Jessys Ausblick Woche 3.1 – Offensivschlacht in Dade County?

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Nach dem Klassiker in der AFC North geht es am Samstag mit einem weiteren historischen Duell weiter, wenn Bills und Dolphins aufeinander treffen.

Sonntag Frühschicht:

Bills (2-0) @ Dolphins (2-0) (live auf ProSieben / Carsten Spengemann & Sebastian Vollmer)

McDaniel ist der Veteranen-Besieger. Nach Bill Belichick musste auch John Harbaugh eine Niederlage einstecken, die Dolphins empfangen die Bills ohne Niederlage zum ewig jungen Rivalitätsduell. Und was war denn gegen die Ravens mit Tua Tagovailoa los? Der Quarterback, der in diesem Jahr um seine Zukunft als Starter spielt, eskalierte aufs extremste. Sechs Touchdowns. Sechs. In seiner bisherigen Karriere kam er nur einmal über zwei Touchdowns. 469 Yards warf Tua zudem – seinen bisherigen Höchstwert hat er da gleich mal um 100 Yards nach oben geschraubt. Tatsächlich hat er sich damit sogar in der historischen Top 50 für Passing Yards in einem Spiel platziert.

So viele Würfe bedeuten natürlich auch viele Catches. Jaylen Waddle und Tyreek Hill durften ebenfalls ihre Fantasy-Owner extrem glücklich machen. Beide fingen zwei Touchdowns, Waddle kam auf 171, Hill auf 190 Yards. Zwei Receiver dieser Klasse sind kaum zu bändigen.
Kaum zu bändigen ist allerdings auch die Bills Offense. Wie die Dolphins brachte auf Buffalo über 40 Punkte aufs Scoreboard. Stefon Diggs war hier der überragende Mann des Abends, hatte satte drei Touchdowns und 148 Yards. Sein drittes Karrierespiel mit solchen Werten. Auch die Defensive glänzte, hielt die Titans bei 7 Punkten. Matt Milano brachte eine Interception in die Endzone und auch Jordan Poyer – seit jeher mein verlässlicher Fantasy Football IDP – fing einen Ball von Tannehill ab.

Auch diese Duell ist eine Rivalität mit großer Historie. Vor allem in den frühen 90er Jahren gab es da einige Offensivschlachten der damaligen Elite Quarterbacks Dan Marino und Jim Kelly. Zwei der besten Quarterbacks ohne jeden Super Bowl Ring. Vor allem Kellys scheitern mit vier Super Bowl Teilnahmen in Folge ist eine der dramatischsten Geschichten der modernen NFL. Nach dem Eintritt der Houston Texans sollten die Buffalo Bills in die AFC North wechseln, aber die hitzige Rivalität der beiden Teams sollte nicht abgeschwächt werden, daher blieben sie im Osten. Die Dominanz der Patriots und die Durststrecken beider Teams ließen die Rivalität dann trotzdem etwas eindösen.

Chiefs (2-0) @ Colts (0-1-1) (live auf DAZN / Flo Berrenberg)

Wollen die Colts den Chiefs die Anreise ersparen und gleich den Win rüberschicken? Der Auftritt gegen die Jaguars war ein absolutes Desaster. Mal wieder gab es keinen Punkt für Indianapolis, bereits zum dritten Mal in den letzten 11 Duellen dieser Teams. Okay, die Colts hatten offensiv Verletzungssorgen. Pittman und Pearce, Receiver 1 & 2 fielen aus. Parris Campbell

Die Chiefs haben das Spitzenspiel gegen die Chargers gewonnen und damit den perfekten Start geschafft. Auch wenn sie das kleine bisschen Matchglück hatten als Jaylen Watson an der eigenen Endzone Herberts Pass abfing und dann 99 Yards ins Glück lief.

