Triple Coverage: Knackt Bama die Georgia Bulldogs?

Ein Blick auf die Conference-Finals im College Football an diesem Wochenende.

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Heute ist Finaltag der Regular Season im College Football. Morgen ist dann Tag der Entscheidung, was die Playoffs angeht.

Die wichtigsten Endspiele des heutigen Samstags lauten:

  • 18h Big 12: #5 Oklahoma State – #9 Baylor
  • 21h30 SEC: #1 Georgia – #3 Alabama
  • 22h American: #4 Cincinnati – #21 Houston
  • 02h Big Ten: #2 Michigan – #13 Iowa
  • 02h ACC: #16 Wake Forest – #15 Pitt

ACC ist lägst aus dem College-Playoffrennen eliminiert, aber die anderen vier Endspiele könnten direkte Implikationen auf die morgige Entscheidung haben.

Georgia (12-0) und Cincinnati (12-0) sind ungeschlagen. Georgia kann sich wahrscheinlich sogar eine knappe Niederlage erlauben und wäre noch immer Fixstarter. Michigan (11-1) hat einen Matchball, aber darf sich wahrscheinlich keine Niederlage erlauben.

Oder muss im Falle einer Niederlage auf eine gleichzeitige klare Pleite von Alabama (11-1) hoffen – denn es ist alles andere als ausgeschlossen, dass Bama auch bei einer knappen Niederlage noch in die Playoffs rutscht.

Die große Frage ist, was die Entscheider mit dem Mid-Major Cincinnati machen. Sämtliche Entscheidungen der Granden im College Football über die letzten 30 Jahre lassen nicht auf allzu großen Inklusionswillen kleinerer Unis schließen – aber wenn die kleinen Bearcats ihr Conference-Finale gegen Houston dominieren können, dann wird das Komitee sich schwer tun, dieses kleine Programm rauszukicken…

…es sei denn, Oklahoma State (11-1) fährt über Baylor (10-2) drüber und gewinnt sein Big-12-Endspiel deutlich. In jenem Fall sind alle Wetten offen. Dass dahinter #6 Notre Dame (11-1) noch eine Chance hat auf die Playoffs, ist relativ unwahrscheinlich – verlorenes Duell gegen Cincinnati, keine Qualitätssiege, Headcoach ist schon aus freien Stücken zu LSU abgehauen.

Der PFF-Rechner für College sieht aber immerhin noch 45%ige Playoffchance bei Notre Dame. Das ist die sechsthöchste Wahrscheinlichkeit – und erstaunlich knapp hinter Michigan (68%), Cincinnati (65%), Alabama (63%) und Oklahoma State (56%).

Georgia dagegen ist quasi fix qualifiziert: 99% Playoffchance. Da müsste schon ein totales Debakel im SEC-Endspiel passieren.

Ich habe im Vorfeld der heutigen Endspiele den Kollegen Jan Weckwerth und Christian Schimmel ein paar Fragen gestellt. Sie haben geantwortet.

1) Zum anstehenden Conference-Finalwochenende. Wir müssen beginnen beim Knaller: SEC-Finale #1 Georgia – #3 Alabama. Ein Klassiker, wenn wir die Duelle der letzten Jahre als Hype-Maschine heranziehen. Vor der Saison hätte ich geschrieben: Wie will Georgias lahme Offense hier mit Bamas Angriff mitgehen? Jetzt müssen wir eher fragen: Wie soll Bama Georgias sensationellen Abwehrriegel knacken?

Jan Weckwerth: Das wird die große Frage sein, zumal Auburn im Iron Bowl nun noch etwas mehr Anschauungsmaterial bereitgestellt hat, wie man der Crimson Tide Offense beikommen kann. Vom Top-LT Evan Neal abgesehen ist die O-Line durchaus anfällig, und wenn das Run Game mal so gar keine Gefahr ausstrahlt, können die Passrusher ihre Ohren anlegen und auf Jagd nach QB Bryce Young gehen. Ich erwarte bei den Bulldogs daher auch eine Menge ILB-Blitzes (gerade mit Nakobe Dean).

Auch wenn die Tide eventuell ein komplementäres Run Game benötigt, um den Pass Rush etwas zu zähmen: Besiegen werden sie die Bulldogs nur über den Pass. Young und seine beiden Top-WR John Metchie und Jameson Williams gegen die Bulldogs-Secondary ist von allen Matchups noch das am ehesten ausgeglichene. Eventuell gelingt es ja auch auf irgendeine Weise, die inneren Positionen (den Slot-WR und die TEs Cameron Latu und Jahleel Billingsley) stärker einzubinden.

Christian Schimmel: Abwehr ist der beste Angriff. So lautet doch das Sprichwort, oder? Im Ernst alles über 20 Punkte würden mich überraschen. Ich glaube, dass du in jedem Fall deiner Offensive Line helfen musst, sprich sechs, manchmal vielleicht auch sieben Leute in Protection stellst. Auburns Line ist gut. Georgias ist zweifellos besser.

Vielleicht ist sogar das Rezept Playaction Max Protect, dann schauen was Youngs Arm hergibt und beten, dass die Receiver tief einen 50/50 Ball fangen. Zumal die Crimson Tide auf Running Back mit Verletzungen zu kämpfen hat. Offensiver Opportunismus wäre meine Herangehensweise.

2) Sollte es für Georgia nach einer ultra-dominanten Regular Season sogar bei einer knappen Niederlage für die College Football Playoffs reichen?

Jan Weckwerth: Davon gehe ich ganz fest aus. Ich sehe schlicht keine Möglichkeit, in einem solchen Fall vier Teams Georgia vorzuziehen, wenn man den gesamten „body of work“ betrachtet. Die Bulldogs sind für mich ein fester Playoff-Teilnehmer, sollten sie nicht gerade 0-45 verlieren.

Christian Schimmel: Davon ist auszugehen und wäre der Worst Case für Oklahoma State/ Notre Dame/ Baylor. Ich vermute nur, dass man in jedem Fall dann ein Rematch im Halbfinale gegen Alabama vermeiden wird. Alles innerhalb 13 Punkten sehe ich Georgia drin. Gibt es Chaos, reicht vielleicht auch eine höhere Niederlage.

3) Wie locker wird #2 Michigan das Big Ten Finale gegen #13 Iowa mit seinem durchschnittlichen Angriff gewinnen?

Jan Weckwerth: Ich vermute ziemlich locker. Zu Beginn der Saison hätte ich Iowa noch höhere Chancen eingeräumt, doch die Formkurve des gesamten Teams ging in den letzten Wochen doch ziemlich nach unten. Man würgt sich gewissermaßen von Sieg zu Sieg. Die Offense hat große Probleme den Ball zu bewegen. Teilweise betrifft das sogar den Lauf um den explosiven RB Tyler Goodson, der nicht so große und konstante Lücken wie zuvor vorfindet. Zudem muss sich HC Kirk Ferentz nach dem glücklichen Comeback-Sieg gegen Nebraska erstmal entscheiden, welchem seiner Quarterbacks er mehr vertraut: dem ursprünglichen Starter Spencer Petras oder Alex Padilla, der die letzten Spiele auflief, gegen Nebraska aber nach einer Halbzeit zu Gunsten von Petras gebencht wurde. Beide stehen aktuell nicht für die hohe Schule des Passspiels und haben nicht einmal besondere dual-threat Fähigkeiten.

Sollte Michigan nicht bereits Richtung College-Playoffs schielen, wird das bei aller Klasse der Hawkeyes-Defense eine schwer lösbare Aufgabe.

Christian Schimmel: Es würde sehr zu Michigan passen, wenn sie es nach dem bedeutenden Sieg gegen Iowa wegwerfen. Das dürfte aber schwierig werden. Iowa ist von Verletzungen geplagt. Dazu Fragezeichen auf Quarterback. Der Trumpf Physis sticht in diesem Jahr auch nicht, wenn man sieht, wie Michigan letztes Wochenende gewonnen hat. Insofern ist die Antwort ziemlich locker.

4) Gibt es irgendeine Chance, wie #4 Cincinnati das „The American“ Finale gegen #21 Houston noch wegwirft?

Jan Weckwerth: Ich setze zwar auf die Bearcats, dennoch ist Vorsicht geboten. Houston hat nach einer Auftaktniederlage gegen Texas Tech die letzten elf Spiele gewonnen. Das Team von Air Raid-Guru HC Dana Holgorsen verfügt nicht nur über eine gute (Passing) Offense um den stark unterschätzten QB Clayton Tune, der mittlerweile aus dem Schatten von D’Eriq King heraustreten konnte.

Die Cougars stellen dazu etwas unbemerkt eine der besseren Mid-Major Defenses (#19 nach zugelassenen Punkten, #15 nach SP+). Vorne wird mit einer superben D-Line und vielen Blitz Packages für Dauerdruck gesorgt, hinten steht mit CB Marcus Jones einer der besten Playmaker im College Football (auch als Returner brandgefährlich). Desmond Ridder und seine Bearcats-Offense sollten also auf der Hut sein. Allerdings befindet sich gerade die eigene Passing Offense in den letzten Wochen im Aufwind.

Christian Schimmel: Houston hat zumindest bewiesen, dass es machbare Gegner dominieren kann. Das ist schon eine gute Mannschaft. Haben die Bearcats den Anspruch in die Playoffs zu kommen, sollte ein ungefährdeter Sieg die Erwartung sein. Cincinnati hat offensiv dieses Jahr mehrfach gegen vermeintlich schwächere Gegner Probleme gehabt. Zuletzt schienen diese jedoch gelöst und speziell SMU sah überhaupt kein Land. Klarer Sieg für den Favoriten.

5) Das Big 12 Finale #5 Oklahoma State – #9 Baylor hätte vor einigen Jahren noch nach 1200 Passing Yards und über 100 Punkten gerochen. In der Regular Season im Jahr 2021 hat es dagegen keine 700 Offense-Yards combined, dafür 3 Turnovers und nur insgesamt 38 Punkte gegeben. Wie sieht das Duell schematisch aus? Irgendeine Aussicht, dass der Sieger noch in die Playoffs rutscht?

Jan Weckwerth: Wir werden in der Tat ein ungewöhnliches Big 12-Finale erleben. Beide Teams definieren sich eher über das Laufspiel und vor allem ihre hervorragenden Verteidigungen. Mal ehrlich, ein Over/Under von 46.5, das hat man in der Spitze der Big 12 schon ewig nicht mehr erlebt.

Beide Offenses werden auf der Basis ihres Laufspiels (zu dem jeweils prominent auch der Quarterback gehört) tiefe Shots nehmen. In den Defenses wird vorne viel Druck entfacht, in der Secondary ist OK State etwas aggressiver (mit gelegentlicher Press Man-Coverage) und wohl insgesamt etwas variabler, während Baylor stärker auf die Vermeidung von Big Plays aus ist.

Falls OK State gewinnt, haben die Cowboys eine gute Chance in die Playoffs zu rutschen, solange Alabama im SEC Championship Game (deutlicher) verliert. Für Baylor wird es dagegen schwer. Das Komitee hat die Bears diese Woche schon vorsichtshalber einen Platz niedriger gerankt, obwohl man mit dem ursprünglichen 3rd string QB gegen Texas Tech gewonnen hat. Hier wird es wohl nur um die Conference-Krone und einen New Year’s Six Bowl gehen.

Christian Schimmel: Das schematische überlasse ich dann doch dem Kollegen Weckwerth. College-Playoffchancen sehe ich definitiv da und die nicht mal schlecht, denn die Cowboys sind jetzt schon über Notre Dame gerankt, die vermutlich ohne Top 25 Sieg dastehen werden.

Zwei Wege führen für Oklahoma State zum Ziel. Eine Pleite für Cincinnati und eine Niederlage von Alabama, die deutlich genug ist. Wie hoch die sein muss, ist schwer zu beurteilen.

Ich glaube, dass die Cowboys gute Chancen haben am Ende drin zu sein, auch wenn der Brand Name Notre Dame größer ist. Sollte Baylor gewinnen, sehe ich sie auch über Notre Dame, aber die zweite Niederlage tut schon weh und ob das Komitee das genauso sieht, ist zweifelhaft. Ich denke die Bears brauchen mehr Hilfe.

6) Und zum Abschluss: Welcher ungerankte Mid Major hat dich diese College-Saison am positivsten überrascht?

Jan Weckwerth: Naheliegendste Antwort wäre UTSA, doch die waren ja zumindest zeitweilig gerankt, weswegen ich sie hier mal exkludiere. Meine Wahl fällt auf zwei Teams:

Zum einen Northern Illinois: Die Huskies konnten in der vergangenen Saison kein einziges Spiel gewinnen – und nun stehen sie im MAC Championship Game. Die Truppe war sicherlich nicht die talentierteste der MAC West, aber überzeugte mit Toughness, Resilienz in einigen Comebacks und Clutch Plays in knappen Spielen. Ein wenig Glück gehörte auch dazu, doch das braucht es halt manchmal. HC Thomas Hammock hat ein sehr junges Team mit punktuellen Transfers (u.a. Ex-Michigan State QB Rocky Lombardi) verstärkt und sofort wieder an die Spitze der Conference geführt. Beeindruckend.

Zum anderen Utah State: Das Programm lag nach dem fehlgeschlagenen Comeback von HC Gary Andersen gefühlt ziemlich am Boden. HC Blake Anderson kam von Arkansas State und schaffte es – unter anderem mit seinem mitgebrachten QB Logan Bonner – die zuvor fürchterliche Offense wiederzubeleben. Mini-WR Deven Thompkins, zuvor nicht besonders aufgefallen, wurde in diesem System zu einem der spektakulärsten Playmaker der Mid-Majors. Verdienter Lohn der Aggies ist das Mountain West Championship Game gegen San Diego State.

Christian Schimmel: Zwischendurch gerankt oder nicht – ich finde: UTSA muss man da schon nennen. Nur eine Niederlage, wenn auch eine deutliche ist schon beachtenswert. Positiv erwähnt an dieser Stelle Central Michigan und Fresno State.

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