Wie finde ich einen Franchise Quarterback?

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In meiner Reihe zu den Quarterbacksituationen aller Teams habe ich mir einige Gedanken gemacht, wie ich bei der Suche nach einem Franchise Quarterback vorgehen würde. Diese Gedanken haben sich in den letzten Wochen immer mehr verfestigt und daher habe ich mich dazu entschlossen, mich zu Beginn der Offseason mit dieser Frage zu beschäftigen.

Die erste Frage, die sich natürlich stellt: Was ist ein Franchise Quarterback? Hier hat sicher jeder eigene Vorstellung. Für mich ist es ein Quarterback, der konstant in den Top-10 zu finden ist. Auch Franchise Quarterbacks dürfen mal eine schwächere Saison haben, aber bei einem Rückblick über mehrere Jahre sollte der Name regelmäßig in den Top-10 genannt werden.

Was ist mit Rookies? Die klammere ich bewusst aus. Um zu evaluieren, ob ein Quarterback diese Voraussetzungen erfüllt, werden einige Jahre benötigt. Natürlich bekommen nicht alle Rookies diese Zeit, da irgendwann hochgerechnet werden muss, ob das bisher gezeigte Potential ausreichen könnte. Daher muss jeder Rookie auch zu Beginn schon mindestens gewisse Ansätze zeigen, damit er die nötige Zeit bekommt um sich als Franchise Quarterback zu etablieren. Natürlich ist Zeit aber auch keine Garantie dafür, dass dies wirklich funktioniert. Ein positives Beispiel hier wäre Josh Allen, wo sich die Geduld ausgezahlt hat.

Quarterback Situation der Teams

NFCAFC
WestWest
NorthNorth
EastEast
SouthSouth

Was muss ich tun um herauszufinden, ob mein Quarterback ein Franchise Quarterback ist?

Es gibt generell sicherlich nicht den einen goldenen Weg und es kommt auf viele Kleinigkeiten an. Bei einem Rookie ist beispielsweise der Landing Spot sehr entscheidend. Das war erst diese Saison zu sehen, wo ein Mac Jones eine gute Rookie Saison hingelegt hat, während die Leistungen von Trevor Lawrence, Zach Wilson und Justin Fields eher durchwachsen waren. Was ist nun zu tun um herauszufinden, ob ich auf einen der Quarterbacks setzen kann?

Umstände optimieren

Jeder Quarterback braucht gute Umstände um dauerhaft Höchstleistungen abrufen zu können. Natürlich gibt es mal Ausreißer wie ein DeShaun Watson in seiner letzten Saison für die Texans. Hier sprechen wir dann aber auch von einem Quarterback, der bereits seine Klasse bewiesen hat. Sonderlich häufig treten solche Ausnahmen aber nicht auf, wobei natürlich ein dauerhafter Top-5 Quarterback immer einen gewissen Floor mitbringt.

Offensive Line

Bei der Offensive Line ist es meiner Meinung nach nicht wichtig absolutes Top Talent zu haben. Ich muss nicht zwingend eine Top-5 Line haben um meinen Quarterback gute Umstände zu schaffen. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sage es reichen durchschnittliche Starter aus. High End Talent muss und will bezahlt werden und das Geld würde ich eher in andere Positionen(Wide Receiver, Cornerback, Pass Rush) investieren, als in die O-Line. Helfen kann, wie wir in dieser Saison gesehen haben, ein erfahrener Center. Dies hat sowohl Justin Herbert, als auch Kyler Murray gut getan. Mein Ziel wäre eine Offensive Line aufzubauen, die zwischen Platz 10 und 16 zu finden ist. Wenn es besser geht, dann gerne, aber mehrere teure Verträge würde ich nicht vergeben.

Waffen im Passspiel

Jeder Quarterback braucht Anspielstationen. Ich bin mit Absicht nicht nur auf die Wide Receiver gegangen, denn ebenso gut kann ein guter Tight End oder Running Back entlasten. Hier würde ich auch mehr Geld investieren, als in die Offensive Line. Ein guter Nummer 1 Wide Receiver kann das Spiel stark verändern und öffnet für einen Quarterback Fenster, die es sonst gar nicht gibt. Natürlich kann diese Rolle auch ein Tight End übernehmen, wie Mark Andrews bei den Ravens. Trotzdem haben die letzte Jahre bei den Ravens auch gezeigt, dass er dies nicht alleine tragen kann. Dementsprechend ist auch eine gewisse Tiefe erforderlich, denn nur so lernt ein Quarterback durch seine Reads zu gehen und visiert nicht immer das Nummer 1 Target an.

