1 Spieltag – 3 Autoren – 5 Fragen – Championship Games

Es geht in das vorletzte Wochenende der Saison!

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Das Divison Round Weekend hat für vieles entschädigt, was am Wild Card Weekend gefehlt hat. Aufregende und spannende Spiele, die erst in letzter Sekunde oder in der Overtime entschieden wurden. Das Spiel der Bills gegen die Chiefs hat alles gehalten, was es vorher versprochen hatte. Schade, dass dieses Spiel auf diese Art und Weise entschieden wurde. Hoffentlich bewegt es die NFL dazu, dass sie die Overtimeregeln endlich überarbeiten.

Heute blicken Benedikt Jakobi (@BeniJakobi), René Jaschko (@airjoTNDAC) und Jonathan Groeneveld (@JonaGroe89) auf die Championship Games und natürlich auch auf die ausgeschiedenen Teams. Wer steht vor einem Umbruch und wie geht es eigentlich mit Brady und Rodgers weiter?

Benedikt Jakobi: Bei der Frage tue ich mich mit Spekulationen sehr schwer. Sowohl bei Rodgers als auch bei Brady klangen die Gedanken an ein Karriereende überraschend konkret, das hatte ich so noch nicht wahrgenommen. Besonders Brady fiel in der Vergangenheit immer wieder mit Aussagen auf, dass er sich vorstellen könne noch weiter zu spielen, wenn sein Körper mitmacht. Und nach der Divisional Round gibt es daran keine Zweifel. Daher geht für mich die Tendenz eher dahin, dass Brady noch ein Jahr spielt, es aber allen klar ist, dass es seine letzte Saison ist. Das Argument der Familie gab es bereits in den letzten Jahren, warum sollte das dieses Jahr einen höheren Stellenwert haben, als vorher? Wenn Brady noch ein Jahr spielt, könnten die Bucs in der kommenden Offseason noch einmal alles möglich machen, um einen Kader aufzubauen, der um den Titel mitspielt.

Bei Rodgers gibt es noch eine weitere Option, nämlich den Wechsel zu einem anderen Team. Er hat betont, dass er nicht Teil eines Rebuilds sein möchte. Allerdings hat Head Coach Matt LaFleur bereits gesagt, man wolle die Stützen des Teams beisammen halten und nächstes Jahr wieder voll angreifen. Man ist jedoch 40 Millionen Dollar über dem Cap und unter anderem wird Davonte Adams Free Agent. Rodgers wird sich also die Frage stellen, ob er nächstes Jahr in Green Bay wirklich ein Team um sich haben wird, das um den Titel mitspielt.

Ich befürchte, dass das bei den Packers nach drei sehr starken Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Der Verlust an Talent durch fehlenden Cap Space könnte zu signifikant sein. Bleibt also die Frage, ob Karriereende oder ein neues Team. Diese Frage ist für mich wirklich komplett offen und ich kann nur raten, dass sich Rodgers nach all den Kontroversen diese Saison lieber etwas aus der NFL-Öffentlichkeit zurückzieht und seine Karriere beendet.

Jonathan Groeneveld: Ich fange mal mit Brady an. Seine Aussagen, dass er mehr Zeit mit der Familie verbringen möchte, sind ja nicht neu. Er hat das in den letzten Jahren immer mal wieder druchblicken lassen, aber ich fand dieses Jahr war es irgendwie deutlicher. Ich denke er wird sich sowohl mit den Verantwortlichen in Tampa Bay, als auch mit seiner Familie zusammensetzen. Mit den Verantwortlichen wird er schauen, was die Buccaneers planen und wie sie ihm den großtmöglichen Support zur Seite stellen können. Mit diesen Erkenntnissen wird er dann das Gespräch mit der Familie angehen und schauen, wie es dort aussieht. Natürlich würde Brady gerne mit einem Titel abtreten, aber die Chance hat er wohl letztes Jahr verpasst. Dazu hat er immer mal wieder gesagt, dass er bis mindestens 45 spielen möchte. Im August wird er diese Marke erreichen.

Kommen wir zu Rodgers. Die Situation ist für mich viel offener, auch wenn ich an einen Rücktritt nicht so recht glaube. Ich sehe hier eher zwei Möglichkeiten: Noch ein Jahr in Green Bay oder Trade zu den Broncos. Wie dies ausgeht wird von den Gesprächen zwischen Rodgers und den Packers abhängen. Die Packers haben nach den Saints die schlechteste Cap Situation und müssen Rodgers eine Perspektive aufzeigen. Passiert das nicht, dann kann ich mir gut vorstellen, dass er auf einen Trade drängt.

