1 Spieltag – 3 Autoren – 5 Fragen – Wild Card Weekend

Das Wild Card Weekend steht vor der Tür! Damit ist aber auch, wie bereits leitzte Woche angesprochen, die Saison für einige Teams vorbei und die Offseason hat begonnen.

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Es ist wieder Zeit für Playoffs in der NFL! Was war das für ein wilder Sonntag? Die Colts verlieren deutlich gegen die Jaguars und ebnen damit den Steelers und Big Ben die Teilnahme an den Playoffs. Fast hätten die Raiders und Chargers dies mit einem Unentschieden noch verhindert, aber am Ende konnte Las Vegas jubeln. Damit sind die Chargers und Colts nicht in den Playoffs, die vor ein paar Wochen noch wie recht sichere Playoffteilnehmer aussahen.

In der NFC haben sich die 49ers den letzten Platz in den Playoffs gesichert und für die Saints die Offseason eingeläutet. Mit den Playoffs beschäftigen sich heute auch Benedikt Jakobi (@BeniJakobi), Martin Brandtner(@BrandtnerMartin) und Jonathan Groeneveld (@JonaGroe89). Neben den Playoffs geht aber auch der Blick auf den Black Monday und auch auf die Colts.

Benedikt Jakobi: In der NFC sind das für mich die San Francisco 49ers. Sie haben bereits bewiesen, dass sie in einem einzelnen Spiel prinzipiell jeden schlagen können. Sie spielen in Dallas gegen die Cowboys. Ein Matchup, das auf den ersten Blick eher günstig für die Cowboys wirkt. Besonders offensiv sollten die Cowboys mit der guten Offensive Line und den starken Wide Receivern den 49ers Probleme machen können. Andererseits sollte die 49ers Offense den Ball am Boden bewegen können und die Matchup-Waffen Deebo Samuel und George Kittle sind auch von guten Defenses kaum zu kontrollieren. Mein Gefühl sagt mir, dass die 49ers das Spiel dadurch lange eng halten und am Ende für sich entscheiden werden. Die Cowboys waren diese Saison immer mal wieder anfällig für Durchhänger und irgendwie fehlt mir bei aller Klasse der Cowboys der Glaube daran, dass Mike McCarthy einen besseren Matchplan entwirft, als Kyle Shanahan für die 49ers.

In der AFC haben für mich am ehesten die Patriots das Potenzial als Underdog die Wild Card Round zu überstehen. Bill Belichick und Josh McDaniels haben schon so viele Playoff-Spiele gecoacht, dass man sie in einem einzelnen Spiel nie abschreiben darf. Die Bills sind aus meiner Sicht das bessere Team, aber sie sind auch inkonstant in ihren Leistungen. Oftmals hat man das Gefühl, dass sie sich selbst im Weg stehen. Der Sieg der Patriots in der Regular Season ist wegen des damals herrschenden Wetters nicht repräsentativ, dennoch kann ich mir vorstellen, dass die Patriots Josh Allen wieder zu Fehlern zwingen. So können sie das Spiel bei wenigen Punkten halten und am Ende mit starkem Run-Game knapp gewinnen.

Jonathan Groeneveld: Ich kann hier Benedikt eigentlich nur zustimmen. In der NFC sehe ich bei den 49ers gegen die Cowboys am ehesten Potential für eine “Überraschung”. Entscheidend wird das Duell an der Line of Scrimmage sein. Welcher Pass Rush kommt besser durch und kann den gegnerischen Quarterback unter Druck setzen? Zum genannten Spiel der Eagles gegen die Buccs kann ich mir die Überraschung nicht vorstellen, weil das MatchUp für die Buccs einfach zu gut ist. Die beste Run Defense der Liga trifft auf eine Offense, die auf dem Run basiert. Da müssen die Eagles kreativ werden und Hurts muss als Passer über sich hinauswachsen.

In der AFC gibt es für mich eigentlich nur beim Spiel Steelers gegen Chiefs einen klaren Außenseiter und hier sehe ich definitiv keine Überraschung. Beide andere Spiele sind für mich sehr ausgeglichen und es würde mich gar nicht überraschen, wenn die Patriots und Raiders gewinnen. Daher sind sie für mich auch keine klassischen Außenseiter.

Martin Brandtner: In der NFC kann ich nur mit Jonathan und Benedikt gehen. Die 49ers sind für mich auch am ehesten das Team, dass überraschen kann. Obwohl ich die Cowboys schon sehr stark sehe, vor allem die Offense hat die letzten beiden Spiele überzeugt. Doch die 49ers haben es auch im letzten Spiel gezeigt, dass sie niemals aufgeben und so konnten sie das Spiel noch drehen. Die 49ers sind auf jeden Fall ein gefährlicher Außenseiter. Zu den genannten Eagles. Hier sehe ich fast keine Möglichkeit auf ein Upset gegen die Bucs. Die Eagles definieren sich über das Laufspiel. Genau eine Stärke in der Defense der Bucs, daher sehe ich hier wenige Möglichkeiten.

In der AFC sehe ich die Raiders als Upsetkanditat. Sie haben es auf den letzten Drücker noch in die Playoffs geschafft, waren aber eigentlich schon weg. 4 Siege in den letzten 4 Spielen brachten sie noch in die Playoffs, darunter Siege gegen die direkten Konkurrenten Colts und Chargers. Sie sind gerade in einem Flow und auf keinen Fall zu unterschätzen auch wenn es gegen die bärenstarken Bengals geht. Für die wird wichtig sein wie fit Joe Burrow wirklich ist.

Welches Team fehlt euch am meisten in den Playoffs? Und auf welches könntet ihr am ehesten verzichten?

Benedikt Jakobi: Hier sind meine Takes nicht sonderlich kreativ. Am meisten fehlen die Chargers. Das liegt daran, dass es wahnsinnig unterhaltsam ist, Justin Herbert zuzuschauen. Sein Comeback mit den Chargers in der regulären Spielzeit des Sunday Night Games gegen die Raiders war absurd. Wer da nicht nägelkauend auf der Stuhlkante gesessen hat, den verstehe ich nicht. Daher ist es schade, dass die Chargers nicht dabei sind, bei allen Schwächen die dieses Team hat.

Am ehesten verzichten könnte ich auch Pittsburgh. Dass Big Ben Roethlisberger es noch einmal in die Playoffs geschafft hat ist eine schöne Story. Er war ein prägender Quarterback der letzten knapp zwanzig Jahre, daher ist es seiner gesamten Legacy angemessen. Auch dass wir T.J. Watt weiter zusehen können, wie er auf Quarterback-Jagd geht, hat absolut seinen Wert. Aber was die Steelers diese Saison offensiv diese Saison geboten haben, war schon extrem schwere Kost. Fast alle Pässe sind kurz und ohne Risiko, viele Runs und ein paar Shot Plays mit der Hoffnung, dass es zum Sieg reicht. Schön anzuschauen ist das nicht, daher fällt meine Wahl hier auf die Steelers.

Jonathan Groeneveld: Aus der NFC fehlt mir kein Team. Die Saints hätte ich beispielsweise nicht wirklich in den Playoffs gebraucht und mit den Eagles und 49ers sind wenigstens die “kreativen” Teams, die Spaß machen mit dabei. In der AFC kann ich Benedikt auch hier nur zustimmen. Es ist schon sehr schade, dass die Chargers mit Herbert nicht dabei sind. Am Ende waren die Leistungen aber in den letzten Wochen einfach zu inkonstant. Ich hoffe die Chargers drehen an den richtigen Stellschrauben(Run Defense, Offense Playcalling) in der Offseason. Potential ist mehr als genug da.

Ich hab mir am letzten Spieltag das Spiel der Ravens gegen die Steelers angetan. Keins der beiden Teams hat die Playoffs verdient gehabt, aber am Ende kommen die Steelers doch rein. Sie profitieren von der Unfähigkeit anderer Teams, aber diese Chance muss auch erstmal genutzt werden. Sportlich geben mir die Steelers diese Saison aber nicht wirklich etwas. Roethlisberger beim Spielen zuzuschauen tut echt weh, weil er einfach sehr eingeschränkt in seinen Bewegung ist. Aber sei ihm ein letztes Spiel im Arrowhead Stadium als Karriereende gegönnt.

Martin Brandtner: Ich gehe hier 100 % mit meinen Vorschreibern. Die Chargers sind ein so talentiertes Team, dass sie eigentlich in den Playoffs stehen müssten. Doch die Chargers machen immer wieder Chargers Sachen um nicht in die Playoffs zu kommen. Sie starteten so stark in die Saison aber als es drauf ankam schafften sie es nicht mehr ihre Leistungen auf den Platz zu bringen. Sie haben eigentlich schon viele Bausteine was ein gutes NFL Team ausmacht und sind zudem noch relativ jung. In der AFC geht mir neben den Chargers aber irgendwie noch die Ravens ab, doch mit diesem Verletzungspech schafft es vermutlich fast kein Team in die Playoffs. Huntley hat Potential, ich denke auch nicht, dass der Ausfall von Lamar Jackson der Hauptgrund war, es fehlten doch einige weitere wichtige Eckpfeiler des Teams.

Auch mit den Steelers gehe ich voll mit. Für mich waren die Leistungen nicht Playoffwürdig. Big Ben ist ein Schatten seiner selbst, das tut einem selbst weh wenn man ihn spielen sieht. Viele ungenaue Würfe und wenn er sich bewegt, schaut das aus wie bei einem 60 Jährigen.

In der NFC sind für mich alle Teams in den Playoffs die es auch verdient haben. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es den 49ers vergönnt, dass sie es in die Playoffs schaffe. Die Saints haben es heuer nicht verdient mit den extrem inkonstanten Leistungen obwohl sie die Bucs 2 x geschlagen haben. Doch die Offense ist da zu wenig, ich vermute jedoch mit einem fitten Jameis Winston hätten sie es in die Playoffs geschafft. Wer mich am meisten in der NFC entäuscht hat sind die Vikings, diese hätte ich vor der Saison in den Playoffs gesehen. Die Offense hat alle Puzzlesteine die man eigentlich benötigt und die Defense ist zwar unerfahren aber sehr talentiert. Daher würde ich sagen, mir fehlen die Vikings mehr als die Saints.

Die Colts verpassen den sicheren Einzug in die Playoffs. Was bedeutet das für die Offseason der Colts?

Benedikt Jakobi: Es bedeutet, dass die Colts prinzipiell genau da sind, wo sie vor der Saison waren. Ein guter Roster mit solidem Gerüst, aber eben ohne Top12-Quarterback. Man hatte gehofft, dass Carson Wentz genau das sein kann, oder dass Frank Reich ihn möglichst in die Nähe davon bringen kann. Aber die Saison hat gezeigt, dass Wentz ein Spiel “nur” gut managen kann, wenn der Rest um ihn herum gut funktioniert. Er kann es aber nicht herumreißen, wenn es alleine auf ihn ankommt.

Durch den Wentz-Trade hat Indianapolis im kommenden Draft keinen First-Round Pick. Zwar haben sie haben den achtmeisten Cap Space vor der kommenden Saison, aber das hilft bei der Suche nach einem Quarterback nicht wirklich, da kein Top-Quarterback Free Agent wird. Den Colts bleibt wohl nicht viel anderes übrig, als mit Wentz in die kommende Saison zu gehen. Vielleicht fällt einer der Quarterbacks in die zweite Runde, aber ein Zweitrunden-Quarterback ist nicht zwingend ein Upgrade gegenüber Wentz. Daher denke ich, dass wir nächste Saison wieder Wentz bei den Colts sehen und sie 2023 – wenn sie wieder einen First Round Pick haben – voll in die Quarterback Suche einsteigen.

Den Cap Space sollten sie nutzen, um den restlichen Kader weiter zu verstärken, sie benötigen Upgrades auf Wide Receiver und Edge Rusher. Dann könnte ein Rookie Quarterback 2023 direkt in einen starken Kader integriert werden und man wäre sofort in der Lage das Titelfenster aufzustoßen – vorausgesetzt der Rookie Quarterback ist ein erfolgreicher Pick. Ich traue Chris Ballard als GM einiges zu, daher wird diese Offseason ein interessanter Showcase, wie man das Szenario “starker Roster ohne Elite Quarterback” angehen kann.

