Free Agency Recap – AFC North

Heute schauen wir in unserem Free Agency Recap auf die AFC North. Welche Moves waren gut, welche nicht? Und welche Needs sind noch offen?

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Lesezeit: 9 Minuten

Herzlich willkommen zur siebten und damit schon vorletzten Ausgabe unseres Free Agency Recaps. Ich schaue heute für euch auf die AFC North und damit die Division, die den AFC-Teilnehmer des Super Bowls gestellt hat. Bei der Recherche ist mir erst wieder aufgefallen, dass die Baltimore Ravens vergangene Saison Letzter in der Division wurden. Sie waren mit 8-9 das beste Team auf dem vierten Platz ihrer jeweiligen Division. Man kann also behaupten, dass die AFC North eine starke Division ist. Und mit Blick auf die Free Agency gilt es zu erwarten, dass es eine starke Division bleibt. Dazu ein kleiner Einwurf vorneweg: Ich werde den Trade für Deshaun Watson nicht mit in die Bewertung der Cleveland Browns nehmen. Dieser Trade hat so viele Schichten und so viele Blickwinkel, dass ich dem in dieser kurzen Bewertung nicht gerecht werden kann, also werde ich es ignorieren. Sportlich schlechter ist die Division damit auf jeden Fall nicht geworden. Aber genug der Vorrede, los gehts mit dem Recap.

Cincinnati Bengals

Bester Move: Die gesamten Moves in der Offensive Line

Die Bengals haben in der Offensive Line einige Moves gemacht. Das war auch zwingend notwendig. Die Offensive Line war der Schwachpunkt des Teams letztes Jahr, was besonders in Playoffs und dem Super Bowl sichtbar wurde. Es war sogar höchst ungewöhnlich, dass die Bengals trotz dieser Line so erfolgreich waren. In der Free Agency hat man also reagiert und Center Ted Karras, Right Guard Alex Cappa und Right Tackle La’el Collins verpflichtet. Das sind nicht nur überdurchschnittliche Spieler auf ihren jeweiligen Positionen, sondern man hat sie auch noch zu absolut marktgerechten und nachvollziehbaren Preisen verpflichtet. Es ist schon oft genug geschehen, dass Teams in Situationen, in denen das Team eine so offensichtliche Schwachstelle aufweist, diese Position mit Geld zuschüttet und Spieler überbezahlt. Das ist hier aber nicht der Fall. Die Bengals nutzen richtigerweise ihre Cap-Flexibilität mit Joe Burrow auf seinem Rookie-Vertrag, behalten sich aber mit diesen Signings genug Raum für Verstärkungen auf anderen Positionen des Kaders. Alles richtig gemacht, Bengals!

Schlechtester Move: TE C.J. Uzomah, Vertrag nicht verlängert, jetzt New York Jets

C.J. Uzomah war besonders in der späten Phase der letzten Saison ein wichtiger Spieler für die Bengals. Rein sportlich ist er kein herausragender Tight End, aber er hatte eine gute Connection zu Joe Burrow und war, was man so hört, auch eine extrem wichtige Präsenz im Locker Room. Er hat insgesamt sehr gut in dieses Team gepasst. Aus meiner Sicht ist es nicht ganz nachvollziehbar, warum die Bengals das Angebot der New York Jets nicht gematcht haben. Durchschnittlich 8 Mio. Dollar im Jahr hätte man ohne Probleme aufbringen können. Wenn man sich in einem Titelfenster sieht, sollte man versuchen dem Quarterback die bestmöglichen Umstände zu geben. Und ein Tight End, dem der junge Quarterback vertraut und der eine echte Waffe im Receiving Game ist, sollte man in einer solchen Situation nicht leichtfertig abgeben.

Under the Radar Move: TE Hayden Hurst, Free Agent Signing, 1 Jahr – 3,5 Mio. $

Hayden Hurst hatte letztes Jahr seine schlechteste Saison in der NFL. Insgesamt konnte er in den beiden Jahren bei den Falcons nicht das bestätigen, was er in den ersten beiden Jahren bei den Ravens zeigte. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass ihm der Tapetenwechsel in die aufstrebende Offense der Bengals guttut und er nach dem Abgang von Uzomah eine gute Rolle als Tight End einnehmen kann. Das Risiko ist bei 2 Mio. Dollar garantiert auf jeden Fall gering und kann sich als Schnäppchen erweisen, wenn er an seine starke Leistung von 2019 anknüpfen kann.

Größter Draft Need: Defensive Backs

Auf den ersten Blick wirkt der Roster der Bengals sehr ausgeglichen und weist keine schreienden Needs auf. Bei etwas genauerem Hinsehen, ist mir jedoch die Secondary ins Auge gesprungen. Chidobe Awuzie muss dort seine Rolle als Nummer 1 Cornerback erst bestätigen, Eli Apple sah bereits in den Playoffs das ein oder andere Mal schlecht aus und auch auf Safety fehlt hinter Jessie Bates III und Vonn Bell die Tiefe. Hier sollten die Bengals nachbessern, wobei sie aufgrund der Ausgeglichenheit des Kaders weitestgehend nach dem Best Player Available Prinzip draften können.

Pittsburgh Steelers

Bester Move: RG James Daniels, Free Agent Signing, 3 Jahre – 26,5 Mio. $

Lange war Offensive Line der Steelers eine Stärke dieses Teams. 2018 gradete PFF die Steelers Line noch als beste der Liga. 2019 ging es runter auf Platz 9, 2020 auf 17 und letzte Saison war man gar nur noch die Nummer 26 in diesem Ranking. Die Steelers mussten also etwas machen, um in diesem Mannschaftsteil die Trendwende einzuleiten. Mit Right Guard James Daniels hat man diesbezüglich den ersten Schritt gemacht. Daniels kommt ebenfalls von einer schwachen Line der Bears, allerdings war er nicht das Problem in Chicago. Er sollte diese Steelers Line direkt merklich verbessern und das zu einem Deal, über den sich niemand in Pittsburgh beschweren kann. Need, Value und Preis passen hier super zusammen.

Schlechtester Move: RT Chukwuma Okorafor, Vertragsverlängerung, 3 Jahre – 29 Mio. $

Es geht weiter in der Offensive Line. Chukwuma Okorafor ist seit 2020 der Starter auf Right Tackle für die Steelers. In 2020 rankte PFF ihn auf Platz 70 von 79 aller Tackles in 2021 auf Platz 61 von 83. Man kann also durchaus von einem unterdurchschnittlichen Starter sprechen. Trotzdem haben die Steelers mit ihm verlängert und das zum sechsthöchsten durchschnittlichen Jahresverdienst aller Right Tackles in der NFL. Die Steelers scheinen hier ein wenig in die Falle zu tappen und lieber das zu behalten, was man kennt anstatt sich zu trennen und daran zu glauben, dass man etwas Besseres findet. Zwar gilt besonders in der Offensive Line, dass man fähige Spieler erst einmal identifizieren, beziehungsweise entwickeln muss, da die Anzahl potenzieller Starter sehr beschränkt ist. Allerdings wird es problematisch, wenn man Schwächen teuer bezahlt und genau das ist hier der Fall.

Under the Radar Move: CB Levi Wallace, Free Agent Signing, 2 Jahre – 8 Mio. $

Ich durfte bei unserer Pre-Free-Agency Ausgabe von 1-3-5 schon meine Zuneigung zu Levi Wallace kundtun. Für mich ein unterschätzter Cornerback, der jedem Team als Nummer 2 gut zu Gesicht stehen kann. Die Steelers bekommen hier für ein bemerkenswert geringes Gehalt einen konstant guten Cornerback, der ihre Secondary sofort stabilisieren und den abgewanderten Joe Haden ersetzen wird. Klar, kein Top-Star, aber definitiv eine Verstärkung und eine über die aus meiner Sicht zu wenig gesprochen wurde.

Größter Draft Need: Left Tackle

Das Thema Offensive Line zieht sich durch bei den Steelers. In der Interior Line hat man den erwähnten James Daniels verpflichtet, auf Center den ehemaligen Viking Mason Cole. Was dem Team aber weiterhin fehlt ist ein Left Tackle. Der letztjährige Starter Dan Moore Jr. war letzte Saison einer der schlechtesten Left Tackle überhaupt in der Liga. Hier müssen die Steelers aktiv werden, gegebenenfalls auch früh im Draft. Auch ohne ein College-Experte zu sein, hat man schon vernommen, dass die Tackle-Klasse im kommenden Draft vielversprechend zu sein scheint. Es würde mich nicht wundern, wenn ein früher Pick der Steelers in diese Richtung geht.

Cleveland Browns

Bester Move: WR Amari Cooper, Trade für 5th Round Pick, vorher Dallas Cowboys

Was der schlechteste Move für die Cowboys war, war der beste für die Browns. Man konnte sich für einen Fünftrundenpick die Dienste von Wide Receiver Amari Cooper sichern. Der hat noch 3 Jahre für 60 Mio. Dollar auf seinem Deal und fällt damit finanziell in den inzwischen etablierten Bereich für Nummer 1, aber nicht Top10 Receiver. Und da passt er auch sportlich sehr gut hin. Durch eine Restrukturierung und der Ergänzung von Void Jahren konnten die Browns den Cap Hit diese Saison auf 5 Mio. Dollar senken und behalten sich jede Menge Flexibilität um das Team zu verstärken. Finanziell also ein absolut grundsolider Deal. Sportlich hat es den Browns in den letzten Jahren an Klasse auf der Receiver Position gefehlt. Diese Klasse bringt Cooper nun mit. Er braucht sicherlich noch etwas Verstärkung neben sich, da er nicht die überragende Dominanz mitbringt, wenn er die einzige Waffe seines Teams ist. Aber wenn die Browns die anderen Receiver Spots noch etwas ergänzen, um Cooper zu entlasten, kann das eine echte Erfolgsgeschichte für die Browns werden.

Schlechtester Move: C J.C. Tretter, Entlassung

Die Browns haben in einem wenig beachteten Move ihren Center J.C. Tretter entlassen und ich kann diesen Move absolut nicht nachvollziehen. Ich verstehe zwar, dass die Browns eine extrem teure Offensive Line hatten und auch weiterhin haben, aber wenn man sich die Verträge genauer anschaut sind die Verträge der beiden Guards Joel Bitonio und Wyatt Teller so strukturiert, dass sie erst ab 2023 den Cap stark belasten. Jack Conklin ist ein teurer Right Guard, aber Left Tackle Jedrick Wills ist auf seinem Rookie Vertrag und auch nach dem Deshaun Watson Trade haben die Browns immer den fünfthöchsten Cap der Liga. Für einen Quarterback ist ein stabiler Center ein wichtiges Assett und für mich ist es unverständlich, warum man Watson in seinem neuen Umfeld diese Stütze entzieht. Tretter war ein Top10 Center letztes Jahr und ohne wirkliche Not auf ihn zu verzichten ist für mich kein guter Move.

Größter Draft Need: Interior Defensive Line

Die Browns haben in dieser Offseason die Defensive Linemen Malik Jackson, Jadeveon Clowney und Malik McDowell verloren. Jeder dieser Spieler hat letzte Saison um die 60% aller defensiven Snaps gespielt. Verpflichtet wurde für die Interior Defensive Line jedoch nur Taven Bryan, ehemals ein Jaguar. Myles Garrett ist zwar einer der besten Edge Rusher der NFL, die Browns brauchen jedoch noch mehr fähige Spieler in der Defensive Line, sonst können Offenses ganz gezielt um Garrett herum spielen, ohne sich vor den anderen Verteidigern fürchten zu müssen. Die Browns brauchen hier sowohl sofortige Hilfe, als auch Spieler mit Entwicklungspotenzial für die Tiefe. Dieser Need ist so groß, dass er sogar Wide Receiver überstrahlt, der aus meiner Sicht direkt danach kommt.

Baltimore Ravens

Bester Move: RT Morgan Moses, Free Agent Signing, 3 Jahre – 15 Mio. $

Die Ravens haben mit Morgan Moses einen der Steals der Free Agency gelandet. Klar, er ist kein absoluter Top Tackle in der NFL. Aber er ist allemal gut genug, um den Ravens in der Offensive Line sofort zu helfen und sie zu stabilisieren. Außerdem ist er quasi immer verfügbar. Seit er 2015 als Starter bei Washington übernommen hat, hat er nur ein einziges Spiel verpasst. Ein okayer bis guter Starter, der nie verletzt ist und keine Schwachstelle in der Offensive Line darstellt? Genau solche Spieler sollte man in der Free Agency jagen. Und was sollte man dabei vermeiden? Sie zu teuer zu bezahlen. Moses bekommt ein sehr durchschnittliches Gehalt für einen Starting Right Tackle und die Ravens können auch nach dieser Saison jederzeit ohne viel Dead Cap aus dem Vertrag heraus. Es verwundert ein wenig, dass er so günstig verfügbar war und dass andere Teams die Ravens nicht überboten haben. Gut für die Ravens!

Schlechtester Move: —

Die Ravens tun mal wieder viele gute Dinge in der Free Agency. Einen wirklich herausragend schlechten Move konnte ich nicht identifizieren. Alle Moves sind sportlich und finanziell weitestgehend nachvollziehbar. Wenn man etwas kritisieren will, dann das Signing von Safety Marcus Williams. Für meinen Geschmack ist der Vertrag mit 14 Mio. Dollar im Jahr etwas zu teuer. Die Ravens binden somit weiter viel Geld in ihrer Secondary. Die Cornerbacks Marcus Peters und Marlon Humphrey haben beide diese Saison Cap Hits von über jeweils 15 Mio. Dollar. Williams zu dieser Gruppe hinzuzufügen, ist sportlich absolut Aufsehen erregend und kann ein Homerun werden. Ich hätte es jedoch aus Ravens Sicht besser gefunden einen günstigeren Safety zu verpflichten und zusätzlich die Defensive Line zu verstärken. Der Trend weist aktuell etwas in die Richtung, dass dominante Fronts mehr Value mitbringen, als eine starke Secondary. Ich habe mich im Endeffekt jedoch dagegen entschieden diesen Move als schlecht zu bezeichnen, da der Williams-Vertrag so strukturiert ist, dass erst ab 2024 der Cap Hit wirklich hoch ist. Das ist ein Zeitpunkt zu dem Marcus Peters nicht mehr in den Ravens Büchern steht.

Under the Radar Move: DT Calais Campbell, Resigned, 2 Jahre – 12,5 Mio. $

Es ist fast ein wenig untergegangen, da dieser Move schon nicht mehr in der ganz heißen Phase der Free Agency kam. So hat es selbst ein Riese wie Calais Campbell geschafft ein wenig unter dem Radar zu fliegen. Campbells Vertragsverlängerung ist extrem wichtig für die Ravens, die ohne ihn ziemlich dünn in der Interior Defensive Line besetzt wären. Die meisten Mock Drafts hatten bisher Defensive Line in Runde 1 für die Ravens in petto. Mit Campbell weiterhin im Roster entspannt sich diese Situation ein wenig. Sportlich ist Campbell immer noch über jeden Zweifel erhaben trotz seiner inzwischen 36 Jahre. Die Ravens behalten also sportlich wichtiges und hochwertiges Play in der Defensive Line für einen überschaubaren und risikoarmen Deal.

Größter Draft Need: Cornerback

Die Ravens haben in der Free Agency einige Cornerbacks verloren, beziehungsweise nicht verlängert. Anthony Averatt und Tayvon Young haben beide jeweils mehr als 50% der Snaps gespielt, Kevon Seymour und Jimmy Smith immerhin mehr als 20%. Wenn man auf das Depth Chart der Ravens schaut, ist hinter Marlon Humphrey und Marcus Peters schnell Schluss mit Starting Kaliber Cornerbacks. Hier müssen die Ravens also aktiv werden und sowohl perspektivisch einen Nachfolger für Peters finden, der nächstes Jahr Free Agent wird. Sie müssen aber auch Spieler verpflichten, die dem Team sofort in der Cornerback-Rotation und in der Tiefe helfen. Gelingt das nicht, könnten die Ravens über ihre in der Spitze extrem starke Secondary stolpern, da es an Tiefe und Alternativen im Falle von Verletzungen fehlt.

Ausblick

Das war der Free Agency Recap der AFC North und gleichzeitig der letzte Recap, den ein Lead Blogger alleine geschrieben hat. Denn nächsten Mittwoch kommt zum feierlichen Abschluss die NFC West, in der Martin, René, ein Gast und ich uns die Teams aufteilen werden und somit eine gemeinsame Folge veröffentlichen werden. Freut euch schon einmal drauf, das wird super! Anschließend ist es schon nicht mehr lange bis zum Draft, es geht also Schlag auf Schlag. Bleibt dabei und vor allem, bleibt gesund!

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