Zusammengefasst. Bei Brady tendiere ich dazu, dass er seine Karriere beendet. Falls nicht, dann könnte ich mir vorstellen, dass er ankündigt noch genau dieses eine Jahr weiterzuspielen. Eventuell könnte das einige Mitspieler dazu animieren einen Vertrag über ein Jahr zu geringeren Bezügen zu unterschreiben. Bei Rodgers glaube ich, dass er noch ein Jahr bei den Packers dran hängt. Ein Trade wurde mich aber sicher nicht schocken.

René Jaschko: Man sagt ja landläufig, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Die Realität ist aber, dass man meistens den richtigen Abgang verpasst. Es wäre Tom Brady zu wünschen, dass er den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt findet, anders als der ein oder andere Quarterback vor ihm. Die Aussagen von ihm in den letzten Tagen deuten darauf hin, dass dieser Zeitpunkt nun gekommen sein könnte. Ich persönlich finde, Brady könnte schlechtere Momente dafür finden. Er konnte die Buccaneers erneut in die Playoffs und nach einer starken Aufholjagd sogar fast bis ins NFC Championship Game führen. Für mich fühlt sich das besser an, als wenn der Quarterback wie ein Klotz am Bein vom Rest des Teams zu einem Super Bowl Sieg geschleppt wird. 

Auf der anderen Seite bin ich mir sicher, dass Brady auch im nächsten Jahr noch zu den Top-Quarterbacks der Liga zählen würde, sollte er nicht einen plötzlichen Leistungsabfall wie zum Beispiel Peyton Manning erleben. Es ist gut möglich, dass Brady seine Entscheidung davon abhängig macht, welche Veränderungen sich in Tampa während der Off-Season ergeben werden. 

Anders sieht es bei den Packers und Aaron Rodgers aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass letzterer nicht wirklich an ein Karriereende denkt, wo er doch eine weitere MVP-verdächtige Saison aufgelegt hat. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, dass Rodgers nach Green Bay zurückkehren wird. Dem Team aus Wisconsin steht eine anspruchsvolle Off-Season bevor, da sie mit gerade mal 41 Spielern unter Vertrag (laut overthecap.com) bereits mit 40 Millionen Dollar über dem Salary Cap stehen. Zudem wird mit Davante Adams ein wichtiger Leistungsträger Free Agent. Es ist also durchaus realistisch, dass die Packers mit einem verschlechterten Kader in die neue Saison gehen müssen.

Dass die Person Rodgers für mich, wie für viele andere auch, nur sehr schwer zu greifen ist, macht eine Prognose für die nächste Saison enorm schwer. Green Bay wäre selbst ohne Adams und zwei, drei weitere Leistungsträger immer noch ein Contender in der NFC, insbesondere mit dem Scheme von Matt LeFleur. Ich würde es Rodgers aber durchaus zutrauen, dass ihm das nicht genug ist. Möglicherweise will er lieber bei einem Team wie Denver spielen, dem aktuell nur ein Star-QB fehlt, um Super Bowl Contender zu sein. 

Die Titans scheitern als #1 Seed an den Bengals. Tannehill macht dabei ein sehr schlechtes Spiel. Haben die Titans ein Quarterback Problem?

Benedikt Jakobi: Ich denke nicht, dass Tannehill ein Problem für die Titans ist. Gemessen an seiner PFF-Grade war er 2019 der dritt-, 2020 der fünft- und 2021 der siebtbeste Quarterback der Liga. Natürlich sind diese Grades nicht alles, aber gerade über lange Zeit geben sie einen guten Indikator ab. Man kann Tannehill also nicht vorwerfen er sei kein Top 12 Quarterback. Er ist jedoch andererseits auch kein absoluter Elite Quarterback mit dem Ceiling eines Patrick Mahomes, Josh Allen oder Justin Herbert. Und das ist das Problem für die Titans. In der AFC wird man in den nächsten Jahren nur mit absolutem Elite Quarterbackplay erfolgreich sein, einfach weil die Konkurrenz so enorm stark ist (nicht zu vergessen Lamar Jackson und Joe Burrow). Es wird also schwierig mit Tannehill den ganz großen Wurf zu schaffen, selbst wenn man weiter konstant in die Playoffs kommt.

