Triple Coverage: Wie verrückt wird College Football?

Die College-Football-Saison 2022 steht in den Startlöchern.

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Lesezeit: 11 Minuten

Ein paar kleinere Universitäten eröffnen bereits morgen die neue College Football-Saison, aber für die meisten namhaften Mannschaften geht es erst im Laufe des nächsten Wochenendes los. Zeit für uns, ein Auge auf die Gesamtsituation in der FBS (Football Bowl Subdivision) zu werfen.

Das Stichwort der Runde lautet “Veränderung”, wenn wir über die Hinterzimmer sprechen – und “alles wie gehabt”, wenn wir über das Geschehen auf dem Feld reden.

Diese Gemengelage wirft viele Fragen auf. Thomas Psaier (Sideline Reporter) hat sie gestellt; Jan Weckwerth (Triple Option) hat sie beantwortet.

#1 College Football in naher Zukunft: Texas und Oklahoma in der SEC, UCLA und USC in der Big Ten. Was kommt als nächstes? Hawaii in einer reloaded Big East?

Jan Weckwerth: Ehrlich, du könntest mir hier Schreckensszenarien an die Wand malen und ich würde bei keinem einzigen mehr sagen können: Nee, das wird definitiv nicht passieren.

#2 Der College Football hat über die letzten 150 Jahre viele Veränderungen mitgemacht – darunter auch richtig große Umwälzungen. Ist die aktuelle Zuspitzung auf einige wenige Spitzenligen die größte von allen? Was macht das mit dir als Traditionalist?

Jan Weckwerth: Ich finde es immer schwer, über Veränderungen zu urteilen, die ich selbst nicht live miterlebt habe, weil die einem oft “natürlich” vorkommen und man das seinerzeit Revolutionäre schnell übersieht. Dennoch ist die aktuelle Phase sicherlich eine der folgenschwersten in der Geschichte des College Footballs, gerade in seiner Kombination aus neuen NIL-Regelungen, Transfer Portal (aka College Football Free Agency), monströsen Mediendeals und natürlich einer Realignment-Welle, die rein finanziell motiviert ist und die historisch gewachsene – und letztlich immer noch regionale – Struktur komplett unterminiert. Was mit den Playoffs begann, wird nun mit einer Konzentrierung auf wenige – vielleicht ja künftig nur noch zwei – Spitzen-Conferences seinen vorläufigen Höhepunkt erfahren.

Ich sehe diese Entwicklungen gemischt. Dass die Spieler an ihren Leistungen mitverdienen können, war absolut überfällig. Ebenso ist es kaum vermittelbar, warum die Spieler bei ihrem Team bleiben oder beim Transfer ein obligatorisches Redshirt-Jahr einlegen mussten, während Coaches problemlos eine andere Stelle einnehmen konnten.

Die aktuellen Veränderungen der grundlegenden Conference-Struktur verursachen bei mir allerdings starke Bauchschmerzen, weil ich ein großer Fan von Traditionen, Rivalitäten sowie dem regionalen Charakter der Conferences und Teams war. Das ist einer der hauptsächlichen Faktoren, der College Football für mich von der eher klinischen NFL abhebt. Ich habe diese Entwicklung allerdings schon länger kommen sehen. In den letzten Jahren war ich gefühlt einer der wenigen, der die neuen Playoffs als Auftakt einer solchen Entwicklung benannt und kritisiert hat, während viele andere noch eine Ausweitung forderten, ohne zu sehen, dass die eben keine Öffnung, sondern gegenteilig eine Konzentration nach sich ziehen wird. Doch dass diese Umwälzung nun so schnell und radikal vonstattengeht, hat mich kalt erwischt.

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie lange ich dieselbe Begeisterung wie die letzten zweieinhalb Jahrzehnte noch aufbringen werde. Daher genieße ich jetzt erst einmal noch die letzten beiden Saisons im alten Gewand. Was danach kommt, muss ich abwarten.

