1 Spieltag – 2 Autoren – 3 Fragen – Week 3

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Die Saison nimmt langsam Fahrt auf und natürlich ist immer noch zu früh um Schlussfolgerungen für die gesamte Saison zu ziehen, aber teilweise sind zumindest Tendenzen erkennbar. 6 Teams sind noch ungeschlagen und dort ist mit den Giants auch für den einen oder andren eine Überraschung dabei. Bereits vor dem ersten Spieltag gab es auch bei 1-2-3 unterschiedliche Meinungen. Negativ überraschen konnte bisher der letztjährige Super Bowl Teilnehmer aus Cincinnati. Die Bengals haben gegen die Cowboys ohne Prescott verloren und bisher läuft es noch nicht rund. Zu den Überraschungen, im positiven und negativen Sinne, kommen wir noch im weiteren Verlauf.

Was in der zweiten Ausgabe gut geklappt hat wiederholen wir direkt wieder. Erneut beantworten heute Jessica Fehlhaber (@footballjessy) und Jonathan Groeneveld (@JonaGroe89) die 3 Fragen. Es wird sowohl auf den nächsten Spieltag geschaut, als auch nochmal auf die Überraschungen eingegangen. Wen haben die beiden da auf dem Zettel?

Was ist für euch bisher die größte Überraschung dieser NFL Saison?

Jonathan Groeneveld: Eine positive Überraschung zu nennen fällt mir hier wirklich schwer, da ich dort meistens erstmal mehr Konstanz sehen möchte. Natürlich könnte ich hier die Giants nennen, aber wirklich überrascht hat es mich jetzt nicht. Ebenso finde ich die Chiefs Offense bisher sehr ansprechend nach der schwierigen letzten Saison, aber ist das mit Andy Reid und Patrick Mahomes wirklich überraschend? Es sticht für mich hier wenig raus, was mich wirklich positiv überrascht, denn entweder habe ich es so erwartet oder ich könnte jedes Mal ein “aber” einfügen. Daher bleibe ich hier eine klare Antwort schuldig.

Bei den negativen Überraschungen gibt es irgendwie zu viele um alle zu nennen. Ich beschränke mich daher auf eine und das sind die Indianapolis Colts. Für mich waren die Colts klarer Favorit auf die AFC South und ich habe 10+ Siege erwartet. Die bisherigen Spiele waren allerdings eine Katstrophe.

Offensiv läuft nichts zusammen. Die Offensive Line ist so anfällig, dass Matt Ryan nicht funktionieren kann. Ryan war noch nie ein Quarterback, der Plays gerettet hat oder kreiert hat. Er ist ein sehr konstanter Quarterback der einen offensiven Plan perfekt umsetzen kann. Das funktioniert aber nicht, wenn er dauernd unter Druck steht.

Defensiv ist es halt eine Gus Bradley Defense. Diese ist einfach nicht mehr zeitgemäß in der aktuellen NFL und ein Downgrade zu Matt Eberfluss. Ich weiß auch nicht wirklich, was da der Plan der Verantwortlichen war? Langsam aber sicher muss meiner Meinung nach auch über diese nachgedacht werden. Die Colts haben seit Jahren eine gute Baseline, aber schaffen es nicht mehr herauszukitzeln. Sei es die Probleme auf Quarterback, aber auch die Problematik auf Wide Receiver. Ich halte eigentlich recht viel von Frank Reich, aber wenn die Colts die Playoffs erneut verpassen, dann bin ich gespannt was passiert.

Jessica Fehlhaber: Positiv überrascht bin ich von den Detroit Lions. Zwar hatte ich das Team schon vorher auf meiner Liste der Teams, die sich im Rebuild positiv entwickeln, aber die ersten beiden Spiele zeigten, dass es auch im Spiel funktioniert. Aidan Hutchinson ist ein Volltreffer und die Offense besteht mittlerweile aus mehr als nur einer starken Line. Gegen die Eagles konnten die Lions in Woche 1 durchaus mithalten, auch wenn der Rückstand zwischenzeitlich mal größer war. Washington wurde mit einer souveränen Leistung nach Hause geschickt, die zu kaum einem Zeitpunkt so richtig in Gefahr war. Eigentlich fehlt jetzt nur noch der Quarterback um aus Detroit einen richtigen Playoff-Kandidaten zu machen. Aber auch da hält man Goff weitgehend fehlerfrei im Modus eines funktionierenden Gamemanagers.

Bei den negativen Überraschungen kann ich mich Jonathan nur anschließen. Ja, die Colts hatten auch Pech mit Verletzungen. Dennoch ist dieser Saisonstart eine mittlere Katastrophe bei der einfach gar nichts zu funktionieren scheint.

Die zweite Enttäuschung sind für mich die Denver Broncos. Die Niederlage gegen die Seahawks, das war schon eine Kunstwerk des Scheiterns. Man kann mal gegen ein schwaches Team verlieren, keine Frage. Aber selten ist eine Mannschaft so sehr an sich selbst gescheitert wie in Woche Eins. Massive Raumverluste durch Strafen, zwei Fumbles einen Yard vor der Endzone und der Versuch einen überambitionierten Kick auszuprobieren. In Woche Zwei wurde das gegen die Texans nicht viel besser. Erneut sorgten Strafen für Yard-Verluste in dreistelliger Höhe. Vor allem das ständige übersehen des Timers sorgte für reichlich Verstimmung beim Anhang und führte irgendwann dazu, dass die Fans die Uhr hönisch mitzählten um das nächste Delay of Game zu vermeiden.

