1 Spieltag – 3 Autoren – 5 Fragen – Week 9

Tradedeadline! Der große Knall ist zwar ausgeblieben, aber wir befassen uns sowohl mit den wichtigsten Trades, als auch mit den verletzungsbedingten Entwicklungen bei den Saints und den Titans.

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War die Tradedeadline am Ende eine Enttäuschung? Es wurde teils deutlich mehr Action erwartet, aber lediglich der Trade zwischen den Rams und Broncos für von Miller hat auf den ersten Blick “Superstarpontial”. Daher schauen wir heute auch in drei Fragen auf die Tradedeadline und ob auch kleinere Trades wie bei den Chiefs einen Unterschied ausmachen können.

Neben diesem Thema beschäftigen sich Jannis Wiese, René Jaschko und Jonathan Groeneveld auch noch mit Verletzungen. Sowohl bei den Saints(vielen Dank für die Frage!) durch den Ausfall von Winston, als auch bei den Titans mit der Verletzung von Henry. Was für Konsequenzen haben die Verletzungen und kommen beide Teams trotzdem in die Playoffs?

Jannis Wiese: Hätten die Saints etwas mehr Zeit nach der Verletzung gehabt, dann glaube ich schon dass sie noch nach einem Trade geguckt hätten. Diese Zeit hatten die Saints nicht und trotz des guten Playcallings von Sean Payton glaube ich nicht, dass die Saints noch gute Chancen im Playoff Rennen haben werden. Zwar gewann man trotz Siemian gegen die Bucs, doch immer wenn ein QB ins Spiel geworfen wird, der sich vom anderen so stark unterscheidet hat die gegnerische Defense ihre Probleme. Das wird vermutlich auch eine Rückkehr von Michael Thomas nicht ändern.

Ich denke das Siemian trotzdem der Starting QB der Saints sein sollte, weil Taysom Hill letzte Saison gezeigt hat, dass er nicht mehr als ein Gadget QB ist. Er hat kaum einen Pass sicher anbringen können der mehr als 10-15 Yards fliegt. Ich glaube aber auch nicht, dass man sich jetzt nach einem Free Agent QB umguckt. Hier läuft vermutlich auch nicht mehr Qualität rum, als das was die Saints schon im Kader haben. Man wird sich bei den Practice Squads oder Free Agents zwar noch einen Quarterback holen, aber eher als Absicherung als dass man den Spieler wirklich als Starter einplant.

René Jaschko: Tatsächlich glaube ich, dass die entscheidenden Fragen in New Orleans nicht beim Personal, sondern im Coaching Staff beantwortet werden. Sean Payton hat es geschafft, trotz fehlenden Anspielstationen und Winstons Limitierungen als Passer, eine funktionierende Offense zu bauen. Das Team ist nicht nur im Wild Card Rennen, sondern auch im Kampf um die Divisionsspitze noch gut dabei. Auch Winstons Ausfall letzte Woche konnte man gut auffangen. 

Natürlich sollten sich die Saints nun Gedanken über mögliche Quarterback-Optionen neben Siemian und dem aktuell verletzen Hill machen. Da man auf einen Trade verzichtet hat, kommen nur Free Agents wie zum Beispiel Cam Newton infrage. Aufgrund der für mich nicht nachvollziehbaren Fixierung von Payton auf Hill als Quarterback, rechne ich eher nicht mit einer Neuverpflichtung. Leider gibt es zu ihm genauso wenig Informationen wie zu dem Fortschritt von Michael Thomas, der dem Team jetzt natürlich ebenfalls weiterhelfen könnte.

In den nächsten Wochen spielen die Saints gegen die Falcons, die Titans ohne ihren besten Spieler und die Eagles. Das sollte dem Team genug Zeit geben, sich auf die neue Situation einzustellen, bevor mit Buffalo, Dallas und Tampa die dicken Brocken auf die Saints warten. Dazwischen hat man mit den Jets und Dolphins noch weitere durchaus schlagbare Gegner vor sich. 

Jonathan Groeneveld: Bei den Saints hört man generell nicht so viel und dabei macht der Staff dort wirklich einen hervorragenden Job. Vor der Winstonverletzung waren sie für mich in den Playoffs gesetzt, da sie trotz Limitierungen auf Wide Receiver wirklich gut gespielt haben. Für Winston ist die Verletzung natürlich auch extrem bitter, aber für die Saints vielleicht eine Chance für die Zukunft? Vielleicht kann man sich mit Winston auf einen akzeptablen 2-3 Jahresvertrag einigen und nicht zu viel Capspace opfern? Wir wissen ja, dass die Capsituation in New Orleans eine Katastrophe ist.

