Atlanta Falcons 2022: Jahr Eins nach Matt Ryan

Matt Ryan ist weg, Julio Jones auch. Die Falcons sind mitten im Umbruch. Welche Spieler spielen sich in den Vordergrund um die neuen Gesichter der Franchise zu werden? Und zu was reicht das in dieser Saison?

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Die erste Saison unter Head Coach Arthur Smith lief an sich gar nicht schlecht für die Falcons. Obwohl man vor der Saison mit Wide Receiver Julio Jones eines der Aushängeschilder des Teams zu den Titans tradete, konnten die Falcons drei Spiele mehr gewinnen, als in der Vorsaison. Mit dem 7-10 Record erspielte man sich 2021 den dritten Platz in der NFC South. Atlanta war jedoch nie ernsthaft Teil des Playoff-Rennens. 

In der vergangenen Offseason wurde der Umbruch weiter vorangetrieben. Quarterback Matt Ryan, den die Falcons 2008 drafteten und der seitdem ihr Starting Quarterback war, wurde zu den Indianapolis Colts getradet. Jener Matt Ryan, der in 14 Jahren nur drei Spiele verpasst hat, 2016 MVP wurde und die Falcons fast zum Super Bowl Sieg führte.  

Die neue Saison steht also unter dem Stern des Neuanfangs. Das Team sucht neue Säulen, um die es sich in den nächsten Jahren aufbauen kann. Vor dieser Saison waren die Verantwortlichen wegen einer absurden Dead Cap Summe von über 63 Millionen Dollar auf dem Markt sehr gehemmt. Die kommende Saison kann also nur als Übergangssaison gesehen werden. Erst im Jahr danach können die Falcons mit aufgeräumten Büchern wieder wirklich angreifen.

Offense

Neuer Quarterback, überschaubares Waffenarsenal, wacklige Offensive Line. Nicht unbedingt das erfolgversprechendste Rezept für offensiven Erfolg in der NFL. Arthur Smith hat jedoch sowohl letzte Saison als auch vorher in Tennessee schon gezeigt, dass er mehr aus Offenses herauskitzeln kann, als auf dem Papier zu sehen ist. Die Falcons haben talentierte Spieler mit spezifischen Profilen. Wenn sie es schaffen, daraus Matchup-Vorteile zu ziehen, könnte eine effektive Offense entstehen. Das scheint auch notwendig zu sein, denn die Defense wird den Falcons wahrscheinlich keine Spiele gewinnen. Wollen die Falcons konkurrenzfähig sein, muss die Offense punkten.

Quarterback

Marcus Mariota oder Desmond Ridder? Aktuell scheint ziemlich offen zu sein, wer diese Saison mehr Spiele für die Falcons auf Quarterback startet. Jedoch scheint es klar, dass Mariota in Woche 1 beginnt. Der Veteran hat zwei Jahre als Backup bei den Raiders hinter sich, bei denen er immer wieder playweise eingebunden wurde. Dabei konnte er besonders sein Rushing Upside zeigen. Zuvor spielte er bei den Titans unter seinem jetzigen Head Coach Arthur Smith, der Faktor Vertrautheit ist hier also gegeben. Mit Mariota kann Smith ein RPO-Game aufziehen und daraus ins vertikale Play Action Game gehen. Eine Erfolgsformel, die bei den Titans schon mit Ryan Tannehill funktioniert hat und die auch zu Mariotas Skillset und zu den verfügbaren Receiving Optionen in Atlanta passt. Mariota sollte es in diesem System möglich sein als Game Manager zu agieren und durchschnittliches Quarterback-Play zu zeigen. Mehr von ihm zu erwarten, oder sogar in ihm den langfristigen Starter zu sehen, halte ich für utopisch. Das hat Mariota noch nie gezeigt. Daher denke ich, dass Mariota ein reiner Übergangsquarterback für die aktuelle Phase der Falcons ist.