Die Miami Dolphins spielen zu Hause gegen die Buffalo Bills. Beide Teams sind mit 2 Siegen gestartet. Welches Team wird die erste Niederlage der Saison kassieren?

Jonathan Groeneveld: Die Dolphins. Es war ja gegen die Ravens schon knapp genug und am Ende haben es die Ravens auch ein wenig selbst verbockt. Im vierten Viertel waren die Dolphins unfassbar effektiv und hier kann man nur den Hut vor McDaniel ziehen. Er hat hervorragend die Schwachstellen in der Ravens Secondary gesehen und diese mit Waddle/Hill eiskalt ausgenutzt. Das wird gegen die Bills aber so nicht passieren. Bei Tua täuscht die Statline über die teils nicht so gute Leistung etwas hinweg. Adrian Franke hat das sehr gut analysiert, daher verweise ich hier einfach auf seinen Tweet bzw. seine Tweets zu dem Thema.

Die Bills sind bislang einfach sehr stark unterwegs. Gegen die Rams war es noch etwas knapper, auch wenn ich nie das Gefühl hatte, dass die Bills das Spiel verlieren können. Gegen die Titans haben drei Viertel zum Sieg gereicht. Auch wenn die Titans sicherlich diese Saison kein Gradmesser sind, war das schon beeindruckend dominant. Mit der tiefen Secondary sollten sie auch gegen Hill und Waddle effektiv sein, selbst wenn Hyde ausfallen sollte.

Wie bereits erkennbar sehe ich wenige Chancen für die Dolphins um den Bills wirklich gefährlich zu werden. Die beste Chance ist hier vermutlich wirklich McDaniel. Ich bin gespannt, wo er einen Ansatz gegen die Defense der Bills findet. Falls er einen findet, dann könnte es ein unterhaltsames Spiel werden, falls Tua fehlerfrei bleibt.

Jessica Fehlhaber: So stark die Dolphins gegen Baltimore zurückkamen, kann ich hier einfach keinen dritten Sieg sehen. Die Bills sind mit brutaler Dominanz gestartet, eine Punktedifferenz von 55 spricht eine Sprache für sich. Kein anderes Team kommt auch nur auf die Hälfte dieses Wertes und Buffalo ist ja auch nicht gegen Fallobst gestartet. Es wird für jedes Team schwer werden gegen diese auf beiden Seiten des Balles stark besetzte Mannschaft eine Lösung zu finden. Bei den Dolphins sehe ich das nicht. Potentiell ein sehr unterhaltsames Spiel, aber die Bills müssten sich schon selbst schlagen.

In Nashville treffen mit den Las Vegas Raiders und den Tennessee Titans zwei Teams mit einem Fehlstart aufeinander. Wer kann sich den ersten Sieg sichern?

Jonathan Groeneveld: Die Titans sahen gegen die Bills schon sehr schlecht aus, was aber keine Schande ist. Die Raiders hätten gegen die Cardinals durchaus gewinnen können, aber sind am Ende doch gescheitert. Für mich sind sie gegen die Titans aber der Favorit. Der Pass Rush der Raiders sollte der Offensive Line der Titans ordentlich zusetzen können, wenn Crosby nicht wieder eine Solo Show liefern muss. Damit bekommt dann auch Tannehill wieder Probleme. Bislang läuft es offensiv noch nicht bei den Titans. Die Offensive Line ist nicht gut, Henry wirkt nicht mehr so spritzig und Tannehill oft überfordert. Wenn es so weitergeht, dann würde ich mich nicht wundern, wenn irgendwann Willis seine Chance bekommt.

Die Raiders waren beide Spiele dran und hätten durchaus was holen können. Gegen die Chargers und Cardinals kann man allerdings auch verlieren. Positiv ist das Davante Adams sofort funktioniert und die Connection mit seinem College Quarterback Derek Carr stimmt. Wenn das Team aus Las Vegas in dieser Saison allerdings bei den Playoffs mitreden will, dann muss jetzt gegen die Titans ein Sieg her. Ansonsten wird es für die Raiders in dieser Division sehr schwer um eine Wild Card mitzuspielen.

Jessica Fehlhaber: Ich denke auch, dass die Raiders selbst Auswärts der Favorit sind. Gegen die Cardinals hat man eigentlich dominiert, aber dann den Sack nicht zugemacht. Am Ende vergeigt man das Spiel dann selbst. Die Titans wurden dagegen komplett rasiert, fast vorgeführt. Natürlich gegen ein absolutes Topteam, dennoch war das erschreckend harmlos. Schon in Woche Eins war Tennessee nicht besonders überzeugend, auch wenn sie – wie die Raiders in W2 – einen vermeintlichen Sieg verspielt haben.

Der Druck liegt definitiv in Vegas. Ein 0-3 darf man sich in der AFC nicht erlauben, wenn man auf die Wild Card Plätze schielen möchte. Für die Titans wäre ein 0-3 natürlich auch ein richtiger Fehlstart. Aber die Schwächen der AFC South begrenzt das Team nicht auf Wild Card Hoffnungen. Über die Divisionspartien könnte da noch viel korrigiert werden, was den Raiders schwerer fallen dürfte.

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