Defense

Ja, auch die Defense ist wichtig. Natürlich nur indirekt, aber ich würde den Einfluss nicht unterschätzen. Ähnlich wie bei der Offensive Line ist hier aber eine durchschnittliche Defense ausreichend. Wenn es deine Defense nicht schafft Drives des Gegners zu stoppen, dann steht der Quarterback durchgehend unter Druck zu scoren. Dies war dieses Jahr sehr gut bei Patrick Mahomes und den Chiefs zu sehen. Durch die zu Saisonbeginn schlechte Defense hatte selbst ein Quarterback, wie Mahomes das Gefühl Punkte erzielen zu müssen. Entsprechend höher ist das Risiko für Fehler. Die Defense muss der Offense die Möglichkeit geben Spiele zu gewinnen. Dafür reicht auch eine Top 15-20 Defense.

Coaching

Es war grade erst diese Saison bei den Jaguars zu sehen, wie wichtig ein guter Coach ist. Im Idealfall natürlich ein Offensive Minded Head Coach, der die Entwicklung des Quarterbacks im Blick hat. Denn für einen Quarterback ist grade zu Beginn auch die Konstanz wichtig. Wenn jedes Jahr der Offensive Coordinator wechselt, dann bringt das Unruhe. Selbst wenn die Ideen ähnlich sind, hat jeder Coach seinen eigenen Stil. Sich dort jedes Jahr umzugewöhnen kann ein großer Nachteil sein und die Entwicklung negativ beeinflussen.

Quarterback fordern

Es ist unglaublich wichtig seinen Quarterback zu fordern. Natürlich geht es darum die Ansprüche nach und nach zu steigern. Es bringt nichts, wenn dein Rookie Quarterback im ersten Spiel ein sehr komplexes Playbook komplett bedienen muss. Mit einfachen Dingen starten und nach und nach das Playbook weiter öffnen. Das Playbook muss sich mit dem Quarterback weiterentwickeln. Wenn die Plays weiterhin recht einfach und gleich bleiben, dann ist es schwer Schlüsse aus den Leistungen zu ziehen. Diese Plays können eine gute Basis sein, aber sollten nicht das Ende abbilden. Die Patriots haben dies in diesem Jahr mit Mac Jones sehr gut gemacht und die Offense nach und nach mehr geöffnet und in die Hände von Jones gelegt.

Als negatives Beispiel muss ich hier die Dolphins aufführen. Diese haben bis zum vorletzten Spieltag um die Playoffs gekämpft, da sie für Tua Tagovailoa ein sehr einfaches Scheme angewandt haben. Der Erfolg gibt ihnen durchaus recht, denn es hat ja funktioniert und die Dolphins haben nach einem schlechten Saisonstart den Turnaround hingelegt. Meine Frage ist jetzt: Wissen die Dolphins, ob Tua die Lösung auf Quarterback ist? Meiner Meinung nach sind sie dort keinen Schritt vorangekommen und genauso schlau wie vorher. Dazu muss man natürlich auch sagen, dass die Umstände bei den Dolphins nicht gut waren. Vor allem die Offensive Line war eine Katastrophe. Gegen die Titans haben die Dolphins das Playbook mehr geöffnet und Tua hat nicht gut ausgesehen. Genau durch solche Spiele musst du aber durch, damit evaluiert werden kann, was für einen Quarterback du hast. Insofern hoffe ich die Dolphins werden die Umstände weiter verbessern und nach der nächsten Saison wissen, woran sie bei Tua sind. Der neue Coach könnte hier definitiv helfen.

Was kommt nach der Evaluierung?

Nach der Evaluierung kommt die Einordnung, was für einen Quarterback das Team hat. Ich habe hier in drei Kategorien unterschieden.

