Jessys Ausblick Woche 2 – Die Frühschicht

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Die Overreactions sind gemacht und in der AFC West hat bereits Woche 2 begonnen. Die Chiefs setzten sich im Spitzenduell zweier ambitionierter Teams mit 27-24 gegen die Chargers durch. Ein Spiel das zu beiden Seiten offen war, aber dann doch an die Chiefs ging. Der Pick Six von Herbert in der Red Zone war ein erster Genickbruch, zumal er überhastet erschien. Wunschempfänger Everett hatte schon die beiden vorherigen Würfe bekommen, viel Kraft investieren müssen. Einem pumpenden Maikäfer dann direkt, ohne Huddle, den nächsten Ball zuzuwerfen… nicht die ideale Entscheidung.

Fragwürdig war auch die Szene rund um die Verletzung von Justin Herbert. Als Herbert sich nicht mehr in der Lage fühlte ein absolut erreichbares First Down zu erlaufen, hätte man einfach reagieren müssen. Wenn der Schmerz oder die Angst vor einer Verschlimmerung bei Gegnerkontakt derartig hoch ist, kannst du deinen Franchise QB nicht auf dem Platz lassen. Unabhängig davon, dass die Chance zum Sieg in dem Moment eh schon minimal war. Ja, Herbert hat das überragend noch in einen Touchdown umgewandelt – dennoch. Am Ende geht sowas auch mal schief und dann stehst du 5-6 Wochen mit Chase Daniel da.

Immerhin ergaben spätere Untersuchungen wohl keine schlimmere Verletzung. Brandon Staley sprach von “guten Nachrichten”, man wolle jetzt die Pause der Mini Bye-Week abwarten.

Buccaneers (1-0) @ Saints (1-0) (live auf ProSiebenMaxx)

Eine Partie, die gerne mal absurd endet. Vergangenen Dezember gewannen die Saints mit 9-0 in Tampa, drei Field Goals von Brett Maher reichten zum Sieg. Es war einer der schwächsten Tage in der ewig langen Karriere des Tom Brady. Knapp über 50% angekommene Pässe, keinerlei Punkt. Immerhin drei Punkte holte der Kurzzeit-Rentner im November 2020 mit seinem Team bei den Saints. Leider reichte das bei 38 Punkten des Gegners nicht aus…

Bradys „Comeback“ gegen die Cowboys fiel auch nicht sonderlich beeindruckend aus. Die Offense machten nicht mehr als nötig, verwalteten ein Spiel, dass von der Bucs-Defense bestimmt wurde.

Spektakulär kann man die Leistung der Saints auch nicht nennen. Gegen die Falcons tat man sich lange erstaunlich schwer. Ein Play, bei dem Taysom Hill doch mal wieder als Pseudo-QB auf dem Feld stand, war eines der raren Highlights.

Erst im letzten Viertel drehten die Saints auf und Jameis Winston schaltete in den richtigen Wurfmodus. Über 200 seiner am Ende 269 Yards entstammen dem letzten Viertel, in dem die Falcons 16 Punkte Vorsprung hergeschenkt haben.

Wer schaffte die beiden Touchdowns im letzten Viertel für die Saints? Michael Thomas! Der langverletzte ehemalige Elite-Receiver und Darling des Fantasy Footballs. Seit Weihnachten 2019 hatte Thomas nur einen einzigen Touchdown gefangen, 2021 in den Playoffs. Das letzte Jahr verpasste der 29-jährige komplett.

Patriots (0-1) @ Steelers (1-0)

Der lauteste Knall seit Tunguska.

Am Ende haben die Steelers es doch geschafft. In einem Spiel, dass am Ende richtig knapp wurde und durch einen geblockten Touchdown gerade noch so in die Overtime gerettet wurde. Die Defense der Steelers war auf Zack. Alleine in der ersten Hälfte gab es vier Turnover, darunter drei Interceptions von Joe Burrow. Schon der erste Drive der Bengals endete mit einem extrem frühen Pick Six durch Minkah Fitzpatrick. In der Overtime sprang man dann erneut von der Klinge als der eigentlich so extrem sichere Evan McPherson aus 29 Yards vergab. Aber im Gegenzug wurde es nicht besser. Chris Boswell vergab, auch wenn es diesmal 55 Yards waren, kein Kinderspiel. Doch der lauteste Doink seit langem wird in Erinnerung bleiben.

Am Ende machte es Boswell dann aber besser, versenkte mit ablaufender Zeit aus 53 Yards und holte den Steelers einen ersten Triumph. Aber ein teuer bezahlter, denn TJ Watt verletzte sich und wird Pittsburgh mehrere Wochen fehlen. Zum Glück kürzer als zunächst erwartet, ursprünglich befürchtete man einen Riss im Brustmuskel, was das Saisonaus bedeutet hätte.