Ich würde es als Titans-GM so angehen: In den nächsten Drafts versuchen einen Quarterback zu ergattern, von dem man sich ein hohes Upside erhofft. Gleichzeitig würde ich Tannehill nicht übereilt ersetzen, denn die Gefahr, dass man einen Rückschritt macht, ist zu groß. Für mich ist es nicht ausgeschlossen, dass sie auch mit Tannehill in einer Saison, in der die Umstände für Tannehill und die Defense passen, in den Super Bowl kommen. Und langfristig kann man nur hoffen, dass ein möglicher Draft Pick einschlägt, denn die Titans sind nicht das einzige Team auf der Suche nach einem Quarterback-Upgrade.

Jonathan Groeneveld: Tannehill ist genau der Quarterback, der immer mal wieder diese Ausreißer nach unten haben wird. Tannehill ist ein grundsolider Quarterback und hat sich in Tennessee überraschend gut entwickelt. Diese Entwicklung möchte ich ihm gar nicht absprechen. Ich sehe es aber anders als Benedikt und finde Tannehill ist ein Boarderline Top 10 Quarterback. Ich sehe ihn nicht fest in den Top 12, sondern sehr schwankend. In guten Phasen kann er an den Top 10 anklopfen, aber es gibt halt auch immer mal wieder solche Spiele wie gegen die Bengals. Da muss man auch ehrlich sagen: Das Spiel hat Tannehill verloren. Ich mein, was soll die Defense mehr tun?

Eine Entlassung von Tannehill ist aus Cap-Gründen nicht möglich und wäre für mich auch eine Überreaktion. Er ist ja nun auch kein Bottom 5 Quarterback. Logisch muss aber auch sein, dass die Titans die Augen offen halten. Ich habe in meiner Quarterback Serie immer wieder davon gesprochen, dass Teams immer die nach eventuellen Verbesserung schauen müssen. Fällt ein Quarterback bzw. ist er an einer für sie guten Position verfügbar, dann sollten die Titans handeln. Top 10 Quarterbacks wachsen nicht auf den Bäumen, aber warum die Chance einen zu bekommen nicht maximieren? Wenn ich so einen Quarterback nicht habe, dann würde ich immer im Draft schauen, ob ich ein eventuelles Upgrade finde. Ich rede hier auch nicht von direkten Startern, sondern von Quarterbacks, die sich 1-2 Jahre entwickeln können hinter einem Starter. Dann kann man einschätzen, wen man gedraftet hat.

Insofern würde ich an Titans Stelle nichts erzwingen, aber durchaus mal im Draft schauen, wer so verfügbar ist.

René Jaschko: Die Titans waren in den letzten Jahren ein ziemliches Phänomen. Während sich die meisten NFL-Teams immer mehr auf das Passing Game fokussieren, dominierte in Nashville das Laufspiel. Statt nach einem Star-QB zu suchen, baute man in Tennessee das Team um einen Running Back auf. Wohlgemerkt war Ryan Tannehill dabei ein wichtiger Baustein. Getragen von Derrick Henry konnte Tannehill bei Playaction einfache und ungefährliche Würfe nehmen und die Titans so zu drei Playoffteilnahmen in Folge führen. 

Der gute Record und die nur knappe Niederlage gegen die Bengals könnten darüber hinwegtäuschen, dass Tannehill in den letzten zwei Jahren deutliche Rückschritte gemacht hat. Insbesondere die Anfälligkeit für Turnover hat deutlich zugenommen. Wenn das Running Game an seine Grenzen stößt, können sich die Titans nicht darauf verlassen, dass ihnen Tannehill ein Spiel im Alleingang gewinnt. Im Gegenteil, das Spiel gegen die Bengals war nicht das erste in dieser Saison, dass aufgrund seiner Fehler verloren wurde. 

Ich rechne schon seit zwei Jahren mit einem starken Einbruch bei den Titans, der bisher trotz dazu passender Umstände wie die Verletzung von Henry ausgeblieben ist. Es ist gut möglich, dass ihre Philosophie auch nächste Saison wieder gut funktioniert. In den entscheidenden Momenten der Playoffs, wo es auf den QB ankommt, werden die Titans durch Tannehills Fehler aber wieder scheitern. Und das kann nicht der Anspruch in Tennessee sein. 

Sean Payton hat sein Rücktritt bei den Saints bekannt gegeben. Wie geht es jetzt in New Orleans weiter?

