Gescheiterte NFL-Konkurrenz 3: USFL, 84-86 Teil 2

Nachdem die USFL sich anfangs seriös präsentieren wollte, war sie schnell zu einem Sammelpunkt merkwürdiger Owner geworden. Eddie Einhorn und Donald Dizney klingen wie aus einem Comic, waren aber tatsächlich USFL Owner. So wie ein mehrfach von der NFL abgelehnter Immobilienmogul aus New York, der auf Rache aus war.

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Die erste Saison der USFL war vielerorts ein großer Reinfall. Wenige Teams konnten eine konstant hohe Zuschauerzahl vorweisen, vor allem in großen Ostküsten-Städten wie Philadelphia, Washington und Boston interessierte sich kaum jemand für die Spiele. Im zweiten Teil des USFL Rückblicks schauen wir auf die restliche Zeit der Liga. Zwei weitere Saisons, die Abkehr vom Frühjahrs-Football und die große Klage gegen die NFL. Obwohl der Prozess von der USFL in Teilen gewonnen wurde, war er das Todesurteil.

In der Offseason ging es hoch her. Ligagründer David Dixon hatte eigentlich das Recht auf eine eigene Franchise, welches er in der ersten Saison allerdings nicht wahrgenommen hatte, um die Liga als Ganzes zu unterstützen. 1984 sollte sein Team an den Start gehen, doch Dixon war sehr enttäuscht, dass mehrere Teams seinen Plan missachtet hatten. Vor allem mit zunehmendem Saisonverlauf investierten immer mehr Teams mehr als das ursprünglich eingeplante Geld. Dixon verkaufte seine Rechte an die Liga und verabschiedete sich enttäuscht von „seiner“ USFL. In späteren Jahren versuchte er immer wieder Frühjahrs-Ligen zu etablieren, aber keines seiner vielen Konzepte erreichte mehr als die Planungsphase.

Wildes Franchise-Getausche

Bei den New Jersey Generals kam es nun doch zum Engargement von Donald Trump, welcher in den kommenden Jahren zu einem der entscheidenden Besitzern der Liga werden sollte. Die Boston Breakers mussten wegen eines fehlenden Stadions nach New Orleans umziehen. Mehrere Owner verkauften ihre Teams, unter anderem wegen den ausschweifenden Ausgaben anderer und der geringen Aussicht mit dem Dixon Plan konkurrenzfähig bleiben zu können. Chicago-Owner Ted Diethrich verfrachtete seine komplette Franchise nach Arizona, nachdem Wranglers-Besitzer Joseph kein Interesse mehr hatte.

Logo von Chicago Blitz, fair use

Der neue Besitzer der Chicago Blitz, James Hoffman, wollte die mäßigen Zuschauerzahlen im ersten Jahr mit Stars bekämpfen. Mit einem sehr dicken Angebot versuchte man den Chicago Bears Walter Payton abzuluchsen. Ein Megastar, welcher der Liga einen immensen Imageboost gegeben hätte. Payton überdachte den möglichen Vertrag, der ihm einen Rekordverdienst von sechs Millionen über drei Jahre garantiert hätte. Doch das USFL-Team stand unter Druck. Der Saisonstart rückte näher, man benötigte Payton um die Ticketverkäufe nach schießen zu lassen. Blitz gab dem NFL-Star eine Deadline, merkte vor Ablauf selbst, dass die Finanzen ein entsprechendes Angebot gar nicht mehr möglich gemacht hätten. Der Deal scheiterte vor einer möglichen Zusage. Das Umfeld von Chicago hatte daher weiterhin kein Interesse an dem Team und Hoffman zog noch vor dem ersten Snap enttäuscht davon. Mangels richtigem Owner musste die Liga selbst das Team unter ihre Fittiche nehmen.

Rekord-Vertrag für Steve Young

Logo der San Antonio Gunslingers, fair use
Logo der San Antonio Gunslingers, fair use

Hatte sich David Dixon seriöse Geschäftsleute mit nachweislicher finanzieller Stärke gewünscht, war die USFL nun eine Spielwiese für das Gegenteil. Auch Los Angeles Express bekam einen neuen Besitzer, J. William Oldenburg. Ein reicher Geschäftsmann, der wie Trump in New Jersey sehr viel Geld in Neuverpflichtungen steckte. Größter Coup Oldenburgs war die Verpflichtung von Steve Young. Der College-Star, der später auch noch eine große NFL-Karriere haben sollte, unterschrieb einen Vertrag über zehn Jahre mit einem Gesamtvolumen von 40 Millionen Dollar. Damals der wohl größte Deal im professionellen Sport. Um diesen zu stemmen, wurde mit Young quasi eine lebenslange Rente vereinbart, wonach er über die nächsten 42 Jahre jährlich eine Millionen Dollar erhalten sollte.