Die Patriots erwischten einen gebrauchten Tag. Neben dem recht blutleeren Auftritt in Miami hätte man beinahe noch Mac Jones verloren, bei dem nach dem Spiel eine Verletzung befürchtet wurde. Dieser Verdacht bestätigte sich nicht, auch wenn man ihn in der Trainingswoche genauer beobachten will. Den schwächsten Tag hatte Raekwon McMillan. Der Linebacker feierte eigentlich sein Comeback nach einjähriger Verletzungspause, fand aber so gar nicht ins Spiel. Pro Football Focus gab ihm eine Wertung von 27.3 – schlechtester Wert aller Linebacker, zweitschlechtester Wert aller Defense Spieler. Immerhin durften die Patriots einen der kurioseren Touchdowns feiern, als Ty Montgomery, ja den gibt’s noch, mit der Seelöwen-Taktik in die Endzone kullerte.

Mehr kam aber offensiv nicht, den Patriots fehlte jedes Konzept. Man könnte nun anmerken, dass dies daran liegt, dass der Abgang von OC McDaniels in keinster Weise kompensiert wurde. Aber das wäre ja BB-Lästerung.

Jets (0-1) @ Browns (1-0)

Spiel 1 von 11 ohne den schwerst problematischen Neu-QB wurde gewonnen, die Browns erwehrten sich dem auf Rache sinnenden Baker Mayfield und nahmen ihn bis auf einzelne Szenen weitgehen aus dem Spiel. Da reichte dann auch eine Leistung von Jacoby Brissett, die alles andere als beeindruckend war. 147 Yards, knapp über 50% angekommene Pässe, ein Touchdown. Immerhin keine Interception. Das kann dann auch gegen die Jets reichen. Im Zweifel muss dann wieder Kicker Cade York ran. Der hat in seinem ersten NFL Spiel einfach mal eine perfekte Leistung hingelegt. 4/4 Field Goals, beide PATs versenkt und vor allem das Spiel mit einem satten 58 Yards Kick entschieden. Kann man mal machen…

Die Jets müssen nämlich ebenfalls auf ihren Backup setzen, Zach Wilson wird vermutlich frühstens Anfang Oktober auf dem Platz stehen. Bis dahin muss Joe Flacco ran, sofern diesem nicht der Arm abfällt. 59(!) Wurfversuche stehen gegen die Ravens auf seiner Liste, seit 2020 gab es nur einen Spieler mit mehr Versuchen in einem Spiel. Justin Herbert im vergangenen Januar gegen die Raiders. Für Flacco ist das keine neue Sache, 2013 und 2014 hatte er in Spielen jeweils 62 Versuche. Fun Fact: Auch diese beiden Partien waren der jeweilige Saisonauftakt.

Commanders (1-0) @ Lions (0-1)

Classic Wentz.

Die Lions haben sich vor allem offensiv gegen die Eagles sehr gut verkauft. D’Andre Swift war mit 175 Yards kaum zu bremsen, auch wenn seine Drives dann meist von anderen vergoldet wurden. Defensiv hatte man mit dem Lauf der Eagles so seine Probleme, kassierte vier Rushing Touchdowns von vier verschiedenen Spielern. Auch AJ Brown war von der Secondary kaum zu bremsen. Aber der Pass Rush hatte auch gute Szenen, verpasste den Eagles in der zweiten Hälfte manches schnelle Aus. Dadurch wurde es am Ende deutlich knapper als erwartet.

In Washington dauerte es nur zwei Drives und viele träumten bereits vom neuen Franchise QB. Carson Wentz dirigierte sein Team zu zwei frühen Touchdowns über das Feld, wirkte deutlich gefestigter als in seinen letzten Wochen bei den Colts. Doch in Halbzeit zwei kamen klassische Fehler. Zwei Interceptions in Folge bei denen gerade die letzte geradezu katastrophal war. Gut von Walker reagiert, aber wen in aller Welt wollte Wentz da erreichen?

Am Ende waren es aber „nur“ diese beiden Böcke und vor allem Rookie Jahan Dotson konnte mit zwei Touchdowns einen sehr starken Einstand in der NFL geben.

Panthers (0-1) @ Giants (1-0)

Lange ist es her, dass die Giants mit einem Sieg in die Saison starteten. Eigentlich sah alles nach einer Auftaktniederlage aus, doch die Giants ließen sich nicht ausreichend abschütteln und Saquon Barkley war nach langer Durststrecke in absoler Galaform. Auch von mir ein Chapeau, ich hatte in diversen Fantasy Drafts meine Zweifel daran, dass Barkley nochmal eine Saison tragen kann. 194 Yards, dazu ein Touchdown – kann man mal machen. Auch jemand anderes hat sich nach einer längeren Krise mit einem Knall zurückgemeldet – Receiver Sterling Shepard. Er brachte einen 65 Yards Touchdown in die Endzone.

