1 Spieltag – 3 Autoren – 5 Fragen – Super Bowl

Der Super Bowl in Los Angeles steht vor der Tür! Um den Super Bowl drehen sich heute auch der Großteil unserer 5 Fragen.

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Die Cincinnati Bengals treffen im diesjährigen Super Bowl auf die Los Angeles Rams. Das Spiel findet im SoFi Stadium in Los Angeles statt, wo durch im zweiten Jahr in Folge ein Team ein Home Super Bowl hat. Letztes Jahr konnten die Tampa Bay Buccaneers diesen Vorteil ausnutzen und den Titel gegen die Kansas City Chiefs holen. Können die Los Angeles Rams dies wiederholen oder können die Bengals für eine weitere Überraschung sorgen?

In der heutigen Super Bowl Ausgabebeantworten Rico Harting(@DolfDriveRico), René Jaschko (@airjoTNDAC) und Jonathan Groeneveld (@JonaGroe89) die Fragen. Neben dem Super Bowl geht es auch um die neuen Coaches.

Wie können die Cincinnati Bengals die Los Angeles Rams schlagen?

René Jaschko: Die große Schwäche der Bengals ist die rechte Seite ihrer Offensive Line. Es ist zu erwarten, dass Raheem Morris‘ Defense nach Möglichkeiten suchen wird, Aaron Donald und Von Miller zeitgleich diese Seite attackieren zu lassen. Zac Taylor muss also Wege finden, durch beispielsweise Screens, Rollouts oder Chips den Druck von der O-Line zu nehmen und dadurch Burrow mehr Zeit zu verschaffen. Wenn dann auch die eigene Defense den ein oder anderen Stopp beisteuert, könnte die Überraschung gelingen und die Vince-Lombardi-Trophäe nach Ohio reisen.

Rico Harting: Die Bengals können die Rams schlagen, indem sie ihre In Game Management auf dem Level halten, wie sie es gegen die Chiefs geschafft haben. Nach einem wirklich suboptimalen Start im Championship Game gab es vor der Halbzeit zwei Knackpunkte. Der eigene Touchdown und der Stop der Defense haben dem Spiel vor der Halbzeit noch eine kleine Wendung gegeben, die in der zweiten Halbzeit und Overtime die Krönung gefunden haben.

Ein schwacher Start gegen die Rams ist für mich noch kein Beinbruch, aber sicherlich nicht optimal. Mit dem Big Play Potential über Chase hat die Offense immer wieder die Möglichkeit schnell Punkte zu erzielen. Jedoch wird dieser zum Großteil gegen Ramsey spielen. Ein Duell auf das sich viele Fans freuen dürfen. Offensiv muss die O-Line zumindest etwas Zeit verschaffen, damit Burrow die Möglichkeit hat einen Ausweg zu finden und in der Not mit den Beinen einzelne Spielzüge zu retten.

Auf der defensiven Seite wird es darauf ankommen, ob die Secondary die Anspielstationen unter Kontrolle bekommt. Kupp wird ein Problem werden, aber auch OBJ kann eine große Rolle spielen. Hauptsächlich wird es meiner Meinung aber auch darauf ankommen, ob Hendrickson und Hubbard über die Seiten und Hill durch die Mitte genug Druck auf Stafford ausüben können. Das Stafford in jeder Situation zu Fehler gezwungen werden kann hat das Championship Game gezeigt.

Jonathan Groeneveld: Für mich gibt es hier einen entscheiden Punkt für die Bengals. Sie müssen auf beiden Seiten des Balls an der Line of Scrimmage bestehen.

Kommen wir zunächst zur Offensive. Die Offensive Line war gegen die Titans eine Katastrophe und ist die klare Schwachstelle des Teams. Gegen die Chiefs sah es wieder etwas besser aus, aber die Rams haben deutlich mehr individuelle Qualität in der Defensive Line. Sollten die Rams hier dauerhaft mit dem 4 Men Pass Rush Druck ausüben können, dann wird es für die Bengals schwer eine konstante Offense zu kreiren.

In der Defensive müssen die Bengals genau das schaffen, was sie auf der anderen Seite verhindern müssen. Druck durch den 4 Men Pass Rush, damit Stafford durch die Coverage die Optionen im Passspiel genommen werden. Genau dann bekommt Stafford nämlich Probleme und versucht Würfe in Coverage zu erzwingen. Genau in diese Situation müssen die Bengals die Rams Offense bringen.

