Three and Out 2021: Coaches

Vor dem Black Monday in der NFL: Welche Coaches haben diese Saison überrascht? Welche haben enttäuscht und könnten entlassen werden? Three and Out klärt euch auf!

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Herzlich willkommen zur letzten Ausgabe Three and Out für diese Saison! In dieser Woche schauen wir auf Coaches und Coordinators. Wer hat überrascht, wer enttäuscht? Pünktlich vor dem “Black Monday”, also den Montag nach dem letzten Spieltag an dem im Schnitt zwischen sechs und sieben Head Coaches entlassen werden, ordnet Three and Out für euch die Leistungen ein. Nicht in der Bewertung sind mit Jon Gruden und Urban Meyer die beiden Head Coaches, die schon während der Saison ihren Platz räumen mussten. Da in beiden Fällen Gründe abseits des Platzes maßgeblich zur Entlassung geführt haben, gehe ich hier nicht genauer darauf ein. Aber genug der Vorrede, los geht’s mit den Gewinnern und Verlierern der NFL-Saison 2021 unter den Coaches und Coordinators.

Gewinner

Frank Reich (HC, Indianapolis Colts)

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Frank Reich ein sehr guter Coach ist. Daher sind die Erwartungen an ihn immer latent hoch. Aber man muss ihm Anerkennung für diese Saison zollen. Die Indianapolis Colts werden sehr wahrscheinlich erneut in den Playoffs vertreten sein. Außerdem hat man Quarterback Carson Wentz zurück in die Spur gebracht. Damit meine ich nicht, dass Wentz wie ein Top 8 Quarterback aussieht. Aber Reich hat eine Offense um Wentz herum designt, die es Wentz ermöglichte, sein Katastrophenjahr 2020 bei den Eagles hinter sich zu lassen und wieder wie ein veritabler Starter in der NFL auszusehen. Natürlich hilft es mit Jonathan Taylor einen der individuellen besten Spieler der Saison als Running Back zu haben. Aber Reich schafft es auch seine besten Spieler richtig einzusetzen und ihnen gute Gelegenheiten zu geben. Ich hatte die Colts nach der Wentz Verpflichtung nicht in die Playoffs getippt. Dass sie es doch schaffen werden, liegt maßgeblich an ihrem Coach. Daher ist Reich ein klarer Gewinner der Saison für mich und fester im Sattel denn je.

Dan Quinn (DC, Dallas Cowboys)

Chapeau, Dan Quinn! Nachdem Quinn 2020 bei den Falcons noch während der Saison entlassen wurde, hätte ich ihm nicht zugetraut so schnell wieder einen Posten in der NFL so erfolgreich zu bekleiden. Aber Quinn hat die Cowboys Defense nicht nur stabilisiert, sondern sie auch zu einer Turnover-Maschine gewandelt. 2020 waren die Cowboys unter Defensive Coordinator Mike Nolan noch eine der schlechtesten Units in der NFL. Dieses Jahr gehören sie nach den allermeisten Metrics zu mindestens den Top 5 Defenses. Und nicht nur im Kollektiv sticht die Cowboys Defense heraus. Individuelle Leistungssprünge wie der von Cornerback Trevon Diggs, der einige Stimmen als Defensive Player of the Year abstauben dürfte oder der Einstand von Rookie Linebacker Micah Parsons, der fast sicher Defensive Rookie of the Year werden dürfte, sprechen für sich. Quinn orchestriert die individuelle Klasse seiner Spieler wirklich herausragend. Ein Gewinner, den ich so vor der Saison überhaupt nicht erwartet hätte!

Nathaniel Hackett (OC, Green Bay Packers)

Ich habe mich bei der Recherche für diesen Artikel ein wenig gewundert, dass Nathaniel Hackett seit 2019 Offensive Coordinator der Green Bay Packers ist. Er kam damals gemeinsam mit Head Coach Matt LaFleur. Ich muss jedoch zugeben, dass mir der Name bis zu dieser Saison nicht sonderlich geläufig war, für mich war LaFleur Kopf dieser Offense. In den letzten Wochen fiel der Name Hackett jedoch häufiger, wenn es in ersten Spekulationen darum ging, wer für die vakanten Head Coaching Posten in Frage kommt.

Hacketts Erfolg bei den Packers spricht für sich. Die Offense hat einen extrem hohen Floor und ist kaum zu stoppen. Außerdem scheint er extrem beliebt bei den Spielern zu sein, was für seinen Charakter spricht. Es lohnt sich, dieses Stück der Washington Post über ihn zu lesen, was ihn extrem sympathisch rüberkommen lässt. Als neutraler Beobachter wünscht man sich einfach, dass Hackett noch mehr in die Verantwortung rückt und nächstes Jahr ein Team übernimmt. Dass er inzwischen so prominent in Head Coach Spekulationen genannt wird, war für mich vor der Saison nicht absehbar. Das macht ihn für mich zu einem Gewinner dieser Saison.

Verlierer

Matt Rhule (HC, Carolina Panthers)

Die Panthers sind ein wenig zu meinem Lieblingsthema dieser Saison geworden. In der Week 17 Ausgabe von 1 Spieltag – 3 Autoren – 5 Fragen habe ich bereits meinen Unmut über Matt Rhule zum Ausdruck gebracht. Besonders die Art und Weise wie Rhule die Quarterback Situation der Panthers händelt, ist für mich eine der ominöseren Storylines der letzten Jahre.

Rhule wurde bei seiner Verpflichtung als der vorausschauende Program Builder gesehen. Einer, dem man das Team für mehrere Jahre anvertrauen kann und eine stetige Steigerung sehen wird. Aus meiner Sicht, ist das bisher in seinen ersten beiden Jahren als Head Coach überhaupt nicht eingetreten. Und noch schlimmer ist für mich, dass überhaupt kein Plan zu erkennen ist. Wo sehen sich die Panthers aktuell und wo wollen sie kurz- und mittelfristig hin? Diese Fragen sind für mich völlig offen. Es wird spannend sein, wie lange sich Panthers-Owner David Tepper, der nicht gerade für seine Geduld bekannt ist, das noch anschauen wird. Wenn Rhule nächste Saison nicht die Kurve bekommt, denke ich, dass sein Stuhl, trotz 7-Jahres Vertrag, gewaltig wackelt. Vom Hoffnungsträger zum Hot Seat in zwei Jahren, Rhule ist ein Verlierer der Saison.

Joe Judge (HC, New York Giants)

Es mag sein, dass meine Saisonvorschau der Giants zu sehr durch die Fanbrille geschrieben war. Ich habe danach Rückmeldungen bekommen, dass meine Analyse zu positiv und zu wenig kritisch war. Nach dieser Saison muss ich eingestehen, dass dieses Feedback wohl berechtigt war. Die Giants Saison war keinesfalls wie von mir erwartet ein Schritt in die richtige Richtung. Die Leistung dieses Jahr war überwiegend schlechter als vergangene Saison. Und das ist zu großen Teilen Joe Judge anzulasten.

Judge hat es vor der Saison verpasst Offensive Coordinator Jason Garrett zu ersetzen. Bereits damals war weitestgehend absehbar, dass die Offense unter ihm zu keiner Steigerung in der Lage sein wird. Diese Entlassung hat man dann nach Week 10 vorgenommen. Coordinator Entlassungen mitten in der Saison sagen meiner Meinung nach immer auch etwas über den Head Coach aus – und nicht gerade etwas Positives. Außerdem ist Judges gesamtes In-Game Coaching super konservativ und entspricht in keiner Weise der modernen NFL. Es macht einfach überhaupt keinen Spaß diese Giants anzuschauen.

Für mich ist Judges Kredit verspielt. Die Giants müssen sich eingestehen, dass diese Verpflichtung ein Fehler war. Etwas, dass sie nach den letzten beiden Head Coaches Ben McAdoo und Pat Shurmur ungern erneut tun werden. Daher scheinen sie nach einem ESPN-Report Judge tatsächlich ein weiteres Jahr zu geben. Das wäre meiner Ansicht nach jedoch ein großer Fehler und würde den nötigen Umbruch nur ein weiteres Jahr hinauszögern. Wie angesprochen, hatte ich vor der Saison Hoffnungen bei den Giants. Die sind inzwischen erloschen und werden mit dem Verlierer der Saison Joe Judge auch kaum wiederkommen.

Robert Saleh (HC, New York Jets)

Hier haben vielleicht viele Matt Nagy von den Chicago Bears erwartet. Aber ich hatte schon vor der Saison das Gefühl, dass das Festhalten an Nagy ein Fehler war und diese Saison für die Bears ins Niemandsland geht. Daher ist er für mich keine sonderliche negative Überraschung.

Bei Robert Saleh jedoch von den New York Jets dachte ich, dass zumindest eine Leistungssteigerung der Defense eintreten würde. Doch diese blieb komplett aus. PFF rankt die Defense der Jets aktuell als schlechteste der ganzen Liga. Da hatte man sich von der Verpflichtung des vormaligen Defensive Coordinators der San Francisco 49ers etwas ganz anderes versprochen. Auch insgesamt war die Jets Saison ziemlich enttäuschend und Saleh machte sowohl beim Umgang mit seinem Rookie Quarterback als auch bei seinen In-Game Entscheidungen keine sonderlich glückliche Figur. Ich will den Teufel bei Saleh noch nicht an die Wand malen, immerhin ist es sein erstes Jahr als Head Coach. Eine faire Evaluation braucht mindestens noch ein weiteres Jahr. Die Leistungen der Jets Defense in diesem Jahr sind allerdings Grund genug, ihn als Verlierer dieser Saison einzuordnen.

Ausblick

Das war die Three and Out Saison 2021. Ich hoffe ihr hattet ein wenig Spaß mit diesem Format. Ich jedenfalls hatte große Freude an diesem kleinen Projekt. Ich bin jedes Mal wieder überrascht auf was man alles bei der Recherche zu NFL-Themen stößt und über wie viel man dabei nachdenken kann. Über Feedback zu dieser Ausgabe oder dem Format allgemein freue ich mich wie immer sehr! Ich wünsche allen Lesern viel Freude in den Playoffs und ein frohes neues Jahr. Bleibt Gesund!

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