Texans (0-1-1) @ Bears (1-1)

Adrian Franke hat scherzhaft bereits eine Challenge ausgerufen – wann sehen wir bei Justin Fields eine zweistellige Zahl angekommener Bälle? Der Staff der Bears hat offenbar wenig vertrauen in Fields, eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit erscheint immer unwahrscheinlicher. Im ersten Spiel – geschenkt. Waren schlechte Umstände, wobei Fields da bei 8 Würfen immerhin zwei Mal die Endzone fand. Gegen die Packers setzte man dagegen auch bei einem größeren Rückstand fast nur auf den Lauf. Der funktionierte zwar durchaus, aber dennoch roch das arg nach Vertrauensentzug… Zudem findet dadurch in Darnell Mooney einer der besten Bears-Spieler überhaupt nicht statt. Ein Catch für -4 Yards am Wochenende, ein Catch für 8 Yards in Woche Eins. Fantasy-Spieler verfluchen bereits Mooney gewählt zu haben.

Die Texans sind nach unerwartet gutem Start in Woche Eins nun da wo man sie erwartet. Obwohl die Broncos Offense echt lange aus dem Spiel genommen wurde konnte die Texans Offense keinen Nutzen daraus ziehen. Davis Mills zeigte da auch mal wieder, dass er ein Achterbahn-Quarterback ist. Auf ein ordentliches Spiel folgte nun eine extrem uninspirierte Vorstellung. Nur 50% Completions, durchschnittliche Yards per Pass Attempt unter 5,0. Die Interior Line half Mills allerdings auch kaum, auch wenn Guard AJ Cann immerhin noch zwei Fumbles rettete.

Raiders (0-2) @ Titans (0-2)

Das Duell der Gefrusteten. Beide Teams sind mit zwei Niederlagen gestartet, beide Teams stehen unter Druck. Die Raiders sicherlich noch etwas mehr, denn einen Divisionssieg in der AFC West kann man längst abschreiben. Da geht es nur noch um die Wild Card und selbst das wird mit dem Fehlstart im Rücken ein schwerer Akt. Zumal man sich die Situation auch selbst zuzuschreiben hat, denn gegen die Cardinals hat man einfach verpennt den Sack zuzumachen. Das war letztlich mehr als die bisherige Leistung der Titans. Dort funktioniert aktuell gar nichts. Zwar haben sie auch ein Spiel in letzter Minute weggeschenkt, aber das war gegen ein wenig einfallsreiches Giants-Team.

In Buffalo wurden die Titans dann am Montag geradezu demontiert. Absolut gar nichts lief in diesem Spiel zusammen. Da fehlte einfach ein Plan B wenn Derrick Henry 0,0 Zugriff aufs Spiel bekommt. Auch die Titans müssen jetzt liefern, haben aber zumindest den Vorteil der schwachen AFC South. Selbst bei einem 0-3 könnte man da nochmal zurückkommen, wenn die Divisionsduelle passen. Allerdings gab es erst 6 Teams, die nach einem 0-3 noch die Playoffs erreicht haben. Zuletzt – wie passend – ein Team der AFC South 2018, die Texans.

Lions (1-1) @ Vikings (1-1)

Vier Mal in Folge belegten die Lions den letzten Platz in der NFC North, der Durst nach Erfolgen ist riesig. Auch die Euphorie ist aktuell groß wie lange nicht. Gegen die Eagles verkaufte sich Detroit bereits ordentlich, gegen Washington gab es einen dominanten Heimsieg. Jared Goff schaffte erstmals seit 2018 wieder vier Touchdown-Pässe, auch wenn die Streuung groß war. Die beiden Spieler des Spiels waren aber zwei andere. Defensiv prägte Aidan Hutchinson das Spiel. Der Nummer 2 Pick, ein Local Hero, scheint ein absoluter Volltreffer für die Lions zu sein, die nun auf beiden Seiten dominante Lines stellen. Drei Sacks gelangen Hutchinson alleine in der ersten Hälfte.

Offensiver Spieler des Spiels war Amon-Ra St. Brown. 184 Yards wurden von ihm abgespult, zwei Touchdowns packte er aufs Scoreboard. Saisonübergreifend hat er nun 8 Spiele am Stück mindestens 8 Receptions erhalten, in 6 Spielen hintereinander gescored. Zum Rebuild fehlt eigentlich nur der QB, aber solange Goff keine teuren Fehler macht, kann es auch schon funktionieren.

