Gescheiterte NFL-Konkurrenz 3: USFL (1983) Teil 1

Bereits zwei Ligen waren in der Vergangenheit groß gescheitert, als sie der NFL Konkurrenz machen wollten. Die COFL in den 60ern und die WFL in den 70ern waren ambitioniert, aber letztlich auf extrem wackligem Fundament gebaut. In den 80ern wollte die USFL zum großen Wurf ausholen. Doch die vorsichtigen Pläne vielen meist schnell dem Größenwahn zum Opfer.

1
152
5
(4)
Lesezeit: 10 Minuten

Am morgigen Samstag, den 16. April, startet mal wieder eine neue Football Liga. Die United States Football League, USFL, nimmt ihren Betrieb auf. Acht Teams aus verschiedenen Ecken des Landes kämpfen um die Meisterschaft…allerdings allesamt in Birmingham. In der Regular Season finden sämtliche Spiele innerhalb der Stadt statt, bevor es für die Playoffs Im Juni und Juli nach Canton, Ohio geht. In Birmingham finden in dieser Zeit die World Games statt, quasi die Olympischen Spiele für nicht-olympische Sportarten wie Lacrosse oder Billard. Daher der erzwungene Umzug, direkt neben die Hall of Fame des American Football.

Manch bekannten Namen hat es in die USFL (United States Football League) verschlagen, bspw. ist der langjährige Rams Head Coach Jeff Fisher HC und General Manager der Michigan Panthers. Oder Kirby Wilson, der nach über 20 Jahren als Running Backs Coach in der NFL bei den Pittsburgh Maulers erstmals Cheftrainer wird. Auch der ein oder andere bekannte Spieler kämpft in der Liga um eine mögliche Rückkehr in die NFL. Einer der größeren Namen ist sicherlich Paxton Lynch, Erstrundenpick 2016 der Denver Broncos. Nachdem er sich in Denver nicht etablieren konnte, war der mittlerweile 28-jährige zuletzt in der Canadian Football League bei den Saskatchewan Roughriders aktiv. Ohne Einsatz.

Nummer Eins Pick der neuen Liga war Shea Patterson. Er blieb von der NFL 2020 ungedraftet, anders als 2 Jahre zuvor seitens der MLB. Dort wurde er von den Texas Rangers an Position 39 gewählt, blieb aber als Football Spieler am College. Zuletzt war auch er in der Canadian Football League aktiv, allerdings auch nicht Starting QB bei den Montreal Alouettes.

Warum beschäftige ich mich mit der Liga, wo ich doch eher in den Geschichtsbüchern wühle? Nun, die USFL gab es bereits in den 80ern und auch wenn es rechtlich keine Verbindungen gibt – die heutigen Teams sind Neuauflagen aus der damaligen Zeit. In diese Zeit möchte ich nun zurückblicken, denn diese Liga hatte gewisse Kuriositäten…

Warum spielt niemand im Frühjahr?

Eine zentrale Person rund um die Gründung der Liga war David Dixon. Der Geschäftsmann wollte in den frühen 60ern ein NFL oder AFL Team nach New Orleans holen. Beinahe wäre dies bereits 1961 gelungen, als sich Dixon mit dem damaligen Raiders Owner einig war, die Raiders nach Louisiana zu verfrachten. Nur durch Einwände des Bürgermeisters von Oakland blieb diese Relocation aus. Dixon gründete darauf einen Lobbyverein und wenige Jahre später gab es den gewünscheten Erfolg. Die Saints erlebten 1966 ihre Geburtsstunde, Dixon war Teilowner. Zu dieser Zeit hatte er einen Gedanken im Kopf, der für sein späteres Schaffen essentiell wurde: Warum spielt niemand im Frühjahr/Sommer?

Ein Grund dafür war und ist sehr offensichtlich: Baseball. Die Major League Baseball, MLB, spielt grob von April bis Oktober und viele Teams teilten sich ihre Stadien mit den finanzstärkeren Baseball-Teams. Selbst in den 70ern wurden Stadienprojekte von Teams beider Sportarten gestemmt und auch in den letzten Jahren erinnert man sich an die Spiele in Oakland mit sichtbaren Baseball-Markierungen.