Die Liga bekam zur neuen Saison 6 weitere Franchises, ging nun auch in Märkte ohne NFL-Konkurrenz oder -Vergangenheit. Jacksonville, Okhlahoma (Tulsa), Memphis und San Antonio waren neue Flecken auf der Karte. In Pittsburgh und Houston suchte man wieder die „Konfrontation“. Houston konnte dabei ebenfalls einen weiteren späteren NFL-Superstar verpflichten, Rookie QB Jim Kelly.

Finanzielle Desaster

Während der 2. Saison 1984 ging wieder einiges in die Brüche. Die Washington Federals wurden verkauft und eine Relocation nach Miami beschlossen. Chicago Blitz stand wegen desaströser Zuschauerzahlen und einem fehlenden Hauptowner vor dem finanziellen Kollaps. Spät im Jahr wurde das Team an Eddie Einhorn verkauft, einen Teil-Owner der Chicago White Sox. Allerdings wollte man eine neue Franchise in Chicago starten.

Logo der Jacksonville Bulls, fair use

Den größten Skandal der zweiten Saison bot allerdings Los Angeles Express. Der zuvor erwähnte schwerreiche Owner J. William Oldenburg stoppte gegen Ende jede Zahlung. Er hatte ob seiner finanziellen Verhältnisse gelogen und war ins Visier von Bundesbehörden geraten. Dadurch geriet für die USFL der Fernsehvertrag mit ABC ins Wanken. Ohne Chicago und Los Angeles würden der Liga zwei der drei wichtigsten Fernsehmärkte fehlen. Wie auch in Chicago musste die Liga in LA übergangsweise eingreifen.

Am Ende gewannen die Philadelphia Stars das Championship Game gegen die Arizona Wranglers. Im Vorjahr hatten die Stars noch das Nachsehen, nun gab es den Titel…und den Abschied aus Philadelphia. Dabei hatten sich das Team im Laufe der Saison etwas etablieren können. Die Zuschauerzahlen hatten sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert und das von Jim Mora trainierte Team zeigte ansprechende Leistungen. Kurioser Fakt: Die Feier des Teams fiel wohl eher kurz aus, denn das Team musste 6 Tage später noch ein Freundschaftsspiel bestreiten. Gegen die Tampa Bay Bandits im Londoner Wembley Stadion. Noch bevor ein NFL-Team britischen Boden betreten hatte.

Regular Season der USFL 1984
Playoffs und Auszeichnungen der USFL 1984

Der Champion wird relocated

Die Liga war vor der 1985er Saison komplett im Chaos gelandet. Teams wurden quer durchs Land verschoben, andere fusionierten, Besitzer hatten keine Lust mehr die drastischen Verluste hinzunehmen,…

Logo der Arizona/Oklahoma Outlaws, fair use
Logo der Arizona/Oklahoma Outlaws, fair use

Der zuvor erwähnte Federals-Käufer hatte doch kein Interesse mehr. Für ihn sprang Donald Dizney, ein realer Mensch, keine anthropomorphe Ente, ein. Er war zuvor an den Bandits beteiligt und hatte nun eine eigene Franchise, die er auch noch ernsthaft nahe Disney World in Orlando spielen ließ. Statt Federals nun nur als Renegades. Ex-Blitz und nun Wranglers Owner Ted Diethrich hatte mittlerweile massive finanzielle Probleme. Sein eigenes Team machte Schulden und der längst verschwundene Käufer des vorherigen Teams hatte über sieben Millionen Dollar nicht gezahlt. Er verkaufte das Team an den Owner der Oklahoma Outlaws, welcher Wranglers und Outlaws zu den Arizona Outlaws fusionierte.

Logo der Orlando Renegades in der USFL
Logo der Orlando Renegades, fair use

Die Breakers zogen nun nach Portland um. Von Boston über New Orleans nach Oregon – eine Reise entlang aller Küsten. Die Michigan Panthers, Sieger der ersten Saison fusionierten mit den Oakland Invaders, die Pittsburgh Maulers gaben nach einer Saison mit 10 Millionen $ Verlust direkt wieder auf. Der aktuelle Sieger, die Philadelphia Stars, ging nach Baltimore ohne dort spielen zu können. Das örtliche Baseball-Team, die Oreoles, besetzte das Stadion im Frühjahr. Das Team spielte daher im Byrd Stadium. Ein Stadion vor den Toren von Washington. Die zuvor gesteigerten Zuschauerzahlen brachen deutlich ein.