#3 Ist der College Football im Set-Up der nahen Zukunft mehr Champions League (jeder darf *theoretisch*) oder bereits Super League (bereits geschlossener Zirkel)?

Jan Weckwerth: Gute Frage. Ich gehe davon aus, dass der College Football zunächst einen Champions-League-ähnlichen Aufbau aufweisen wird mit einer weiteren impliziten Monopolisierung, die sich ja in den letzten Jahren schon ein wenig angedeutet hat. Interessant wird es erst, wenn sich beispielsweise die zwei mächtigsten Conferences (also wohl SEC und Big Ten) von der NCAA lossagen und eine eigene Struktur errichten würden. Doch das ist aktuell noch sehr viel Kaffeesatzleserei. Klar ist allerdings: Nichts erscheint mehr unmöglich. Wie auch, wenn USC und UCLA in zwei Saisons um die Big Ten-Krone konkurrieren werden?

#4 NIL und Öffnung des Transfer-Portals haben schon in den ersten Jahren ihrer Existenz das Kadermanagement im College Football komplett über den Haufen geworfen. Wie hältst du dich angesichts der Wechselfluten up to date? Welche waren die wichtigsten Offseason-Transfers 2022?

Jan Weckwerth: Ich bin ein Gewohnheitstier und tue mich daher immer noch schwer, diese Wechselorgien geordnet zu verfolgen und abzuspeichern. Man bekommt die dicken Fische als Breaking News natürlich sofort mit, aber viele kleinere Transfers können schnell mal untergehen. Da muss ich den richtigen Umgang für meinen Twitter-Account und meinen Blog noch finden.

Diese Offseason gab es auf jeden Fall die bis dato krassesten Transfers, womit nicht gesagt ist, dass die Aktivität künftig nicht noch gesteigert werden kann. Den größten Einfluss hatte zweifelsohne der Wechsel von HC Lincoln Riley zu USC. Zum einen folgten ihm aus Oklahoma Top-Recruits wie QB Caleb Williams und WR Mario Williams, zum anderen landete er den wohl größten Coup mit Ex-Pitt WR Jordan Addison. Der gewann letzte Saison den Biletnikoff Award für den besten Receiver im College Football. Kaum auszumalen, wie Addison mit seinen top Routes, seinen sensationellen Ball Skills und YAC-Fähigkeiten in Rileys Offense produzieren wird.

Weitere spannende Transfers hat Alabama zu bieten: CB Eli Ricks bildete bei LSU mit Derek Stingley eines der besten CB-Duos des Landes. Er verstärkt nun eine Alabama-Secondary, die im letzten Viertel des Finals ein wenig in sich zusammenfiel (wohlgemerkt auch verletzungsbedingt). RB Jahmyr Gibbs (ehemals Georgia Tech) ist ein explosiver Playmaker, der auf den ersten Blick so gar nicht in das typische Anforderungsprofil von Alabama-Runnern fällt, aber die Offense nochmal variabler machen sollte. Und mit WR Jermaine Burton von Dauerkonkurrent Georgia kommt ein hochveranlagter schneller outside Receiver, der sich mit etwas mehr Konstanz zu einem absoluten Top-Prospect entwickeln könnte. Wie man sieht: The rich get richer.

Weitere Kandidaten: Monster-Recruit QB Quinn Ewers zu Texas (nach einem kurzen Zwischenstopp bei Ohio State), QB Dillon Gabriel zu Oklahoma, QB Jaxson Dart zu Ole Miss – und ich bin sehr gespannt auf FCS-Transfer Cameron Ward bei Washington State. Vielleicht erlebt ja auch Spencer Rattler bei South Carolina einen zweiten Frühling und JT Daniels bei West Virginia einen dritten? Gerade das Quarterback-Karussell rotierte doch heftig.

Gehen wir von den Quarterbacks und Skill-Positions weg, fallen mir etwa OT Kingsley Suamataia (von Oregon zu BYU), DE Ochaun Mathis (von TCU zu Nebraska), DT Akheem Mesidor (von WVU zu Miami) und insbesondere S Brandon Joseph (von Northwestern zu Notre Dame) ein.