Jonathan Groeneveld: Wentz hat mich, trotz der Katastrophe im letzten Spiel, die Saison durchaus positiv überrascht. Er hat mit Frank Reich wieder einen Schritt nach vorne gemacht und tritt wieder stabiler auf. Dies allerdings nur, wenn die Umstände um ihn herum passen. Gibt es dort Risse, dann wird es extrem schwer für Wentz außerhalb des vorhandenen Systems ein Spiel an sich zu reißen. Er tendiert dann eher dazu, dass er die Spiele wegwirft. Das Spiel gegen die Jaguars war dort bezeichnend.

Ich denke die letzten beiden Spiele haben den Verantwortlichen bei den Colts noch einmal deutlich gemacht, dass Wentz zwar okay ist, aber mehr halt auch nicht. Die Alternativen im letzten Sommer gab es nicht, insofern will ich den Trade gar nicht kritisieren. Der Preis war etwas hoch, aber die Colts brauchten einen Quarterback. Nun haben sie selber gemerkt, was Wentz für ein Quarterback ist. Insofern sollten sie immer die Augen offen halt, ob es irgendwo ein Upgrade gibt. Klar ist natürlich, dass hier nichts erzwungen werden sollte. Es bringt nichts den einen Game Manager gegen einen anderen zu tauschen und damit Ressourcen zu verschwenden. Ansonsten gilt es weiterhin die Umstände noch stabiler zu machen um Wentz keine Möglichkeit zu geben, daraus auszubrechen.

Martin Brandtner: Benedikt und Jonathan haben es schon sehr gut analysiert. Wentz ist ein solider Game Manager und nicht mehr. Dafür ist mir der Preis eigentlich zu hoch gewesen. Vor allem da sie es nicht in die Playoffs geschafft haben. So war es auch vor der Saison mit Rivers. Ich denke jedoch es hätte günstigere Alternativen gegeben. Ich würde hier Gardner Minshew gerne sehen, der wäre eine billigere Variante gewesen und es wäre sehr interessant gewesen in dort spielen zu sehen. Oder auch Mitch Trubinsky. Ich würde nicht sagen Wentz ist ein hohes Upgrade zu beiden. Natürlich gibt‘s im nächsten Draft nicht unbedingt die Top Kandidaten, doch vielleicht sehen wir nächsten Jahr einen Matt Corral oder Desmond Ridder bei den Colts, wäre auf jeden Fall interessant. Sie haben auf jeden Fall viel Cap Space und können ihr Team noch erweitern, daher wäre ein Rookie QB der unter Wentz lernen kann, gar nicht so schlecht. Nach einem Jahr könnte dieser dann übernehmen und hätte vermutlich einiges an Potential rund um sich.

Welches Team hat euch diese Saison am meisten enttäuscht? Und welches bisher am meisten überrascht?

Benedikt Jakobi: Bei der Enttäuschung der Saison muss ich die New York Giants nennen. Ist zwar ein Blick durch die Fanbrille, aber was die Giants in den letzten Wochen gezeigt haben, war ein absolutes Debakel. Man beendete die Saison mit sechs Niederlagen in Folge bei denen man im Schnitt mit über 17 Punkten Rückstand pro Spiel verlor. Dazu absurde Pressekonferenzen von Head Coach Joe Judge, wahnsinnige Szenen wie Quarterback-Sneak bei 3rd&9 und eine insgesamt absolut hoffnungslose Aussicht auf die kommende Saison. Die Giants sind nach ihrem Record das fünftschlechteste Team dieser Saison und haben kommende Offseason den fünftgeringsten Cap Sapce. Das zeigt das extreme Missmanagement der letzten Jahre. Falscher hätte ich mit dem Titel meiner Saisonvorschau “Auf dem richtigen Weg” nicht liegen können.