Wie können die Los Angeles Rams die Cincinnati Bengals schlagen?

René Jaschko: Für LA kommt es darauf an eine möglichst fehlerfreie Performance hinzulegen. Von der reinen Kaderqualität her ist die Teilnahme der Rams keine Überraschung, allerdings sah es in Phasen der Saison nicht wirklich danach aus. Gerade Matthew Stafford hat dem Team durch seine teils haarsträubenden Fehler einige Siege gekostet. Aber auch die Defense lieferte immer wieder unkonzentrierte Auftritte ab, in denen besonders das Tackling zu wünschen übrig ließ. Das darf LA gegen die Bengals jetzt natürlich nicht passieren. Wenn das Team aber weiter so souverän und diszipliniert auftritt, wie in den bisherigen Playoffs, sollte es den zweiten SuperBowl Sieg in Folge im eigenen Stadion geben.

Rico Harting: Die Rams sind für mich der leichte Favorit hier. Sie schlagen sich aber selber, wenn sie früh in Führung gehen und dann zu vorsichtig werden. Dann geben sie den Bengals die Chance ins Spiel zurückzukommen. Offensive müssen sie das Spiel aufbauen, wie in den letzten Wochen. Kupp und OBJ müssen ins Spiel gebracht werden und dazu das Einbinden der Tight Ends. Stafford muss die Fehler minimieren, nachdem er gegen die 49ers kurz vor Schluss mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

In der Defense wird sich alles auf Aaron Donald konzentrieren müssen. Eine der schwächsten O-Lines gegen den besten Defense Spieler der Liga. Für mich bietet genau dieses Match Up Potential den MVP für den Super Bowl zu krönen. Aber wenn man sich zu sehr auf Donald fokussiert kann dies dazu führen, dass von Miller zum Unterschiedsspieler wird, wie im SB50. In der Secondary wird es, wie schon geschrieben, darauf ankommen, ob Ramsey Chase im Griff hat. Das der CB gegen die Top Wide Receiver der Liga bestehen kann hat er die letzten Jahre zu genüge bewiesen.

Jonathan Groeneveld: Der entscheidene Faktor ist für mich Matthew Stafford. Wenn er es schafft fehlerfrei zu bleiben, dann sehe ich die Rams deutlich vorne. Insofern ist er für mich hier der X-Faktor. Natürlich kann hier genauso auch noch die D-Line genannt werden, aber ich gehe davon aus, dass Donald, von Miller und Co. Druck erzeugen können. Insofern ist für mich eher das Duell Stafford vs. Bengals Defense entscheidend.

Wer setzt sich am Ende im Super Bowl durch?

René Jaschko: Ich rechne damit, dass die Bengals das Spiel relativ eng halten. Aber am Ende wird sich Stafford mit den Rams durchsetzen. 31:28 Rams

Rico Harting: Ich gehe mit den Rams. Besonders für Donald würde es mich freuen, wenn er den Ring bekommt, da er in den letzten Jahren der überragende Defense Spieler war und sich den Ring verdient hat.

Die Rams gewinnen mit 24-17.

Jonathan Groeneveld: Im Prinzip sehe ich die Rams schon ein Stück vor den Bengals. Es würde mich aber absolut nicht wundern, wenn das Spiel einen ähnlichen Verlauf, wie das AFC Championship Game nimmt. Die Rams gehen in Führung und werden zu koservativ, was McVay gerne passiert. Dadurch schöpfen die Bengals wieder Mut und starten die Aufholjagd wie gegen die Chiefs.

Auch wenn ich eher an einen Rams Sieg glaube, gehe ich hier jetzt einfach mal mit den Bengals. Die Bengals gewinnen mit 24:21.

Könnte der Weg der Los Angeles Rams Nachahmer finden oder handelt es sich um einen Sonderfall?

René Jaschko: Generell ist die NFL eine Copycat League. Nicht umsonst gibt es seit Jahren relativ glücklose Versuche, das System der Patriots zu kopieren. Und natürlich erfreuen sich auch deswegen die Coaching Trees von McVay und Shanahan zuletzt einer großen Beliebtheit. Deshalb wird es sicherlich Versuche geben, sich das nächste Superteam zusammenzutraden. Auf der anderen Seite sind die meisten Teamowner extrem konservative Typen. Vermutlich wird an diesem Punkt der ein oder andere Kopierversuch scheitern. 