Blicken wir über die Saison hinaus, wird es spannend sein, wie viel Spielzeit die Falcons bereits diese Saison Desmond Ridder geben. Der Drittrundenpick aus diesem Draft scheint in der Vorbereitung besonders durch sein Spielverständnis überzeugt zu haben. Es sollte im Interesse der Falcons liegen, möglichst bald zu evaluieren, was man an Ridder hat. Ist man von ihm überzeugt und glaubt, dass er ein Top 12-Quarterback in der NFL sein kann, wäre der Vorteil mit Ridder auf einem Drittrunden-Rookie-Deal gigantisch. Sein Vertrag würde es ermöglichen, mit hohem Ressourceneinsatz ein Team um ihn herum aufzubauen. Daher vermute ich, dass Mariota in die Saison startet und Ridder irgendwann übernimmt. Wann das sein wird, wird von den Ergebnissen und Mariotas Leistungen, sowie Ridders Eindrücken im Training abhängen. Da Ridder bereits predraft als einer der am meisten “Pro-ready” Quarterbacks gesehen würde, würde es mich nicht wundern, wenn der Wechsel circa zur Saisonmitte stattfindet.

Offensive Line

Gerade einmal Platz 27 konnten die Falcons im PFF Ranking der Offensive Lines der vergangenen Saison ergattern. Es verwundert daher sehr, dass sie weder in der Free Agency noch im Draft diesen Bereich priorisiert haben. Es wurden zwar Spieler für die Tiefe geholt, nach der aktuellen Depth Chart Prognose wird jedoch nächste Saison wieder die identische Offensive Line starten, wie letzte Saison.

Jake Matthews ist ein durchschnittlicher Left Tackle, der besonders in Pass Protection seine Stärke hat. Nach einem Leistungstief in der letzten Saison, wird es spannend sein, ob er sich wieder steigern kann, oder ob er seinen Zenit bereits überschritten hat. Right Guard Chris Lindstrom und Center Matt Hennessey sind die stärksten Spieler der Line und sollten auch in der neuen Saison wieder Stabilität bringen. Left Guard Jalen Mayfield und Right Tackle Kaleb McGary sind die Wackler, die jedoch beide noch jung sind. Sie müssen sich weiter steigern, besonders der First Rounder aus 2019 McGary steht dabei im Fokus.

Man hatte bereits letzte Saison das Gefühl, dass Matt Ryan dank seiner Erfahrung die Line teilweise besser aussehen ließ, als sie wirklich war. Ohne Ryan dürften weitere Anfälligkeiten im Erkennen von Pressure Sets hinzukommen. Das und das wenig überzeugende Tackle Duo des letzten Jahres lassen mich klar eine unterdurchschnittliche Line erwarten. Diese wird dem neuen Quarterback wohl eher Kopfschmerzen bereiten wird, als ihm zu helfen.

Skill Positions

Dünn, dünner, Falcons Waffenarsenal? Auf den ersten Blick wirkt das Receiving Corps der Falcons kaum vorhanden. Das liegt daran, dass die primären Waffen für Atlanta nicht die Receiver, sondern Tight End Kyle Pitts und Running Back Cordarrelle Patterson sind. Auf Wide Receiver hat man früh im Draft Drake London verpflichtet, der einiges an Potenzial besitzt. In seiner Rookie Saison sollte man jedoch nicht erwarten, dass er das Passspiel der Falcons tragen kann. Durch die Sperre von Calvin Ridley wegen verbotener Wetten, sind die weiteren Wide Receiver für die kommende Saison bestenfalls als durchschnittlich einzustufen. Bryan Edwards kam von den Raiders, wo er sich in den letzten beiden Jahren nie wirklich durchsetzen konnte. Olamide Zachheus hatte bei den Falcons bereits das ein oder andere Spiel in dem er positiv auffallen konnte, aber von konstanter Produktion ist er weit entfernt.

Pitts hat bereits in seiner Rookie-Saison angedeutet, dass er ein dominanter Receiving Tight End sein kann. Von ihm ist im zweiten Jahr einiges zu erwarten. Er sollte wieder die primäre Anspielstation für Mariota oder Ridder sein. Pitts und Drake sind beide flexibel einsetzbar, sowohl Outside als auch als Big Slot Optionen. Mit Patterson hat man einen weiteren sehr vielseitigen Spieler, der sowohl als Runner aus dem Backfield agiert, als auch überall auf dem Feld als Receiver aufgestellt werden kann. Es wird spannend zu sehen sein, wie Smith diese Spieler einsetzen wird, um Matchup-Vorteile zu generieren.

Gemessen an den Yards per Carry waren die Falcons 2021 mir 3,7 YPC das drittschlechteste Team im Laufspiel. Man muss mit dieser Statistik natürlich etwas vorsichtig sein, da sie viele Faktoren auslässt. Es ist aber absolut fair zu sagen, dass die Falcons ein schwaches Laufspiel hatten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man mit Damien Williams in der Free Agency und Tyler Allgeier im Draft das Backfield verstärkt hat. Ich könnte mir hier vorstellen, dass Patterson, Williams und Allgeier alle ein gewissen Anteil der Runs bekommen. Williams und Allgeier besonders dann, wenn Patterson als Receiver eingesetzt wird. Mariota und Ridder können beide ebenfalls einen Value fürs Run Game mitbringen. Auch das verstärkte Einsetzen von RPO-Konzepten dürfte es insgesamt erleichtern Erfolg im Rushing Game zu generieren. Jedoch ist auch für diesen Bereich des Spiels wichtig, dass sich die Offensive Line steigert. Ansonsten werden auch die neu verpflichteten Running Backs Probleme haben, Lücken und Räume zu finden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Skill Positions der Falcons zwar in Teilen sehr spannend aber insgesamt nicht hochklassig besetzt sind. Pitts und London haben viel Potenzial. Sie können aber von gegnerischen Defenses in den Fokus genommen werden, da es an Alternativen fehlt. Die Falcons werden darauf bauen müssen, ihre Spieler clever einzusetzen, um die Stärken auszuspielen und Matchup-Vorteile zu generieren. Im Running Game ist mit einer Steigerung gegenüber letzter Saison zu rechnen. Allgeier kann hier einer der spannenderen Rookies auf der Position des Running Backs werden, besonders wenn Patterson viele Snaps als Receiver bekommt.

Coaching

Arthur Smith hat zwar mit Dave Ragone einen nominellen Offensive Coordinator, aber Smith ist Playcaller und Architekt dieser Offense. Er hat in seinem ersten Jahr als Head Coach der Falcons vielleicht nicht überragt, aber er hat es geschafft eine Offense aufs Feld zu bringen, die in den meisten offensiven Metrics im Ligamittelfeld lag. Das sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein Erfolg aus, aber man muss Smith zu Gute halten, dass er wenig Talent zur Verfügung hatte. Der nominelle Nr.1-Receiver Calvin Ridley fiel bereits mit mentalen Problemen den Großteil der vergangenen Saison aus. Das Receiving Corps war also auch letztes Jahr schon extrem dünn besetzt. Dafür war der Output im Passing Game beachtlich. Smith schaffte es, Spieler wie Patterson und Pitts in die richtigen Situationen zu bringen, in denen sie ihre Stärken ausspielen konnten. Ich schätze Smith daher als einen überdurchschnittlichen offensiven Coach ein.

Die entscheidende Frage der kommenden Saison wird sein, wie Smith mit seinen neuen Quarterbacks harmoniert. Er kennt Mariota bereits aus seiner Zeit als Offensive Coordinator bei den Tennessee Titans. Das wirkt wie ein Vorteil, jedoch war das auch zu der Zeit, als Mariota für Ryan Tannehill bei den Titans gebencht wurde. Die Vorgeschichte der beiden ist also schwierig zu bewerten. Allerdings sollte er Mariotas Stärken und Schwächen gut einschätzen können und die Offense dementsprechend ausrichten. Gemessen wird Smith aber auch an der Art und Weise, wie er den Übergang zu Ridder als Starting Quarterback moderiert, angenommen Ridder zeigt sich im Training als weit genug. Dann wird es seine Hauptaufgabe sein, Ridder genug an die Hand zu geben, um ihn fair zu evaluieren. Anhand dessen was wir von Smith bereits in der NFL gesehen haben, traue ich ihm das absolut zu.

Defense

Die Defense der Atlanta Falcons lässt sich prinzipiell in einem Namen zusammenfassen: A.J. Terrell. Mir fällt kein anderer Spieler ein, der so positiv aus einer sonst schwachen Unit herausstach, wie Terrell in 2021. Terrell war in der vergangenen Saison der zweitbeste Cornerback der NFL gemessen an der PFF-Grade. Ansonsten gibt es nicht viel in der Falcons Defense, über das sich positiv berichten lassen würde. Insgesamt belegte man so ziemlich in jeder defensiven Metric einen Platz unter den schlechtesten fünf Defenses der Liga. Die Defense brachte die Offense damit Spiel für Spiel in Zugzwang. Oft musste man Rückständen hinterherlaufen oder offensiv sehr aggressiv agieren, um mithalten zu können. Die Defense muss sich dieses Jahr steigern, denn es ist unwahrscheinlich, dass Mariota oder Ridder das so gut hinbekommen werden wie Ryan letztes Jahr. Agiert die Defense wieder so schwach, wird es ein hartes Jahr für die Falcons.

Front Seven

Im letzten Jahr hatte die Defense der Falcons mit 16,7 % die geringste Pressure Rate in der gesamten NFL. Die 18 Sacks, die daraus resultierten, sind ebenfalls mit Abstand die rote Laterne in der Liga. Mit Robert Quinn (18.5) und T.J. Watt (22.5) gab es zwei Spieler, die alleine mehr Sacks sammeln konnten, als die gesamte Falcons Defense. Verrückt!

Der Pass Rush wurde vor der Saison mit den Edge Rushern Lorenzo Carter, der in der Free Agency von den New York Giants kam und Zweitrundenpick Arnold Ebiketie verstärkt. Außerdem hofft man in Atlanta, dass Defensive Tackle Grady Jarrett wieder zu alter Stärke zurückfindet. Dieser erlebte 2021 ein Down-Jahr, nachdem er in den vier Saisons zuvor immer, gemessen an der PFF Grade, ein Top 16 Defensive Tackle war. Insgesamt ist die Defensive Line der Falcons aber weiterhin sehr dünn besetzt. Mit Dante Fowler hat sogar der Edge Rusher mit den meisten Sacks (4.5) das Team verlassen.

Die Falcons geben in 2022 von allen Teams am wenigsten Cap Space für Defensive Line und Edge-Rusher aus. Gerade einmal 28 Millionen Dollar, von denen 16,5 Millionen Dollar an Grady Jarrett gehen, zeigen eindrucksvoll, dass die Falcons nicht die Ressourcen investiert haben, um eine konkurrenzfähige Defensive Line an den Start zu bringen. Nur zum Vergleich: Gute Defensive Lines wie die der Steelers, Rams oder Eagles liegen über 50 Millionen Dollar. Dieser Bereich der Defense dürfte weiter eine Schwäche bleiben. Jarrett müsste sich signifikant steigern und Carter und Ebiketie beide extrem gut einschlagen, um hier positiv zu überraschen.

Das Linebacker Corps hat den Verlust von Foyesade Oloukun zu verzeichnen. Der war zumindest in Pass Coverage okay, hatte aber Schwächen im Run Game, trotz seiner hohen Anzahl an Tackles. Aufgefangen werden soll der Verlust von Veteran Rashaan Evans, ehemals Tennessee Titans, und Zweitrundenpick Troy Anderson. Beide sollten auch in Konkurrenz mit Deion Jones treten, der ein extrem schwaches Jahr 2021 hatte. Jones war jahrelang der prototypische moderne Linebacker mit großer Athletik und Reichweite und guten Coverage Qualitäten. Letzte Saison war er jedoch nur Nummer 81 von 87 gewerteten Linebackern bei PFF. Abgesehen von einigen Highlights im Pass Rush, war es eine Saison komplett zum Vergessen für den immerhin fünft-höchstbezahlten Linebacker der NFL.

Findet Jones wieder zu alter Stärke und Andersen findet sich in der Liga gut zurecht, könnte das Linebacker-Corps sich sogar zu einer Stärke der Falcons entwickeln. Viel hängt jedoch an Jones und daran, ob er seine individuellen Klasse abrufen kann.

Secondary

Ich habe es in der Einleitung schon angedeutet. Mit Cornerback A.J. Terrell haben die Falcons einen Elite-Cornerback und das obwohl er erst 23 Jahre alt und auf seinem Rookie-Vertrag ist. Terrell kann gegnerische Nummer 1 Receiver aus dem Spiel nehmen und das Passspiel des Gegners somit ein Stück weit diktieren. Ihm gegenüber hat man in einem wenig beachteten Move Casey Hayward für zwei Jahre verpflichtet. Hayward hatte 2021 ein super Jahr bei den Raiders. Mit diesen beiden stellen die Falcons das Cornerback-Duo, das zusammengenommen in 2021 die wenigsten Passing Yards zugelassen hat.

b dürfte als Slot Cornerback gesetzt sein. Er kommt von einer Verletzung zurück, die ihn letztes Jahr nur vier Spiele hat machen lassen. In denen zeigte er sein Potenzial, nachdem die vorherigen Saisons eher wacklig waren. Insgesamt sollten die Starting Cornerbacks der Falcons eine Stärke des Teams sein. Für die Falcons bleibt zu hoffen, dass Verletzungen ausbleiben, denn hinter den genannten drei Spielern wird es schnell sehr dünn.

Die Safety Gruppe reicht qualitativ nicht an die Cornerbacks heran. Erik Harris und Duron Harmon haben letzte Saison die meisten Starts auf Safety gemacht. Harmon ist weg, dafür wurde Dean Marlowe verpflichtet. Harris dürfte gesetzt sein, daneben streiten sich Marlowe, Jalyinn Hawkins und Richie Grant um den zweiten Safety-Spot. All dies sind Spieler, die nicht als überdurchschnittlich zu bewerten sind, sondern sich eher auf dem Replacement Level bewegen. Hier muss man hoffen, dass sich junge Spieler wie Hawkins oder Grant weiterentwickeln, ansonsten könnte das Safety-Level zum Problem für die Falcons werden.

Die starke Cornerback-Gruppe der Falcons sticht positiv heraus. Die Frage ist, wie viel das wirklich wert sein wird. Secondarys funktionieren oft so, dass sie nur so stark sind wie ihr schwächstes Glied. Wenn Offenses es schaffen, die eher schwachen Safetys zu isolieren und gezielt zu attackieren, werden den Falcons ihre beiden starken Outside-Cornerbacks nicht allzu viel helfen. Dann mag es zwar wieder so sein, dass Terrell und Hayward individuell wenige Yards zu lassen, aber gegnerische Offenses trotzdem im Passspiel dominieren, da sie die anderen Bereiche des Feldes attackieren.

Coaching

Dean Pees geht in sein zweites Jahr als Defensive Coordinator der Falcons. Er ist ein sehr erfahrener Defensive Coordinator mit 16 Jahren Erfahrung als Coach in der NFL. Er hat in dieser Zeit erfolgreich gearbeitet und zwei Super Bowls gewonnen, 2007 als Defensive Coordinator der Patriots und 2012 als Defensive Coordinator der Ravens.

In seinem ersten Jahr bei den Falcons blieb seine Defense hinter den Erwartungen zurück. Er hatte keinen leichten Job, da bereits letztes Jahr die Defense der Falcons eine der talentärmsten Units der NFL war. Eine NFL-taugliche Defense zu formen, wenn gleichzeitig so wenig Ressourcen in die Defense investiert werden, ist extrem schwierig. Es ist ihm zu Gute zu halten, dass es ihm gelungen ist A.J. Terrell weiterzuentwickeln und zu einem Top-Asset der Franchise zu formen. Außerdem schaffte seine Defense immer wieder Big Plays. So konnten sie in jedem der letzten zehn Ligaspiele letztes Jahr mindestens einen Turnover erzielen.