Der Dixon Plan

Die Idee ließ Dixon nie los. Er verfolgte die Versuche anderer Ligen, die gleichzeitig zur NFL spielten und gab eine Studie in Auftrag, laut deren Ergebnis ein Bedarf für Frühjahrs-Football gegeben sei. Da vorherige Ligen meist wegen finanzieller Gründe drastisch gescheitert waren, entwickelte der Gründer den sogenannten „Dixon Plan“. Durch Einhaltung des Plans sollten Teams mit moderaten Schulden durch die ersten Jahre kommen, bis die Liga auf eigenen Beinen stehen könne. Wichtige Fixpunkte waren unter anderem:

  • Große NFL-artige Stadien
  • aggressives lokales Marketing
  • Expansion nach dem ersten Jahr um vier weitere Teams
  • Teams in wichtigen TV Märkte
  • Ein regionaler Draft um lokale College Stars zu binden und College Fans zu gewinnen
  • Eine Salary Cap in Höhe von 1,8 Millionen $.

Ein wichtiger Punkt war die Salary Cap. In der NFL damals noch ein Fremdwort, sah Dixon eine Cap in Höhe von 1,8 Millionen pro Team vor. In diesem Bereich waren auch die einkalkulierten Verluste pro Team.

Das Problem an diesem Plan: Er war nicht vorgeschrieben. Nur ein paar Teams hielten sich konsequent an den Plan. Andere ignorierten vor allem die Salary Cap, weshalb einige Teams sportlich zwar wesentlich erfolgreicher waren, wirtschaftlich aber auf gar keinem Fundament standen.

Die 12 Gründungsteams

Pacific Division: Arizona Wranglers, Oakland Invaders, LA Express, Denver Gold
Central Division: Birmingham Stallions, Chicago Blitz, Michigan Panthers, Tampa Bay Bandits
Atlantic Division: Boston Breakers, New Jersey Generals, Philadelphia Stars, Washington Federals

Die Pacific Division – Pseudo-Raiders und Größenwahn

Arizona Wangers Logo, fair use
Arizona Wangers Logo, fair use

Arizona Wranglers:
Ursprünglich sollte die Franchise in LA starten, mit Alex Spanos als Owner. Nachdem sich dieser allerdings bei den Chargers eingekauft hatte ging die Franchise an Jim Joseph. Dieser durfte allerdings nicht nach LA, die USFL wünschte sich dort einen Medien-näheren Owner. Joseph landete mit der Franchise in Arizona und blieb ohne großen Erfolg. Das Team war schwach, Joseph hielt sich stark am Dixon Plan und verkaufte die Franchise nach einem Jahr. Interessanter Funfact: Das ursprüngliche Recht in Los Angeles zu spielen gewann der Owner bei einem Münzwurf gegen Oaklands Besitzer Tim Taube. Beide waren Owner der Invaders, ehe Joseph den Münzwurf gewann und seine Anteile an Taube verkaufte.

Oakland Invaders:
Schon der Name lässt erahnen, dass dieses Team eine Reaktion auf den Umzug der Raiders 1982 nach Los Angeles war. Erstes Signing war Cedrick Hardman, der zuvor viele Jahre bei den 49ers und Raiders spielte, ein local Hero. Die Invaders hielten sich an den Dixon Plan und hatten sportlich Erfolg: Sie schafften den Sieg in der Pacific Division, welche allerdings am schwächsten besetzt war.

LA Express:
Die Gründer hatten eigentlich eine Franchise in San Diego bekommen, erhielten aber keine Spielgenehmigung im örtlichen Stadion. Da die Alternativen nur kleine Stadien waren, wurde die Franchise nach LA verfrachtet. Wie zuvor erwähnt, verdrängte man mit Hilfe der Liga den Wranglers-Owner, da die Express-Owner als Kabelnetz-Mogule eng mit den Fernsehstationen verbunden waren und der LA-Markt als essentiell galt. LA Express machte den ersten Draft-Pick der Liga mit Dan Marino. Dieser wollte aber nicht in die USFL wechseln. Das Team versuchte auch andere Stars wie Eric Dickerson, ohne Erfolg, anzulocken. Das Geld saß locker, aber weder sportlich noch wirtschaftlich kam irgendwas herum. Der Dixon Plan wurde eher als Empfehlung gesehen und die Zuschauer hatten wenig interesse am Team.

Denver Gold Logo, fair use
Denver Gold Logo, fair use

Denver Gold:
Eine etwas kuriose Franchise. Von den Zuschauern anfänglich sehr positiv angenommen hatte Denver Gold lange Probleme einen Owner zu finden. In Ron Blanding fand man schließlich einen, doch der Mann aus dem Immobiliengeschäft war finanziell der kleinste Fisch im USFL-Teich. Er hielt sich sehr streng an den Dixon Plan, sparte zusätzlich an vielen anderen Ecken. Zum Beispiel musste das Team in ausgemusterten Schulbussen zu den Spielen reisen. Head Coach Red Miller, durch einen SB Sieg mit den Broncos in Denver äußerst populär, lag mit dem Owner im Dauerstreit und flog noch vor Saisonende. Blanding verkaufte daraufhin die Franchise und gilt ob seiner Sparpolitik als der einzige Owner, der mit einem Gewinn aus der Liga herauskam.

