von Links in der Line, der linke Tackle wanderte zusätzlich nach rechts. Der Quarterback stand weit abseits vom Center, denn er diente in den meisten Fällen nur als Blocker, Snaps gingen direkt auf den Full Back. Heute sieht man derartiges noch in Wild Cat Formationen wie dem Philly Special.

T-Formation, die von Greasy Neale bevorzugt wurde.
Single Wing Back Formation nach seinem Erfinder “Pop” Warner. Public Domain

Beide Head Coaches hatten unvereinbare Standpunkte, daher wurden die Positionsgruppen gesplittet. Offense ging an Neale, Defense an Kiesling.

Die Saison

Anriss eines Artikels der New York Times über das Spiel der Steagles bei den Brooklyn Dodgers.
Artikel der New York Times über das Spiel der Steagles bei den Brooklyn Dodgers.

Die Spieler der Steagles waren wie erwähnt diejenigen, die aus verschiedenen Gründen nicht vom Militär genommen wurden. Der spätere Leading Receiver Tony Bova war auf einem Auge blind, Guard Ed Michaels fast vollständig gehörlos während Center Ray Graves nur auf einem Ohr hören konnte. Quarterback Roy Zimmerman war frisch Vater geworden und in der Landwirtschaft tätigt, Tackle Al Wistert hatte eine Knochenmarksentzündung und sein Positionskollege Ted Doyle war in kleiner Rolle am Manhattan Projekt beteiligt.

Die Steagles erreichten einen 5-4-1 Record, der nur zu Platz drei der Eastern Division reichte, da Washington und New York auf 6-3-1 kamen. Im späteren NFL Championship Game schlugen die Chicago Bears Washington mit 41-21.

Was danach geschah…

1944 trennte sich die Steagles wieder. Die Eagles hatten mittlerweile wieder ausreichend Spieler und mit Steve Van Buren einen kommenden Hall of Famer im Draft gezogen. Greasy Neale blieb bis 1950 Head Coach der Eagles und gewann mit dem Team 1948 und 1949 die NFL Meisterschaft.

Die Steelers hatten noch immer einen Personalmangel und sahen sich gezwungen die nächste Spielgemeinschaft einzugehen. Diesmal ging man mit den Chicago Cardinals als „Card-Pitt“ zusammen. Allerdings wurde daraus dann kein vergleichbarerer Name wie die Stardinals. Da diese Kooperation sportlich komplett in die Hose ging und alle 10 Saisonspiele verloren wurden, nannte man das Card-Pitt Team spöttisch „Carpets“ (Teppiche). Erst 1945 waren die Steelers dann wieder die Steelers.

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Jessica Fehlhaber
NFL-Fan und Fantasy-Spielerin. Verliebt seit dem ersten Snap als aktive Spielerin. Fly, Eagles, Fly!

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