Titans 2021: Bereit für den nächsten Schritt?

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Die Tennessee Titans beendeten die vergangene Saison mit einer Niederlage gegen die Baltimore Ravens im AFC Wildcard-Game. Zuvor konnte sich die Saison mit einem 11-5 Record und dem Division-Sieg der AFC South sehen lassen. Durch das frühe Ausscheiden in den Playoffs blieb primär Fragen über die, in einzelnen Bereichen, historisch schlechte Defense der Titans. In der kommenden Saison sind die Titans erneuter Playoff-Kandidat, doch wie weit kann es für Tennessee gehen?

Offense

Die Offense läuft über Derrick Henry – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch bei all der Aufmerksamkeit, die Henry und das ausgiebige Laufspiel der Titans auf sich ziehen, übergeht man schnell die sehr guten Leistungen von Ryan Tannehill. In der vergangenen Saison hat die Titans Offense sowohl im Running Game wie auch im Passing Game überzeugt. Über das Play-Action-Passing-Game konnten Ausfälle in der Offensive Line kaschiert werden und mit 491 erzielten Punkten schafften die Titans die viertmeisten Punkte der Liga. Bei PFF wurde die Offense der Titans mit 89,3 Overall (#2) bewertet. Dabei unterteilt sie sich in 91,9 Run Offense (#1) und 85,5 Pass Offense (#7).

Quarterback

Ryan Tannehill ist seit 2019 ein Titan (via Trade mit den Miami Dolphins). Verpflichtet wurde er als Back-Up-Quarterback von Marcus Mariota. Während der laufenden Saison des Jahres 2019 übernahm Tannehill als Starting Quarterback der Titans und führte die Franchise nach einem 2-4 Start zu einem 9-7 Record. Tannehill, der bei den Miami Dolphins nie richtig überzeugte, wurde bei bei den Titans zum wahren Leader und unangefochtenen Franchise-QB. Spielt Tannehill auch ohne den abgewanderten Arthur Smith weiterhin auf dem Niveau der letzten eineinhalb Saisons, wird die Offense der Titans erneut unangenehm für jede gegnerische Defense sein.

Hinter Ryan Tannehill als Quarterback fungiert Logan Woodside als Back-Up. Der 7th-Round-Pick der Bengals aus dem 2018er Draft war bereits in der vergangenen Saison der Back-Up. In der Preseason setzte sich Woodside gegen Matt Barkley durch. Barkley war in den vergangenen Jahren Back-Up Quarterback von Josh Allen bei den Buffalo Bills. Nachdem er erst spät in der Offseason zu den Titans kam, verlor er das Battle mit Logan Woodside. Barkley befindet sich nun im Practice Quad der Tennessee Titans.

Offensive Line

Taylor Lewan kehrt nach seinem Kreuzbandriss als Left Tackle der O-Line zurück. Lewan konnte in den letzten beiden Jahren sein vorheriges Level nicht mehr ganz halten. Eine Sperre über 4 Spiele (PED) in 2019 und ein Kreuzbandriss in 2020 zwangen Lewan an die Sideline. Im fitten Zustand spielte Lewan stets auf Pro Bowl Niveau. Er zählt immer noch zu den besten Left Tackle der Liga. Als Persönlichkeit ist Lewan für die Franchise extrem wichtig. Er eckt an, ist unangenehm, wird von anderen Fanbases gehasst. Doch er ist ein Leader, den Tennessee braucht.

Das Pendant von Lewan auf der Right-Tackle-Position ist momentan noch ein Fragezeichen. Die Titans haben Dennis Kelly nach einer überdurchschnittlich guten Saison überraschend ziehen gelassen. In der Free Agency holte man Kendall Lamm (Browns) und Ty Sambrailo (Falcons). Im Draft adressierten die Titans die Tackle-Position in der zweiten Runde und holten Dillon Radunz mit dem Pick #53. Die Preseason lässt jedoch vermuten, dass David Quessenberry die Nase vorne hat und zumindest zum Start der Saison auf der Right-Tackle-Position starten könnte. Quessenberry ist seit 2018 bei den Titans und ist in der Offensive Line flexibel einsetzbar.

Die Interior Offensive Line besteht aus Rodger Saffold, Ben Jones und Nate Davis. Gerade im Run-Blocking kann die O-Line überzeugen und Derrick Henry Wege frei machen. Es bleibt nur die Frage, wie lange Saffold und Jones ihr Niveau noch halten können und verletzungsfrei bleiben. Saffold ist mittlerweile 33 Jahre alt, Jones ein Jahr jünger. Die Unit bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu komplett gleich, was durchwegs positiv ist.

Skill Positions

Corey Davis und Jonnu Smith sind über die Free Agency in der AFC East gelandet. Davis kämpft um die Rolle als Wide Receiver One von Zach Wilson bei den New York Jets. Smith unterschrieb bei den New England Patriots einen hoch dotierten Vertrag. Einziger übrig gebliebener Receiver war AJ Brown. Die Vorstellung, dass Brown alle Targets bekommt, ist vor allen Dingen für die Fantasy Football Crew schön gewesen.

In der realen Welt haben alle erwartet, dass die Titans im Draft frühzeitig einen Wide Receiver ziehen. Die Titans wählten einen anderen Weg. Zur Freude von AJ Brown wurde Julio Jones von den Atlanta Falcons geholt. Zudem wurde Josh Reynolds als Free Agent gesigned. Auf der TE-Position setzt man auf Anthony Firkser, der bereits in den vergangenen zwei Jahren bei den Titans spielte.

Auf der Running Back Position haben die Tennessee Titans einen der dominantesten Running Backs, den die NFL gesehen hat. Derrick Henry ist zumindest als reiner Runner einer der Besten der momentanen NFL. In der vergangenen Saison lief Henry für 2027 Yards. Somit wurde er zum achten Running Back der NFL-Geschichte, der die 2000 Yard-Marke gebrochen hat. Mit dieser Leistung sicherte er sich im zweiten Jahr in Folge den Titel als Rushing-Leader der NFL.

Hinter Henry ist Darrynton Evans als Receiving Back geplant. Evans hat seine Rookie-Season nahezu komplett durch Verletzungen verpasst und fehlt auch zum Start dieser Regular Season. Sollte Evans nicht fit werden, könnte Mekhi Sargent seine Chance bekommen. Als Undrafted Free Agent zu den Titans gekommen, spielte Sargent eine sehr gute Preseason und schaffte das 53-Man-Roster.

Fazit

Die Offense der Titans ist nicht zu unterschätzen. Derrick Henry zwingt eine Defense dazu, die Box voll zu machen. Kein Running Back lief so viel gegen 8-Man-Boxes, kein Running Back hatte ansatzweise so viele ‘Yards After Contact‘ wie Henry. Doch der Fokus kann für eine Defense nicht nur auf Henry liegen. Mit AJ Brown und Julio Jones haben die Titans ein unfassbar gutes Wide-Receiver Duo. Josh Reynolds hat in der vergangenen Saison gezeigt, dass er mehr als ein solider Wide Receiver #3 sein kann. Selbst nahezu komplett ohne Starter haben die Tennessee Titans die Preseason mit den meisten erzielten Punkten abgeschlossen.

Einziges großes Fragezeichen bei der Titans-Offense ist der neue Offensive Coordinator. Todd Downing bekleidete diese Position bereits bei den Raiders, hatte jedoch wenig Erfolg. Als vorheriger Tight End Coach kennt er das installierte Offensive Scheme. Somit bleibt eine Konstante erhalten und wir werden erfahren, wie viel Einfluss Arthur Smith auf die Offense hatte.

Defense

Die vergangene Saison wurde mit Mike Vrabel als Head Coach und Defensive Coordinator begonnen. Über die gesamte Spielzeit hinweg offenbarte die Defense Schwächen, die nur durch die Offense kaschiert wurden. Lamar Jackson und die Baltimore Ravens zeigten im AFC Wild Card Game jedoch endgültig, dass diese Defense zu schwach für größere Ziele war. Als Resultat wurde ein Kahlschlag durchgeführt. Nahezu die gesamte Secondary wurde ausgetauscht. Verhältnismäßig große Namen wie Adoree Jackson und Malcolm Butler wurden entlassen. Doch wie sehr kann eine Defense in einer Offseason verbessert werden, wenn man sie komplett neu besetzt?

Defensive Line + EDGE

Jeffery Simmons fiel im 2019er Draft durch Red Flags bis zum Pick #19. Ein Kreuzbandriss in der Vorbereitung zum Draft und Character-Concers waren ausschlaggebend. Vom Talent her galt Simmons als Top 10 Pick. Dieses Talent zeigt er auch in der NFL, womit er an #19 zum echten Steal wurde. Neben Simmons spielt nun Denico Autry, der vom Division-Rivalen Indianapolis Colts in der Free Agency geholt wurde. Eine sehr wichtige Verpflichtung.

Die größte (oder zumindest teuerste) Verpflichtung in der Free Agency war jedoch Bud Dupree. Trotz seines Kreuzbandrisses zum Ende der vergangenen Saison bezahlten die Titans Dupree stattlich, machten ihn zum teuersten Edge-Rusher unter den vorhandenen Free Agents. Dupree spielt neben Harold Landry auf der EDGE Position. Mit diesem Duo soll endlich wieder ein Pass Rush erzeugt werden, der in der vergangenen Saison zu häufig nicht vorhanden war. Neben den geplanten Startern haben Derick Roberson und Rashad Weaver eine starke Preseason gespielt und auf sich aufmerksam gemacht.

Inside Linebacker

Die Gruppe wurde zusammen gehalten. Jayon Brown hat einen neuen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben und bleibt den Titans erhalten. Gerade in Pass Coverage ist Brown für die Titans sehr wichtig. Neben Brown hat Rashaan Evans noch seinen festen Platz, doch dieser wackelt. Evans hat die Erwartungen als First-Round-Pick nie erfüllen können, er geht in sein letzten Vetragsjahr des Rookie-Contracts. Die Fifth-Year-Option wurde nicht gezogen. Zum Ende der letzten Saison hat David Long Jr. gezeigt, dass er Evans als Starter ersetzen könnte. Seine Preseason war ebenso positiv, wie die letzten Regular-Season-Spiele. Als Rookie ist Monty Rice neu im Linebacker-Room. Er hat direkt nach dem Draft Fotos geposted, die ihn als kleinen Jungen mit Titans Jersey und im (heutigen) Nissan-Stadium zeigen. So wird man schnell zum Fan-Liebling.

Secondary

Alles neu. Naja, fast alles. Kevin Byard muss sich als Leader beweisen und eine neue Unit formen. Dabei hat er Unterstützung durch Janoris ‘Jackrabbit’ Jenkins bekommen. Jenkins ist der einzige erfahrene Spieler auf der Cornerback-Position. Nur Breon Borders, der in den vergangenen beiden Jahren bereits bei den Titans als Cornerback spielte, hat ein wenig NFL-Erfahrung als Starter. Kristian Fulton, 2nd Round Pick der Titans im 2020er Draft, fehlte einen großteil der letzte Saison wegen Verletzung. Nun wird er gebraucht, Fulton muss neben Jenkins starten.

Ebenfalls mit viel Draft-Capital ‘ausgestattet’ ist Caleb Farley. Farley erinnert ein wenig an Jeffery Simmons, ist er doch nur wegen Injury Concerns aus den Top-10 des Drafts gefallen. Im Pre-Draft-Process galt Farley als bester Cornerback, doch seine Rücken-Operationen warfen Zweifel auf. Die Titans gehen das Risiko erneut. Wenn es sich auszahlt, ist es ein Steal. Jedoch bleibt die Frage, wie schnell Farley belastbar und vor allen Dingen brauchbar auf dem Feld ist. In der Preseason hat man gesehen, dass er lange Zeit nicht auf dem Feld stand und noch Zeit benötigt.

Elijah Molden ist ein weiterer Cornerback, der im vergangenen Draft geholt wurde. Zum Verwundern vieler ist Molden bis zum Ende der dritten Runde gefallen, wo die Titans zugeschlagen haben. Molden ist ein etwas kleinerer Cornerback, der die Position des Slot-Corners spielen wird. Die Preseason war mehr als vielversprechend und er wird augenblicklich der Starter auf der Slot-Corner-Position sein.

Auf den Safety-Positionen spielen oben genannter Kevin Byard und Amani Hooker. Während Byard wohl vermehrt richtig Strong Safety wechseln wird, übernimmt Hooker vermehrt die Position des Free Safety. Zudem wurden mit Mathias Farley und Bradley McDougald weitere Kandidaten für die Strong Safety Position geholt.

Fazit

Eigentlich kann es nur besser werden. Als Bottom-5-Defense war es nahezu unmöglich, in den Playoffs weit zu kommen. Zu viele Bereiche der Defense waren anfällig. Wie viel davon die fehlende Preseason und die Sturheit von Mike Vrabel waren, werden wir diese Saison sehen. Shane Bowen war bereits letztes Jahr für die Defense verantwortlich, hat jedoch nicht den Titel des Defensive Coordinator bekommen. In der Offseason wurde er zum Defensive Coordinator promoted. Dies lässt die Frage offen, was sich bei der Defense verbessern soll. Bowen selbst hat in einem Interview gesagt, es sei für alle gut, Klarheit zu haben. Für Titans-Fans klang es fast wie ein kleiner Vorwurf an den Head-Coach. Doch das ist reine Interpretation.

Special Teams

Kicker

Mit Sam Ficken ist ein in Deutschland bekannter Kicker bei den Titans gelandet. Er hat sich in der Preseason durchgesetzt und wird der Starting Kicker der Titans sein. Es wird wohl neue “Ficken”-Jerseys in Deutschland geben.

Punter

The GOAT. Für Titans Fans ist Brett Kern heilig. Aus einer Zeit kommend, wo voller Selbstironie gesagt wurde, die Titans sollten bei 1&10 lieber punten, herrscht eine große Liebe zwischen Fans und Brett Kern. Er liefert jede Woche und bei jedem Punt und gehört zu den besten Puntern der Liga.

Großes Fazit

Die Tennessee Titans haben weniger Schwächen und Lücken, als ihnen zugeschrieben wird. In der AFC South dürften ihnen nur die Indianapolis Colts gefährlich werden. Die Jaguars und Texans scheinen zu weit weg zu sein. Doch kann Tennessee neben den Kansas City Chiefs die zweite große Franchise der AFC in dieser Saison sein? Wenn die Defense eine starke Verbesserung durchläuft und alle Räder ineinander greifen, lautet die Antwort ‘ja’. Die Offense ist in der Lage, jede Defense zu schlagen. Umgekehrt herrscht noch ein großes Fragezeichen. Somit ist leichter Optimismus erlaubt und Titans-Fans sehen der Regular Season mit viel Vorfreude und Hoffnung entgegen. Doch immer mit dem Gedanken, dass eine gute Offense im letzten Jahr einer katastrophalen Defense zum Opfer wurde. Spätestens in den Playoffs.

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Martin von Rötel
Vater von zwei zukünftigen Tennessee Titans Spielern (ok, vielleicht auch nur Fans) und selber leidenschaftlicher Fan. Fantasy Football Junkie, Owner der Bogland Ballers und ein wahrer IDP-Freak.

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