Triple Coverage zum Rivalry-Weekend: College Football at its best

Das Thanksgiving-Wochenende im College Football hat gehalten, was er versprochen hatte. Und bescherte uns im Nachgang gleich noch ein wildes Trainerkarussell.

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College Footballs #1 Georgia gewann den Clean Old-Fashioned Hate gegen Georgia Tech locker 45-0.

Aber schon #2 Ohio State wurde vom Erzfeind #5 Michigan überraschend deutlich 42-27 niedergemacht, und um ein Haar wäre auch #3 Alabama im Iron Bowl gegen das ungerankte Auburn gestolpert. Erst in der vierten Overtime-Serie, als längst nur noch Two-Point-Conversions gespielt wurden, gewann Alabama 24-22.

Das kleine #4 Cincinnati gab sich dagegen keine Blöße und fuhr mühelos über East Carolina drüber. #6 Notre Dame bestätigte unsere Vermutung eines 100%igen Siegertipps und plättete Stanford 45-14.

Und dann siegte #7 Oklahoma State in einem wilden Bedlam-Derby 37-33 gegen #10 Oklahoma. Die Cowboys treffen nun am Wochenende im Big 12 Finale auf Baylor, während Oklahoma auf Trainersuche ist, denn ihr Headcoach Lincoln Riley nahm direkt im Nachgang ein Angebot über mehr als 100 Millionen Dollar von USC an.

Es war nicht der einzige fette Scheck, denn noch bevor Riley Tinte überhaupt trocknen konnte, verließ Brian Kelly die Notre Dame University (die noch Playoffchancen hat!) um eine 100-Millionen-Offerte von LSU anzunehmen. Kelly, der schon vor 12 Jahren einen Spielerboykott auf dem Bankett provoziert hatte, als er Cincinnati in Richtung Notre Dame verlassen hatte, wiederholte jetzt die Geschichte und wurde nach einer nur zweiminütigen Ansage mit Schimpf und Schande vom Campus gejagt.

Über diese wesentlichen sportlichen Ereignisse und das College Football Trainerkarussell der letzten Tage habe ich – Thomas/korsakoff – den Kollegen Jan Weckwerth vom Triple Option Blog befragt, und ausführliche Antworten erhalten.

1) Ein wildes Rivalry-Weekend. Um wie viele Jahre bist du gealtert?

Jan Weckwerth: Die Frage habe ich mir selber schon vor Bedlam gestellt.

Und als ob ich es geahnt hätte, war genau das dann auch noch das verrückteste Spiel. Sagen wir mal so: Nach dem Ende des College Rivalry-Samstags war ich so aufgepeitscht, dass ich deswegen noch eine weitere Stunde nicht schlafen konnte. Es ist und bleibt für mich das größte Sportwochenende bzw. -ereignis des Jahres.

2) Michigans Headcoach Jim Harbaugh gelingt mit fünf Jahren Verspätung der erste Big Win im Big-Ten-Derby gegen Ohio State. Was haben die Wolverines diesmal so viel besser gemacht, was in den letzten Jahren immer so furchtbar schiefgelaufen ist?

Jan Weckwerth: Das lässt sich nicht auf eine einfache Erklärung reduzieren.  Ich konzentriere mich jetzt einfach darauf, was die Wolverines gut gemacht haben:

  • Eine sensationelle Leistung der O-Line, die insbesondere im interior Running Lücken für RB Hassan Haskins aufblocken konnte – wohlgemerkt gegen eine starke Buckeyes D-Line.
  • Eine ebenso sensationelle Leistung von Haskins, der nicht nur immer wieder den ersten Tackler aussteigen ließ, sondern im Kontakt konstant für ein paar Extrayards sorgte. Seine Füße stoppten wirklich nie.
  • Genügend Variationen und Wrinkles in der Offense, um nicht komplett ausrechenbar zu sein: die Plays von Slot/Returner A.J. Henning, die Packages für den mobileren Backup-QB J.J. McCarthy, der dosierte Einsatz des angeschlagenen Speed-Backs Blake Corum, der passlastige Drive im dritten Viertel zum 28-13 etc.
  • Eine epische Vorstellung von EDGE Aidan Hutchinson, der mit seinem Passrush-Partner David Ojabo gegen die starken Buckeyes-OTs regelmäßig – und auch schnell – für Pressure sorgte. Das hatte ich in der Vorschau als Schlüssel des Spiels ausgemacht.

Dadurch hatte Ohio States QB C.J. Stroud nie viel Zeit, musste dauernd in der Pocket adjusten – und so konnte DC Mike Macdonald öfter mal Man Coverage gegen die drei Weltklasse-Receiver callen. Das war auch insofern wichtig, da die Wolverines Defense in der ersten Halbzeit gegen die hurry-up Offense einige Aufstellungs- und Abstimmungsfehler offenbarte.

In den vergangenen Jahren ließ die Execution in der Offense meist zu wünschen übrig, und die eindimensionale Press Man-Ausrichtung der Defense lud die Buckeyes zu schnellen Pässen (insbesondere Mesh-Konzepte und Pick Plays) ein. Dieses Mal konnten die Wolverines um ihre Difference Maker herum in der Defense variabler callen und in der Offensive ihre Identität ausspielen. Dieser Sieg war vor allem ein Sieg der Trenches.

3) Wie haben es die Auburn Tigers fast zustande gebracht, Mighty Alabama im Iron Bowl zu schlagen?

Jan Weckwerth: Mit einer fantastischen Leistung der Verteidigung, die die offensiven Schwachstellen der Crimson Tide brachial aufgedeckt hat. Auburns Defense hat die O-Line Alabamas durch seinen Passrush um die exzellenten DEs Derick Hall und Colby Wooden sowie diverse Blitzes unter Dauerfeuer gesetzt. Das führte dazu, dass der bedauernswerte QB Bryce Young bei fast jedem Snap um sein Leben rennen musste.

Hinzu kam eine enorm disziplinierte Leistung der Secondary, oftmals in Off Man-Coverage. Nach der Ejection von Star-WR Jameson Williams konnte man sich auf den anderen Topmann John Metchie konzentrieren. CB Roger McCreary machte dabei ein sensationelles Spiel – vielleicht das beste, das ich dieses Jahr von einem Cornerback gesehen habe. Darüber werden wir im Frühjahr bestimmt noch reden.

Wenn die Offense der Tigers nur ein kleines bisschen mehr zustande gebracht hätte, HC Bryan Harsin seinem Backup-Kicker schon in der regulären Spielzeit vertraut hätte (anstatt von der 33 Yard-Line zu punten), RB Tank Bigsby kurz vor Schluss nicht unnötigerweise ins Seitenaus gelaufen wäre oder man im darauffolgenden Play das fehlende Yard bei 3rd and 1 geholt hätte, hätte Alabama diese Partie verloren. Und zwar vollkommen verdient. Doch Konjunktive nützen nichts.

4) Oklahoma verliert nicht nur das Bedlam auf ziemlich verrückte Weise, sondern auch Headcoach Lincoln Riley an USC. Endzeitstimmung in Norman?

Jan Weckwerth: Oh ja, so wirkt es gerade rund um das Programm. Bedlam war wieder einmal völlig verrückt, und dieses Mal nicht mit dem ewig gleichen Sieger. Doch das ist aufgrund von Rileys spektakulärem Wechsel zu USC völlig in den Hintergrund geraten.

Riley hinterlässt eine riesige Lücke, die schnellstens geschlossen werden muss – allein, um den sturzbachartigen Talentabgang bestmöglich abzufangen. Zum einen haben sich diverse hohe Recruits und Commits sofort von den Sooners verabschiedet. Einige davon – wie der 2023er Top-Quarterback Malachi Nelson – sagten nun bereits bei USC zu. Zum anderen sind auch viele gestandene Spieler ins Transfer Portal gegangen und wägen ihre Optionen ab.

Diese Offseason könnte für die Sooners eine der bittersten der jüngeren Vergangenheit werden.

5) Lincoln Rileys wohl fixer Wechsel von Oklahoma nach USC: Motiviert durch Geld? Durch die Aufgabe, einen darniederliegenden College-Blaublüter wieder aufzubauen? Warum reicht das baldige SEC-Label bei Oklahoma nicht um so einen renommierten Coach zu halten?

Jan Weckwerth: Ich vermute, dass der Wechsel in die SEC eher ein Treiber war, das Programm zu verlassen. Meine Gedanken zur Motivation von Riley und den möglichen Vorteilen eines Wechsels zu USC habe ich in einem Thread genauer ausgeführt:

In kurz: Bei USC findet er ähnliche Bedingungen vor wie aktuell bei Oklahoma. USC ist der größte Player in einer nicht übermäßig kompetitiven Conference und hat zudem einen riesigen Talentpool vor der eigenen Haustür. Riley kann mit diesem Programm jedes Jahr um Conference Championships und College Playoff-Teilnahmen spielen.

Das wäre bei der hohen Konkurrenz in der SEC nicht gegeben. Dort haben eine ganze Menge Programme hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen, was dazu führen dürfte, dass kaum ein Team (abgesehen vielleicht von Alabama unter Saban) dauerhaft an der Spitze sitzt. Für mich ist dieser Wechsel also sehr nachvollziehbar.

6) BYU ist nach dem Sieg über USC 4-0 gegen die Pac-12. Sollten wir die Conference-Krone also nach Provo vergeben?

Jan Weckwerth: Hätte ich überhaupt kein Problem mit. Überragend, was HC Kalani Sitake und sein Staff da ein Jahr nach dem Abgang von QB Zach Wilson und v.a. OC Jeff Grimes auf die Beine gestellt haben. Insbesondere die Cougars-Offense macht unheimlich viel Spaß: RB Tyler Allgeier ist etwas unbemerkt einer der besten Runner des Landes, und über Wilson-Nachfolger QB Jared Hall werden wir in einem Jahr noch ganz anders sprechen.

7) Ist Notre Dame nach Abschluss seiner 11-1 Saison College-Playoffmaterial?

Jan Weckwerth: Es ist zumindest nicht undenkbar, dass die Fighting Irish noch in die Playoffs rutschen, wenn die Würfel in den Championship Games richtig fallen (Georgia schlägt Alabama deutlich, Michigan und/oder Cincinnati verlieren, Baylor schlägt Oklahoma State). Ich bin durchaus beeindruckt von der zweiten Saisonhälfte, würde allerdings vom Eye Test einige Teams vor den Irish sehen: den Big 12-Champion (egal ob OK State oder Baylor), Cincinnati (selbst bei Niederlage im AAC-Finale), Ohio State und selbst Alabama.

Oftmals hat Notre Dame seine Sonderstellung als größter Independent im College Football genützt. Dieses Jahr sieht das anders aus. Die 11-1 Bilanz kam eher unbemerkt zustande, und das fehlende Championship Game verhindert einen letzten guten Eindruck beim Komitee. Ganz davon abgesehen, dass der Abgang von HC Brian Kelly nun eh dafür sorgen dürfte, dass Notre Dame nicht in die Playoffs gewählt wird.

Jan Weckwerth: Ich bin ebenfalls noch etwas skeptisch, doch vielleicht ist meine Fantasie schlicht zu wenig ausgeprägt.  Ohne das exakt begründen zu können, wirkt es nicht nach dem richtigen „cultural fit“. Andererseits ist zu bedenken, dass die Tigers den besten „cultural fit“ ever mit Coach O gerade vor die Tür gesetzt haben. Vielleicht ist es also Zeit für Neues in Baton Rouge.

Ist nur ein Gefühl, aber ich hätte wohl Louisianas Billy Napier (den sich stattdessen Florida gesichert hat) für die passendere Wahl gehalten. Der weist natürlich ein vollkommen anderes Profil als Kelly auf.

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