Triple Coverage: Der Rückblick auf College Football Woche 2

Woche 2 hat im College Football ein Triplett an Top-10 Upsets gesehen – und fast wäre auch noch die #1 Alabama als viertes Team gestürzt.

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Wir blicken auf den Spieltag der Überraschungen zurück – „wir“ sind Fragensteller Thomas Psaier (Sideline Reporter) und Jan Weckwerth, der in der Woche seines fünfjährigen Blogjubiläums im Urlaub weilt und es sich trotzdem nicht nehmen ließ, Rede und Antwort zum heißgeliebten College Football zu stehen.

#1 Alabama bei in Texas von der Schippe gesprungen, aber Hand aufs Herz: Das ist doch die schwächste O-Line, die Nick Saban in Tuscaloosa jemals hatte, oder?

Jan Weckwerth: Ob es die schwächste ist, weiß ich nicht, es ist auf jeden Fall eine der schwächeren. Dennoch würde ich die Offense-Probleme nicht allein an der O-Line festmachen wollen. Insgesamt häufen sich die uninspirierenden Auftritte der Tide Offense (siehe letzte Saison LSU und Auburn). Da spielt die O-Line ebenso eine Rolle wie das Skill Corps. Gerade die Receiver sind aktuell doch deutlich hinter den goldenen Jahren um Jeudy, Smith, Ruggs und Waddle einzuordnen. Und selbst davor gab es zwar nicht solch pervers tiefe Units, aber doch immerhin einen Superstar, der regelmäßig die Kohlen aus dem Feuer holte (Julio Jones, Amari Cooper, Calvin Ridley). Die aktuelle Truppe ist sicher nicht untalentiert, strahlt aber aktuell noch wenig Big Play-Gefahr aus und hatte zudem Probleme mit Drops.

Ich habe das Gefühl, dass die Alabama Offense ein wenig nach ihrer Identität sucht. Das Power Run Game kann nicht vernünftig aufgezogen werden, die Megatalente auf Receiver sind weg, und nur auf die – zugegebenermaßen riesengroße – Coolness von Bryce Young wird man sich nicht immer verlassen können. Es ist bezeichnend, dass die größte Matchup-Waffe aktuell ein all-purpose Back wie Jahmyr Gibbs ist. Das gab es bei Saban in dieser Form noch nie.

#2 Drei Top-Ten Upsets in Woche zwei: #6 Texas A&M verliert gegen Appalachian State, #8 Notre Dame verliert gegen Marshall und #9 Baylor verliert gegen BYU. Welches war das überraschendste dieser Ergebnisse?

Jan Weckwerth: Für mich Notre Dame. Die Niederlage von Baylor war für mich sowieso keine große Überraschung, hatte mit einem engen Spiel gerechnet. App State hat bereits in der ersten Woche gezeigt, dass sie mit Power 5-Team mithalten können (wenngleich das Spiel gegen UNC komplett anders lief als das gegen A&M). Dennoch hätte ich niemals erwartet, dass die Mountaineers die Aggies in den Trenches und mit Physis schlagen. Doch diese schon große Überraschung wurde durch Marshalls Sieg gegen Notre Dame getoppt – gerade nach dem beherzten Auftritt der Irish gegen Ohio State in der vergangenen Woche. Erschreckend war vor allem, dass Marshall keineswegs von eins, zwei Freak Plays abhängig war, sondern Notre Dame in den direkten Matchups schlug. Das Spiel hätte eher noch deutlicher ausgehen können.

#3 Was sind deine bisherigen Eindrücke von USC – schließt Lincoln Riley an seine Oklahoma-Offenses an, oder gibt es nennenswert Neues?

Jan Weckwerth: Ich habe USC noch nicht die ganz große Aufmerksamkeit zukommen lassen, daher sind diese Zeilen unter Vorbehalt zu lesen. Was ich gesehen habe, sieht für mich nach ähnlicher Offense wie bei den Sooners aus, wobei Riley ja schon immer von Spiel zu Spiel ein paar Anpassungen vorgenommen hat. Die Offense feuert aus allen Rohren – kein Wunder bei dem Talent, dass er den Trojans via Transfer Portal zugeführt hat. Caleb Williams, Jordan Addison und Co. werden exzellente Zahlen auflegen – die Frage wird sein, ob sie bei einer etwas suspekten Defense dauernd in Shootouts gehen müssen.

#4 Der famose Florida-QB Anthony Richardson wurde von Kentucky doch arg gestutzt. Warum lassen ihn die Florida-Coaches nicht mehr laufen?