Aber es gibt noch so viele talentierte Spieler mehr, die sich für eine Luftveränderung entschieden haben. Das wird in diesem Rahmen aber zu lang.

#5 Zum sportlichen Geschehen in 2022/23. Wir haben einige spektakuläre Trainerwechsel erlebt. Welche gefällt dir am besten, welche birgt Katastrophenpotenzial?

Jan Weckwerth: Die Trainerwechsel müssen natürlich mit Lincoln Riley beginnen, einfach weil es extrem selten vorkommt, dass ein Top-Coach einfach mal von einem Blue Chip-Programm zum nächsten wechselt. Mit ihm sollte USC mindestens mittelfristig, wenn nicht sogar sofort wieder zum Contender heranwachsen.

Als nächstes muss ich zwei meiner langjährigen Favoriten erwähnen: zum einen Marcus Freeman, den ich seit Beginn seiner Zeit als DC von Cincinnati intensiv verfolge und auch hier schon einmal ausgiebig gewürdigt habe. Freeman übernahm letzte Saison die Defense von Notre Dame und darf sich nach Brian Kellys Abgang zu LSU nun erstmal als Cheftrainer versuchen. Für mich weiterhin ein riesengroßes Talent.

Zum anderen Billy Napier, der aus dem kleinen Louisiana eine Erfolgsstory gemacht hat und in jeder seiner vier Saisons das Sun Belt Championship Game erreicht hat. Ich bin sehr gespannt, wie er sich nun auf der großen Bühne bei den Florida Gators schlagen wird. Der Druck ist natürlich ein ganz anderer.

Ein weiterer dicker Fisch ist der langjährige Clemson-DC Brent Venables zu Oklahoma. So sehr ich Venables die Chance gönne, sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da seine variablen Gameplans bei Clemson zu dem besten gehörten, was ich das letzte Jahrzehnt gesehen habe. Hoffentlich verliert er davon nicht zu viel durch die zusätzlichen Aufgaben als Hauptverantwortlicher.

Ich freue mich weiterhin auf Penn States DC Brent Pry bei Virginia Tech, da der schon lange eine Chance verdient hatte. Und ich werde meinem alten College-Spezi Timmy Chang bei seiner Alma Mater Hawai’i die Daumen drücken. Hoffentlich installiert er dort eine oldschool Run & Shoot, das gehört einfach dazu.

Bei negativen Einschätzungen zu Verpflichtungen bin ich in der Regel etwas vorsichtiger. Ich gebe aber offen zu, dass ich Brian Kelly zu LSU nicht so ganz nachvollziehen kann. Irgendwie passt diese Verbindung auf den ersten und zweiten Blick wenig. Dass fast sein gesamter Coaching Staff es vorzog, bei Notre Dame zu bleiben, macht zumindest hellhörig.

#6 Steigen wir ein ins National Title Race. Die Buchmacher benennen drei überwältigende Favoriten: Alabama, Georgia, Ohio State. Wer sind deine Favoriten auf den vierten Playoff-Platz?

Jan Weckwerth: Du hast recht, das sind die drei Favoriten, wobei ich Georgia auf dem Papier ein bisschen hinter Alabama und Ohio State ranken würde. Der vierte (und eventuell auch dritte) Playoffplatz ist für mich wide open. Da könnten viele Teams ein Wörtchen mitreden. Vielleicht bekommt Clemson seine Offense endlich wieder in Gang? Vielleicht kann Lincoln Riley bei USC sofort durchstarten? Vielleicht knüpft Notre Dame an die letzte Saison an? Oder spielen die Big 12-Powerhouses eine bessere Rolle als im vergangenen Jahr? Würde mich übrigens nicht wundern, wenn wir ein Team in den Playoffs sehen, dass momentan noch nicht zum Favoritenkreis gehört.

#7 Hat Georgia eine realistische Chance, seinen Titel-Coup von 2021/22 zu wiederholen, jetzt wo die halbe Starting-Defense in die NFL gegangen ist und Alabamas junges Team ein Jahr gereift ist?

Jan Weckwerth: Wie gesagt, ich würde Georgia aktuell ein wenig hinter Alabama einordnen. Der Aderlass in der Defense war einfach riesig groß. Nur nochmal zur Erinnerung: Acht Defender der Bulldogs wurden gedraftet, davon fünf in der ersten Runde! Doch herausragende Recruiting-Teams wie die Bulldogs sind wenn überhaupt im Reloading, da hinter den Startern meist enorm viel Talent wartet. DT Jalen Carter war für mich – trotz drei 1st round D-Linern – der beste Mann in der Front, eine unglaubliche Naturgewalt. Mit EDGE Nolan Smith und CB Kelee Ringo verfügt man auf jeder Ebene über einen Star, der nun die ehemaligen Backups anleiten muss. Hinzu kommt die Rückkehr von Nickel Tykee Smith, vor zwei Jahren einer der besten Slot-Defender des Landes, leider nach seinem Transfer zu Georgia von Verletzungen ausgebremst.

Womöglich muss also die Offense etwas mehr der Last schultern. Die war trotz der dauernden Diskussion um QB Stetson Bennett in der vergangenen Saison nicht so schlecht wie teilweise kolportiert und hatte gerade im tiefen Passspiel einige Highlights zu bieten.

So oder so: Georgia wird erneut eines der besten Teams im College Football stellen.

#8 Wird das Jahr 2022 Sabans beste Defense seit zehn Jahren präsentieren?

Jan Weckwerth: Ich erwarte zumindest die beste Defense der letzten fünf Jahre. Die Versionen 2016 und 2017 hatten ebenfalls verdammt viel Qualität zu bieten (erstere trotz des verlorenen Shootouts gegen Clemson). Dieses Jahr hat man mit Superstar-EDGE Will Anderson halt einen der wenigen Defense-Spielern, die einen so riesigen Impact haben, dass gegnerische Offenses jedes einzelne Play um ihn herum-schemen sollten. Einen solch dominanten Defender habe ich nur ganz selten erlebt. Da sein Gegenüber, der junge OLB Dallas Turner, für mich ebenfalls ein riesiges Talent mit Breakout-Potenzial ist, könnten gegnerische Quarterback wirklich sehr unruhige Nächte vor den Spielen verleben.

Dazu eine erfahrene two-gapping 3er D-Line, einen energetischen wie instinktiven ILB mit Henry To’o sowie eine nominell  herausragende Secondary. Hier tummeln sich mit LSU Top-Transfer Eli Ricks und Kool-Aid McKinstry auf Cornerback, Brian Branch auf der Nickel/STAR-Position und dem variabel einsetzbaren S Jordan Battle gleich mehrere potenzielle Stars.

Sabans Defenses gehörten in den letzten Jahren nicht mehr zu den allerbesten, oftmals fehlte in der zweiten Saisonhälfte auch ein wenig die Depth. Doch diese Truppe ist bis zu den ersten Backups absolut loaded.

#9 Wird Alabama im zweiten Jahr mit QB Bryce Young, aber ohne Star-Receiver wie Jameson Williams oder John Metchie, offensiv konstanter werden als im Hopp-oder-Topp Jahr 2021?

Jan Weckwerth: Konstanz war in der Tat nicht drin, insbesondere holprige Auftritte wie gegen LSU oder Auburn waren in den letzten Jahren absolute Mangelware. Die späten Verletzungen der beiden Star-Receiver taten ihr Übrigens dazu.  Auf den ersten Blick ist die Aufgabe nicht unbedingt leichter geworden, da das Skillcorps komplett umgekrempelt wurde. Saban war mit dem zweiten Anzug offensichtlich (und nicht ganz zu Unrecht) nicht zufrieden und hat sich ausgiebig im Portal bedient. Für Alabama bleibt zu hoffen, dass der hochtalentierte WR Jermaine Burton eine der Rollen übernehmen kann. Ein Transfer unter dem Radar ist der von Louisvilles Speedster-WR Tyler Harrell, der letzte Saison über 30 Yards pro Catch erzielen konnte. Nicht schwer zu erkennen, wen er in der Offense primär ersetzen soll.

Ich könnte mir vorstellen, dass Alabamas Offense ein etwas anderes Gesicht zeigen wird, worauf eben auch der Transfer von all-purpose Gamechanger RB Jahmyr Gibbs hindeuten könnte. Kein Power Running plus RPOs mehr, sondern eine stärkere Einbeziehung der Backs (und TEs?) ins Passing?

So oder so wird wohl noch mehr als ohnehin schon auf Bryce Young ankommen. Ich bin aber zuversichtlich, dass er auch diese Challenge meistern kann.

#10 Kurze Zwischenfrage zu Young: Ist er mit seiner Playmaking-Ability tatsächlich ein Top-NFL-Prospect, oder mit seinem relativ seichten Arm eher ein Tua 2.0?

Jan Weckwerth: Naja, Tua war immerhin 5th overall Pick der Draft und galt ein Jahr zuvor noch als 1st overall. Insofern würde ich schon sagen, dass Tua ein top NFL-Prospect war, der sich aus unterschiedlichen Gründen bisher (leider) nicht so ausgezahlt hat wie von vielen erhofft.

Young ist ein etwas anderer Typ: ebenfalls undersized, wenngleich deutlich schmaler und noch mehr in der Pocket zuhause als Tua (wobei er durchaus beweglich ist – er läuft halt nur nicht gerne). Seine großen Stärken sind die Genauigkeit, das Decision Making und vor allem die schier unmenschliche Pocket Presence. Er weicht Pressure nicht nur exzellent aus, sondern antizipiert sie so, dass er sich letztlich gar nicht so auslandend bewegen muss. Manchmal wirkt es so, als ob er Augen im Rücken hätte. Bei einem solchen Trait horchen NFL-Scouts natürlich sofort auf.

Young ist ein smooth operator, bei dem nicht immer alles extrem spektakulär aussieht (dazu fehlt vielleicht wirklich der absolute Rocket Arm), der aber total in command der Offense ist. Für mich ebenso wie Tua ein potenzieller Top-Prospect.

#11 Hat Ohio State in 2022 endlich mal wieder eine ausreichend gute Defense, um die volle Offense-Power um QB CJ Stroud und WR Jaxon Smith-Njigba zu einem National Title zu geleiten?

Jan Weckwerth: Das ist die entscheidende Frage. Für mich ist die Offense von Ohio State sogar mit einigem Abstand die beste des Landes, einfach weil sie kaum einen Schwachpunkt hat: einen herausragend akkuraten Pocket-Passer und Ballverteiler mit Stroud, trotz der Abgänge von Olave und Wilson ein unglaubliches Receiving Corps mit Smith-Njigba als bestem Receiver im College Football und den jungen Top-Talenten Marvin Harrison (Routes, Physis und Ball Skills), Emeka Egbuka (Speed und YAC) und Julian Fleming (Routes und Hands) in der Hinterhand, eine absolute Top O-Line und einen Big Play-Runner mit TreVeyon Henderson. Das wird ein Geballer par excellence, gegen das keine Defense eine Chance haben wird.

Problem war in den letzten Saisons die eigene Defense, die den Buckeyes meiner Ansicht nach mindestens einen Shot auf die National Championship gekostet hat. HC Ryan Day holte sich nun mit DC Jim Knowles von Oklahoma State einen sehr interessanten Coordinator, der in der Big 12 mit einem überraschend aggressiven Mindset für Furore sorgte.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell Knowles eine überdurchschnittliche Truppe formen kann, da es einige substanzielle Umstellungen geben wird. Davon ist insbesondere die Safety-Position betroffen: Knowles spielt eine Big Nickel mit drei Safeties, die Schlüsselrollen für die Defense innehaben. Die Buckeyes sind in den vergangenen Saisons teilweise mit nur einem Safety (und dafür drei Corners) aufgelaufen. Kriegt Knowles das zweifellos vorhandene Talent um DE Zach Harrison und CB Denzel Burke ansatzweise auf den Rasen, sind die Buckeyes sogar mein heißester Kandidat auf die National Championship.