Top-10 Quarterback

Herzlichen Glückwunsch! Der Franchise Quarterback ist gefunden, wenn der eigene Quarterback dauerhaft hier auftaucht. Nun gilt es weiter die Umstände optimal zu halten und die Chancen auf einen Super Bowl Run offen zu halten. Im Idealfall ist der Quarterback noch in seinem Rookie Vertrag, denn dann sind die Umstände natürlich sehr gut. Das gesparte Geld kann dazu genutzt werden um das Team kurzfristig zu verbessern, damit das Titelfenster weiter geöffnet wird.

Top-10 bis 15 Quarterback

Hier gilt es umso mehr die Umstände zu optimieren. Wenn alles gut läuft, dann ist es durchaus auch möglich kurzfristig um einen Titel mitzuspielen. Hier muss aber auf vielen Ebenen einiges passen, wie Coaching oder Kaderzusammenstellung. Die Möglichkeit gibt es aber durchaus. Einige Beispiele hatte ich damals in der ersten Ausgabe der Quarterback Serie genannt. Die Chancen sind aber deutlich geringer, als wenn der Quarterback dauerhaft zu den Top-10 gehört.

Daher gilt es durchgehend die Augen offen zu haben. Gibt es die Möglichkeit sich zu verbessern? Die beste Möglichkeit gibt es dazu natürlich im Draft. Wenn ein interessanter Quarterback bis in Runde 2 oder 3 fällt, dann sollten die Verwantwortlichen durchaus überlegen, ob hier eine Verbesserung möglich ist. Die Eagles haben mit dem Pick von Jalen Hurts ein gutes Beispiel geliefert. Von Carson Wentz waren die Verantwortlichen nicht mehr zu 100% überzeugt, also haben sie die Augen offen gehalten und in Hurts einen Spieler gefunden, der in Runde 2 für sie interessant war. Insofern haben sie diese Chance genutzt und im ersten Moment ist es erstmal nicht relevant, ob Hurts die langfristige Lösung ist. Sie haben die Chance erhöht einen Franchise Quarterback zu finden und das ist für mich erst einmal, unabhängig vom Spieler, positiv zu bewerten.

Positivstes Beispiel überhaupt ist natürlich der Pick von Patrick Mahomes durch die Chiefs. Diese hatten in Alex Smith einen Quarterback mit dem sie regelmäßig die Playoffs erreicht haben, aber mehr war nicht drin. Also haben sie sich nach einer Verbesserung umgeschaut und in Mahomes ihren zukünftigen Franchise Quarterback gefunden, der aber auch ein Jahr Zeit bekommen hat um sich hinter Smith zu entwickeln. Eine Alternative aus dem Draft muss kein sofortiger Starter sein.

Kein Top-15 Quarterback

Keine Panik! Nicht jedes Team kann einen Top-15 Quarterback haben, das ist die Natur der Sache. Wenn so ein Quarterback nicht im Team ist, dann ist zunächst auf die Erfahrung des Quarterbacks zu schauen. Handelt es sich um einen Rookie, dann ist alles im Rahmen. Die bereits genannten Dinge anwenden und schauen, wie sich der junge Quarterback entwickelt. Als Beispiel ist hier ein Zach Wilson zu nennen, der ein katastrophales erstes Jahr bei den Jets hatte und mit “Kein Top-15 Quarterback” noch positiv betitelt ist. Nun gilt es für die Jets weiter an den Umständen zu arbeiten um ihm eine wirklich faire Chance zu geben.

Wenn der Quarterback schon länger in der NFL ist, dann ist das Team an einem anderen Punkt. Jetzt gilt es Alternativen zu finden, dies kann in der Free Agency oder im Draft sein. Es bringt nichts stur an so einem Spieler festzuhalten, wenn die Chance gering ist, dass hier noch eine große Entwicklung einsetzt. Als positives Beispiel in der Free Agency ist hier Ryan Tannehill zu nennen. Die Titans haben ihn als Alternative zu Marcus Mariota geholt und am Ende einen Borderline Top-10 Quarterback gefunden. Dies war in jedem Fall eine Verbesserung zu Mariota.

Wichtig ist auch in diesem Fall die Umstände zu optimieren, dass die Alternativen auch fair beurteilt werden können. Es bringt nichts durchgehend den Quarterback durchzuwechseln, wenn der Rest des Teams nicht zumindest eine gewisse Baseline geben kann. Dann werden eher Draftpicks verschwendet, als das wirklich eine Chance besteht einen Franchise Quarterback zu finden.

Was für Fehler sollten vermieden werden?