Bei den Vikings funktionierte im späteren Spätspiel des Montags nichts. Wirklich gar nichts. Kirk Cousins bestätigte einmal mehr den ihm zugeschriebenen Primetime Fluch. Er kann keine großen Einzelspiele gewinnen. Es war sicherlich nicht leicht, zumal Justin Jefferson von Darius Slay in Perfektion ausgeschaltet wurde. Dennoch bestätigte Cousins neben dem Fluch auch seinen Status als Gamemanager, der kein Zeichen setzen kann, wenn es nicht läuft. Vor allem der Montag ist für Cousins ein schlimmerer Tag als für die meisten Menschen eh schon. Von 12 Monday Night Games konnte Cousins nur zwei gewinnen. Die letzten beiden Partien, jeweils gegen die Bears. Der Fluch schien also besiegt und meldete sich nun eklatant zurück. Aber es lag bei weitem nicht nur an Cousins. Auch das Run Game war quasi nicht existent, die Interior Line der Vikings war schlicht und ergreifend überfordert.

Ravens (1-1) @ Patriots (1-1)

Nicht glorreich, aber relativ souverän gewannen die Patriots in Pittsburgh. Die Offense wird keine Kreativitätspreise gewinnen und es war schon heftig, wie das Passspiel ausschließlich über Nelson Agholor und Jakobi Meyers lief. Über 50% der Targets entfielen auf beide, kein anderer Spieler kam über drei. Vor allem für Agholor war es eine Duftmarke, seine stärkste Performance im Patriots-Jersey. Der Catch vor dem Touchdown war spektakulär. Da müssen viele Kritiker*innen – auch ich – die Agholor oft Butterfinger unterstellt haben, einmal Abbitte leisten.

Wesentlich spektakulärer als Mac Jones war Lamar Jackson unterwegs. Drei Touchdowns und 318 Yards als Passer, satte 119 Yards als Runner sind ein bärenstarker Wert. Wie bitter ist es da als Verlierer vom Platz zu gehen, weil der Gegner deine Defense im letzten Quarter zerlegt? Nein, zerlegt klingt zu schwach. Zerberstet. Mit 21 Punkten Vorsprung gingen die Ravens ins letzte Viertel. Was soll da schon schief gehen, immerhin ist die eigene Offense ja gut drauf… Tja. Eines der beeindruckensten Comebacks der jüngeren Geschichte bedeutet auch, dass es eines der größten defensiven Chokings gab.

Bengals (0-2) @ Jets (1-1)

Chapeau Jets, das war eine starke Vorstellung in Cleveland. Vor allem Rookie Garrett Wilson durfte richtig auftrumpfen, lieferte 102 Yards und zwei Touchdowns ab. Aber auch die vier Touchdownpässe des Joe Flacco sind etwas, das die Liga lange nicht gesehen hat. Letztmals gelang ihm das im Dezember 2016 gegen die Dolphins. Überhaupt war es erst das vierte Karrierespiel Flaccos mit vier oder mehr erfolgreichen Pässen in die Endzone und der Herr ist nun auch schon seit 2008 in der Liga.


Die Bengals waren erneut eine riesige Enttäuschung. Die neue Offensive Line wirkt wie eine Verschlimmbesserung der mäßigen alten Truppe. Es war zu erwarten, dass Parsons & Co Joe Burrow unter gewaltigen Druck setzen werden, aber sechs Sacks sind einfach übel. Immerhin: Ein Sack weniger als in der letzten Woche…nunja. Die Bengals sind seit 1999 der erste AFC Champion, der mit einem 0-2 Record in die Saison gestartet ist und nun geht es zu den Jets. Diese sind für die Bengals kein gutes Pflaster. In den letzten 40 Jahren konnten die Bengals ein einziges Spiel bei den Jets gewinnen, zehn von elf Partien gingen verloren. Um das zu ändern muss Zac Taylor wesentlich aggressiver auftreten. Wenn man den Ball bei einer Minute Restlaufzeit in Hälfte eins und bereits mit größerem Rückstand an der gegnerischen 42 puntet, sendet das kein gutes Signal aus. Ja, per Play war da nichts mehr zu machen. 20 Yards wären nötig gewesen, so lang ging überhaupt kein Play der Bengals in diesem Spiel. Aber wenn dein Kicker das kann?

