Rassistische Strukturen und die Rooney Rule

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Brian Flores hat eine Klage gegen die NFL und drei Mannschaften einreichen lassen. Anlass ist Diskriminierung von schwarzen Trainern. Im Bezug darauf wird gerne auf die Rooney Rule verwiesen, doch woher kommt diese? Hat sie nachhaltig etwas bewegt?

Die Rooney Rule verlangt, dass Teams bei der Suche nach einem Head Coach mindestens zwei Kandidaten einer Minderheit einladen müssen. Bei den Koordinatoren, dem General Manager und vergliechbaren Posten ist es ein Kandidat.

Die Regel wurde in ihrer Erstfassung 2003 eingeführt, unter anderem als Reaktion auf zwei Trainerentlassungen in der 2001er Saison. Damals wurden die schwarzen Coaches Tony Dungy (Tampa Bay) und Dennis Green (Minnesota) vor die Tür gesetzt. Dungy hatte zuvor drei Mal in Folge die Play Offs erreicht, Green nach acht Playoff Teilnahmen in neun Saisons erstmals einen negativen Record eingefahren.

Die Zivilrechtler Cyrus Mehri und Johnny Cochran zeigten per Studie auf, dass schwarze Head Coaches seltener engagiert werden, selbst wenn sie bessere Ergebnisse als ihre weißen Kollegen erreicht hatten. Zum damaligen Zeitpunkt waren Dungy und Green auch Ausnahmen, bis 2003 hatte es nur fünf weitere schwarze Coaches gegeben.

Geschichte zur Ronney Rule

Benannt wurde die Regel nach Dan Rooney, dem damaligen Besitzer der Pittsburgh Steelers. Er leitete das „Diversity Committee“ der NFL und die Steelers waren vergleichsweise offen dafür schwarze Coaches in den Staff zu holen. Erwähnter Tony Dungy gehörte von 1981-1988 zum Staff des legendären Chuck Noll, der in vier Jahrzehnten Head Coach von Pittsburgh war und vier Mal den Super Bowl gewann. Aber selbst der Fürsprecher Noll reichte damals nicht, damit Dungy eine Chance bekam. Erst 1996 war dies dann bei den Buccaneers der Fall.

Frederick “Fritz” Pollard, 1916. Public Domain

Der erste schwarze Head Coach der Ligageschichte war übrigens Frederick „Fritz“ Pollard. Er trainierte 1921 die Akron Pros in der American Professional Football Association, welche sich ein Jahr später in NFL umbenannte. Pollard war damals 27 Jahre alt und gleichzeitig Spieler des Teams. So progressiv das klingen mag, bis zum nächsten Head Coach aus einer Minderheit vergingen 58 Jahre. 1979 übernahm Tom Flores, Ex-Quarterback mit mexikanischen Wurzeln, bei den Oakland Raiders. Erster schwarzer Head Coach der modernen Zeit wurde 1989 Art Shell, ebenfalls bei den Raiders.

Nach Einführung gingen die Zahlen tatsächlich etwas nach oben und 2009 erweiterte man die Regel auf alle Minderheiten. Aber erfolgreich waren nur wenige, denn viele dieser Coaches wurden früh entlassen oder durften mal für ein geplantes Rebuild Jahr das Steuer übernehmen. Wie bspw. David Culley vergangene Saison bei den Houston Texans. Zum Start der Saison 2006 waren 22% der Head Coaches schwarz, in den letzten Jahren ist diese Zahl zurückgegangen.

2019 wurde nur eine von acht freien Positionen mit einem Coach einer Minderheit besetzt, Brian Flores in Miami. 2021 waren es zwei von sieben offenen Stellen, wobei mit Romeo Crennel und Anthony Lynn auch zwei betroffene Head Coaches zuvor gehen mussten.

Kontroversen

Bereits im ersten Jahr verstießen die Lions gegen die neue Regel. Sie behaupteten die schwarzen Kandidaten hätten ihr Interesse zurückgezogen, weil sie keine Erfolgschancen gesehen hätten. Die Lions mussten 200.000 Dollar Strafe zahlen.

Am Auffälligsten ist aber regelmäßig, dass viele erfolgreiche schwarze Kandidaten nur vereinzelte Anfragen von Teams erhalten, während wenig erfolgreiche weiße Koordinatoren offenbar mehr umworben werden. Jim Caldwell schaffte 2009, in seinem ersten Jahr als Head Coach, eine 14-2 Saison mit Super Bowl Teilnahme bei den Colts. Drei Jahre später musste er gehen und gewann als Offensive Coordinator der Ravens den Super Bowl XLVII. Schon 6 Jahre zuvor war er als QB Coach von Peyton Manning mit den Colts erfolgreich. Nach dem Ravens-Erfolg waren Anfragen aber rar gesät, erst ein Jahr später landete Caldwell dann in Detroit.

Nach dem Super Bowl Triumph der Chiefs 2020 war die Situation um Eric Bieniemy äußerst auffällig. Der OC hatte in Kansas City mit Patrick Mahomes ein extrem dominierendes Offensivspiel installiert. Vermeintlich sollten sich doch zig Teams um ihn reißen, doch Bieniemy ist auch zwei Jahre später noch bei den Chiefs. Dieses Jahr hatten wohl nur die Broncos ein größeres Interesse.

2021 gewannen die Tampa Bay Buccaneers den Super Bowl. Mit drei schwarzen Koordinatoren: OC Byron Leftwich, DC Todd Bowles und Special Teams Coordinator Keith Armstrong. Vergangene Saison waren alle weiterehin bei den Bucs tätig. Bowles hatte diese Offseason ein paar Interviews, scheint aber kein Favorit auf einen Posten zu sein. Byron Leftwich gilt als ein Kandidat bei den Jaguars und Saints, allerdings haben diese schon sehr viele Kandidaten angefragt.

Die vier bisher verpflichteten HC sind alle weiß. Bei den Texans scheinen der völlig unerfahrene Josh McCown und der mäßig erfolgreiche Eagles DC Jonathan Gannon neben Brian Flores heiße Kandidaten zu sein. Immerhin kamen mit Ryan Poles und Kwesi Adofo-Mensah zwei schwarze General Manager in die NFL.

Die Owner

Eines der sichtbarsten Probleme warum es für schwarze Menschen schwerer ist einen hochrangigen NFL-Posten zu bekommen sind die Owner. Bis auf zwei Ausnahmen ist es eine Ansammlung weißer Frauen und Männer, welche ihre Anteile in der Rege weitervererben. Einzig Kim Pigula, Co-Ownerin der Buffalo Bills und Jaguars-Besitzer Shahid Kahn fallen aus dieser Riege.

Eventuell könnte der Verkauf der Denver Broncos diese Riege etwas aufbrechen. Robert F. Smith, ein aus Denver stammender schwarzer Milliardär müsste dafür aber 24 von 32 Ownern auf seine Seite holen, denn die anderen Teambesitzer können einen Verkauf auch untersagen.

Brian Flores

Stand heute sind nur 3 von 27 Head Coaches aus einer Minority: Mike Tomlin, Ron Rivera und Robert Saleh. Vergleicht man das zu über den etwa 70% schwarzen Spielern, ist das ein absurd geringer Anteil. Brian Flores sagt, dass dies an der Ineffektivität der Rooney Rule liegt. Schwarze Kandidaten werden nur zu Alibi-Interviews eingeladen und erhalten dadurch auch ein gewisses Stigmata, fühlen sich nicht respektiert.

Als Beweis hat Flores einen Nachrichtenaustausch mit Bill Belichick vorgelegt. Der Patriots Erfolgscoach gratulierte Flores zum neuen Posten, obwohl der ehemalige Dolphins HC das geplante Gespräch mit den New York Giants noch gar nicht geführt hatte. Offenbar verwechselte Belichick Flores’ Nummer mit der von Brian Daboll. Dieser war sich zu dem Zeitpunkt offenbar schon mit den Giants einig und wurde mittlerweile auch als neuer HC bestätigt.

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