Chicago verzichtete gar auf eine Teilnahme.

Fall Season

Was war passiert, welches diese wilde Off Season erklärt? Neben der finanziellen Schieflage aller Beteiligten, war es vor allem eine Entscheidung, welche im Wesentlichen von Generals Owner Trump und Blitz Owner Einhorn vorangetrieben wurden. Beide wollten die Liga ab 1986 in den Herbst verschieben, quasi in den direkten Konkurrenzkampf mit der NFL gehen. Das führte dazu, dass Teams aus NFL-Hochburgen jedes Interesse verloren. Pittsburgh, Philadelphia, Michigan,… die Owner wussten um die Aussichtslosigkeit eines Duells mit den Steelers, Eagles, Lions,…

In der Entscheidung votierten nur zwei von 15 Ownern gegen die Fall Season.

Warum stimmt man dem Untergang zu?

Die Owner wussten, dass ihre Liga ein Geldgrab ist und viele wollten einfach irgendwie raus. Der große Wunsch war die NFL. Trump und Einhorn wollten es der AFL nachmachen und die NFL zu einem weiteren „Merger“ zwingen. Die USFL sollte also in der NFL aufgehen. Natürlich war vielen klar, dass dies nicht allen gelingen wird. Aber man sah es als die Hintertür um die Kosten wieder reinzuholen. Gerade Trump, der mehrfach von der NFL abgelehnt wurde, wollte sich auf diese Weise seine Eintrittskarte erzwingen.

Es war ein Risikoinvestment, welches bei erfolgreichem NFL-Beitritt in einem gewaltigen finanziellen Plus hätte enden sollen.

Die Saison 1985

Statt 18 Teams gab es jetzt nur noch vierzehn Mannschaften. Mehrere Teams hatten weiterhin horrende Probleme das Stadion zu füllen und darbten mit vierstelligen Zahlen herum. Nur wenige Teams wie die New Jersey Generals und die Jacksonville Bulls konnten über 40.000 Zuschauer anlocken. Gerade für Jacksonville waren es starke Zahlen, die vielleicht auch ihren Beitrag an der Entstehung der Jacksonville Jaguars hatten.

Logo der Mephis Showboats in der USFL
Logo der Memphis Showboats, fair use

LA Express war weiterhin ohne Besitzer und musste von der Liga durch die Saison getragen werden. San Antonio Owner Clinton Manges war noch vor Saisonbeginn zahlungsunfähig. Auch das Fernsehen war mit den vielen leeren Plätzen in den Stadien unglücklich. Zwar gab es keine Blackout Rule wie in der NFL (Spielübertragungen konnten abgesagt werden, wenn das Stadion zu wenig ausgelastet war), aber Denver Gold wurde zum Beispiel gezwungen ein Playoff-Heimspiel beim Gast aus Memphis auszutragen. Grund war, dass das riesige Mile High Stadium meist nicht mal zu 20% befüllt war. Die Partnerschaft mit ABC endete nach der 1985er Saison. Ein wichtiger Grund war der Wechsel in den Herbst, woran der Senderkonzern kein Interesse hatte.

Sportlich hatte der Osten in dieser Saison die Nase vorn, fünf der sieben Ost-Teams schafften es in die Playoffs. Im Westen waren es nur drei, auch wenn die Oakland Invaders den besten Record hatten. Oakland schaffte es dann auch ins Finale, während sich im Westen die Baltimore Stars durchgesetzt hatten.

Die Stars gewannen jedenfalls mit 28-24 und gingen mit zwei Siegen und einer Finalniederlage ohne Zweifel als das erfolgreichste Team der Liga in die Geschichtsbücher ein.

Saison 1985 der USFL
Saison 1985
Playoffs und Auszeichnungen der USFL 1985
Playoffs und Auszeichnungen 1985

Die Klage der USFL

Der spannendste Krimi der Saison fand nicht auf dem Rasen statt. Die USFL verklagte die NFL wegen unausgewogener Wettbewerbsrechte auf Grund der Monopolstellung in Sachen Fernsehverträge und Stadionnutzung. Laut USFL habe die NFL die großen Fernsehanstalten ABC, CBS und NBC unter Druck gesetzt, die klagende Liga im Herbst nicht zu übertragen. Dazu behauptete man, dass es eine Art Plan gebe, mit welchem die NFL die USFL habe zerstören wollen. Die Klage richtete sich auch an 27 von 28 Franchises. Einzig die Los Angeles Raiders blieben verschont. Besitzer Al Davis, welcher wegen des Umzuges der Raiders mit mehreren NFL Offiziellen verstritten war, hatte sich als Hauptzeuge der USFL gemeldet.