Für mich sind hier zwei Punkte zu nennen, die leider viel zu häufig in der NFL vorkommen. Meistens geht es hier um Quarterbacks, die um die Top-15 kreisen, wo aber entweder die Evaluierung noch nicht abgeschlossen ist oder das Potential nicht für mehr reichen wird.

Überbezahlung von Quarterbacks

Hier haben die Browns ein perfektes Beispiel mit Baker Mayfield, wo genau dieses Problem drohen könnte. Baker Mayfield hat in der Saison 2020 teils sehr gute Ansätze in sehr guten Umständen gezeigt. In diesem Jahr war die Leistung deutlich schwächer, allerdings waren die Umstände nicht mehr so gut und Mayfield durch Verletzungen gehandicapt. Im kommenden Jahr würde er unter der 5th-Year-Option spielen. Sollten die Browns und Mayfield sich auf einen Vertrag im Bereich von 25 Millionen $ pro Jahr für die nächsten drei Jahre einigen, dann würde ich dagegen absolut nichts sagen. Es ist noch Potential vorhanden und Mayfield hat gezeigt, dass er in sehr guten Umständen funktionieren kann. Das gesparte Geld kann genau in diese Umstände investiert werden. Strebt Mayfield aber einen höheren Vertrag an, dann würde ich an Stelle der Browns die Finger davon lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass Mayfield im Mittelfeld hängen bleibt bzw. sogar schlechter ist, wenn kein Geld vorhanden ist um die Umstände zu optimieren.

Genau dieser Fehler passierte in der Vergangenheit vielen Franchises. Allerdings habe ich das Gefühl, dass hier langsam die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Quarterbacks, wie Jameis Winston oder Marcus Mariota haben keinen neuen Vertrag bei Ihrer Franchise bekommen, obwohl sie hohe Draftpicks waren. Ich bin super gespannt, ob es in Zukunft so etwas wie eine Gehaltsklasse für Mittelklasse Quarterbacks geben wird. Bislang gibt es meistens nur entweder eine sehr teure Verlängerung oder die Free Agency. Ich würde dies durchaus begrüßen, aber das hängt von den Quarterbacks und den Teams ab.

Zu viele Ressourcen investieren

Auch hier starte ich mit einem Beispiel und zwar mit den Panthers. Ich habe in der Vergangenheit den Trade für Sam Darnold stark kritisiert und dabei bleibe ich auch. Die generelle Idee der Panthers ist aber gut. Sie hatten mit Teddy Bridgewater einen Quarterback, der seine Limitierungen hat. Die Umstände waren nicht so gut, als das mit Bridgewater ein Playoff Run möglich gewesen wäre. Also haben sie nach Alternativen gesucht und eine in Darnold gefunden. Diesen Prozess finde ich sehr gut und nachvollziehbar, aber leider haben sie viel zu viele Ressourcen in die Alternative investiert. Der Trade war einfach viel zu teuer, wenn ich den Preis mit der Chance vergleiche in Darnold den Franchise Quarterback zu finden.

Insofern gilt es mit möglichst wenig Ressourcen möglichst vielversprechende Alternativen zu finden. Es gilt immer den Preis mit der Chance abzuwägen, also quasi ein Preis/Chancen Verhältnis zu erstellen. Natürlich kann es auch Sinn machen viele Ressourcen zu investieren, wie die Rams in Stafford. Daher gilt es immer abzuwägen. Generell gilt aber, dass jeder Pick seinen Wert hat und diese nicht zu leichtfertig aus der Hand gegeben werden sollte. Die Panthers hätten sonst vielleicht im kommenden Draft gegen Ende von Runde 1 wieder hochtraden können um sich einen Quarterback zu sichern. Das ist jetzt schwer möglich.

Fazit

Es wird nie den goldenen Weg geben, der immer zum Erfolg führen wird. Ich denke aber es ist wichtig sich immer wieder zu reflektieren und ehrlich zu sein, wie das eigene Team aufgestellt ist. Leider geht es aber oft auch um die Jobs der Coaches und der Generel Manager, weshalb nicht immer rationale Entscheidungen getroffen werden. Generell gilt, dass jede Franchise (fast) immer nach Optimierungen Ausschau halten sollte und in diese nicht zu viele Ressourcen stecken sollte. Sowohl an Picks, als auch an Gehältern.

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