Jan Weckwerth: Hab ich mich auch gefragt. Eigentlich ist HC Billy Napier gerade stark darin, mit dem Quarterback und einem Komitee von (meist drei) Runnern ein sehr kreatives und unberechenbares Laufspiel aufzuziehen, dem ich wahnsinnig gern zusehen mag. Die Runner hatten – insbesondere in der ersten Halbzeit – ihre Momente gegen eine physische Kentucky Front-7, doch gerade als das nicht mehr so konstant lief, hätte ich Richardson auf jeden Fall mehr mit designten Läufen gefüttert. Schließlich hätte lange Zeit ja ein Big Play gereicht – und das ist mit so einem Gamechanger wie ihm immer möglich. So waren es dann am Ende aber seine unterdurchschnittliche Leistung als Passer und insbesondere die zwei Interceptions in Schlüsselmomenten, die das Spiel zugunsten Kentuckys entschieden.

#5 Underdog Georgia Southern schlägt Nebraska in deren Stadion, und das *nach* ihrer Abkehr von der Triple Option Offense. Was macht das mit dem Fan-Herz?

Jan Weckwerth: Ehrlich gesagt war mir die Historie und auch das Scheme des Gegners relativ egal. Ich fand es lediglich bezeichnend, dass ein Mid-Major im gewaltigen Umbruch – von einer Shotgun Option zu Ex-USC HC Clay Helton – die Huskers-Defense komplett an die Wand spielt. Und das auch noch mit dem langjährigen Buffalo-QB Kyle Vantrease, der zum ersten Mal in seiner Karriere für über 400 Yards warf.

So oder so war das eine der bittersten Niederlagen in meinem Fanleben. Ich war danach völlig taub, weil ich wusste, dass die Huskers nun endgültig in den Niederungen des College Footballs angekommen sind. Das ist zwar realistisch betrachtet schon länger der Fall, aber für viele – inklusive mir – ist an diesem Tag die Hoffnung auf Erfolge für absehbare Zeit verschwunden.

#6 Nebraska-Headcoach Scott Frost wurde noch am Sonntag nach wenig mehr als vier unglücklichen Jahren gefeuert, und Nebraskas Athletic Department wollte noch nichtmal mehr zwei Wochen warten um die Hälfte des Payouts (immerhin 7.5 Mio) zu sparen. Ist in Lincoln also der Reichtum ausgebrochen?

Jan Weckwerth: Böse gesagt: Der neue Mediendeal der Big Ten machts möglich.

Ich persönlich hätte definitiv gewartet, aber so wurde nochmals deutlicher, wie kurz die Leine für Frist nach der vergangenen Saison (bzw. den vergangenen Saisons) war. Der neue Athletic Director Trev Alberts hatte ihm nach der unfassbaren letzten Saison (trotz 3-9 Bilanz insbesondere bei vielen advanced Metriken eines der besten 35 Teams) noch eine letzte Chance gegeben, doch man sah ab dem ersten Spiel eine massive Verschlechterung (insbesondere auf defensiver Seite) gegenüber 2021.

Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass man so nun Interims-HC Mickey Joseph, dessen Verpflichtung als Assistant Head Coach, WR Coach und Top-Recruiter der Coup der Offseason war, etwas besser evaluieren kann. Ich würde es ihm sehr gönnen, sehe bei diesem Roster sowie der fehlenden Aufbruchsstimmung im und ums Team aber nicht gerade optimistisch in die Zukunft.

#7 Woche 3 im College Football schaut nominell eher durchwachsen aus. Wenn du ein Spiel empfehlen könntest, dann welches?

Jan Weckwerth: Ist wirklich nicht so viel zu holen, doch manchmal waren gerade solche Spieltage die verrücktesten. Für mich persönlich wäre es natürlich Josephs Debüt mit Nebraska gegen den Erzrivalen Oklahoma, doch das kann ich keinem neutralen Menschen ernsthaft ans Herz legen. Oregon gegen BYU um 21:30 Uhr könnte Spaß machen, ich würde mich allerdings für das unterschätzte Duell zwischen dem wieder erstarkten Washington unter dem jungen und meiner Ansicht nach vielversprechenden HC Kalen DeBoer (sowie mit meinem langjährigen Favoriten QB Michael Penix) und Michigan State entscheiden. Kickoff ist allerdings erst nachts um 1:30 Uhr.

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Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.
Jan Weckwerth
College Football- und Draft-Veteran. Podcaster. Sportromantiker. Running game still matters.

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