Überhaupt muss Zac Taylor nun zeigen, dass die Super Bowl Teilnahme kein positiver Ausrutscher war. Die schwache Offense auf die Line zu reduzieren wäre zu einfach. Taylor findet aktuell keinen Ansatz, wenn die Gegner tiefe Big Plays vermeiden, Burrow wird auf die Minipässe reduziert.

Eagles (2-0) @ Commanders (1-1)

Der Start der Commanders ging mal komplett daneben. 3&Out, 3&Out, Safety, 3&Out, 3&Out – das waren die ersten fünf Drives von Carson Wentz & Co. In der gesamten ersten Hälfte wurde die Lions-Hälfte nicht betreten, mit 0-22 ging es in die Pause. Hälfte zwei startete für Washington besser, aber am Ende lief man dauerhaft einem massiven Rückstand hinterher, das war dann schon eher in der Kategorie Garbage Time. Wirklich knapp wurde es nicht mehr. Nur nach dem Dotson-Touchdown zum 27-36 war die Tür 2 Minuten vor dem Ende nochmal einen kleinen spalt offen. Doch der Extrapunkt ging daneben, das Spiel blieb ein Two Scores Game.

Die Eagles gewannen ihren Heimauftakt gegen die Vikings und das in einer durchaus spektakulären Art und Weise. Cousins wurde von der Defensive komplett aus dem Spiel genommen, Darius Slay kochte Justin Jefferson, den aktuell vielleicht besten WR der Liga, gnadenlos ab. Zwei Interception fing Slay, vier hätten es sein können. Offensiv glänzte Jalen Hurts in seinem vielleicht besten Karrierespiel. 84% Completions. Nur fünf Pässe landeten nicht in den Händen eines Eagles-Spielers und drei davon, inklusive der Interception, gingen nicht auf Hurts Kappe. Spektakulär vor allem Hurts zweiter Touchdown-Lauf, bei dem er sich beeindruckend in die Endzone durchtankt.

Aber auch der Touchdownpass auf Quez Watkins sei nicht unerwähnt, der Wurf war Hurts längste Completion. An Abenden wie diesem gelingt halt alles.

Saints (1-1) @ Panthers (0-2)

Der Panthers Fehlstart ist perfekt. An sich nicht sonderlich überraschend, aber die Art ist doch ernüchternd. Die Offensive klickt einfach nicht, selbst Christian McCaffrey kann sich kaum entfalten und irgendwie mal ein Zeichen setzen. Weder Pass noch Lauf klappt. Das ist bitter, da die Defense über weite Teile alles machte um die Panthers im Spiel zu halten. Aber die Offense zerlegt es dann. Erstrunden-Rookie Ikem Ekwonu stellt als Left Tackle bisher ein ziemliches Problem dar. Er wurde im entscheidenden Play bei 3rd&6 von Giants Safety Julian Love komplett abgekocht.

Die Saints schienen einmal mehr die Bucs zur Verzweiflung zu bringen. Nur drei Punkte nach 3 Vierteln – Tampa war pissed und Brady zerlegte wutschnaubend Tablets an der Seitenlinie. Das Problem am Ganzen war, dass die Saints Offense halt auch nicht mehr auf die Anzeigetafel gebracht hat. Ebenfalls nur 3 Punkte bis zum Start des letzten Viertels, welches dann auch mit einer Interception in der Endzone begann. Der Weckruf für die Bucs, die zum ersten Mal seit sieben Vierteln wieder einen Touchdown gegen die Saints Defense schaffte.

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