Die positive Überraschung teilen sich für mich die Cincinnati Bengals und die Las Vegas Raiders. Die Bengals haben in dieser Saison gezeigt, dass sie als Team deutlich weiter sind, als ich vor der Saison dachte. Ich denke, wir werden noch viel Spaß mit der Kombo Joe Burrow und Ja’Marr Chase haben. Die Raiders sind hier zu nennen, da sie diese Saison einiges durchmachen mussten und trotzdem die Playoffs erreicht haben. Die Entlassung von Joe Gruden, das Drama um Henry Ruggs und weitere Eskapaden im Team um Damon Arnette und Nate Hobbs – das muss ein Locker Room erst einmal wegstecken.

Jonathan Groeneveld: Die größte Enttäuschung sind für mich die Jaguars. Das letzte Saisonspiel hat gezeigt, dass in dieser Saison sicher mehr drin war, als die paar Siege. Die Story um Urban Meyer hat aber wohl deutlich mehr Unruhe hereingebracht, als gedacht. Ich finde die Jaguars wirklich sehr spannend. Mit Lawrence einen potentiellen Top 10 Quarterback und eine junge Defense. Natürlich ist da noch viel Arbeit nötig, aber mit dem richtigen Headcoach kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Jaguars in 2 Saisons in die Playoffs einziehen.

Als positive Überraschung möchte ich hier die Eagles nennen. Vor der Saison bin ich davon ausgegangen, dass die Eagles in ihrer Division den letzten Platz belegen und durchaus Chancen auf einen frühen Erstrundenpick haben. Am Ende stehen die Eagles in den Playoffs und das verdient. Die Entwicklung während der Saison finde ich beeindruckend, da Hurts und Nick Sirianni sich immer besser aufeinander angepasst haben. Bin gespannt, ob sie gegen die starke Run Defense der Buccs eine Idee haben.

Martin Brandtner: Enttäuschungen gibt‘s wie jedes Jahr viele. Meine sind die Seattle Seahawks. Und die Cleveland Browns. Bei den Browns, mit dem vorigen Coach of the Year Kevin Stefanski, passte nicht mehr viel zusammen. Einige Verletzungen, Covid Fälle und ein stagnierenter Mayfield waren die größten Themen in Cleveland.

Bei den Seahawks sind die Schwachstellen seit Jahren bekannt und es wurde nicht geschafft diese zu schließen. Seit Jahren läuft Wilson um sein Leben und heuer war es gefühlt noch mehr. Erst zum Ende der Saison habe ich etwas Konstanz gesehen. Erst seit Penny starke Leistungen als RB brachte wurde es besser. Dieses brauchen die Seahawks damit Wilson mit Play Action seine Stärken ausspielen kann und die beiden starken Receiver, Metcalf und Lockett, in Spiel bringen kann. Diese fehlte in den ersten Saisonspielen. Dazu kamen die früheren Stärken: Ein starker RB um sich über das Laufspiel zu etablieren und eine starke Defense. Die Legion of Boom ist schon lange nicht mehr und die Defense eigentlich die ganze Saison nicht ihren Namen wert. Wilsons starken Jahre wurden in Seattle verschenkt. Eigentlich sollte dort ein Neubeginn her, aus meiner Sicht ohne Wilson und Carroll.

Black Monday! Was sagt ihr zu den bisherigen Entlassungen?

Benedikt Jakobi: Die Entlassungen von Vic Fangio und Matt Nagy waren für mich relativ klar abzusehen. Dass GM Ryan Pace bei den Bears auch gehen muss, ist nur konsequent. Die Entlassungen von HC Mike Zimmer und GM Rick Spielman bei Minnesota zeigen, dass die Vikings einen frischen Start brauchen. Die Leistungen der Vikings waren insgesamt nicht schlecht, man hatte viele enge Niederlagen. Aber irgendwie hat es sich nicht so angefühlt, als könnte Zimmer das noch einmal herumreißen und auch nicht, als hätte er das volle Feuer um das zu wollen.