Nun aber zur jetzigen Diskussion. Ich gehe davon aus, dass Taysom Hill der klare Starter sein wird, wenn er fit ist. Wer seinem Backup Quarterback so viel Geld zahlt, der wird nicht noch einen Spieler holen. Sean Payton hat letztes Jahr schon gezeigt, dass er Hill vertraut. Natürlich muss dadurch die Offense etwas umgestellt werden, was hoffentlich passiert. Hill hat andere Qualitäten als Winston und benötigt einen angepassten Gameplan. Letztes Jahr war mir das teils etwas zu wenig und ich hoffe Payton hat in der Offseason daran gefeilt.

Durch die Defense haben die Saints immer noch eine hohe Baseline und ich denke auch mit Hill werden die Saints in die Playoffs kommen. Schade ist es trotzdem, da ich den Saints mit Winston durchaus einen Playoff Run zugetraut hätte. Mit Hill ist das nicht mehr der Fall.

Von Miller wechselt für einen Zweit- und Drittrundenpick im nächsten Draft von den Denver Broncos zu den Los Angeles Rams. Kluger Move oder Verbrennung von Draftkapital?

Jannis Wiese: Aus Sicht der Broncos gefällt mir der Trade sehr gut, weil sie Miller wohl eh nicht hätten halten können. Dafür zwei Day 2 Draft Picks zu bekommen ist sehr stark.

Aus Sicht der Rams gefällt mir der Trade nicht so gut, die Rams haben nach “Pass Rush Win Rate” schon den 4. besten Wert der Liga. Ob man dann noch einen, wenn fitten, guten Von Miller braucht ist die Frage. Aber spätestens durch den Trade für Stafford sind die Rams All-In und so setzt sich dieser Weg auch mit diesem Trade fort. Doch trotzdem sehe ich die Rams nicht als Top Favoriten für den Titel. In der NFC sehe ich mindestens zwei Teams besser mit den Bucs und den Cardinals und obwohl die Packers aktuell, trotz des Records nicht ihren besten Football spielen, sehe auch ich die Packers in einem Playoff Spiel favorisiert. Am Ende wird der Trade von dem Ausgang dieser Saison bewertet.

René Jaschko: Es ist ziemlich kühn, gleich zwei hohe Draftpicks im nächsten Jahr für einen Spieler abzugeben, der zu diesem Zeitpunkt vermutlich gar nicht mehr im Team ist. Der hohe Preis kommt natürlich auch daher, dass die Broncos für den Großteil des Gehaltes von Miller aufkommen. 

Die Rams sind definitiv all-in für diese Saison und wollen mit aller Macht in den Super Bowl. LA hat nach der Verpflichtung von Matthew Stafford ein relativ kleines Fenster für den ganz großen Wurf und tut alles dafür, es auch zu nutzen. Ob diese Strategie gut und richtig ist, mag ich nicht in so wenigen Sätzen beurteilen, aber zumindest ist sie konsequent. Vermutlich werden wir Anfang Februar mehr wissen.

Jonathan Groeneveld: Meine erste Reaktion auf den Trade war “What the fuck?” bzw. sind die Rams verrückt? Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir der Trade. In der NFL haben die Teams im Normalfall keine 10 Jahre, wo sie dominieren, sondern ein kleines Championshipfenster. Die Rams haben erkannt, dass sie mit Stafford jetzt endgültig im Win Now Modus angekommen sind. Dazu ragt dieses Jahr kein Team total heraus und sonstige Topfavoriten, wie die Chiefs sind am straucheln. Warum also jetzt nicht All In gehen? Ich finde den Gedanken wirklich gut und er sollte dann auch mit aller Konsequenz gegangen werden. In ein paar Jahren steht dann sowieso ein Neuaufbau an, da die Rams ja gerne ihre Picks abgeben. Insofern jetzt alles reinschmeißen und versuchen den Super Bowl zu gewinnen finde ich einen guten und interessanten Ansatz.

Die Chiefs verstärken Ihren Passrush mit Melvin Ingram und die Tight End Position mit Dan Brown. Steigen damit die Chancen auf die Playoffs?

Jannis Wiese: Den Trade für Melvin Ingram finde ich gut, denn er ist immer noch ein ordentlicher Pass Rusher und kann den Chiefs helfen den Druck auf den gegnerischen Quarterback zu erhöhen. Dazu ist der 6. Runden Pick auch keiner der sonderlich schmerzen wird.