Central Division: Hollywood Glamour und ein echter NFL Star

Tampa Bay Bandits:
Besitzer der Franchise war John F. Bassett, ein Ehemaliger Team-Owner eines World Football League Teams. Dazu war Hollywood-Star Burt Reynolds Teil-Owner und Werbefigur. Durch seine Smokey and the Bandit-Filme (dt. Ein ausgekochtes Schlitzohr) war Reynolds prädestiniert und warb in seiner Filmrolle bei Team-Events. Auf Grund einer miserabler Bucs Saison konnten die Bandits ähnliche Zuschauerzahlen wie der große NFL-Konkurrent erreichen. Von den schlechten Erfahrugnen aus der WFL gezeichnet, folgte man dem Dixon Plan weitgehend.

Birmingham Stallions:
Die Stallions waren eigentlich ein Team der zweiten Chancen, eine Mischung aus alten NFL-Veteranen und College Free Agents. Im Laufe der Saison verpflichtete man allerdings RB Joe Cribbs zur nächsten Saison. Cribbs war ein echter Star der NFL, hatte in vier Karrierejahren 3 Mal im Pro Bowl gespielt, drei 1000 Yards Saisons gehabt.

Chicago Blitz, fair use
Chicago Blitz Logo, fair use

Michigan Panthers:
Nach mittelmäßigem Start wurde sehr viel Geld in die Panthers gesteckt. Aus einem 1-4 Start wurde letztlich ein 12-6 in der Regular Season. Das Team wurde als eines der wenigen als sportlich NFL-würdig gesehen, da man sich auf vielen Positionen mit entsprechendem Talent eingedeckt hatte. Am Ende investierte man 6 Millionen Dollar, mehr als das dreifache dessen, was der Dixon Plan empfohlen hatte.

Chicago Blitz:
Teilowner und HC George Allen (mehrfacher NFL HC of the Year) wollte eine Konkurrenz zu den Bears aufbauen, zumal er mit Bears Owner George Halas im Clinch lag. Das Team war voll mit NFL Veteranen, galt als der große Favorit. Die Zuschauer kamen aber kaum, mit 18.000 Zauschern im Schnitt war Chicago Blitz weit unter anderen Teams. Mehrheitsbesitzer Ted Diethrich, aus Phoenix stammend, tauschte das Team mit dem der Wranglers nach einem Jahr. Spieler, Coaches,… gingen also von Chicago nach Phoenix und umgekehrt.

Atlantic Division: Zuschauermangel und Trumps Footballtraum

New Jersey Generals:
Sicher eines der umstrittenen Teams. Angedachter erster Besitzer war Donald Trump, der aber lieber versuchte die Baltimore Colts zu übernehmen. Nachdem dieses Vorhaben gescheitert war, wurde Trump 1984 Owner der Generals. Die Franchise lockte Heisman Winner Herschel Walker mit einem 4,2 Mio $ Vertrag nach dessen dritten College Jahr in die USFL. In der NFL hätte der Running Back, nach damaligen Regeln, erst nach 4 College Jahren spielen dürfen. Walker ist bis heute eine Art Ziehsohn von Trump und verbreitete nach der letzten Präsidentschaftswahl die üblichen Verschwörungstheorien. Aktuell bewirbt sich Walker, der die Evolutionstheorie bestreitet, mit Trumps Unterstützung in Georgia um einen Platz im US Senat.

Logo der Washington Federals
Logo der Washington Federals, fair use

Washington Federals:
Dixon wollte die Hauptstadt in der Liga vertreten sehen, auch wenn es Probleme gab einen Owner zu finden. Am Ende wurden die Federals von einer mehrköpfigen Gruppe geführt, in welcher die Strukturen eher undurchsichtig waren. An der Spitze stand der lokal bekannte Anwalt Berl Bernhard ansonsten blieb vieles im Dunkeln. Die Federals wollten sich mit dem örtlichen NFL-Team duellieren, doch wenige Wochen vor dem Start der ersten USFL-Saison gewann dieses den Super Bowl. Der komplette Medienfokus lag beim NFL-Vertreter, nahezu niemand interessierte sich für den Start der Federals. Die Franchise war nahezu bedeutungslos, schaffte mehrfach keine fünfstellige Zuschauerzahl. Dazu fehlte sportlich jede Art von Erfolg.