Die USFL forderte in ihrer Klage einen Schadensersatz in Höhe von 567 Millionen Dollar, welche sich nach den entsprechenden Gesetzen des Wettbewerbsrechts auf 1,7 Milliarden Dollar verdreifacht hätte. Außerdem verlange man von der NFL, dass diese sich in zwei eigenständige Ligen aufspalten solle, welche jeweils nur mit einem großen Sender hätten zusammenarbeiten dürfen.

Das Urteil

Das Verfahren lief im Frühjahr 1986 über 42 Tage und endete teilweise zu Gunsten der USFL. Und zu Ungunsten der USFL. Das Gericht erkannte an, dass die NFL sich mit unrechten Methoden eine Monopolstellung gesichert hatte. Alle anderen Punkte wurden dagegen fallen gelassen. Das Gericht sah, dass die USFL sich mit dem Wechsel zum NFL-Spielplan aus eigenem Antrieb in ein großes Risiko begeben und sehr viele große große Fernsehmärkte verloren hatte. Auch der Vorwurf, dass die Fernsehstationen angeblich unter Druck gesetzt wurden, sah das Gericht anders. Wenig überraschend, immerhin hatte die USFL einen frischen Vertrag mit ESPN.

Mit der Monopolstellung hatte die NFL der USFL geschadet. Allerdings, so das Gericht, waren die meisten Probleme der Liga komplett selbstverschuldet, weswegen der Schadensersatz auf exakt einen US-Dollar festgelegt wurde. Also drei Dollar wegen der Verdreifachung im Wettbewerbsrecht. Der Pyrrhussieg war quasi der Todesstoß für die Liga, die 1986er Saison wurde abgesagt. Anfänglich plante man noch im Herbst 1987 wieder an den Start zu gehen. Es gab große Gerüchte um einen anstehenden Spielerstreik und man wollte dadurch der NFL die Athleten abluchsen. Aber auch diese Saison fand nie statt. Der Spielerstreik wurde dagegen Realität, Woche vier bis sechs der NFL-Saison fielen flach.

Was war 1986 geplant?

Logo von Denver Gold, fair use

Die schlechte finanzielle Situation hatte weitere Opfer gefordert. Fast alle Teams der West-Division waren finanziell am Ende. Oakland, Portland, Los Angeles und San Antonio gaben auf. Denver Gold wurde an die Jacksonville Bulls verkauft, die Houston Gamblers an die New Jersey Generals. Die angekündigte Rückkehr von Chicago fiel auch flach und auch sonst gab es kein Expansion Team. Die Tampa Bay Bandits standen lange vor dem Aus. Ein Co-Owner hatte sich 1985 das Leben genommen und Hauptbesitzer John F. Bassett war im Frühjahr 1986 an Krebs verstorben. Ein Nachfolger fand sich, aber der musste sich so stark verschulden, dass kein Geld für ausstehende Zahlungen vorhanden war. Zum Beispiel für Safety Bret Clark. Der ziemlich mittelmäßige Defense Spieler hatte einen deutlich überteuerten Vertrag erhalten und wegen ausstehender Zahlungen wurden ihm sämtliche Besitztümer der Franchise zugesprochen.

Die verbliebenen acht Teams sollten in zwei Divisionen spielen, die Spiele waren Samstags und Sonntags zur Primetime angedacht.

Was bleibt von der alten USFL?

Rückblickend überstrahlen natürlich viele negative Punkte überstrahlen. Die schnelle Abkehr des eigentlichen Konzeptes, windige Geschäftsleute und ein Totalschaden beim Liga-Ende. Kräftig vorangetrieben durch den verletzten Stolz eines in der NFL abgelehnten Trumps.

Aber die USFL hatte auch so manchen positiven Einfluss auf die Football-Geschichte. Die Jacksonville Bulls als eine Art Testlauf für Jaguars. Eine Art von Salary Cap, wenn auch damals nur freiwillig. Auch die Challenge beruht auf einem System, welches die USFL 1985 eingeführt hatte. Die Teams konnten damals je einmal pro Halbzeit eine Challenge beantragen, allerdings nur bei Spielen, welche von ABC übertragen wurden.

Vor allem aber sind es die Spieler und Coaches, welche in Erinnerung bleiben. Einige Stars setzten ihre Duftmarken in NFL und USFL. Ob Steve Young, Jim Kelly oder Reggie White. Oder Bills Coaching Legende Marv Levy. Ihre Karrieren begannen in dieser Liga. Mit Herschel Walker, Doug Flutie und Mike Rozier konnte die Liga drei Heisman Trophy Gewinner in Folge akquirieren.

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