Der Blick aufs Wochenende: Wild Card Weekend

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Die Regular Season ist gelaufen, die Playoffs starten mit dem Wild Card Wochenende. 12 Teams kämpfen um den Einzug in die Divisional Round, in der Packers und Titans noch entspannt auf ihre kommenden Gegner warten.

Alle Spiele werden parallel auf DAZN und ProSieben (ohne MAXX) übertragen.

Samstag:

22:30 Uhr: Raiders @ Bengals

Mehr Drama ging vermutlich nicht. Die Raiders waren auf dem besten Weg in die Playoffs, kassierten kurz vor Schluss noch den Ausgleich und in der Overtime brauchte es das dritte Field Goal, mit ablaufender Zeit. Wobei die Raiders zu dem Zeitpunkt durch waren – ein Tie hätte ihnen auch gereicht. Aber anstatt “Schande von Gijon” zu spielen, wollten die Raiders dann doch auf Sieg gehen und Carlson kickte sein fünftes Field Goal des Abends durch die Stangen. Für die Chargers natürlich eine Katastrophe. Das Team, das durch seine unfreiwillige Fähigkeit Spiele zu vergeigen zum Meme wurde, schied mal wieder auf spektakuläre Art und Weise aus. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie Justin Herbert mal anständig einsetzen werden.

Die Bengals waren bereits als Divisionssieger durch und ließen die zweite Garde gegen die Browns ran. Das Spiel, bei dem die Browns auf Mayfield verzichteten endete 16-21, aber durch die vielen Schonungen ist der Erkenntnisgewinn minimal. Vielleicht nur soviel: Zwischen Brandon Allen und Joe Burrow liegen Welten.

Duelle zwischen den Raiders und Bengals gab es in den letzten Jahren nur gelegentlich – trotz gleicher Conference. in den letzten 20 Jahren hat es nur acht Aufeinandertreffen gegeben, von denen die Bengals fünf gewannen. Das letzte Match ist allerdings nur ein paar Wochen her, am 21. November gab es einen klaren 32-13 Auswärtssieg von Cincinnati. In den Playoffs trafen beide Teams bisher zwei Mal aufeinander, zuletzt im Januar 1991 als die damals noch in Los Angeles beheimateten Raiders 20-10 gewannen. Das Wild Card Game davor war übrigens der letzte Playoff-Sieg der Cincinnati Bengals. Danach folgten viele verpasste Playoffs und massenhaft Wild Card Pleiten.

2:15 Uhr: Patriots @ Bills

Zum dritten Mal erleben wir nun diese AFC Duell. Zuerst gab es das Kuriose 14-10 für die Patriots, als Mac Jones nur für 19 Yards werfen durfte, an Weihnachten folgte der deutliche 33-21 Erfolg von Buffalo mit einem starken Josh Allen. Beides waren Auswärtssiege. Die Pats holten sich am letzten Spieltag nochmal eine leicht blutige Nase ab. Bereits das dritte Mal in Serie, dass New England gegen Saisonende eine Plate gegen die Dolphins kassiert hat. Der Start ins Spiel war denkbar schlecht, als Mac Jones im ersten Drive einen sehr bösen Pick Six warf. Es war einfach nicht der Tag der Pats. Der letzte Spielzug als ein Trick Play völlig in die Hose ging, war irgendwo passend. Auch wenn die Siegchance bei abgelaufener Uhr an der eigenen 2 Yard-Linie natürlich im kaum noch messbaren Bereich waren.

Die Bills haben ihre Pflicht gegen die Jets erfüllt und einen klaren 27-10 Erfolg eingefahren. Während Allen nach seinem 3 Interception-Alptraum der Vorwoche noch etwas wacklig wirkte, war die Bills Defense längst auf Playoffs-Betriebstemperatur. Gleich 8 Sacks für 79 Yards musste der Bemitleidenswerte Zach Wilson einkassieren, ganze 53 Yards konnten die Jets offensiv hinlegen. In diesem Spiel kann man wohl ernsthaft davon sprechen, dass Buffalos Punter Matt Haack der beste Offense Spieler der Jets war…

So oft sich beide Teams bisher getroffen haben, in den Playoffs ist es quasi ein Debüt. 1963, noch vor der Super Bowl Ära gab es letztmals ein Playoff Match zwischen den damals noch Boston Patriots und den Buffalo Bills. Zu diesem Zeitpunkt waren beide Teams noch in der American Football League aktiv, welche bis 1966 noch eine eigenständige Konkurrenzliga zur NFL war.

Sonntag:

19 Uhr: Eagles @ Buccaneers

Bereits im Oktober kam es zu einem Aufeinandertreffen, damals in Philadelphia. Die Bucs gewannen mit 28-22 weitgehend souverän.
Tampa Bay hat seine Pflichtaufgabe vor den Playoffs erfüllt und deutlich mit 41-17 die Panthers besiegt. Der Erfolg hat die Buccaneers auf Seed 2 der NFC gespült und die Eagles als vermeintlich einfachsten NFC-Gegner ermöglicht. Die Eagles sind hier einmal mehr in der Underdog-Position, aber da fühlt man sich ja durchaus wohl. Zumal Philadelphia keinen Erfolgsdruck besitzt, die Saison über den Erwartungen abgeschlossen hat.
Brady & Gronk dominierten gegen Carolina mal wieder das Geschehen, dazu konnte Mike Evans mit zwei Touchdowns auftrumpfen. Die Eagles kassierten eine deutliche 26-51 Abreibung von den Dallas Cowboys, schonten allerdings auch diverse Starter wie Jalen Hurts, Fletcher Cox und Dallas Goedert.

Insgesamt treffen Buccaneers und Eagles zum 21. Mal aufeinander, zum fünften Mal in den Playoffs. Die letzte Post Season Partie fand am 19.1.2003 im NFC Championship Game statt und wurde mit 27-10 von Tampa gewonnen. Rein nach Serie dürfen sich die Eagles Hoffnungen machen. Nach 3 Siegen in Folge für die Bucs zwischen 2003 und 2006 folgten 3 Siege in Folge für die Eagles (2009-2013) und wieder 3 Erfolge am Stück für Tampa (2015 bis 2021). Kommt nun eine neue Dreier-Serie?

22:30 Uhr: 49ers @ Cowboys

Die Cowboys gewannen ihr Aufwärmmatch locker mit 51-26 in Philadelphia, Dak Prescott verpasste dabei mit 5 Touchdowns nur knapp ein perfektes QB Rating. Wesentlich mehr Mühe hatten die 49ers, zumal sie ja noch aus den Playoffs hätten fallen können. Gegen die Rams ging es hoch her und beide Teams schenkten sich nichts – so wie man es sich von einer Divisionsrivalität wünscht. Am Ende durfte der viel gescholtene Jimmy Garoppolo mal auftrumpfen, als er die 49ers Ende des vierten Quarters, ohne Auszeit und mit 87 Sekunden Restspielzeit, über das Feld dirigierte und die Overtime ermöglichte. Dort machte dann Robbie Gould ein einfaches Field Goal, ehe Ambry Thomas’ Interception das Spiel beendete.

Auch Deebo Samuel durfte gegen die Rams mal wieder zeigen, welches Multitalent er ist. Rushing TDs sind bei dem Wide Receiver ja längst Standard, nun durfte Samuel, der einen Tag vor dem Playoff-Duell seinen 26. Geburtstag feiert, sogar einen Touchdown werfen. Die Kirsche auf dem Eis einer sowieso schon sehr starken Saison.

Das Duell der 49ers und Cowboys gab es schon mehrfach in den Playoffs. Beide Franchises eint eine sehr traditionsgeladene Rivalität. Allerdings ist seit der Hochphase doch viel Zeit vergangen. Das letzte Aufeinandertreffen war am 20.12.2020 als die Cowboys mit 41-33 gewinnen konnten. Damals noch ein Duell zwischen Nick Mullens und Andy Dalton. Sieben der letzten 10 Matches gingen an die Cowboys. Der letzte Playoffauftritt der beiden Rivalen war am 15. Januar 1995. Damals war es das dritte Jahr in Folge, in dem beide Teams im NFC Championship Game aufeinander getroffen sind. Die 1993 und 1994 gingen die Cowboys als Sieger hervor, 1995 konnten die 49ers die damalige Dallas-Dominanz mit einem Sieg unterbrechen.

2:15 Uhr: Steelers @ Chiefs

Unfassbar, aber die Steelers stehen ohne veritablen NFL-Quarterback in der Wild Card Runde. Gegen das Rest-Aufgebot der Ravens gab es den späten Overtime-Erfolg als man dann doch noch mal die Red Zone betreten und das entscheidende Field Goal versenken konnte. Aber was kann man nun erwarten? Das Laufspiel funktioniert mal Hüh mal Hott und Big Ben kann zwar fast 50 Mal pro Spiel werfen, aber jeder Ball über 10 Yards schleudert wilder als so manche Waschmaschine.
Die Chiefs taten sich ohne große Schonungswelle doch etwas schwer gegen die Broncos. Vor allem im Laufspiel kamen die Chiefs nicht hinterher und ließen sich sogar von Drew Lock zwei Rushing Touchdowns einschenken.

Das sah schon sehr bescheiden verteidigt aus…höflich geschrieben. Wesentlich besser machte es dann Nick Bolton kurz vor Schluss mit seinem Fumble Return TD.

Auch diese beiden Teams trafen in dieser Saison schon aufeinander, an Weihnachten wurden die Steelers mit 10-36 ordentlich vermöbelt. Das letzte Playoff Duell beider Teams ist ebenfalls noch nicht lange her. im Januar 2017 trafen beiden in der Divisional Round aufeinander, die Steelers gewannen mit 18-16. Gar nicht so lange her, aber es wirkt wie eine Ewigkeit, wenn man liest, dass Kansas City damals noch mit Alex Smith auf QB gespielt hatte.

Montag:

2:15 Uhr: Cardinals @ Rams

Wie viel geht für die Rams in den Playoffs? Es ist das Team, welches ich am schwersten einschätzen kann und das liegt vor allem daran, dass mir das Vertrauen in Matt Stafford fehlt. Der erhoffte Quantensprung nach Jared Goff hatte gute Spiele. Aber er hatte auch viele Spiele in denen er sehr üble Fehler gemacht hat. Gerade erst am vergangenen Wochenende, als Staffords Interception das Ende des Spiels bedeutet hat. Kein notwendiger Wurf, sanft in die Arme des Gegenspielers, sehr weit weg vom vermeintlichen Ziel OBJ.

Auch die Cardinals sind für mich schwer greifbar. Nach dem Sieg in Dallas hatte ich eigentlich gedacht, dass man sich wieder etwas gesammelt hat. Stattdessen ließ man sich gegen die Seahawks von Rashaad Penny kaputtlaufen während in der Offense Kyler Murray erstmals seit seiner Rookie Saison 5 Sacks einstecken musste.

Als Divisionsduell treffen beide Teams zum dritten Mal in dieser Saison aufeinander. Anfang Oktober gewannen die Cardinals, vor rund einem Monat die Rams. Beides Auswärtssiege. Die Bilanz der letzten Jahre ist deutlich auf Seiten der Rams. 9 der letzten 10 Siege gingen an das Team von Sean McVay, satte fünf Mal blieben die Cardinals unter zehn Punkten. Zwei Spiele gingen gar zu Null verloren. In den Playoffs gab es dieses Duell bisher ein Mal, am 27.12.1975. Damals traten die St. Louis Cardinals bei den Rams an, welche rund 20 Jahre später in St. Louis ihre Übergangsheimat hatten. Das Spiel gewannen die Rams mit 35-23.

Black Monday

Zum Abschluss der Regular Season nochmal eine kurze Übersicht über die entlassenen Coaches. Sechs Head Coaches mussten ihr Büro nach Woche 18 räumen und zumindest einer davon überraschte durchaus.

Joe Judge (Giants), Brian Flores (Dolphins), Matt Nagy (Bears), Mike Zimmer (Vikings), David Culley (Texans) und Vic Fangio (Broncos) sind nun erstmal ohne Job.

Die Entlassung von Brian Flores, dessen Erfolgslauf in der zweiten Hälfte die Dolphins nochmal in Playoffnähe brachte, überraschte viele NFL-Interessierte. Allerdings war selbiger Flores nun auch an einem total verkorksten Saisonstart beteiligt und hatte in der Entwicklung um Hoffnungsträger Tua Tagovailoa auch nicht das geschafft, was man sich wohl erhofft hatte. Dennoch stehen am Ende bei zwei von drei Saisons mehr Siege als Niederlagen auf dem Zettel und wir reden halt auch von einer Mannschaft, die in einem reichlich kaputten Zustand übernommen wurde. Da kann man berechtigt die Frage stellen, ob schwarzen Head Coaches in der NFL weniger Geduld entgegengebracht wird.

Matt Nagy war klar und nur pessimistische Bears-Fans hatten an einen Verbleib geglaubt. Die Bears haben sich in den letzten Jahren einfach nicht entwickelt. Neben Nagy musste auch GM Ryan Pace sein Büro ausräumen.

Texanisches Selbstbild

Texans HC David Culley musste nach nur einem Jahr gehen. Eine fragwürdige Geschichte, schon die Berufung von Culley im Sommer rief Fragen auf. Für den 66-jährigen war es der erste Job als Head Coach und jeder wusste, dass Culley da eher einen Übergangsjob hat um die harten Rebuildjahre zu überbrücken. Warum wird Culley nun nach einem Jahr gekickt? Mehr als das Erreichte war unrealistisch, bei den jungen Spielern um DE Jonathan Greenard oder QB Davis Mills gab es positive Entwicklungen und die Atmosphäre zwischen Culley und dem Teams soll gut gewesen sein.

Auch mit neuem Coach sind die Texans einfach noch mehr als eine Off Season von einem Playoffteam entfernt. Wie sehen sich die Texans also selbst? Cal McNair, der quasi Owner (eigentlich ist seine Mutter Teambesitzerin, allerdings nimmt sie nur repräsentative Aufgaben wahr) scheint das Team wesentlich besser zu sehen, als jeder andere. Obwohl man in den letzten beiden Jahren zwei äußerst ikonische Franchise Player verloren hat. Obwohl der Franchise QB in den Streik gegangen war – bevor er dann wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung in 22 Fällen berechtigt zum ligaweiten roten Tuch wurde.

Auch der von McNair als Vizepräsident geholte Priester Jack Easterby und dessen Adlatus Nick Cesario scheinen die Texans anders zu sehen. Easterby, ehemaliger Team-Priester der Chiefs, steht arg in der Fankritik, da er auch als treibende Kraft hinter dem DeAndre Hopkins Trade gilt. Ein Trade, der bis heute als einer der schlechtesten Entscheidungen gilt. Auch Cesario gilt als umstritten, soll David Culley per Headset immer wieder Anweisungen gegeben haben.

Für Vic Fangio endete die Head Coach Karriere nach dem dritten Jahr in Denver. In allen drei Jahren gab es einen negativen Record, in allen Jahren fehlte Stabilität. Allerdings muss man Fangio auch etwas in Schutz nehmen, denn gerade auf Quarterback hat man ihm nicht viel gegeben. Da war Bridgewater schon das höchste der Gefühle… Mit 63 ist es aber unwahrscheinlich, dass wir Fangio nochmal als HC sehen werden. Zumal seine Qualitäten als Defense Coordinator unbestritten sind und er da sicherlich schon bald wieder unterkommen wird. Broncos DC Ed Donatell, ein langjähriger Fangio-Vertrauter, ist auch weiter im Amt. Gänzlich weg von Fangios Ideen möchte man wohlmöglich nicht gehen.

Umbruch in Minnesota

Mike Zimmers Entlassung zeichnete sich auch schon etwas länger ab. In den vergangenen acht Jahren führte Zimmer die Vikings drei Mal in die Playoffs. 2017 ging es bis ins NFC Championship Game, wo man allerdings deutlich mit 7-38 gegen die Eagles die Segel streichen musste. Zuletzt steckten die Vikings allerdings im biederen Mittelmaß. Mike Zimmer und der ebenfalls entlassene OC Klint Kubiak gelang es einfach nicht ein kreatives, erfolgreiches Offensivspiel aufzuziehen obwohl man doch eigentlich so manchen wohlklingenden Namen bieten kann. Justin Jefferson, Dalvin Cook, Adam Thielen – solche Skill Position Spieler wünscht sich mancher Head Coach. Auch Kirk Cousins kann durchaus mal an der QB Top 10 Kratzen.

Die letzte Entlassung betrifft Joe Judge. Eine Entlassung, die vor allem in Philadelphia, Washington und Texas bedauert wurde, aber vermutlich auch an vielen anderen Orten außerhalb des New Yorker Großraumes. Judge war zuletzt nicht nur mit fragwürdigem Play Calling, sondern auch durch eine miese Außendastellung stark aufgefallen. Höhepunkt des Ganzen war dann der QB Sneak an der eigenen Endzone bei 9 Yards zu gehen. Man finde jemanden, der dieses Play sinnvoll erklären kann und gebe ihm einen Nobelpreis.

Auch GM Dave Gattleman hat die Giants verlassen und ist nach einer GM-Bilanz von 19-46 in den vergangenen vier Jahren in den Ruhestand abgetreten. Auch hier ist die Trauer bei den Fans der Rivalen sicherlich größer als in New York.

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Jessica Fehlhaber
NFL-Fan und Fantasy-Spielerin. Verliebt seit dem ersten Snap als aktive Spielerin. Fly, Eagles, Fly!

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