Die sicher größte Überraschung ist die Entlassung von Dolphins’ HC Brian Flores. Er hatte schon sehr eigene Vorstellungen, wie beispielsweise drei Offensive Coordinators und drei Offensive Line Coaches in drei Jahren zeigen. Dazu noch die teuren Free Agent Signing, die nach einem Jahr wieder entlassen wurden und seine Rotation zwischen Tua und Fitzpatrick letzte Saison. Das alles scheint in der Führungsriege der Dolphins nicht gut angekommen zu sein. Rein sportlich hat Flores meiner Meinung nach das Meiste bei den Dolphins herausgeholt und hätte sich eine Weiterbeschäftigung verdient. Aber hier zeigt sich wieder, dass es in der NFL nicht nur darum geht, wenn man den Owner nicht hinter sich stehen hat.

Die Entlassung von Joe Judge bei den New York Giants am Dienstag hat mich aufatmen lassen und meinen Glauben in das Front Office zumindest nicht gänzlich verschwinden lassen. Wie ich schon in der Frage nach den Enttäuschungen der Saison geschrieben habe, waren die Giants besonders in der zweiten Saisonhälfte, dermaßen frustrierend, dass nichts eine Weiterbeschäftigung von Judge gerechtfertigt hätte. Giants’ GM Dave Gettleman ist ebenfalls weg. Er geht in den Ruhestand, was man so interpretieren kann, dass er seiner Entlassung zuvorkam. Der Roster und die Cap Struktur, die er hinterlässt sind ein ganz schönes Päckchen für seinen Nachfolger. Also die Giants ebenfalls mit einem sehr notwendigen Neustart.

Jonathan Groeneveld: Ich hatte hier erst einen Take dazu stehen, wie absurd es ist, dass Joe Judge noch im Amt ist. Er wurde nun aber doch gefeuert und ich kann den Giants hier nur gratulieren. Es war in den 2 Jahren keinerlei Entwicklung zu erkennen und die Pressekonferenzen waren einfach nur schwer zu ertragen. Kaum ein Trainer hatte die Entlassung mehr verdient.

Vic Fangio hat am Ende auch die gute Beziehung zum GM nicht geholfen. Matt Nagy war klar und überfällig. Auch bei den Vikings hat sich der Schritt zuletzt angedeutet und war absolut folgerichtig. Ich bin gespannt, ob die Vikings einen kompletten Rebuild starten oder mit Cousins und neuem Trainer noch einmal einen letzten Run probieren.

Bei Flores war ich auch erstmal kurz geschockt, weil ich damit nicht gerechnet habe. Wir sollten hier aber fair gegenüber den Dolphins bleiben. Ich habe Flores auch kritisiert, z.B. seine Quarterbackrotation letztes Jahr war furchtbar. Ebenso wurde in den letzten Wochen immer darauf hingewiesen gegen welche Teams die Dolphins ihre Siegesserie hatten. Es kann nicht einerseits auf den schwachen Schedule hingewiesen werden um die Siegesserie zu erklären und andererseits der positive Record hervorgehoben werden, warum die Entlassung falsch ist. Hier scheint intern einiges im Argen gelegen haben, wenn man den Gerüchten glauben mag. Interessant wird jetzt die Situation um Watson, der ja unter anderem wegen Flores nach Miami wollte. Vielleicht sollten die Texans, falls Culley fliegt, hier probieren Flores zu holen.

Martin Brandtner: Ich muss ehrlich sagen, es hat mich bis auf Flores und die Dolphins nirgends überrascht, dass die Coaches gehen mussten. Für mich sind es sogar noch zu wenig. Aus meiner Sicht haben Matt Rhule bei den Carolina Panthers und Pete Carroll bei den Seattle Seahawks keine Daseinsberechtigung mehr in der NFL.

Aufgeatmet habe ich bei den Minnesota Vikings, dass sie endlich den Schlussstrich gezogen haben. Mit dem talentierten Potential hätte er eigentlich mehr rausholen müssen. Unter anderem seine Ingameentscheidungen waren oft sehr diskussionswürdig und auch das Playcalling war verbesserungswürdig.

Auch die Giants stehen auf Neuanfang, bei den Leistungen wäre es wichtig. New York bräuchte ein starkes Footballteam.
Am meisten gespannt bin ich neben den Vikings auf den neuen HC bei den Denver Broncos. Das Team dort hat viele Bausteine die ein erfolgreiches Team ausmacht. Doch John Elway schafft es einfach nicht einen würdigen QB für dieses Team zu finden.

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