Boston Breakers:
Eine Franchise ohne Glück könnte man über die Breakers sagen. Das Stadion der Patriots gehörte der Owner-Familie und dort wollten die Breakers-Owner nicht „zur Miete“ spielen. Daher waren Spiele im Harvard Stadium der gleichnamigen Universität angedacht, doch daraus wurde nichts. Nach langer Suche endeten die Breakers auf dem „Nickerson Field“ der Boston University. Das deutlich kleinste Stadion der USFL mit 21.000 Plätzen. Sportlich verlief es ganz gut, wirtschaftlich war es ein Desaster. So leidenschaftlich Fans der Breakers auch waren, es gab zum Beispiel Platzstürme nach Siegen, so gering war ihre Zahl. Denn im Schnitt kamen keine 14.000 Zuschauer und die Kalkulation hatte selbst mit ausverkauftem Stadion wöchentlich rote Zahlen ergeben. Nach der Saison wurde die Franchise nach New Orleans verfrachtet, ein Jahr darauf nach Portland.

Philadelphia Stars:
Die Stars waren sportlich das erfolgreichste Team der Liga-Geschichte. Head Coach Jim Mora, der im Anschluss noch eine lange NFL Karriere hatte, baute ein Team mit herausragender Defense auf, die in 18 Spielen nur 204 Punkte hinnehmen musste. Am Ende verlor man aber im Finale gegen Michigan. Wirtschaftlich sah es nicht gut aus. Der Zuschauerschnitt blieb unter 20.000 Zuschauern, über den Stars schwebte lange die Geschichte der Philadelphia Bell aus der World Football League 1974. Damals posaunten die Bell mit 120.000 Zuschauern in den ersten beiden Spielen herum, ehe sich herausstellte, dass über 100.000 der Tickets gratis waren oder zu drastisch reduzierten Preisen verkauft wurden.

Die erste Saison

Spielball der USFL, ©Mikerussell, en.wikipedia

Wie zuvor geschrieben wünschte sich David Dixon zurückhaltende finanzielle Ausgaben im sportlichen Bereich um die USFL in ihren ersten Jahren zu etablieren. Viel mehr sollte das Geld in große Marketing-Kampagnen gesteckt werden um die Teams lokal zu vermarkten. Das lief mancherorts wie in Tampa durchaus gut, vielerorts aber eher mäßig erfolgreich, auch wenn die Zuschauerzahlen an den meisten Orten stimmten. Im Fernsehen wurden die Erwartungen sogar übertroffen. ABC und der damals noch junge Sender ESPN (wurde 1984 von ABC übernommen) übertrugen die Spiele und erreichten ein durchschnittliches Nielsen Rating von 6,1. Gewünscht waren 5,0.

Die Liga bot in ihrer ersten Saison trotz der wenigen großen Namen einen sportlich sehr mitreißenden Football. Das 1983er Finale, ein 24-22 Sieg der Michigan Panthers über die Philadelphia Stars, wurde als wesentlich unterhalsamer angesehen als viele Super Bowls der Vorjahre. Während Veteranen oft enttäuschten, begeisterten viele Rookies wie Kelvin Bryant (Philadelphia), Trumaine Johnson (Chicago) und erwähnter Herschel Walker.

Auch Spieler, die in der NFL nur eine Nebenrolle eingenommen hatten, konnten sich einen Namen machen. Linebacker Sam Mills hatte vor der USFL nur mal bei den Browns eine Saisonvorbereitung mitgemacht und sich erfolglos in der CFL versucht. Mit 23 landete er bei den Philadelphia Stars und wurde einer der bedeutendsten Spieler der Liga-Historie.

Nach dem Ende der USFL wurde er auch in der NFL zu einem absoluten Star, spielte noch bis 1997 bei den Saints und Panthers. In diesem Jahr wird Mills in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen werden. Leider wird er die Ehrung nicht mehr miterleben. Bereits 2005, mit 45 Jahren, verstarb Mills an einer Krebserkrankung. “Keep pounding“, der Leitspruch der Carolina Panthers, geht auf den Linebacker zurück. Am 3. Januar 2004, vor dem Divisional Playoff Spiel der Panthers gegen die Cowboys schwor er die Mannschaft mit den Worten ein. Wenige Monate zuvor hatte Mills von seiner tödlichen Krankheit erfahren und war trotz aussichtsloser Lage immer optimistisch geblieben.

Die Saison 1983

USFL Saison 1983
USFL Saison 1983
USFL Playoffs und Auszeichnungen 1983
USFL Playoffs und Auszeichnungen 1983

Im zweiten Teil geht es um das Ende der USFL. Ein großer juristischer Streit gegen die NFL, der teilweise gewonnen wurde und gleichzeitig das Ende der Liga endgültig besiegelte.

1 KOMMENTAR

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen