Broncos 2021: Mit Teddy in die Playoffs?

Seit dem Super Bowl Sieg mit Payton Manning den Super Bowl gewann, irrten die Denver Broncos von einem Quarterback zum nächsten. In der kommenden Saison soll Teddy Bridgewater auf der Position endlich für Stabilität sorgen.

0
162
4.8
(5)
Lesezeit: 7 Minuten

Payton Manning war im Jahr des Super Bowl Sieges nun wahrlich nicht mehr in seiner besten Form. Dennoch riss sein Karriereende ein großes Loch bei den Denver Broncos, welches das Team seitdem nicht schließen konnte. Zahllose Quarterbacks wurden ausprobiert. Stabilität brachte jedoch keiner. Zuletzt startete Drew Lock für das Team aus dem Mile High Stadium. Auch er hatte maximal mäßigen Erfolg. Dennoch entschied sich Neu-General Manager George Paton gegen die Chance, einen Nachfolger im Draft zu wählen. Stattdessen startete man mit einem Quarterback-Duell zwischen Drew Lock und Teddy Bridgewater in die Off-Season. Im Training Camp setzte sich Bridgewater schließlich durch. Doch kann der ehemalige Erstrundenpick einen starken Broncos-Kader wieder in die Playoffs führen und die Position des Spielmachers endlich stabilisieren?

Offense

Vor der vergangenen Saison investierten die Broncos viel in den offensiven Supporting Cast von Drew Lock. Die Offensive Line wurde spürbar aufgewertet und im Draft wählte das Team mehrere schnelle Waffen für den jungen Quarterback. Gebracht hat es wenig. Die Verletzung von Courtland Sutton, sowie ein schwaches Jahr von Drew Lock und mehrere Quarterback-Wechsel torpedierten die auf dem Papier eigentlich ordentliche Offense komplett. Laut EPA pro Spielzug stellten die Broncos deshalb in der letzten Saison die zweitschlechteste Offense der Liga. Nur die Jets waren noch schlechter. Besonders das miese Passspiel (Platz 30) wirkte hier wie ein Bremsklotz. Auch das Laufspiel war unterdurchschnittlich (Platz 23).

Schematisch bleibt alles beim Alten. Pat Shurmur geht in seine zweite Saison mit den Broncos. Sein System ist eine Interpretation der West Coast Offense. Dabei spielt er gerne mit leichtem Personal, also vielen Receivern, um die Verteidigung in die Breite zu ziehen. Mit seinen Routenkombinationen versucht Shurmur durch das Schema freie Receiver zu kreieren, um mit kurzen Pässen und Yards nach dem Catch über das Feld zu marschieren. Am besten funktionierte Shurmurs Offense in den letzten Jahren mit Quarterbacks, die eher als Game Manager gesehen werden (2016 und 2017 in Minnesota mit Bradford und Keenum). Wenn die richtigen Reads gemacht werden, zwingt das Schema seine Quarterbacks nur selten zu anspruchsvollen Würfen in enge Fenster. Wohl auch deshalb ging der Job als Starting-Quarterback an den konservativen Bridgewater und nicht Drew Lock.

Heatmaps (von rbsdm.com): Teddy vs. Lock 2020
Heatmap: Case Keenum 2017 unter Shurmur

Quarterback

Sein Konkurrent Drew Lock gehörte in der vergangenen Saison statistisch zu den schlechtesten Quarterbacks der Liga. Beim EPA pro Spielzug (Platz 28), Success Rate (Platz 29) und Completion Percentage over Expectation (Platz 31) lag der junge Spielmacher fast am Ende der Rankings. Dass er mit durchschnittlich 9.0 Air Yards hinter Tom Brady auf dem zweiten Platz der Liga liegt ist extrem uncharakteristisch für dieses offensive System. Auch das zeigt, dass Lock als Spielertyp kein guter Fit für die Offense von Pat Shurmur ist.

Bridgewater hingegen beendete die Saison hingegen in den Top 20 bei EPA pro Play (Platz 19) und Success Rate (Platz 16) und kam bei der Completion Percentage over Expectation sogar in die Top 10 (Platz 7). Besonders letzteres ist wichtig für das offensive System von Pat Shurmur. Es werden keine extrem schwierigen Dinge von den Quarterbacks erwartet. Die einfacheren Würfe sollen aber konstant getroffen werden. Das ist von Bridgewater eher zu erwarten als von Lock.

Skill Positions

Das Waffenarsenal sollte für den neuen Starting Quarterback nicht zum Problem werden. Mit Courtland Sutton kehrt der beste Broncos Receiver der letzten Jahre von seiner Verletzung zurück und stellt für Bridgewater ein großes und zuverlässiges Ziel dar. Jerry Jeudy wirkte vor seiner zweiten Saison stark verbessert. Sein Speed und Route Running sollten gut in den Spacing-Konzepten von Shurmur funktionieren. Nur die Drop-Probleme aus seiner Rookie-Saison muss der Erstrundenpick hinter sich lassen. Mit K.J. Hamler haben die Broncos zudem einen absoluten Speedster für die wenigen vertikalen Shots. Allerdings kann er auch bei den vielen kurzen Crossing-Routen nach dem Catch extrem gefährlich sein. Mit Spielern wie Tim Patrick ist auch für Tiefe in der Gruppe gesorgt.

Ebenfalls eine gewichtige Rolle wird Noah Fant spielen. Mit seiner Athletik passt er ebenfalls gut in die Konzepte der Broncos Offense. Shurmur bewegt seine Tight Ends gerne an viele Stellen in der Formation und nutzt ihn eher wie einen zusätzlichen Receiver. Die Tight Ends hinter Fant werden hingegen kaum eine Rolle Spielen. Da Shurmur fast ausschließlich auf leichtes Personal setzt, steht selten mehr als ein Tight End auf dem Feld.

Starkes Backfield mit Gordon und Williams

Das Laufspiel in dieser Offense basiert hauptsächlich auf Zone-Konzepten. Allerdings werden anders in vielen West Coast Offenses selten Outside Zone Konzepte mit schwerem Personal benutzt. Stattdessen zieht man auch hier mit vielen Receivern die Defense auseinander und schafft dann durch häufige Pulls eine Überzahl am Point of Attack. Mit Melvin Gordon und Javonte Williams verfügen die Broncos über zwei Läufer, die eher über ihre Kraft als über Speed und Wendigkeit kommen. Rookie Williams wurde auf manchen Draft-Boards (inklusive meinem) als bester Running Back der vergangenen Draft-Klasse geführt. Es ist möglich, dass Pat Shurmur für die beiden mehr auf Power-Running Konzepte setzen könnte.

Offensive Line

Die Offensive Line war in den letzten Jahren oft eine Schwachstelle der Broncos. In der vergangenen Saison konnte sich die Unit aber unter O-Line Coach Mike Munchack klar verbessern. Besonders Left Tackle Garrett Bolles machte einen riesigen Schritt nach vorne und gerhörte in der letzten Saison zu den besten Left Tackles der Liga. Es bleibt abzuwarten, ob er das auch in der kommenden Saison bestätigen kann. Die Eindrücke aus der Pre-Season sorgen aber für Optimismus. Die Schwachstelle auf Right Tackle konnte in der Free Agency mit Bobby Massie geschlossen werden.

Auch in der Mitte der Offensive Line gibt es wenige Schwachstellen. Dalton Risner und Graham Glasgow sind ein mehr als solides Guard-Duo. Mit Netane Muti stünde sogar ein qualitativ hochwertiger Back-Up bereit. Die einzige Schwachstelle hat die Unit auf Center. Lloyd Cushenberry war in seiner Rookie-Saison besonders in Pass-Protection zu anfällig. Rookie Quinn Meinerz ist aber noch nicht bereit, seinen Platz zu übernehmen.

Defense

Head Coach Vic Fangio gilt als einer der größten Defensiv-Gurus der Liga. Wegen vieler verletzungsbedingter Ausfälle fiel seine Defense aber ins Mittelfeld der Liga zurück. Beim zugelassenen EPA pro Spielzug belegte sein Team nur Platz 17. Besonders die Laufverteidigung offenbarte Lücken und landete nur auf Platz 19. Gegen den Pass lag die Unit immerhin auf Platz 12. Durch die Rückkehr von Von Miller und große Investitionen in die Secondary soll die Defense wieder an die Ligaspitze geführt werden.

Schematisch setzt Fangio dabei auf eine flexible 3-4-Front, die aber auch immer wieder Elemente einer 4-3-Under Front implementiert. Der Pass-Rush wird dabei nur selten durch blitzende Linebacker oder Backfield-Spieler unterstützt. Stattdessen werden meistens sieben Spieler in Zone-Coverage genutzt, was Fangio die Freiheit gibt, mit vielfältigen Coverages gegnerische Quarterbacks zu verwirren und mit dem Blick in Richtung der Line of Scrimmage den Lauf zu verteidigen. Trotz der vielfältigen Coverage-Schemen, zeigt die Defense vor dem Snap fast immer ein ähnliches Bild mit zwei tiefen Safties. Das macht es noch schwieriger Fangios Defense zu lesen.

Defensive Front

Der wichtigste Zugang für den Pass-Rush der Broncos ist ohne Zweifel Rückkehrer Von Miller. Der Super Bowl MVP von 2015 fehlte die gesamte letzte Saison verletzungsbedingt. Auf der anderen Seite muss Bradley Chubb endlich seinen Status als Top 5 Draftpick untermauern. Auch er wurde immer wieder durch Verletzungen ausgebremst. Für eine lukrative Vertragsverlängerung im kommenden Jahr, braucht er eine gute Saison.

In der Mitte bleibt Shelby Harris der gefährlichste Pass-Rusher. In den letzten Jahren war der Veteran immer wieder einer der unterbewertetsten Spieler der NFL. Mit McTelvin Agim und Dre’Mont Jones haben die Broncos zwei junge Inside Rusher in der Hinterhand. Gegen den Lauf soll Nose Tackle Mike Purcell in der Mitte die Lücken schließen. Als Pass-Rusher ist er hingegen kein Faktor.

Etabliertes Linebacker-Duo

In der zweiten Reihe der Defense bleibt alles beim Alten. Josey Jewell und Alexander Johnson bilden gegen den Lauf ein solides Duo. Allerdings bekommen sie in Fangios Schema auch viel Verantwortung in Coverage. Auch in dieser Hinsicht spielten beide solide ohne aber zu glänzen. Die Tiefe hinter den beiden Startern ist hingegen sehr jung und unerfahren.

Secondary

Die Secondary der Denver Broncos könnte in der kommenden Saison eine absolute Stärke werden. Auf Cornerback wurde ein kompletter Umbruch eingeläutet. Mit Kyle Fuller und Ronald Darby wurden zwei solide Veterans geholt. Im Draft wurde dann nochmal nachgelegt. Statt eines Quarterbacks holte man an neunter Stelle Patrick Surtain II. Die ersten Eindrücke in der Pre-Season waren mehr als vielversprechend. Im Slot dürfte Bryce Callahan weiter seinen Platz haben, falls er fit bleibt.

Auf Safety sieht die Gruppe ebenfalls extrem stark aus. Justin Simmons ist weiterhin einer der besten Free Safeties der Liga. Das System von Vic Fangio gibt ihm viele Chancen auf Interceptions. Auch sein Nebenmann Kareem Jackson ist ein in allen Facetten des Spiels guter Safety. Hinter den Startern stehen allerdings mit Jamar Johnson und Caden Sterns nur zwei Rookies als Notfallreserve bereit.

Fazit

Die Prognose für die Denver Broncos ist schwierig. Einerseits hat das Team auf vielen Positionen einen Kader, welcher mindestens für die Playoffs, wenn nicht sogar für den Status als Contender, reichen sollte. Die wichtigste Position bleibt aber ein großes Fragezeichen. Teddy Bridgewater ist in Pat Shurmurs Offense wohl ein Upgrade gegenüber Drew Lock. Dennoch bleibt die Frage, wie weit ihn das Roster tragen kann. Die Defense ist stark, hat aber auf einigen Positionen keine ausreichende Tiefe. Offensive hat Bridgewater eine gute Protection und starke Waffen. 2015 war er mit einer schlechteren Mannschaft in den Playoffs. Zumindest dafür sollte es reichen, sofern die Broncos nicht von zu großem Verletzungspech heimgesucht werden. Viel weiter wird es aber kaum gehen. Eine Saison mit mindestens zehn Siegen und eventuell einem Sieg in den Playoffs ist absolut realistisch.

Die Frage ist nur: Hilft so eine Saison dem Team langfristig? Für einen Run auf den Titel ist Bridgewater nicht gut genug. Mit einer Saison in den Playoffs ist die Draftposition aber wohl zu schlecht, um einen Nachfolger zu finden. Es könnte also darauf hinauslaufen, dass man eine tolle Chance auf den zukünftigen Quarterback vergeben hat, als man mit dem neunten Pick keinen Spielmacher auswählte. Die Instabilität auf Quarterback wird sich also wohl fortsetzen.

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung: 4.8/5 (5 Stimmen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Jonas Stärk
NFL- und Draft-Enthusiast, Podcaster; Im deutschen Football unterwegs als Spieler und Jugend-Coach der Bochum Rebels und als Schiedsrichter.

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen