Free Agency Recap – AFC West

Heute schauen wir in unserem Free Agency Recap auf die AFC West. Welche Moves waren gut, welche nicht? Und welche Needs sind noch offen?

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Willkommen zu einer weiteren Ausgabe des Free Agency Recaps. Heute befassen wir uns mit der Division, die wohl am meisten Staub aufgewirbelt hat: der AFC West. An kaum einer anderen Stelle wurde so massiv aufgerüstet wie hier. Aber lest selbst…

Kansas City Chiefs

Bester Move: Trade von Tyreek Hill zu den Dolphins

Zu den gerade erwähnten Aufrüstungen kommen wir etwas später. Denn von wirklichen Verstärkungen kann man bei den Chiefs aktuell noch nicht sprechen. Auch der hier beschriebene Move ist aktuell eine Verschlechterung, gibt dem Team aber durch insgesamt 5 Picks, davon 3 in diesem Jahr, genug Munition, sich über den Draft zu verstärken. Das ist angesichts der Struktur des Kaders auch bitter nötig, da die Chiefs einige Stars mit gut dotierten Verträgen im Team haben. So haben die sieben Topverdiener in 2023 einen gemeinsamen Caphit von etwas über 160 Mio. Dollar, was über 70% des zu erwartenden Capspace entspricht. Da hätte der Vertrag von Hill, den er in Miami unterschrieben hat, keinen Platz mehr gefunden. 

Sportlich ist der Verlust von Hill natürlich immens. Ich finde die Strategie von GM Brett Veach dennoch richtig, im Gegensatz zu manch anderen Teams nicht blind all-in zu gehen, sondern auch die mittelfristige Zukunft des Teams im Blick zu behalten. Patrick Mahomes geht erst in das erste Jahr seines 10-Jahresvertrags, was den Chiefs ein längeres Zeitfenster gibt, um erfolgreich zu sein. 

Schlechtester Move: Ersetzen von Tyrann Mathieu durch Justin Reid

Unter dem oben beschriebenen Aspekten ist es nur konsequent, einen Spieler wie Mathieu durch einen jüngeren Safety wie Justin Reid zu ersetzen. Von der sportlichen Seite her bin ich da aber eher skeptisch. Reid konnte sich nach seinem starken Rookie-Jahr, wo er hinter Mathieu in der Rotation gespielt hat, nie so richtig als Top-Safety etablieren. Dabei spielten natürlich auch sein schlechtes Team und wechselnde Schemes eine Rolle. Ein großer Teil lag aber an Reids Inkonstanz und anhaltenden, kleineren Verletzungsproblemen. 

Mathieu dagegen war seit seinem Wechsel nach KC einer der besten Safeties der Liga. Ich bezweifle, dass diese Lücke so schnell gefüllt werden kann. Zudem soll er gesagt haben, dass er für den Deal von Justin Reid ebenfalls bei den Chiefs unterschrieben hätte, was für ihn etwa 3,5 Mio. Dollar weniger Gehalt bedeutet hätte. Da stellt sich schon die Frage: Wer nutzt den Chiefs in den drei Jahren mehr, Mathieu oder Reid? Ich bin da klar bei Mathieu, weshalb dieser Move für mich der schlechteste bei den Chiefs ist.

Größter Draft Need: Wide Receiver

Nach dem Verlust von Tyreek Hill muss ich hier vermutlich wenig erklären. Die Chiefs sollten zumindest einen ihrer First Round Picks in junges Receiving Talent investieren.

Las Vegas Raiders

Bester Move: Rock Ya-Sin, Trade mit den Colts für Yannick Ngakoue

Yannick Ngakoue kann einem schon ein wenig Leid tun. Er ist ein wirklich begabter Pass Rusher, hatte aber zuletzt Schwierigkeiten, eine richtige Heimat zu finden. Mittlerweile war er schon bei 5 verschiedenen Teams und wurde bereits dreimal getradet. Aus Sicht der Raiders kann ich diesen Move aber sehr gut verstehen, da sie sich so die Dienst von Rock Ya-Sin sichern konnten, einem soliden Corner, der sogar noch unter seinem Rookie-Vertrag spielt. Außerdem konnte man die Lücke, die Ngakoue in der Defensive Front hinterließ, direkt durch die Verpflichtung von Chandler Jones schließen. 

Ich will hier natürlich nicht den viel spektakuläreren Trade unerwähnt lassen, den die Raiders in dieser Free Agency eingefädelt haben. Man konnte mit Davante Adams den vielleicht besten Wide Receiver der Liga verpflichten, wobei der Preis natürlich gewaltig war. Adams ist jetzt wieder mit Derek Carr vereint, mit dem er bereits am College zusammengespielt hatte.

Schlechtester Move: Casey Hayward, Abgang zu den Falcons, 2 Jahre, 11 Mio. Dollar 

Auch, wenn die Raiders mit Ya-Sin einen neuen Cornerback verpflichten konnten, macht der Abgang von Hayward überhaupt keinen Sinn, insbesondere da er bei den Falcons keinen sonderlich hoch dotierten Vertrag erhalten hat. Hayward ist auch mit seinen 33 Jahren noch immer ein guter Cornerback, wenn man die PFF-Grade (76.0) zugrunde legt. Da man in Las Vegas nach dem Trade für Davante Adams auch ohne signifikantes Draftkapital dasteht, ist eine Verbesserung dieser Position erstmal nicht in Sicht. In einer Division mit Mahomes, Herbert und Wilson so fahrlässig auf einen zweiten guten Cornerback zu verzichten, ist in meinen Augen ein wirklich schlechter Move.

Under the Radar move: Verpflichtungen in der Defensive Line

Diesbezüglich muss man den Raiders zugute halten, dass sie sich in anderen Bereichen ihrer Defense gut verstärkt haben. Die DLine um Maxx Crosby wurde neben dem bereits erwähnten Chandler Jones auch um Vernon Butler und Bilal Nichols bereichert. Las Vegas könnte damit ordentlich Druck auf gegnerische QBs machen, was in dieser Division auch dringend nötig ist.

Größter Draft Need: Cornerback

Die Raiders picken im Draft das erste Mal gegen Ende der dritten Runde an 86. An dieser Stelle wird man wohl kaum einen Spieler vom Format eines Haywards finden, aber möglicherweise ist der Draft tief genug, um sich hier trotzdem zu verstärken. Eine andere Baustelle ist die Interior Offensive Line.

Los Angeles Chargers

Bester Move: Khalil Mack, Trade mit den Bears; JC Jackson, 5 Jahre, 82,5 Mio. Dollar

Es ist schwer, sich zwischen dem Mack-Trade und der Verpflichtung von JC Jackson als besten Move zu entscheiden. Mack war in 2020 immer noch einer der dominantesten Pass Rusher der Liga, der allerdings im letzten Jahr verletzungsbedingt 10 Spiele verpasste. Bereits im November unterzog er sich einer Operation, die seine Saison vorzeitig beendete. Man kann davon ausgehen, dass seine Erholung gut vorangeht, sonst hätten die Chargers diesen Trade sicher nicht forciert. Das Pass Rush Duo aus Mack und Joey Bosa könnte das beste Tandem der Liga sein. 

JC Jackson war der vermutliche größte Name auf dem diesjährigen Cornerback Markt und unterschrieb dafür einen vergleichsweise günstigen Deal über 16,5 Mio. Dollar pro Jahr. Jackson ist damit das letzte Puzzleteil einer Secondary, die über die letzten Jahre durch diverse hohe Picks aufgebaut wurde. 

Mit Mack und Jackson bieten die Chargers eine Defense auf, die eine der besten der Liga sein sollte. HC Brandon Staley kam im letzten Jahr mit großen Vorschusslorbeeren von den Rams, nachdem er dort die beste Defense der Liga gecoacht hatte. Jetzt bekommt er die Chance, diesen Lorbeeren gerecht zu werden.

Schlechtester Move: Kyzir White, LB, Abgang zu den Eagles

Wenn man hier einen weniger bekannten Namen aufführt, spricht das erstmal dafür, dass die Chargers in dieser Free Agency viel richtig gemacht haben. Whites Abgang deutet darauf hin, dass man in LA einen deutlichen Entwicklungsschritt von Kenneth Murray erwartet. Nach einem vielversprechenden Rookie-Jahr kam dieser zuletzt verletzungsbedingt nicht so richtig zum Zug. Da sich Murray erst vor ein paar Tagen einer Knöchel-OP unterziehen musste, hätte ich an Stelle der Chargers doch versucht, White als Notfall-Option im Kader zu halten. 

Under the Radar move: Sebastian Joseph-Day, 3 Jahre, 24 Mio. Dollar

Nach den spektakulären Verpflichtungen in der Defense ist dieser Mannschaftsteil der Chargers mit Stars auf fast jeder Ebene gespickt. Da fällt das Innere der Defensive Line ein wenig ab. Mit Joseph-Day konnte man sich die Dienste eines amtierenden Super Bowl Champions sichern, der aber leider nicht allzuviel zum Titelgewinn beitragen konnte. Wenn er aber an seine starke Leistung aus 2020 anknüpfen kann, könnten die Chargers hier einen Steal gelandet haben.

Größter Draft Need: Right Tackle

Leider hat sich die Verpflichtung von Bryan Bulaga aus 2020 nicht ausgezahlt. Nachdem er in seinem ersten Jahr für die Chargers bereits 6 Spiele verpasste, kam er in der letzten Saison nur zu einem einzigen Einsatz. Bereits im letzten Jahr adressierte man in LA die Tackle-Position und landete mit Rashawn Slater einen Volltreffer. Man kann für Justin Herbert hoffen, dass solch ein Kunststück auch in diesem Draft gelingt.

Denver Broncos

Bester Move: Russell Wilson, Trade mit den Seahawks

Hier gibt es eigentlich keine zwei Meinungen: der Trade der Broncos für Russell Wilson war einer der besten Moves der gesamten Free Agency. Denver war zuletzt der Inbegriff für das Team, dass einen QB davon entfernt ist, erfolgreich zu sein. Die Offense bietet viele Waffen sowie eine solide OLine. Auf der anderen Seite konnte mit Randy Gregory ein zweiter Pass Rusher verpflichtet werden, der die Verteidigung weiter verbessern sollte. 

Zwar musste Denver einiges an Draftpicks und auch Spieler für Wilson berappen, durch die zusätzlichen Picks aus dem Von Miller Trade steht man aber nicht gänzlich ohne Kapital da. Für Wilson wiederum ist die Situation optimal. In Seattle litt er seit Jahren unter schlechtem Offensive Line Play und fragwürdigen Entscheidungen beim Kaderaufbau. Zudem verfolgten die Coaches dort eine recht veraltete Version einer Offense, die einem Quarterback wie Wilson nicht wirklich gerecht wird. Sein neuer Headcoach Nathaniel Hackett war die letzten Jahre der OC der Packers, unter dem Aaron Rodgers zweimal hintereinander MVP wurde. Die Aussicht auf Russell Wilson in solch einer Offense wird Broncos Fans sicher begeistern. 

Schlechtester Move: keiner

Die Broncos haben in dieser Free Agency nur wenige signifikante Abgänge zu verzeichnen. Zudem sind alle Spieler, die im letzten Jahr viele Snaps sahen und nicht verlängert wurden, schon mindestens 30 Jahre alt. Ich habe an keinem Move so wirklich etwas auszusetzen.

Größter Draft Need: Safety

Einer der Spieler über 30, deren Vertrag nicht verlängert wurde, ist Kareem Jackson. Deshalb ist der Platz neben Justin Simmons wieder vakant und könnte Ende der zweiten Runde besetzt werden, wenn die Broncos das erste Mal an der Reihe sind. Eine weitere Verbesserungsmöglichkeiten könnte die rechte Seite der Offensive Line bieten.

Ausblick

Das war eine weitere Runde unseres Free Agency Recaps mit der AFC West. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass kein Text der spannenden Entwicklung in dieser Division wirklich gerecht werden kann. Eigentlich hätte jedes Team einen eigenen Artikel mit einer viel tiefgreifenderen Analyse verdient. Wie ist eure Meinung? Welche Moves haben für euch herausgestochen? Wir freuen uns über euer Feedback. Schaut auch auf jeden Fall am Samstag wieder rein, wenn sich Benedikt der AFC North annimmt. Bis dahin, bleibt gesund!

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