Benedikt Jakobi: Die Saints stehen vor ganz schön schwierigen Zeiten. Kein Starting Quarterback – ich zähle Taysom Hill hier nicht -, 74 Millionen Dollar über dem Cap, Free Agents auf kritischen Positionen und der Coach weg, der dem Team über Jahre einen sehr hohen Floor gab. Selbst der optimistischste Saints-Fan kann eigentlich nicht hoffen, dass das Team kurzfristig erfolgreich ist. Man ist mit offenem Visier in den letzten Jahren All-In gegangen und wurde nicht mit einem Titel belohnt. Und jetzt muss man allmählich die Rechnung bezahlen.

Die Saints sollten sich eingestehen, dass sie vor einem Rebuild stehen und die nächsten ein bis zwei Jahre nutzen, aus teuren Verträgen von Veterans herauszukommen und dabei mit möglichen Trades Draft Munition zu sammeln. Dann könnte man ca. 2024 mit einem Rookie-Quarterback, den man bis dahin gefunden haben könnte, neu angreifen. Welcher Head Coach das dann orchestriert ist für mich Zukunftsmusik. Ich denke der nächste Head Coach wird eher einer sein, der den Rebuild moderiert und versucht sportlich zumindest relevant zu bleiben und nicht komplett abzustürzen. Da läge der bisherige Defensive Coordinator Dennis Allen nahe.

Jonathan Groeneveld: Für die Saints eine Katstrophe. Sean Payton hat dem Team, trotz aller Cap-Probleme, einen hohen Floor gegeben. Dieser ist nun weg. Daher gibt es für mich fast nur die Möglichkeit eines Rebuilds. Die Saints haben massive Capprobleme und aktuell keinen Quarterback (Taysom Hill zählt für mich nicht). Insofern würde ich auch sehen, dass ich aus dem aktuellen Kader das Maximum an Kapital heraushole und den Umbruch angehe. Die Cap Geschichte kann ja durchaus sinnvoll sein, aber nur wenn das Team in einem Win Now Modus ist. Das sind die Saints ohne Quarterback und Payton aber nicht mehr.

Wer Nachfolger von Payton wird ist schwer zu sagen. Wäre aktuell nur reine Spekulation, aber es würde mich nicht wundern, wenn einer der Coordinators aufsteigen würde. Eine interne Lösung könnte erst einmal sinnvoll sein.

René Jaschko: Wenn wir von schwierigen Offseasons sprechen, stellen die Saints die Packers noch deutlich in den Schatten. New Orleans steht mit mehr als 70 Millionen Dollar über dem Cap und haben dabei nicht mal einen guten Quarterback unter Vertrag. Und jetzt hat mit HC Payton auch noch der Kapitän das sinkende Schiff verlassen. Natürlich ist GM Mickey Loomis ein Künstler, was den Salary Cap angeht. Schließlich manövrieren die Saints schon seit Jahren durch finanzielle Engpässe. Vielleicht ist jetzt aber mal die Zeit gekommen, um die Zeche zu bezahlen und einen harten Rebuild einzuleiten. 

Möglicherweise ist diese Sichtweise zu pessimistisch, schließlich hat man in New Orleans trotz großem Verletzungspech beinahe noch die Playoffs erreicht. Der Kader bietet vor allem in der Defense enorme Qualität und könnte mit einem guten QB sicher wieder um den Playoff-Einzug mitspielen. Allerdings sehe ich selbst für Loomis kaum eine Chance, einen solchen QB an Land zu ziehen. 

Man könnte stattdessen die Abgänge von Brees und Payton dazu nutzen, ein komplett neues Team aufzubauen. Gute, aber teure Spieler wie Ryan Ramczyk könnten für Draftkapital getradet werden, so dass man in zwei, drei Jahren mit einem gesunden Cap-Gefüge und einem jungen Team neu angreifen kann. Denn viel weiter bringt einem das aktuelle Team mit Taysom Hill auch nicht. 

AFC Championship Game: Bengals@Chiefs. Worauf kommt es an und wer wird am Ende als Sieger vom Platz gehen?

Benedikt Jakobi: Die Chiefs sind hier für mich klarer Favorit. Die Offense schnurrt zu richtigen Zeit und das reicht aus, selbst wenn die Defense klare Schwächen zeigt. Die Bengals haben nur dann Siegchancen wenn sie offensiv mithalten können. Und dass sie dazu in der Lage sind, haben sie in Week 17 bei ihrem 34-31 Sieg bewiesen. Ich halte es jedoch für wahrscheinlicher, dass die Chiefs ihre Lehren aus dem Spiel ziehen und die Bengals dieses Mal besser stoppen können.

Die Titans hatten mit einer schlechten Offensivleistung die Bengals am Rande einer Niederlage, fast alleine durch ihren aggressiven Pass Rush. Die Chiefs haben vielleicht nicht die Pass Rush Qualität der Titans aber bei auch sie sollten Burrow mit Chris Jones, Melvin Ingram oder Frank Clark das ein oder andere Mal in Bedrängnis bringen können. Mein Tipp geht also klar in Richtung der Chiefs, die über 30 Punkte scoren werden und die Bengals Offensive Line oft genug schlagen werden, um die Bengals unter 30 Punkten zu halten.

Jonathan Groeneveld: Ich habe ja bereits letzte Woche geschrieben, dass mir die Bengals gegen die Raiders nicht gefallen haben. Da hat das Spiel gegen die Titans nicht geholfen. Vorab möchte ich aber sagen, dass es auch eine Qualität ist so ein Spiel zu gewinnen. Ich möchte den Bengals überhaupt nicht klein reden oder den Erfolg madig machen. Fakt ist aber auch, dass die Bengals im Spiel von den Fehlern der Titans massiv profitiert haben. Diese Fehler müssen auch erstmal genutzt werden.

Gegen die Chiefs wird dies allerdings nicht funktionieren, da diese nicht so viele Fehler machen werden. Sind die Bengals also chancenlos? So weit würde ich nicht gehen, aber sie sind der klare Außenseiter. Für die Bengals muss wirklich alles passen, damit sie eine wirkliche Chance bekommen. Einerseits sehe ich die Offense erneut vor Problemen und das liegt hauptsächlich an der Offensive Line. Das war gegen die Titans eine Katstrophe und der Pass Rush der Chiefs ist gut genug um das ausnutzen zu können. Dazu fehlt mir immer noch die offensive Struktur in der Offense der Bengals. Jede Defense hat es gegen eine Offense der Chiefs schwer. Es wird nicht möglich sein diese dauerhaft am Punkten zu hindern und dann habe ich einfach massive Zweifel, dass die Bengals Offense seine Drives konstant zu Ende spielen kann.

Mein Tipp ist daher hier ein 34:17 für die Chiefs.

René Jaschko: Die Chiefs sind für mich der Favorit, da ihre Offense aktuell kaum zu stoppen ist. Die Bengals müssen sich auf einen Shootout einstellen und brauchen dafür Konzepte, um Burrows Protection zu verbessern, insbesondere da mit Chris Jones der nächste starke Interior Rusher wartet. 

Eine entscheidende Personalie könnte dafür Tyrann Mathieu sein. Der Safety der Chiefs musste gegen die Bills im ersten Viertel vom Feld und befindet sich noch im Concussion Protocol. Wenn er ausfallen sollte, werden die Chiefs gezwungen sein, mehr Personal in die Coverage zu stecken. Das wiederum könnte Burrow etwas mehr Zeit in der Pocket verschaffen. Dennoch rechne ich mit einem Sieg der Chiefs.

NFC Championship Game: 49ers@Rams. Worauf kommt es an und wer wird am Ende als Sieger vom Platz gehen?

Benedikt Jakobi: Das Spiel wird an der Line of Scrimmage und in den Köpfen der Head Coaches entschieden. Aber erst zu den Lines. Beide Teams haben starke Defensive Lines, die sowohl über den Four-Men-Rush gewinnen können als auch stark gegen den Run sind. Die Rams haben Vorteile in der Offensive Line. Andrew Whitworth sollte zurückkommen, was die Rams Line stabilisieren würde. Die 49ers Offensive Line hat besonders auf der rechten Seite ein Problem und es ist denkbar, dass Trent Williams als Left Tackle ausfällt. Das würde das Matchup an der Line zu Gunsten der Rams ausfallen lassen. Und Jimmy Garoppolo ist unter Druck deutlich schlechter, als wenn er eine saubere Pocket hat. Sollte der Rams Pass Rush also oft genug durchkommen, ginge das Quarterback-Matchup auch an die Rams.

Es gilt also für die 49ers, dass Head Coach Kyle Shanahan einen Gameplan entwirft, der diese Schwächen kaschiert und den 49ers andere Möglichkeiten zu gewinnen gibt. Und das traue ich wenigen Coaches eher zu, als Shanahan. Er ist in direkten Duellen gegen McVay 7-3 vorne und das obwohl McVay meist das bessere Team zur Verfügung hatte. Natürlich ist es anhand dieser Statistik schwierig zukünftige Spiele vorherzusagen, es hat jedoch trotzdem ein gewisses Gewicht für mich. Es war symptomatisch, dass die Rams in der Divisional Runde der Playoffs die Bucs noch einmal so ins Spiel haben kommen lassen. Das lag mitunter auch an McVays konservativem Coaching. Hier ist der Vorteil also auf 49ers Seite.

Zieht man nun einen großen Strich darunter, sollten wir uns auf ein wahnsinnig enges und spannendes Spiel freuen können. Mein Gefühl geht in einem knappen Spiel in Richtung der Rams, da ich denke, dass Von Miller und Aaron Donald Jimmy Garoppolo zum entscheidenden Fehler zwingen werden, der den Rams den Sieg bringt.

Jonathan Groeneveld: Für die Rams wohl das ungünstigste Matchup, was sie haben könnten. Die 49ers haben die letzten 6 Spiele gegen die Rams alle gewonnen, was in der schnelllebigen NFL durchaus eine Ansage ist. Wenn ich mir das Match Up rein auf dem Papier anschaue, dann sehe ich die Rams sowohl in der Offense, als auch in der Defense vorne. Manchmal ist es aber nicht so einfach. Natürlich sind die Rams in diesem Duell der Favorit, aber die 49ers sind in keinem Fall chancenlos.

Die 49ers werden aber in jedem Fall mehr Punkte brauchen, als gegen die Packers. Die Offense muss daher besser funktionieren und da wird es auch darauf ankommen, wie fit Jimmy Garoppolo wirklich ist. Ebenso wird es für beide Offenses entscheidend sein, wie viele Fehler sie produzieren. Der Auftritt der Rams gegen Tampa Bay war grotesk. Mit diesen vielen Fehlern das Spiel zu gewinnen zeugt natürlich auch von Qualität. So spannend darf dieses Spiel aber nie mehr werden.

Ich schaue in diesem Spiel speziell auf beide Quarterbacks. Sowohl Garoppolo, als auch Stafford sind für Fehler gut. Beide sind in den Playoffs bisher recht stabil, aber ich traue dem Braten nicht wirklich. Es würde mich absolut nicht wundern, wenn das Spiel am Ende defensiv geprägt ist und es darauf ankommt, wer weniger Fehler macht. Ich kann es gar nicht groß untermauern, aber mein Bauch traut Stafford einen Tick weniger. Zu absurd waren seine Fehler in dieser Saison. Er scheint sich aber rechtzeitig zu den Playoffs gefangen zu haben, aber noch hat er mein Vertrauen nicht wieder.

Entscheidend für die 49ers könnte sein, ob sie es schaffen Stafford unter Druck zu setzen. Gegen Druck sah Stafford die Saison schlechter aus. Die OLine der Rams wird mit der Rückkehr von Withworth aber wieder stärker. Wenn die 49ers eine Chance haben wollen, dann müssen sie das Duell an der Line of Scrimmage gewinnen. Auf beiden Seiten des Balls.

Insgesamt sehe ich aber die Vorteile schon bei den Rams. Mein Tipp ist am Ende ein 24:17 für die Rams.

René Jaschko: Dieses Matchup ist wirklich schwer einzuschätzen. Rational betrachtet müssten die Rams der Favorit sein, da sie den stärkeren Kader und vor allem den besseren Quarterback haben. Allerdings gingen ihre letzten sechs Spiele gegen die 49ers allesamt verloren. Bei solch einer Serie kann man schlecht rational an die Sache herangehen. 

Das letzte Duell in Week 18 ging vor allem verloren, weil Matthew Stafford in der zweiten Hälfte eklatante Fehler beging, die ihn fast die ganze Saison verfolgten. In den Playoffs sehen wir bisher aber einen anderen Stafford, der präzise und vor allem nahezu fehlerfrei agiert. Ohne die vier Fumbles seiner Teamkollegen wäre das Ergebnis in Tampa Bay auch niemals so eng geworden. Solange Stafford in dieser Form weiterspielt, sehe ich die Rams ihren San Francisco Fluch besiegen und in den Super Bowl einziehen.

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