Für die kommende Saison muss es ein Fokus für Pees sein, seine eigentlich starken Spieler wie Jarrett oder Jones wieder zu ihrem Leistungsmaximum zu pushen. Werden diese Spieler wieder zu Säulen der Defense, ist es auch für die weiteren sehr jungen Spieler einfacher sich einzufinden.

Ausblick

Die Falcons haben in diesem Punkt ihres Rebuilds einen seltsamen Roster. Man hat mit A.J. Terrell und Kyle Pitts zwei der spannendsten jungen Spielern der gesamten NFL. Dann gibt es Spieler wie Jake Matthews, Grady Jarrett und Deion Jones, die ihre Klasse in der NFL bereits klar nachgewiesen haben, die aber alle 2021 deutlich unter ihrem Potenzial performt haben. Die Rookie Klasse aus diesem Jahr ist überaus spannend. Mit Drake London, Arnold Ebiketie und Troy Anderson hat man im Draft Needs adressiert und Value mitgenommen. Der Draft der Falcons wurde von Draft-Analysten insgesamt sehr positiv bewertet. Drumherum hat man viele junge Spieler, von denen aber die meisten noch nicht nachgewiesen haben, dass sie einen echten Value bringen können. Man muss aber auf diese jungen Spieler setzen, denn durch die Abgänge von Matt Ryan, Julio Jones und weiteren Spielern sitzt man auf einem Dead Money Berg von über 60 Millionen Dollar, die man nicht in die Verstärkung des Teams investieren kann.

Orchestriert wird das gesamte Team entweder von einem im besten Fall durchschnittlichen Übergangsquarterback in Marcus Mariota. Der hat zwar spannende Anlagen hat, aber konnte Snap-to-Snap bisher nicht in der NFL überzeugen. Alternativ könnte Rookie Desmond Ridder irgendwann übernehmen. Er galt vor dem Draft als einer der fertigsten Quarterbacks. Allerdings sagt es auch etwas über seine Klasse aus, dass alle Teams ihn in die dritte Runde des Drafts haben fallen lassen. Egal, wer von den beiden spielt: Es dürfte erst einmal ein Rückschritt gegenüber Matt Ryan sein.

Die Falcons werden in der kommenden Saison nur Chancen auf Erfolg haben, wenn sie es schaffen zu punkten. Die Defense wird das Team nicht tragen. Dafür ist die Line zu schwach und auch die Secondary auf dem Safety-Level zu anfällig. Ob die Offense den notwendigen Output erreicht wird massiv davon abhängen, ob Arthur Smith es schafft die Offense so zu designen, dass die Stärken von Mariota und Ridder zur Geltung kommen. Desweiteren muss er Pitts, Patterson und London in Situationen bringen, in denen sie ihre Matchup-Qualitäten ausspielen können. Das alles funktioniert außerdem nur wenn sich die Offensive Line steigert, denn nur dann werden Mariota und Ridder überleben.

Insgesamt sind das ganz schön viele Punkte, die zusammenkommen müssen, damit die Saison der Falcons erfolgreich verläuft. Meiner Meinung nach zu viele Punkte. Der Kader ist alles in allem nicht mit genug Talent und Klasse in der Breite besetzt, wenn man ihn mit anderen Teams vergleicht. Weiterhin sehe ich die Defense als echte Krücke des Teams und die Offense wird am Verlust von Matt Ryan nagen. Ich vermute, dass die Falcons immer wieder Highlight-Plays produzieren, denn das Talent dafür haben sie. Jedoch denke ich, dass das insgesamt nicht zu mehr als zu drei bis fünf Siegen reicht. Man muss anerkennen, dass das Team mit den verfügbaren Ressourcen, dem Dead Cap und einem Übergangs- beziehungsweise Rookie Quarterback mitten im Umbruch ist. Man muss diese Pille nun einmal schlucken, um nach dieser Saison wieder richtig angreifen zu können. Aber für dieses Jahr müssen die Fans mit einer bitteren Saison und einem Top 5 Pick im nächsten Jahr rechnen.

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