Bei dem anderen Trade bin ich selber etwas ratlos, sie haben dafür einen vernünftigen O-Liner abgegeben und dafür einen Tight End zu holen der mir jetzt nicht sonderlich in Erinnerung geblieben ist. Vermutlich hätte man stattdessen auch einfach einen TE “von der Strasse” aufnehmen können und wäre zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

René Jaschko: Mit Ingram haben die Chiefs die dringend benötigte Verstärkung in der Verteidigung geholt, die bisher ziemlich enttäuscht hat. Da jede defensive Verbesserung den Chiefs weiterhelfen sollte, kann man die Frage mit Ja beantworten. Dafür spielt allerdings die Verpflichtung von Brown keine große Rolle, da er bisher fast ausschließlich in den Special Teams zum Einsatz kam. 

Jonathan Groeneveld: Den Ingram Trade mag ich gerne, da die Chiefs jede Hilfe in der Defense gebrauchen kann. Dazu war er auch nicht sonderlich teuer, viel mehr hätte ich auch nicht gezahlt. Ingram ist sicher nicht mehr der Spieler, der er bei den Chargers mal war, aber immer noch ein guter Pass Rusher. Hier wird Ingram sofort Einfluss haben.

Bei Brown bin ich gespannt, ob er wirklich nur im Special Team eingesetzt wird. Aktuell haben die Teams defensiv gegen die Chiefs die Taktik viele 2-High-Strukturen zu spielen um ihnen die Big Plays zu nehmen. Das funktioniert recht gut, da die Chiefs bisher keine Antwort darauf haben. Die Antwort kann aber im Kurzpassspiel liegen und hier schadet ein zusätzlicher Tight End Veteran sicher nicht. Vielleicht sehen wir hier in der Zukunft öfter mal 2 Tight Ends, wundern würde es mich nicht.

Einige erwartete Trades blieben aus. Odell Beckham Jr. bleibt in Cleveland, Fletcher Cox bei den Eagles oder Deshaun Watson bleibt in Houston. Wie bewertet ihr die Situationen?

Jannis Wiese: Das der Trade von Watson nicht Zustande gekommen ist, lag ja an der unsicheren Situation um Watson. Ich denke erst wenn es gerichtlich verhandelt wurde, wird der Trade stattfinden. Auch erst dann wird sich die NFL dazu äußern, was ich aktuell unverständlich finde. Aktuell sieht es ja so aus als kämen nur die Dolphins in Frage und auch die versuchen sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

Beckham Jr. ist für mich unbegreiflich. Obwohl sein Quarterback bei den Giants Eli Manning war, kann er an diese Zeit nicht mehr anknüpfen. Auch weil Cleveland sehr vorsichtig mit seinen Verletzten umgeht. Dazu muss sich Cleveland auch fragen wie man OBJ besser einbinden kann. Da aktuell sein Trade Wert so gering ist, ist es verständlich dass er nicht getradet wurde.

Bei Cox habe ich auch mit einem Trade gerechnet, aber es ist eben auch nicht klug für einen so “alten” Defensiv Tackle zu traden. Auch wenn er natürlich immer noch seine Stärken im Pass Rush hat, aber er hat für mich auch deutlich weniger Value als ein Von Miller.

René Jaschko: So gerne ich als Texans-Fan einen Schlussstrich unter das Kapitel Watson ziehen würde, macht es aus Franchise-Sicht doch mehr Sinn, bis zur nächsten Offseason zu warten. Watson hat bis dahin Zeit, seine rechtliche Situation zu regeln. Zudem können die Texans dann zumindest das Draftkapital in 2022 besser einschätzen. 

Dass Cleveland in der aktuellen Lage keine Assets abgeben wollte, kann ich durchaus nachvollziehen. Das Team hat einen starken Kader und befindet sich noch mitten im Playoff-Rennen. Da gibt man einen guten Receiver natürlich nur ungern ab, auch wenn Beckhams Fähigkeiten bisher nicht voll genutzt werden.

Für die Eagles hätte ein Trade von Fletcher Cox dagegen durchaus Sinn gemacht. In Philly steht in den nächsten Jahren ein Umbruch an, für den jedes erdenkliche Draftkapital benötigt wird. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der 30-jährige Cox ein Teil der langfristigen Planungen ist. Und im Gegensatz zu Watson wird sein Tradevalue eher nicht steigen. 

Jonathan Groeneveld: Zu Watson habe ich mich ja bereits letzte Woche geäußert. Der Trade ist nur aufgeschoben. Wenn in der Offseason Klarheit da ist und die Dolphins die Situation besser einschätzen können, dann wird es zum Trade kommen.

Bei Beckham und den Browns bin ich mit dem Latein irgendwie am Ende. Vor der Saison bin ich davon ausgegangen, dass Beckham deutlich stärker zurückkommt und mit Mayfield zusammen für Gefahr sorgen kann. Die Behauptungen, dass Mayfield und Beckham keine Connection haben, habe ich für nicht voll genommen. Letztes Jahr lief die gesamte Offense zu Beginn noch nicht so recht und dann war Beckham verletzt. Aktuell sieht es so aus, als ob ich mich getäuscht habe und ich vermute in der Offseason wird man getrennte Wege gehen. Ich bin sehr gespannt, was die Browns für einen Preis ausrufen und ob diesen jemand bezahlt.

Fletcher Cox ist halt ein Eagle und gehört irgendwie nach Philly. Vielleicht wollten die Eagles auch nicht nach Ertz noch einen Anker abgeben. Gespräche gab es wohl, aber wenn es sich am Ende nicht lohnt, dann würde ich auch auf Cox als Leader setzen. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Die Titans haben sich in den letzten Wochen als eines der stabilsten Teams in der AFC präsentiert. Nun hat sich Derrick Henry verletzt. War es das mit einem tiefen Playoff Run oder werden die Playoffs sogar verpasst?

Jannis Wiese: Die Titans sind jetzt eigentlich schon sicher in den Playoffs. Der tiefe Playoff Run kann immer noch kommen, da ich denke die Titans werden trotzdem als eins der besten 2 Teams die Saison beenden und vielleicht holen sie sich sogar die Bye Week.

Für die Titans könnte es sogar eine Neu-Erfindung der Offense sein. Denn sie haben zwei sehr gute Wide Receiver und einen Quarterback der zumindest in einigen Momenten gut sein kann. Wenn man nun merkt dass die Offense trotzdem weiter funktioniert, muss man nicht immer Henry die 20 Carries oder mehr geben. Wobei Henry als Running Back ein Phänomen ist, denn er wird besser je mehr Carries er bekommt. Das gibt es sonst auch eher selten bei den RB. Insgesamt würde ich die Titans noch nicht abschreiben. Auch wenn ich die Ravens, Bills und auch die Chiefs als bessere Teams in den Playoffs sehe.

René Jaschko: Angesichts der miesen Division werden es die Titans trotz Henrys Verletzung vermutlich in die Playoffs schaffen. Mit zwei Spielen gegen die Texans und jeweils einem gegen Jaguars und Dolphins sollte Tennessee genug einfache Spiele haben, um den deutlichen Vorsprung auf die Colts (3 Siege plus Tie-Breaker) ins Ziel zu retten. 

Allerdings muss sich die Offense schnell deutlich umstellen, damit man auch in den Playoffs eine Chance hat. Man wird durch Adrian Peterson und auch sonst keinem Running Back die Dominanz von Derrick Henry ersetzen können. Stattdessen müssen AJ Brown und Julio Jones das Team von nun an tragen. Da ich weder in die Gesundheit der beiden Receiver noch in den Coaching Staff großes Vertrauen habe, rechne ich mit einem relativ kurzen Playoff-Ausflug der Titans.

Jonathan Groeneveld: Die Titans werden die Playoffs in jedem Fall erreichen, da sie ihre Divison gewinnen. Das Team ist auch ohne Henry stark genug um den Vorsprung vor den Colts zu halten.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Titans jetzt mit ihrer Offense umgehen. Bleiben Sie beim bisherigen Stil und versuchen Henry 1 zu 1 mit Adrian Peterson zu ersetzen und wird das funktionieren? Oder stellen sie ihr System um und Tannehill muss mehr passen und ist er dann immer noch so stark? Bei den Titans profitiert Tannehill sehr von der Präsenz von Henry, die jetzt wegfällt. Ich selber bin ja immer ein Verfechter davon, dass man nicht zu viele Ressourcen in die Running Back Position stecken sollte. Henry bildet da eine Ausnahme und bringt die Offense auf ein anderes Niveau. Nun wird es für mich sehr interessant zu sehen sein, ob es wirklich so sehr auf Henry ankommt oder ob die Offense auch mit Peterson funktioniert?

Vielleicht ist Henry bis zu den Playoffs ja wieder fit? Vrabel wollte das zumindest nicht ausschließen. Mit einem ausgeruhten und fitten Henry traue ich den Titans dann alles zu.

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