Außerdem ist dann ja auch noch das Debüt von HC Brian Daboll zu erwähnen. Der ehemalige Bills OC sollte Mut zurückbringen und tat dies auch direkt. Bei einer Minute Restzeit und einem Punkt Differenz ging Daboll volles Risiko auf die 2 Point Conversion und das wurde belohnt. Gruß nach Atlanta. Auch wenn die Giants es in der letzten Minute fast noch hergegeben hätten, die Titans in FG Range kommen ließen. Aber am Ende egal, der Kick aus 47 Yards verfehlte sein Ziel und die Giants dürfen einen positiven Record bejubeln.

Den positiven Record hatte man sich auch in North Carolina erhofft. Das große Baker Mayfield Revenge Game fand allerdings nicht statt. Abgesehen von einzelnen Big Plays wie dem schönen Touchdown von Robbie Anderson kam nicht besonders viel.

Erst am Ende wachten die Panthers auf, doch ein 58-Yards Kick von Cade York erlegte den Panther.

Die Schuld ist allerdings nicht beim neuen QB zu suchen, auch wenn er kein Feuerwerk präsentierte. Die Panthers O-Line hatte beim Schutz Mayfields so ihre Probleme, gerade Rookie Ikem Ekwonu erlebte einen ganz bitteren ersten Start in der NFL. Die Run Verteidigung der Panthers fand auch kein Rezept um das Laufspiel der Browns nennenswert einzuschränken. Nick Chubb und Kareem Hunt durften relativ unbedrängt ihre Yards abspulen.

Colts (0-0-1) @ Jaguars (0-1)

Rodrigo Blankenship im Madden Modus

Der von den Colts erwartete Divisions-Durchmarsch hat einen ordentlichen Dämpfer erhalten. In Houston kam man nur zu einem Remis – vielen Dank dafür, dass man das jetzt ständig in den Team-Records extra schreiben muss. Bis ins letzte Viertel dauerte es, dass Indy mal die gegnerische Endzone erreicht hat, das gelang im Anschluss erneut für den 20-20 Ausgleich. Aber danach war es dann wieder. In der Overtime kamen sie in einem langen Zeitfresser-Drive noch zu einem Field Goal Versuch, aber den setzte Rodrigo Blankenship aus 42 Yards deutlich vorbei.

Gefühlt lag das Kündigungsschreiben für den Kicker bereits beim Antritt auf dem Tisch, jetzt sucht man einen neuen.

Die Jaguars freuen sich sicherlich auf die Gäste aus Indianapolis. Seit 2014 haben die Colts in Jacksonville nichts zählbares geholt. In zwei der letzten zehn Spielen blieb Indy ohne jeden Punkt. Erst im Januar gesellte sich ein für Colts-Fans traumatisches Spiel hinzu, als man die weit offene Tür in die Playoffs verpasste und das entscheidende Spiel beim schlechtesten Team der Liga vergeigte. Der Saisonstart der Jaguars ging verloren, aber Trevor Lawrence hatte mit 275 Yards und einem Touchdown eines der produktivsten Spiele seiner noch kurzen Karriere. Dennoch wäre für ihn viel mehr möglich gewesen. Er übersah freie Spieler, überwarf einen freien Etienne komplett.

First Overall Pick Travon Walker hatte einen Start nach Maß und holte im ersten Spiel gleich eine erste Interception. (Video siehe weiter oben bei Washington)

Dolphins (1-0) @ Ravens (1-0)

Die Dolphins starteten mit einem Heimsieg gegen den Divisionsrivalen aus Neuengland. Ein Spiel, dass Offensiv reichlich unspektakulär war. Die Patriots konnten nicht, die Dolphins taten auch nicht mehr als nötig und das war nicht viel. Für Mike McDaniel war es jedenfalls ein erfolgreiches Debüt als HC. Die von ihm gepriesene Defense lieferte wie gewünscht: Touchdown, forced Fumble, Interception. Gegen die Ikone unter den NFL Coaches das allererste Spiel zu gewinnen ist sicherlich auch etwas, das nicht viele von sich behaupten können.

Die Ravens gewannen ihren Auftakt im Schongang gegen die Jets. Ein Sieg, der nie gefährdet schien und ohne großes Spektakel verwaltet wurde. Dadurch konnte Lamar Jackson allerdings auch keine großen Argumente in seinen aktuellen Vertragsverhandlungen sammeln. Das letzte Angebot über offenbar 250 Millionen $ (133 Mio. $ garantiert) hatte er abgelehnt. Für einen Raven ist die Saison allerdings schon wieder gelaufen. Der große Pechvogel des Abends war Ja’Wuan James. Der Tackle, ehemaliger Erstrundenpick der Dolphins 2014, feierte sein Comeback. Lange wurde der 30-jährige von Verletzungen zurückgeworfen, es war sein viertes Spiel seit 2018. Was passierte? Ein Achillessehnenriss. Der zweite innerhalb von zwei Jahren. Das ist einfach bitter.

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