Wer tieferes Interesse hat: Auf meinem Blog analysiere ich die Buckeyes etwas ausführlicher.

#12 Zur Mini-Dynasty der Clemson Tigers, deren 10-3 Bilanz von letzter Saison sich besser liest als sie anzuschauen war. Ich werde seit Jahren das Gefühl nicht los, dass Clemsons vergleichsweise schwache Offensive Line über viele Jahre schlicht von Elite-QB-Play überstrahlt wurde und es daher für Headcoach Dabo Swinney umso schwerer wird, den Anschluss an die absolute Spitze zu halten. D.J. Uiagalelei war in seiner ersten vollen Saison das exakte Gegenteil von “Elite”. Jetzt kommen Offensive und Defensive Coordinator abhanden. Kann Clemson auf absehbare Zeit noch einmal ins National Title Race eingreifen, oder ist jetzt erstmal Schluss mit dieser “halben Cinderella”?

Jan Weckwerth: Wird schwer. Der Run der Tigers war unglaublich, doch nun laufen sie Gefahr, eines dieser ziemlich guten Teams zu werden, die in der immer weiter konzentrierten Spitze nicht mehr ganz oben angreifen können. Die Offense war in der vergangenen Saison so grotesk schlecht, dass es schwerfällt, da eine riesige Steigerung zu prognostizieren. Du hast vollkommen recht, die O-Line ist seit Jahren eine Schwachstelle, aber Uiagalelei enttäuschte ebenfalls auf ganzer Linie und die Receiver konnten zu wenig Plays machen. Ich glaube, dass es hier auch von Scheme und Ausrichtung einen kompletten Neuanfang braucht.

Die Defense wird Venables sehr vermissen, doch Swinney entschied sich – wenig überraschend – für eine interne Lösung mit Wes Goodwin, so dass die grundsätzlichen Parameter gleich bleiben sollten. Die Tigers stellen eine der besten D-Lines im College Football um die beiden Superstars DE Myles Murphy und DT Bryan Bresee und haben mit Trenton Simpson einen ihrer typischen variablen Playmaker-LB dahinter. Die Defense spielte letzte Saison unbemerkt eine fantastische Saison, vielleicht sogar die beste unter Venables in Anbetracht der fehlenden Hilfe durch eine anämische Offense. Ganz so gut erwarte ich sie allein wegen Venables‘ Abgang sowie Verlusten in der Secondary nicht, aber mit dieser Unit sollte Clemson zumindest wieder um die ACC-Krone mitspielen.

#13 Irgendein Mid Major im Jahr 1 nach Cincinnati in Sicht, der auch nur in die Nähe des Playoffrennens gelangen kann?

Jan Weckwerth: Kann ich mir nicht vorstellen. Letzte Saison passte für Cincinnati wirklich alles zusammen, so dass selbst das Playoff Committee keine Chance mehr sah, die Bearcats außen vor zu lassen. Eine solche Cinderella-Saison erleben wir so schnell nicht wieder. Zudem ist die AAC erneut ziemlich gut und auch ausgeglichen besetzt, was dazu führen dürfte, dass sich einige der besseren Teams (Houston, SMU, UCF oder eben Cincinnati) gegenseitig aus dem Rennen kegeln könnten. Denn eins ist klar: Ohne ungeschlagene Saison geht für Mid-Major definitiv nichts in Richtung Playoffs.

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Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.
Jan Weckwerth
College Football- und Draft-Veteran. Podcaster. Sportromantiker. Running game still matters.

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