Free Agency Recap – AFC South

Heute schauen wir in unserem Free Agency Recap auf die AFC South. Welche Moves waren gut, welche nicht? Und welche Needs sind noch offen?

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Lesezeit: 6 Minuten

Die diesjährige Off-Season ist eine der wildesten der NFL-Geschichte. Mit dem Trade von Deshaun Watson hat auch die AFC South ihren Teil dazu beigetragen. Ansonsten fährt sie eher etwas unter dem Radar. Die Teams waren überraschend zurückhaltend – abgesehen von den Jacksonville Jaguars. Aber lest selbst…

Tennessee Titans

Bester Move: Robert Woods, WR, Trade mit den Rams, 6th Round Pick 2023 

Ähnlich wie in Indy musste man sich auch in Tennessee von einem Trade-Fehlschlag aus dem letzten Jahr trennen. Die Verpflichtung von Julio Jones hat sich leider überhaupt nicht ausgezahlt. Dabei hat sich letzte Saison gezeigt, wie wichtig gute Receiver für das Scheme der Titans ist. Als sich AJ Brown gegen die Texans verletzte und für drei weitere Spiele ausfiel, konnten die Titans in der Zeit nur gegen die Jaguars gewinnen. Als er wieder fit war, kehrte der Erfolg nach Tennessee zurück. Um die vakante Stelle gegenüber von AJ Brown zu besetzen, sicherten sich die Titans die Dienste von Robert Woods. Dieser kommt zwar von einem Kreuzbandriss zurück, war dafür mit einem 6. Rundenpick aus dem nächsten Jahr extrem günstig. Ein typischer Low Risk, High Reward Move.

Schlechtester Move: —

Wie bereits angedeutet waren die Titans in der Free Agency bisher nicht sehr aktiv. Bei den wenigen Moves der Titans konnte ich keinen als schlecht ausmachen. Am ehesten stört mich der Vertrag von Harold Landry, der aber angesichts der jährlichen Steigerung seiner Stats durchaus verdient ist. 

Under the Radar move: Ben Jones, C, Vertragsverlängerung 2 Jahre, 14 Mio. Dollar

Die Offensive Line war über lange Zeit einer der Erfolgsgaranten für das dominante Laufspiel der Titans. In der letzten Saison war die Einheit jedoch durch viele Verletzungen gebeutelt. Zudem hat man dort so langsam aber sicher einen altersbedingten Umbruch eingeleitet. Center Ben Jones war dabei aber eine sehr wichtige Konstante und bleibt dem Team zu guten Konditionen erhalten. Seine Präsenz sollte helfen, junge Spieler in die Line zu integrieren.

Größter Draft Need: Guard

Der gerade erwähnte Umbruch in der Offensive Line wird sicher auch im Draft weitergehen. Nach dem Abgang von Roger Saffold klafft dort besonders auf Guard eine große Lücke. Die Titans könnten sich aber auch sicherlich nach einer Verstärkung auf Right Tackle und Tight End umsehen.

Indianapolis Colts

Bester Move: Matt Ryan, QB, Trade mit den Falcons (3rd Round Pick)

Auch als Divisionsrivale muss man vor dem Front Office der Colts einfach Respekt haben. Der Trade für Carson Wentz war schlussendlich ein teurer Fehlschlag, wie es viele Experten vor der letzten Saison befürchtet hatten. Statt an diesem Fehler festzuhalten, hat man in Indy einen Schlussstrich gezogen und Wentz nach Washington abgegeben. Stattdessen holte man mit Matt Ryan sogar ein Upgrade auf der Quarterback-Position. Ganz nebenbei konnten die Colts dabei auch noch ihr Draftkapital verbessern, da sie für Wentz zwei 3rd Round Picks, unter anderem auch den für dieses Jahr, erhalten, für Ryan aber nur den eigenen, schlechteren 3rd Round abgeben mussten. Zusätzlich tauscht man mit Washington noch den 2nd Round Pick aus diesem Jahr.

Schlechtester Move: Mark Glowinski, OG, Abgang zu den Giants, 3 Jahre, 18,3 Mio. Dollar, 11,4 Mio. garantiert

Auch die Colts waren abgesehen von den o.g. QB-Trades bisher relativ zurückhaltend. Ich rechne noch damit, dass man in Indianapolis noch einige kleinere Verpflichtungen und Vertragsverlängerungen in den späteren Phasen der Free Agency sehen wird. Von den bisherigen Moves stört mich der Verlust von Glowinski am ehesten, da dadurch ein weiterer Teil der OLine wegfällt. Zwar ist Glowinski schon 30 und vermutlich nur der dritt- oder viertbeste Offensive Line Spieler der Colts. Da man in Indy aber immer noch nach einem Nachfolger für Castanzo auf LT sucht, erscheint es wenig sinnvoll, hier ein weiteres Loch aufzumachen.

Größter Draft Need: Left Tackle

Die OLine der Colts war in den letzten Jahren eine Bank, sucht aber seit über einem Jahr eine Lösung auf der vielleicht wichtigsten Position dort. Ohne First Round Pick müssen die Fans in Indy auf das Geschick ihres GMs hoffen, irgendwann später eine adäquate Lösung zu finden.

Houston Texans

Bester Move: Maliek Collins, DT, Verlängerung für 2 Jahre, 17 Mio. Dollar, 8,5 Mio. garantiert

Anders als im letzten Jahr war die Free Agency in Houston sehr ruhig. Natürlich hat der Watson-Trade die Schlagzeilen beherrscht. Da die Texans aktuell zusammen mit den Seahawks über den größten Capspace verfügen, rechne ich auch hier noch mit der ein oder anderen Move. Überraschenderweise wurden viele der eigenen Free Agents gehalten. Dabei sticht für mich Maliek Collins heraus, der im letzten Jahr zu den wenigen Spielern gehörte, die wirklich überzeugen konnten. Mit 2,5 Sacks, 9 Tackles for Loss und sogar einer Interception war er der beste Interior DLiner im Team.

Schlechtester Move: Eric Murray, S, Vertragsverlängerung, 2 Jahre, 8 Mio. Dollar

Die Personalie Murray steht hier stellvertretend für eben diese zweifelhafte Strategie, so gut wie alle Spieler des letztjährigen Teams weiterzuverpflichten. Die Texans konnten sich zwar besser präsentieren, als von vielen erwartet. Dennoch hatte das Team immer noch den drittschlechtesten Record. Dennoch hat Caserio bisher 18 Free Agents aus dem eigenen Kader verlängert. Eric Murray im speziellen konnte weder seinen vorherigen gut dotierten Vertrag, noch die nun unterzeichnete Verlängerung irgendwie durch Leistung rechtfertigen. Es bleibt mir die Hoffnung, dass das Team durch den Draft deutlich verbessert wird, damit einige dieser Signings wieder aussortiert werden können. Murray wird aufgrund seiner fast 4 Mio. Dollar an Garantien sicher nicht dazugehören.

Under the Radar move: MJ Stewart, S, 1 Jahr, 2,25 Mio. Dollar, 0,5 Mio. garantiert

Mit Justin Reid mussten die Texans den nächsten Verlust einer weiteren Identifikationsfigur hinnehmen. Wie stark der Verlust sportlich wirkt, bleibt abzuwarten, da Reid an sein starkes Rookie-Jahr nie so recht anknüpfen konnte. Sein Ersatz wird MJ Stewart sein. Der frühere 2nd Round Pick hatte im Laufe seiner Karriere immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und unterschreibt deshalb einen Prove-it-Deal für wenig Geld. Seine PFF-Grade im letzten Jahr war allerdings herausragend. Falls Stewart gesund bleiben kann, könnten die Texans hier einen echten Steal gelandet haben.

Größter Draft Need: Edge Rusher, Interior OLine

Die Texans sind ein Team im Rebuild und brauchen an vielen Stellen Hilfe. Nach dem Watson-Trade hat man jetzt ein gewisses Startkapital, um den Neuaufbau endlich so richtig zu starten. Die größten Baustellen sind dabei der Pass Rush und die Interior OLine.

Jacksonville Jaguars

Bester Move: Brandon Scherff, OG, 3 Jahre, 49 Mio. Dollar, 30 Mio. garantiert

Anders als der Rest der Division hatte GM Trent Baalke sein Scheckbuch relativ locker sitzen. Damit übertraf er aber nicht nur die Divisionsrivalen, sondern die ganze Liga. Fast 270 Mio. Dollar investierten die Jaguars in dieser Free Agency. Für die sieben Neuverpflichtungen zahlen man jetzt durchschnittlich 86,5 Mio. Dollar im Jahr. Das ist mehr, als die Hälfte der Liga insgesamt ausgegeben hat. Mit Brandon Scherff konnte man sich den besten Kandidaten in der Interior Offensive Line sichern und damit eine große Baustelle schließen. Der First Team All Pro aus 2020 hatte die letzten Jahre zwar Verletzungsprobleme, gehört aber ohne Zweifel zu den besten seines Fachs. Scherff nimmt den Platz von Andrew Norwell ein, der vor ein paar Jahren mit ähnlichen Vorschusslorbeeren verpflichtet wurde, aber leider seinem Vertrag nie gerecht wurde. Es wäre Trevor Lawrence und den Jaguars-Fans zu wünschen, dass sich diese Geschichte bei Scherff nicht wiederholt.

Schlechtester Move: Überbezahlen, ohne wirklich signifikant besser zu werden

Die Kehrseite einer weit geöffneten Brieftasche wird hier schnell deutlich. Die Jaguars mussten bei mehreren Kandidaten deutlich tiefer in die Tasche greifen, als man das vielleicht erwartet hat. Egal, ob es eben Foyesade Oluokun, Christian Kirk, Evan Engram, Zay Jones oder Folorunso Fatukasi ist. Bei allen diesen Signings haben mich die aufgerufenen Summen doch ziemlich schockiert, abgesehen von der Tatsache, dass ich Oluokun und Fatukasi erstmal googeln musste. Das wirklich traurige ist aber für mich, dass die Jaguars durch viele dieser Moves nicht wirklich besser geworden sind. Ob Oluokun zu Myles Jack, Fatukasi zu Taven Bryan oder Kirk zu DJ Chark, alle diese Moves sind eher Downgrades in meinen Augen. Dazu kommt dann noch, dass diese Spieler für deutlich weniger Geld woanders unterschrieben haben. Als Außenstehender fragt man sich da schon, welchen Plan Trent Baalke mit dieser Strategie verfolgt.

Größter Draft Need: Offensive Tackle, Wide Receiver

Die Jaguars waren zwei Jahre in Folge das schlechteste Team der NFL. Erwartungsgemäß sind in Jacksonville also noch eine Menge Löcher zu stopfen. Da hilft es auch nicht, dass man in dieser Free Agency auf einigen Positionen nicht wirklich besser geworden ist. Das vorrangige Ziel für den Draft muss sein, Trevor Lawrence besser zu beschützen. Natürlich würden ihm auch noch weitere Waffen ganz gut tun.

Ausblick

Das war die zweite Episode unseres Free Agency Recaps mit der AFC South. Wie ist eure Meinung? Welche Moves haben für euch herausgestochen? Wir freuen uns über euer Feedback. Schaut auf jeden Fall am Mittwoch wieder rein, wenn Benedikt auf die NFC East schaut. Bis dahin, bleibt gesund.

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