Zudem darf man nicht vergessen, dass zu diesem Weg mehr gehört, als frühe Picks für Starspieler zu traden. Die Rams haben einen wirklich guten Trainerstab und viel Erfolg dabei in späten Runden des Drafts gute Spieler zu finden. Sowas lässt sich nur bedingt kopieren. 

Rico Harting: Ich denke der Weg der Rams ist valide und hat gezeigt, dass man Erfolg haben kann. Teams, die einen guten Coach, wie die Rams mit McVay, haben, können durch punktuelle Verbesserung einen großen Schritt machen. Ein guter Quarterback hilft die Baseline zu erhöhen. McVay hat gezeigt, dass er mit Goff den Super Bowl erreichen kann und mit Stafford hat sich eben diese Baseline erhöht.

Für mich persönlich gibt es viele Wege, die zum Super Bowl führen können, die aber auch in die andere Richtung laufen können. Der Trade für Adams wird die Seahawks nicht soweit nach vorne bringen, wie Ramsey es mit der Rams Defense schafft. Das Niveau der Rams Defense allgemein ist dafür aber auch höher und man hat Aaron Donald in LA. Für wirkliche Ecksteine des Teams lohnt es sich zu traden. Man umgeht die Unsicherheiten des Drafts, aber es kostet Cap Space, was die Haltbarkeit des Erfolges vermutlich beschränkt. Aber das wird die Zukunft zeigen.

Jonathan Groeneveld: Ich muss da meinen beiden Vorrednern zustimmen. Rico trifft es sehr gut: Es gibt viele Wege, die zum Super Bowl führen. Es wird nie den einen Weg gehen, den Teams einfach kopieren können. Dazu gibt es einfach zu viele Möglichkeiten und zu viele Unwägbarkeiten während einer Saison. Natürlich kann aber durch bestimme Dinge die Chance erhöht werden, aber das würde jetzt hier zu ausführlich werden.

Genauso hat auch René einen guten Punkt angesprochen. Der Erfolg der Rams fußt auf den erfolgreichen Picks der Rams in den späten Runden. Einen Cooper Kupp in Runde 3 zu finden, der so eine gute Rolle spielt, ist selten. Das bedeutet aber auch, dass dieses Konstrukt auf wackligen Füßen steht. Im Draft ist auch immer eine gewisse Portion Glück dabei. Bei den Rams passt grade sehr viel. Sowohl die Veterans, die ertradet wurden, als auch die spät gedrafteten Spieler sind in einer zueinander passenden Timeline.

Zusammengefasst werden sicher Teams probieren Teile der Rams Strategie zu kopieren, aber ob ein Team so aggressiv auftritt, wie die Rams? Da muss schon viel zusammen passen im Rest des Teams, damit das Sinn macht.

Welche der Headcoach Verpflichtungen gefällt euch am besten und mit welcher könnt ihr wenig anfangen?

René Jaschko: Generell können wir auf einen recht seltsamen Hiring Cycle zurückblicken. Nach dem Urban Meyer Debakel hat man um Kandidaten aus dem College allgemein einen großen Bogen gemacht. Das Thema Diversität bekam durch Brian Flores und seine Klage gegen die NFL eine große mediale Aufmerksamkeit, spielte aber für die Besetzung der freien Plätze eher eine untergeordnete Rolle. Und dann waren da noch Teams wie die Jaguars und Texans, deren Trainersuche eher an einen Ausflug in einen Irrgarten erinnerte. 

Mir gefällt am besten die Verpflichtung von Brian Daboll für die Giants. Durch seine grandiose Arbeit mit Josh Allen hat er diesen Job auf jeden Fall verdient. Daneben gibt es mit O‘Connell bei den Vikings und McDaniel bei den Dolphins noch Personalien, die ich sehr spannend finde. 

Auch, wenn sich die Verpflichtung von Lovie Smith für meine Texans erneut wie eine Übergangslösung anfühlt, gibt es noch eine Verpflichtung, die mir weniger gefällt. Die Raiders hatten sich, mal wieder, komplett auf einen Kandidaten eingeschossen und Josh McDaniels verpflichtet. Für mich kam das komplett aus dem Nichts, hatte ich doch fest damit gerechnet, McDaniels würde irgendwann einmal Bill Belichick in New England beerben. Schließlich hat er vor einigen Jahren die Chance in den Wind geschlagen, Head Coach in Indianapolis zu werden. Das war wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als Andrew Luck noch dort gespielt hat.

Ich verstehe nicht so recht, warum ihn dann jetzt gerade dieses Raiders-Team aus Foxborough weglockt. Für mich stehen die Raiders aktuell im Niemandsland der Liga und müssen es in der Division mit zwei der besten jungen QBs aufnehmen. Auf der anderen Seite muss McDaniels noch den Beweis erbringen, dass er wirklich zum HC taugt. Seine erste Station in Denver verlief wenig erfolgreich inklusive eines Skandals um ausspionierte Trainingseinheiten des Gegners. Die zweite Chance auf einen Job ließ er wie bereits erwähnt sausen, nachdem er den Colts schon mündlich zugesagt hatte. 

Rico Harting: Meine beiden Favoriten sind Daboll bei den Giants und McDaniel bei den Dolphins. Beide neuen Head Coaches haben gezeigt, was sie aus Teams und aus Quarterbacks herausholen können. Daboll wird mit Daniel Jones einen Quarterback haben, bei dem die Giants noch nicht genau wissen, wie hoch das Ceiling sein kann. Bei den Dolphins geht es darum ein System zu installieren, welches der Offense mit ihren Limitierungen rund um Tua hilft zu funktionieren. Es geht für mich weniger darum, wer der nächste Deebo ist, sondern wie es McDaniel schafft das Maximum aus Gaskin, Waddle, Parker und Co. herauszuholen. Ich persönlich halte Tua für einen besseren Quarterback als Jimmy G, wenn es um das Ceiling geht.

Am wenigsten kann ich persönlich mit Lovie Smith anfangen. Es fühlt sich nicht nach einem wirklichen Neuanfang für die Texans an. Es wirkt auf mich nach einer ähnlichen Konstellation wie vor einem Jahr und ich würde mich wundern, wenn die Texans wieder schwach abschneiden. Dazu hängt das Thema Watson immer noch über dem Team.

Was für mich noch zu erwähnen sei ist, dass die Jaguars mit Pederson eine gute Wahl getroffen haben, aber der ganze Prozess war schwierig. Ich hoffe, dass etwas Ruhe in Jacksonville einkehrt und Trevor Lawrence zeigen kann, zu was er in der Lage ist. Dafür ist Pederson der richtige Coach meiner Meinung nach.

Jonathan Groeneveld: Wie bereits letzte Woche geschrieben mag ich die Verpflichtung von Daboll sehr. Mein Favorit ist aber Doug Pederson bei den Jaguars. Der Prozess bei den Jaguars ist mit katastrophal noch sehr nett beschrieben, aber am Ende hat sich Pederson durchgesetzt. Dieser war von Beginn an mein Favorit und ich traue ihm sehr viel zu. Er wird Lawrence weiter entwickeln und wird auch dem GM Baalke(der recht umstritten in NFL-Kreisen ist) Paroli bieten können. Ich bin sehr gespannt auf die Jaguars in den nächsten 2-3 Jahren.

Für ein wenig Abwechselung nehme ich auf der negativen Seite Matt Eberflus, wobei es mir dabei gar nicht zwingend um die Person Eberflus geht. Natürlich kann man darüber reden, ob seine sportlichen Leistungen letztes Jahr ausreichend waren, aber mich stört etwas ganz anders. Die Bears haben mit Fields ihren Quarterback der Zukunft im letzten Draft geholt, warum holen sie ihm jetzt keinen Offensive Head Coach zur Unterstützung? Falls Luke Getsy als Offensive Coordinator die Entwicklung von Fields spürbar voranführt, dann wird er nicht lange bei den Bears bleiben. Im schlimmsten Fall ist er nächstes Jahr irgendwo anders Head Coach. Wenn ich einen jungen Quarterback habe, dann würde ich immer einen Offensive Head Coach verpflichten, damit Kontinuität herrscht. Ich denke dies ist für die Entwicklung nicht unwichtig.

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