49ers 2021: From Worst to First?

1
587
5
(6)
Lesezeit: 31 Minuten

Die San Francisco 49ers landeten nach einer Saison, die von einer Vielzahl von schweren Verletzungen und langfristigen Ausfällen geprägt war, nur ein Jahr nach dem Super Bowl Einzug auf dem letzten Platz der NFC West. Kann Head Coach Kyle Shanahan mit den Rückkehrern wie Nick Bosa und Jimmy Garoppolo sowie 3rd Overall Pick Trey Lance in der starken NFC West die Kontrahenten aus Los Angeles, Seattle und Arizona hinter sich lassen? 

Kaderzusammenstellung

Die San Francisco 49ers gingen mit einer stattlichen Anzahl von Free Agents in die Offseason. General Manager John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan blickten wie bereits in den vergangenen Spielzeiten zuerst auf die eigenen Free Agents und man hielt das Team in großen Teilen zusammen – was angesichts der Salary Cap Lage nicht einfach und auch nicht selbstverständlich war. Das Team machte Trent Williams zum bestbezahlten Left Tackle in der NFL. Knapp mehr als $ 23.000.000 verdient Williams nun in den kommenden Spielzeiten.

Mit Fullback Kyle Juszczyk konnte man ein ganz wichtiges Puzzlestück für die Offense von Kyle Shanahan mit einem Fünf-Jahres-Vertrag weiter in Santa Clara halten. In der Defense brachte Lynch gemeinsam mit Paraag Marathe das Kunststück fertig, dass man trotz zahlreicher auslaufender Verträge praktisch mit der identischen Secondary in die Saison gehen kann. Man konnte die Cornerbacks Jason Verrett, Emmanuel Moseley und auch Nickelback K’Waun Williams weiter unter Vertrag nehmen und auch Safety Jaquiski Tartt bildet weiterhin das Safety Duo mit Jimmie Ward.

Vor dem Draft 2021 überraschten die 49ers mit einem Monster-Trade für den Third Overall Pick. Die Niners schickten für einen Uptrade von neun Positionen drei First Round Picks und einen Drittrundenpick zu den Miami Dolphins. Nach vielen Gerüchten und Meinungen von diversen Insidern, die Mac Jones (Alabama) nach San Francisco schrieben, wählten die 49ers dann an dritter Stelle im diesjährigen Draft Trey Lance von der North Dakota State University. Ein hohes Invest sind die 49ers mit diesem Uptrade eingegangen und die komplette Draftklasse wird in den kommenden Jahren eigentlich nur an Trey Lance gemessen werden.   

Offense

Die Offense der San Francisco 49ers wird auch in diesem Jahr von Head Coach Kyle Shanahan, einem der Offensive Masterminds in der NFL, orchestriert. An seiner Seite steht mit Mike McDaniel nun ein Offensive Coordinator (zuvor drei Spielzeiten Run Game Coordinator), nachdem Mike LaFleur (Passing Game Coordinator) gemeinsam mit Defensive Coordinator Robert Saleh zu den New York Jets abgewandert ist. An der grundsätzlichen Aufgabenteilung im Coaching Staff und beim Playcalling wird sich aber nichts ändern.

Mit drei Quarterbacks under Center beendeten die 49ers die Saison 2020 auf dem 20. Platz in Sachen DVOA. Nick Mullens startete in acht Begegnungen, Garoppolo in sechs und C.J. Beathard in zwei Partien. Nun steht für die Franchise der Hall of Fame Quarterbacks Y.A. Tittle, Joe Montana und Steve Young was die Quarterback Position anbelangt eine entscheidende Saison bevor: Kann Trey Lance in die großen Fußstapfen der Franchise Helden treten, oder führt Jimmy Garoppolo weiter die Offense aufs Feld?   

Quarterback

Die Verletzungen von Jimmy Garoppolo haben die 49ers dazu veranlasst, mit Trey Lance einen Nachfolger zu draften. Er hat in den letzten drei Spielzeiten 28 Starts absolviert und 23 Spiele verpasst (einschließlich Playoffs). Aber Garoppolo war ein sehr fähiger Quarterback für die Umsetzung des Gameplans von Shanahan – sofern er auf dem Platz stand. Die 49ers haben eine Bilanz von 24-9 mit Garoppolo under Center und er war der einzige NFL-Quarterback, der 2019, in seiner einzigen vollen Saison als Starter, unter den Top fünf bei den Passing Touchdowns, Completion Percentage und den Yards pro Versuch rangierte. Seit 2017 verbesserte sich die Offense der 49ers auf den vierten Platz bei EPA pro Play. Ohne Garoppolo (also mit Brian Hoyer, C.J. Beathard und Nick Mullens) rangierten die Niners allerdings nur auf dem 27. Platz bei EPA pro Play.

Dies sollte dann auch mit dem Mythos des Quarterback-freundlichen Schemes von Shanahan ein wenig aufräumen. Schaut man das DVOA der Starting Quarterbacks von Shanahan, fallen einem nur drei Spielzeiten mit einem Top-10 Wert auf (Robert Griffin III 6. 2012, Matt Ryan 1. 2016 und Jimmy Garoppolo 7. 2019). Shanahan braucht einen Quarterback, der seine Offense möglichst effizient und ohne Fehler umsetzen kann. Mit Jimmy Garoppolo konnte Shanahan 2019 seinen zweiten Super Bowl erreichen – aber nicht gewinnen. In vier Spielzeiten als Head Coach der 49ers kann er nur eine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen aufweisen (2019).

Shanahan und Dual-Threat Quarterbacks

Auch deswegen sicherlich der Move um Trey Lance nach San Francisco zu holen. Abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten wie man ein Roster um einen Quarterback auf einem Rookie Contract aufbauen kann (Garoppolos Cap Hit in dieser Saison beträgt stattliche $ 26.400.000, während Lance mit $ 6.200.956 zählt), steht bei Shanahan die Erweiterung und Perfektionierung seines Schemes im Vordergrund. Bisher hatte er mit Robert Griffin III, der in seiner ersten NFL-Saison für 3200 Yards und 20 Touchdowns passte, aber darüber hinaus weitere 815 Yards und sieben Touchdowns erlief, nur einen Dual-Threat Quarterback in seinem Team. Damit hatte seine Offense immer einen zahlenmäßigen Nachteil, denn die reinen Pocket Passer Rex Grossman, Brian Hoyer, Matt Ryan oder eben auch die Niners QBs Garoppolo, Mullens und Beathard, brauchte die Defense in Sachen Running Game nicht auf der Rechnung zu haben.

Lance bringt eine neue Option in die Offense der Niners

Dies wird sich über kurz oder lang mit Trey Lance ändern. In seiner Sophomore Season mit den North Dakota State Bison warf Lance für 2.786 Yards und 28 Touchdowns bei keiner Interceptions. Dazu machte er die gegnerischen Verteidigungsreihen aber auch vor allem mit seiner Fähigkeit mit dem Ball zu laufen verrückt. In 2019 erlief Trey Lance mit 169 Carries 1.100 Yards und 14 Touchdowns. Dabei schaffte er im Durchschnitt 6,5 Yards pro Attempt. Zum Vergleich: In 2019 warf er den Ball durchschnittlich für 9,7 Yards. Die Impulse von Lance in der Shanahan Offense werden kommen, aber wann der Youngster als Starter übernimmt ist fraglich.

Die Saison 2020 der North Dakota State University fiel bis auf eine Partie komplett aus. Dementsprechend fehlt Lance ein Jahr an Spielpraxis und Shanahan wird den Rookie nicht verheizen. Im Gegenteil. Seit dem Draft von Lance wiederholt Shanahan turnusmäßig, dass Jimmy Garoppolo weiter der Starter der 49ers sein wird. Dies sah man auch in allen drei Preseason Begegnungen. Aber in der letzten Begegnung gegen die Las Vegas Raiders hat man womöglich schon ein wenig zu sehen bekommen, was Shanahan vorhaben könnte. Quarterback Shuffles in – und nicht in aufeinanderfolgenden – Drives. Dabei auch mehrfach in einem Drive. Gerade in der Redzone dürfte die Lauffähigkeit von Lance besonders gut zu Geltung kommen.   

Auf den Spuren von Walsh und Montana?

Quarterback Shuffles und Kontroversen haben in San Francisco bereits eine lange Geschichte. Blick man in der Historie der Franchise zurück findet man in den 60ziger Jahren den „Shotgun Split“ zwischen John Brodie, Billy Kilmer und Bobby Waters. Gegen Ende der 70ziger Jahre kam ein gewisser Joe Montana in die Liga und musste sich zunächst hinter Steve DeBerg anstellen. Montana startete nur in einer Begegnung, aber bei allen anderen 15 Starts von DeBerg brachte Bill Walsh Montana aufs Spielfeld. Walsh warf damals auch gern Montana am Ende eines Drives in der Redzone für DeBerg in die Partie – wobei er bei Montana auch ein schlechtes Gewissen auslöste. Aber solche Möglichkeiten wird Shanahan auch für Lance schaffen. Dadurch kann er den Rookie langsam und beständig an die NFL heranführen und er verhindert, dass der gerade 21jährige zwei Jahre in Serie ohne Spielpraxis auskommen muss.

Sudfeld auf der Practice Squad

Als dritter Quarterback hat sich im Camp Nate Sudfeld mehr oder weniger gegen den ehemaligen First Round Pick Josh Rosen durchgesetzt. Aber auch Sudfeld schaffte nicht den Sprung aufs 53er Roster, sondern wurde für die Practice Squad erneut nach dem Cut verpflichtet. Rosen dagegen steht auf dem aktiven Roster der Atlanta Falcons. Der ehemalige UCLA Quarterback geht damit mit seinem fünften Team in sein viertes NFL Jahr.

Jimmy Garoppolo geht also erneut als Starter in die Saison. Sein Nachfolger steht bereit, wann Lance allerdings übernimmt ist fraglich. Wenn Garoppolo gesund bleibt und an seine Leistungen der vergangenen vier Jahre, insbesondere Ende 2017 und die Saison 2019, anknüpfen kann, haben die 49ers eine sehr gute Chance eine effiziente, erfolgreiche und gefährliche Offense aufs Feld zu bringen und können ein Playoff Team sein. Sollte zu einem Zeitpunkt in der Saison Lance den Staffelstab übernehmen und eine ähnliche Performance wie Garoppolo bringen können, wäre man in San Francisco sicherlich nicht unzufrieden. 

Offensive Line

Die 49ers bringen mit ihrem Tackle Duo Trent Williams und Mike McGlinchey sowie Left Guard Laken Tomlinson drei Starter zurück. Mit dem Monster-Vertrag für Trent Williams haben die 49ers nur eines von mehreren Investments getätigt, um ihren Quarterback zu beschützen. Center war in der vergangenen Saison nach dem verletzungsbedingten Ausfällen von Weston Richburg (inzwischen Karriereende) und Ben Garland immer ein Problem. Mit Veteran Alex Mack von den Atlanta Falcons konnten die 49ers einen Center in der Free Agency verpflichten, der dieses Problem im Herbst seiner Karriere lösen kann. Mack ist bereits seit 2009 in der NFL und arbeitete mit Shanahan bereits in Cleveland als auch in Atlanta zusammen. Er sollte die Line gerade in der Pass Protection mit den Calls und seiner Erfahrung deutlich verbessern.

In der zweiten Runde des Drafts entschieden sich die 49ers für einen weiteren Spieler aus der Talentschmiede der University of Notre Dame. Das Team von Brian Kelly produzierte in den vergangenen Jahren zahlreiche starke Offensive Liner wie zum Beispiel Guard Quenton Nelson und auch Mike McGlinchey. An die Seite des starken Run Blockers stellen die 49ers nun über kurz oder lang Aaron Banks. Der First-Team All-American der vergangenen College Saison machte insgesamt 38 Partien für die Fighting Irish und sollte Daniel Brunskill den Starter Job auf Right Guard im Laufe der Saison streitig machen. Mit diesen drei Investments, Williams, Mack und Banks, wollen die 49ers um Offensive Line Coach Chris Foerster ihre Quarterbacks besser schützen, aber trotzdem im Running Game weiter stark blocken.

Williams ist der Anker der Offensive Line

Im Ranking von Pro Football Focus landet die Offensive Line der 49ers vor Saisonstart knapp in den Top-10. Die Unit stieg 2020 trotz zahlreicher Verletzungen und Ausfälle auf dem neunten Platz aus und geht nun ebenfalls auf dem neunten Rang in Richtung 2021. Anker der Line ist Trent Williams. Der Left Tackle zeigte in der vergangenen Spielzeit nach einem Jahr Pause keine Anzeichen von Rost in seinem Spiel und war wie in den Zeiten in Washington einer der dominantesten Left Tackles der Liga. Mit einem Grade von 91,9 von PFF beendete er zum dritten Mal in seiner Karriere eine Spielzeit als bester Tackle (2013 und 2016). Bulldozer Williams ist der beste Run-Blocking Tackle im Football und ließ in 562 Pass-Blocking Attempts nur 19 Pressures zu.

Mike McGlinchey beendete die Saison 2020 mit einem Run-Blocking Grade von 91,3 – dem zweitbesten der Liga nach PFF. Aber er schwächelte im Pass Blocking, was sicherlich auch mit seinen wechselnden Partnern auf Right Guard (Brunskill, McKivitz, Compton) und seinem Gewicht zu tun hatte. McGlinchey hat in der Offseason an Gewicht zugelegt, man spricht von 15 bis 20 Pfund, und sollte damit an die Leistungen aus seinen ersten Spielzeiten anknüpfen können. In seiner ersten drei Spielzeiten bekam er die dritthöchste Percentage an positiv bewerteten Blocks im Running Game. Dagegen belegt er nur Platz 35 bei der Pass-Blocking Bewertung. Die 49ers zogen die Fifth-Year-Option für die Saison 2022 im Vertrag des ehemaligen First Round Picks und die Coaches bauen auf den Right Tackle.

Wann übernimmt Banks auf Right Guard?

Laken Tomlinson ist seinem Trade von den Detroit Lions eine Bank auf Left Guard. Er kommt aus seiner besten Karriere Saison (wenn man nach dem PFF Grade von 78,8 Overall gehen möchte) und belegte Platz zehn unter den Guards 2020. Gerade in Run Blocking ist Tomlinson ein sehr starker Guard und konnte schnell eine gute Chemie mit Trent Williams auf der linken Seite der Line etablieren. Die Right Guard Position ist in den letzten Jahren immer die Schwachstelle der Line gewesen. Mike Person startete 2019, letztes Jahr Daniel Brunskill, Tom Compton und auch Colton McKivitz. Daniel Brunskill ging ins Camp 2020 als Favorit auf den Posten, wurde dann aber mehr und mehr als Center eingesetzt und dem eigentlichen Tackle fehlten die Snaps und die Erfahrung auf den Positionen. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Aaron Banks im Training Camp sollte Brunskill zu Beginn der Saison die Nase vorn haben, aber Banks wird den Posten übernehmen.

Daniel Brunskill kommt dann aufgrund seiner Vielseitigkeit eine ganz entscheidende Rolle zu: Er wird quasi der erste Backup für beide Tackle Positionen, Center und Right Guard. Dies ist die Rolle, die er auch bereits 2019 innehatte, und eigentlich auf allen Positionen überzeugte. Sowohl für die Tackle als auch Guard Position kommt auch Rookie Jaylon Moore in Betracht. Auf Center haben die 49ers noch Veteran Jake Brendel in der Hinterhand. Für weitere Tiefe sorgt Veteran Tom Compton, der im Kampf um den letzten Roster Spot in der Offensive Line den letztjährigen Rookie Colton McKivitz (inzwischen auf der Practice Squad) ausstechen konnte.  

Skill-Player

Kyle Shanahan überraschte beim Draft mir der Auswahl von gleich zwei Runningbacks. Trey Sermon und Elijah Mitchell kamen in einen bereits tief besetzten Runningback Room und stellten sich der vorhandenen Konkurrenz. In der Spitze haben die 49ers unter den Wide Receivern Duos mit Brandon Aiyuk und Deebo Samuel ein potentielles Top-10 Duo und dazu mit George Kittle einen der besten Tight Ends der Liga.

Runningbacks

Mit Raheem Mostert, Jeff Wilson Jr. und JaMycal Hasty brachten die 49ers drei Runningbacks aus der letzten Saison zurück. Tevin Coleman verließ die Niners nach zwei eher erfolglosen Spielzeiten in Richtung New York Jets und Jerick McKinnon entpuppte sich nach Kreuzbandriss und zwei verpassten Spielzeiten auch in der letzten Saison nicht als Offenbarung. McKinnon steht in inzwischen bei den Kansas City Chiefs unter Vertrag. In der Free Agency holten die Niners auch noch von den New York Giants Wayne Gallman. Ein sehr voller Runningback Room.

Dann kam der Draft und Kyle Shanahan wählte erst in der dritten Runde nach einem Uptrade Trey Sermon (Ohio State Buckeyes) und später in der sechsten Runde Elijah Mitchell (Louisiana Ragin‘ Cajuns) aus. Im Hinblick auf die Vertragssituation über 2021 hinaus (auslaufende Verträge bei Mostert, Wilson und Gallman) zwei nachvollziehbare Moves, aber man identifizierte eigentlich andere Needs auf den Skill Positions als Runningback. Schaut man dann aber auch auf die Verletzungshistorie in den letzten beiden Spielzeiten auf dieser für das Shanahan Scheme kritischen Position, kann man die Auswahl und die Tiefe des Rooms begrüßen.

Schnell legen Analysten den Schluss nahe, dass im Shanahan System jeder Runningback produziert. Ganz so einfach kann man diese Rechnung aber auch nicht aufstellen, denn Tevin Coleman als auch Jerick McKinnon funktionierten nur bedingt in diesem System. Shanahan sucht zumeist nach einem bestimmten Typ Running Back: explosiv, wendig und sehr schnell für sein Outside Zone Running Game. Mit Matt Breida, Raheem Mostert und auch Jeff Wilson hatte er schnell Erfolg, aber keiner dieser Backs brachte ausgeprägte Fähigkeiten im Passing Game mit (und alle drei waren/sind anfällig für Verletzungen).

https://theathletic.com/2673166/2021/06/30/49ers-rb-preview-raheem-mostert-is-top-dog-but-trey-sermon-can-lead-a-charge-of-depth/

Tiefes RB-Corps von Vorteil

Mit Jeff Wilson (Meniskus Operation) startet ein Runningback der Niners auf der PUP-List in die Saison und kann nach dem sechsten Spieltag aktiviert werden. Wilson war in der vergangenen Saison der Rushing Leader des Teams mit 600 Yards (4,8 Yards pro Carry) und wird im Saisonverlauf sicher noch eine Verstärkung werden. Blickt man auf Week 9 in der letzten Saison zurück, standen dem Team dort nur McKinnon, UDFA Hasty und Austin Walter gegen Green Bay zur Verfügung. Von dem Rushing Wirbelsturm aus dem NFC Championship Game ein Jahr zuvor war nichts mehr übrig.

Mostert und Sermon als Nummer 1 und 2

Raheem Mostert und Trey Sermon werden (sofern beide verletzungsfrei bleiben) den Großteil der Snaps bekommen. Mostert als der flinke Speedster, den man auch mit Slants schnell ins Passspiel einbinden kann, und Sermon als derjenige, der die gegnerische Defense ermüdet. Sermon wird den 49ers auch eine neue Dimension für Short-Yardage Situationen wie zum Beispiel an der Goal Line verleihen und auch die harten Yards durch die Mitte machen. Trotzdem werden auch JaMycal Hasty und Elijah Mitchell Einsatzzeiten bekommen. Beide bringen sowohl Potential im Passing Game als auch Big Play Ability mit. Mitchell erinnert mit seinem Speed an Matt Breida als auch Raheem Mostert. Dazu scheint Mitchell als Kick Returner des Teams eine Chance zu bekommen. Aufgrund der starken Vorstellungen der jungen Spieler bekam Veteran Wayne Gallman keinen Platz im 53er Kader.

Abgerundet wird diese Unit durch Kyle Juszczyk. Der Fullback ist eines der wichtigsten Puzzlestücke im Shanahan System und neben Trent Williams war eine Vertragsverlängerung mit „Juice“ die Top Priorität in Santa Clara. Ausgestattet mit einem neunen Fünf-Jahres-Vertrag über $ 27.000.000, der wie bei Trent Williams „kürzer“ laufen könnte, als es die eigentliche Vertragslaufzeit anklingen lässt, wird Juszczyk wieder die Allzweckwaffe der Offense sein. Run Blocker, Runner oder auch gerne als Receiver – „Juice“ erfüllt praktisch alle Aufgaben.  

Wide Receiver

Mit Deebo Samuel und Brandon Aiyuk haben die 49ers in den vergangenen Jahren die perfekten Wide Receiver für das Shanahan System gedraftet. Zusammen mit Tight End George Kittle bilden die drei eine gefährliche Gruppe von Playmakern. Alle drei haben gute Hände, können Blocken oder auch mit dem Ball laufen. Shanahan setzt alle drei Spieler auch so ein.

Deebo Samuel wurde in dieser Offense überall eingesetzt. Er zeichnet sich durch “Space”-Spielzüge aus. In seinen zwei Jahren in der Liga produzierte er durchschnittlich 9,6 Yards pro Reception und er ist auch geschickt auf den Intermediate Routen unterwegs, wenn er auf der Außenseite aufgestellt ist. Der ehemalige Erstrundenpick Brandon Aiyuk verfügt über ähnliche Yards-after-Catch-Fähigkeiten. Aufgrund von zahlreichen Ausfällen wurde er aber in der letzten Saison in einer traditionelleren Rolle eingesetzt und erzielte mit einem Receiving Grade von 80,8 den zweitbesten Wert unter den Rookies hinter Justin Jefferson (Minnesota).

Was passiert hinter Aiyuk und Samuel?

Eine klare Nummer drei unter den Wide Receivern gibt es nach dem Abgang von Kendrick Bourne, der sich in der Free Agency den New England Patriots anschloss, nicht. Bourne bekam in der letzten Saison 74 Targets und stand in 63% der Offensive Snaps auf dem Feld. Wer wird diese Targets und auch die Spielzeit bekommen? In der Free Agency holten die 49ers aus Arizona Trent Sherfield. Zunächst als Special Teamer eingeplant zeigte er im Camp und auch in den Preseason Begegnungen eine gute Chemie mit Trey Lance und war für einige Big Plays gut. Mit Mohamed Sanu bekommt ein Veteran als Big Slot Receiver eine Chance. Diese bekommt auch Jauan Jennings, der unglaubliche Fähigkeiten als Tackle-Brecher mitbringt.

Großes Fragezeichen ist weiterhin der ehemaligen Drittrundenpick Jalen Hurd, der seine ersten beiden Spielzeiten in der NFL aufgrund von einer Stressfraktur im Rücken bzw. eines Kreuzbandrisses verpasst hat. Hurd bringt alle Fähigkeiten mit um in der Shanahan Offense ein richtiger Faktor sein zu können. Seine ersten drei Spielzeiten am College spielte er bei Tennessee Running Back und wechselte bei Baylor auf die Wide Receiver Position. Er wäre das zweite Schweizer Taschenmesser in dieser Offense neben Fullback Kyle Juszczyk. Dafür muss er aber auch erst einmal gesund bleiben. Es sieht so aus, als würde er womöglich vom Team zunächst auf die Short-term Injured Reserve List gesetzt werden. Seinen Platz auf dem Roster könnte dann Travis Benjamin bekommen. Der Veteran befindet sich auf der Practice Squad des Teams.   

Tight Ends

George Kittle ist die beste Allround-Option der Liga auf der Position des Tight Ends. Der ehemalige Fünftrundenpick ist die Matchup-Waffe des Teams. Kittle ist eine unglaubliche Gefahr für die Defense und zwar völlig unabhängig davon, ob er als Receiver oder Blocker eingesetzt wird. Er kann effektiv als Unterstützung in der Pass Protection eingesetzt werden. Dazu hat kaum ein anderer Spieler einen solchen Spaß daran seinen Mitspielern im Running Game den Weg frei zu blocken und im Passspiel ist er immer gefährlich. Kittle ist ein sehr guter Route Runner, kann sich von seinem Gegenspieler lösen und erkennt freie Räume. Dazu ist er ein absolutes Monster sobald er den Ball in den Händen hält und ist unheimlich schwer zu stoppen. Kittle hat in jeder der letzten drei Spielzeiten ein PFF Grade von 84,0 oder besser erhalten, darunter eine unglaubliche Note von 94,4 im Jahr 2019 (als bester Spieler der NFL).

Mit Ross Dwelley und Charlie Woerner (Sechstrundenpick aus 2020) haben die 49ers nur zwei weitere Tight Ends mit auf den 53er Roster genommen. MyCole Pruitt als auch Jordan Matthews scheiterten am Roster Cut. Pruitt ist inzwischen wieder zurück bei den Tennessee Titans, während der ehemalige Wide Receiver Jordan Matthews auf der Practice Squad der Niners gelandet ist. Matthews könnte im Laufe der Saison eine interessante Option als zweiter Pass Catching Tight End werden. Dwelley als auch Woerner werden Kittle eher im Run Blocking unterstützen müssen.

Bei allen Positionsgruppen der Skill Player gilt: Es hängt alles an der Verfügbarkeit der Spieler! Kittle und Samuel verpassten zahlreiche Spiele in der letzten Saison und auch Aiyuk musste mehrfach aussetzen (zweimal als COVID-19 Kontaktperson).

Coaching

Im offensiven Teil des Coaching Staffs der 49ers gibt es nun einen Offensive Coordinator. Mike McDaniel, ein langjähriger Weggefährte von Kyle Shanahan, wurde nach dem Abgang von Mike LaFleur zu den New York Jets, vom Run Game Coordinator zum Offensive Coordinator befördert. Die Rückkehr von Rich Scangarello als Quarterbacks Coach dürfte ein wichtiges Puzzlestück werden. Scangarello war bereits von 2017 bis 2018 QB Coach der Niners. Anschließend ging er als Offensive Coordinator und Playcaller in den Coaching Staff von Vic Fangio bei den Denver Broncos. 2019 arbeitete er als Offensive Assistant bei den Philadelphia Eagles unter Doug Pederson. Die Weiterentwicklung der Quarterbacks stagnierte in den vergangenen beiden Spielzeiten. Die 49ers setzten nun auf Scangarello um diese Entwicklung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Außerdem übernimmt Chris Foerster die Offensive Line.

Trotz OC: Shanahan behält die Zügel in der Hand

Schematisch und beim Playcalling wird sich bei den 49ers nichts verändern. Kyle Shanahan zählt zu den Offensiven Masterminds der Liga und zeigte in den vergangenen Spielzeiten, dass er seine Offense auch mit Second und Third Stringern zum Laufen bekommt. Allerdings reicht es mit Backups nicht zum großen Wurf. Auch deswegen achteten die 49ers in der Free Agency und im Draft darauf, dass die ausgewählten Spieler nicht die Verletzungshistorie im Umfang des New Yorker Telefonbuchs mitbringen.

Die 49ers werden auch in der kommenden Spielzeit wieder mehr auf 21-Personell mit zwei Running Backs, zwei Wide Receivern und einem Tight End setzen. In der letzten Saison standen die 49ers am häufigsten mit 11-Personell auf dem Feld, was aber auch den zahlreichen Verletzungen geschuldet war. Mit der großen Auswahl an Runningbacks (Mostert, Sermon, Juszczyk, Hasty, Mitchell, Wilson) und nur zwei Top Receivern (Aiyuk, Samuel) dürfte Shanahan wieder mehr mit seinem favorisierten Personell Grouping operieren. Kyle Shanahan versteht es wie kaum ein zweiter Coach für seine Spieler offenen Raum auf dem Feld zu kreieren. Dies geschieht im Passing wie im Running Game. Das Outside Zone Running Game bringt viele Vorblocker ins Spiel, oftmals werden Tight End George Kittle und auch Kyle Juszczyk sowie die Receiver als Vorblocker eingesetzt um den Speedstern wie Raheem Mostert eine Lane frei zu machen.

Knapp 80% Pre-Snap Motion

Kein Coach in der NFL nutzt mehr Motion als Kyle Shanahan. Shifts, Trades und Motion finden sich in fast jedem Spielzug. Die durchschnittliche Quote in der NFL für eingesetzt Pre Snap Motion liegt knapp unter 50% – die 49ers liegen bei knapp 80 % in 2019 und 2020. Fullback Kyle Juszczyk wird variabel in der Aufstellung herumgeschoben, aber auch die Tight Ends wechseln die Seiten und stellen sich auch als Outside Receiver auf. Dort findet man nach einer Motion auch gerne einmal Kyle Juszczyk. Natürlich werden auch die Receiver per Pre Snap Motion eingebunden und sorgen für Verwirrung bzw. werden auch via Sweeps und End Arounds im Running Game eingesetzt.    

Die Offense der 49ers setzt darauf, den Ball in die Hände ihrer Playmaker zu bekommen und Yards after Catch zu kreieren. Von 2018 bis 2020 hat die Offense von Shanahan die meisten Yards after Catch aller Teams erzielt, auch wenn die Quote leicht rückläufig ist (2018: 7,0 YAC/Catch, 2019: 6,6 YAC/Catch und 2020: 6,2 YAC/Catch). Shanahan erreicht dies mit viel Play Action und Rollouts im Passing Game und entwickelt sein System immer weiter fort. Dies werden wir mit Trey Lance auch sehen. Mit Lance wird er auch Read Option und Run-Pass Option in sein Scheme integrieren. Wie dies mit der Read Option 2012 ausgesehen hat, kann man sich mit Robert Griffin III bei den damaligen Washington Redskins anschauen.

Kreiert Shanahan einen Alptraum für Defenses mit Lance?

Sollte es Shanahan dann noch gelingen ein Deep Passing Game zu etablieren (was mit Lance durchaus beabsichtigt sein dürfte), könnte dieses Scheme zu einem schlimmen Alptraum für Defensivreihen werden. Aber auch mit Garoppolo under Center sollte man diese Offense nicht unterschätzen. Denn in den vergangenen beiden Spielzeiten hatten 32 Quarterbacks mehr als 600 Dropbacks im Passing Game. Garoppolo liegt hier auf dem elften Platz in EPA pro Play. Dazu war er einer der effizientesten Signal Caller im Play Action Game. Mit einer verbesserten Pass Protection und diesem Waffenarsenal sowie einem möglichen Quarterback Shuffle (auch während einzelner Drives) scheinen der Kreativität von Kyle Shanahan keine Grenzen gesetzt zu sein. Only the Sky is the Limit!

Defense

Während bei der Offense samt Coaching Staff vieles gleichgeblieben ist, hat der Abgang von Defensive Coordinator Robert Saleh in der Defense einiges durcheinandergewirbelt. Nachfolger von Saleh wurde der ehemalige NFL-Linebacker DeMeco Ryans, der in den vergangenen Spielzeiten die Linebacker der 49ers betreute und maßgeblich an der Entwicklung von Fred Warner und auch Dre Greenlaw beteiligt war. In der vergangenen Saison beendete die Defense der 49ers trotz der zahlreichen und langwierigen Ausfälle die Saison auf dem sechsten Platz nach DVOA. Gegen den Pass belegte man den sieben Platz und landete auf dem zehnten Platz gegen den Lauf. Dabei hatten die 49ers das wenigste Glück in Sachen Verletzungen aller Defensivreihen gemessen an der Football Outsiders Adjusted Games Lost Metric.   

Front Seven

In der Front Seven lag auch in der Saison 2019, die erst im Super Bowl endete, die Stärke des Teams. In der Saison 2020 verlor man bereits am zweiten Spieltag die Pass Rusher Nick Bosa (65 Snaps in 2020) und Solomon Thomas (inzwischen bei den Las Vegas Raiders) und auch Dee Ford spielte in der letzten Saison nur gegen die Arizona Cardinals. Somit war von der erfolgreichen Defensive Line der 2019er Saison nach dem Trade von DeForest Buckner zu den Indianapolis Colts nur noch Arik Armstead übrig. In der Linebacker Gruppe wuchs Fred Warner über sich hinaus und wurde zum All-Pro.

Edge Rush

Sehnsüchtig erwartet wird von den San Francisco 49ers das Comeback von Nick Bosa. Der Defensive Rookie of the Year 2019 verpasste nach seinem Kreuzbandriss bei den New York Jets am zweiten Spieltag der letzten Saison fast die komplette Spielzeit. Bosa war das fehlende Puzzlestück, welches die gute Defense von Robert Saleh zu einer herausragenden Defense 2019 machte. In seiner Rookie Saison sammelte er beeindruckende 102 Total Pressures nach Pro Football Focus. Seine 80 Pressures in der Regular Season waren mehr als zehn Pressures mehr als jeder andere Rookie seit Beginn der Zählung von PFF im Jahre 2006. Im Edge Defender Ranking von Pro Football Focus landete Bosa trotz Verletzung auf dem fünften Platz. Seine Rückkehr wird die komplette Line erneut stark verbessern und auch für andere Spieler wieder mehr Platz schaffen.

Dies war in der letzten Saison unter anderem eines der Probleme von Arik Armstead. Der vielseitige Armstead, der sowohl in der Interior Defensive Line als auch als Edge Rusher eingesetzt wird, stand in der letzten Saison oftmals allein auf weiter Flur. Über die letzten drei Spielzeiten legte er ein Run-Defense Grade von 88,5 auf den Rasen, was eine Top-10 Bewertung unter allen Edge Rushern in der NFL darstellt. Dazu sammelte er in den letzten drei Spielzeiten 140 Total Pressures, damit knapp doppelt so viele wie in den ersten drei Jahren seiner Karriere. Wurde er zu Beginn seiner Karriere oftmals auch von Verletzungen ausgebremst, konnte er von 2018 bis 2020 in allen Partien mitwirken. Mit Bosa an seiner Seite kann Armstead bei Passing Downs auch wieder in die Interior Defensive Line rücken und von dort seine Stärken gegen Guards oder Center ins Spiel bringen.

Bosa und Armstead bekommen Unterstützung von Ford, Ebukam, Key und Hurst

Unterstützung im Pass Rush bekommen Bosa und Armstead überraschenderweise auch von Dee Ford. Nachdem er die Saison 2020 aufgrund von hartnäckigen Rückenproblemen beinahe komplett verpasste, arbeitete er jeden Tag in der Team Facility an seinem Comeback und musste von den Coaches sogar gebremst werden. Mit dem Speed Rusher Ford, den die 49ers vorsichtig einsetzen werden, erhöhen sich natürlich die Optionen im Pass Rush. In der Free Agency lotste man Samson Ebukam von den Los Angeles Rams nach Santa Clara. Ebukam sammelte in der limitierten Rolle bei den Rams in seiner ersten vier Jahren in der NFL 91 Total Pressures. 2020 kam er auf 20 Total Pressures in 179 Pass Rush Snaps. Seine Rolle sollte bei den 49ers durchaus größer ausfallen. Insbesondere weil Ebukam in vier Jahren NFL noch keine Partie verpasst hat.

In der vergangenen Saison war Kerry Hyder der effektivste Pass Rusher der 49ers. Unter Defensive Line Coach Kris Kocurek konnte er an die gemeinsamen Tage bei den Detroit Lions anknüpfen und 55 Total Pressures inklusive neun Sacks einsammeln. In der Free Agency schloss sich Hyder dem Divisionsrivalen Seattle Seahawks an. Aber Kris Kocurek angelte sich mit Arden Key sein nächstes Projekt. Der ehemalige Pass Rusher der LSU Tigers wurde von den Raiders nach drei Spielzeiten entlassen. Kris Kocurek konnte bisher immer die Produktion von Pass Rushern maximieren. Key hinkt als ehemaliger Drittrundenpick mit drei Sacks und insgesamt 68 Total Pressures den Erwartungen, die man in das große Talent gesetzt hatte, hinterher.

Tiefe Rotation in der Defensive Line

Von Javon Kinlaw, den die 49ers 2020 in der ersten Runde gedraftet haben, erwartet man in seiner zweiten Saison eine Weiterentwicklung. Seine Rookie Spielzeit war mit 19 Total Pressures (inklusive zweier Sacks) und einer zum Touchdown returnierten Interception gegen die Rams solide. Ihm fehlte wie Armstead Unterstützung und sah sich vielen Double Teams gegenüber. An seiner Seite in der Interior Defensive Line wird D.J. Jones (gerade als Nose Tackle) zu sehen sein. Jones hat sich in jeder seiner vier Spielzeiten bei den 49ers weiterentwickelt. Aber in der Interior Defensive Line besteht großer Konkurrenzkampf. Denn neben Kinlaw und Jones drängen auch Zach Kerr (kam von den Carolina Panthers), Kentavius Street, der ehemalige Undrafted Rookie Free Agent Kevin Givens als auch Maurice Hurst (der wie Key vor der Saison von den Raiders entlassen wurde) auf Spielzeit.

Kris Kocurek wird alle diese Spieler in seiner Wide-9 Aufstellung benötigen und die tiefe Rotation (nach sechs Spielen Sperre können die 49ers auch noch Speed Rusher Jordan Willis, der sich in der Offseason deutlich verbessert präsentierte zum Team zurückbringen) wird einer der Stärken dieser Defense sein. Im Defensive Line Ranking von Pro Football Focus belegen die Niners den neunten Platz. Sollten Bosa und Ford von ihren Verletzungen genesen sein und auch Armstead, Kinlaw und Hurst durch die Interior Defensive Line Jagd auf den Quarterback machen können, haben die 49ers hier eine der besten Units in der NFL versammelt.    

Linebacker

Das Linebacker Corps wird angeführt von All-Pro Fred Warner, der sich in den letzten drei Spielzeiten einem der besten und vielseitigsten Linebacker in der gesamten Liga entwickelt hat. Der Mike Linebacker hat nun in der dritten Spielzeit in Serie mehr als 118 Combined Tackle erzielt. In der Saison 2020 sammelte Warner 125 Combined Tackles (79 Solo, 46 Assisted) und fünf Tackles für Raumverlust. Damit liegt er ligaweit auf dem zehnten Rang. Dazu fing er zwei Interceptions und wehrte sechs Pässe ab. Ihm gelangen zwei Fumble Recoveries und ein Forced Fumble. Auch als Pass Rusher war Warner erfolgreich. Neben 1,0 Sacks produzierte er sieben Quarterback Hits.

Pro Football Focus gab Warner ein Coverage Grade über die Saison 2020 von 91,1 und ein Defensive Overall Grade von 88,6. Fred Warner ist nach Abschluss der Regular Season der am besten gegradete Off-Ball Linebacker bei Pro Football Focus. Auf die Saison gesehen wird Warner mit einem Overall Defensive Grade von 88,6 bewertet. Damit liegt er vor Bobby Wagner (Seattle Seahawks, 83,2), Eric Kendricks (Minnesota Vikings, 82,6) sowie Lavonte David (Tampa Bay Buccaneers, 81,6).

Fünf-Jahres-Vertrag für All-Pro Fred

Durch die Vertragsverlängerung wird Fred Warner bei den San Francisco 49ers bis einschließlich der Saison 2026 unter Vertrag stehen. Der Anschlussvertrag zu seinem Rookie Contract hat für den Linebacker einen maximalen Wert von $ 95.000.000 und enthält Garantien in Höhe von $ 40.500.000. Dadurch überholt Fred Warner nun Bobby Wagner von den Seattle Seahawks, der bisher der bestzahlte Linebacker in Sachen durchschnittliches Jahresgehalt war. Warner übernahm die Spitze kurzzeitig mit $ 19.000.000 pro Jahr. Die Indianapolis Colts übertrafen mit dem neuen Vertrag für Darius Leonard die zwischenzeitliche Bestmarke von Warner um weitere $ 700.000 pro Jahr.

An der Seite von Fred Warner steht mit Dre Greenlaw ein Fünftrundenpick der Arkansas Razorbacks aus dem Draft von 2019. Greenlaw ist ebenfalls stark in Coverage und ergänzt sich sehr gut mit Fred Warner. Dazu stehen mit Azeez Al-Shaair und Demetrius Flannigan-Fowles zwei junge Spieler als Backups auf dem 53er Roster. Komplettiert wird das Linebacker Corps der 49ers von Marcell Harris. Man konvertierte den Safety in der Offseason zum Linebacker um seine Stärken in der Box zu maximieren und seine Schwächen in der Deep Coverage zu kaschieren.  

Secondary

In der Defense der 49ers ist die Secondary die Unit mit den meisten Fragezeichen. Durch eine starke Offseason konnte das Team zwar bis auf Richard Sherman alle seine Starter aus dem Vorjahr zurückbringen, aber können die Spieler an ihre Leistungen anknüpfen und auch gesund bleiben.

Cornerbacks

Jason Verrett war sicherlich eine der Überraschungen der vergangenen Spielzeit. Verrett übertraf bei seiner Rückkehr nach einer Reihe von Verletzungen in der letzten Saison alle Erwartungen. Der Erstrundenpick der Chargers aus dem Jahr 2014 sah in seinem zweiten Jahr in der NFL wie ein aufstrebender Star aus. Pro Football Focus bewertete ihn mit einem Coverage Grade von 90,9. Aber in den folgenden vier Spielzeiten kam er insgesamt nur für etwas mehr als 300 Snaps aufs Feld. Jason Verrett kämpfte sich zurück und eroberte 2020 einen Starter Posten bei den 49ers. Er stand 803 Defensiv Snaps auf dem Feld und bekam ein Top-20 PFF-Grade unter den qualifizierten Cornerbacks. Er ließ in der letzten Saison nur einen Touchdown und lediglich 8,9 Yards pro Reception zu. Damit erzielten die Quarterbacks gegen ihn lediglich ein Passer Rating von 76,3.  Die Gesundheit bleibt die größte Sorge für Verrett in der nächsten Saison.

Der zweite Outside Cornerback sollte Emmanuel Moseley sein. Zu Beginn der Saison 2020 hatte sich Moseley als Nummer 2 Cornerback gegenüber von Richard Sherman festgespielt. Nach der Verletzung von Richard Sherman bildete er mit Jason Verrett das Cornerback Duo. Der Cornerback kam in der Saison 2020 auf zwölf Einsätze mit acht Starts. Dabei sammelte er in 499 Total Snaps 47 Combined Tackle (34 Solo, 13 Assisted). Bei 55 Targets ließ er 33 Receptions für 410 Yards ab. Gegen ihn verzeichneten die gegnerischen Teams ein Passer Rating von 99,8 und erzielten vier Touchdowns. Er wehrte neun Pässe ab und schaffte eine Interception. Insgesamt kommt er in 29 Partien (17 Starts) auf 98 Combined Tackle (77 Solo, 21 Assisted) und zwei Tackle for Loss und einen QB Hit. Dazu kommen 17 abgewehrte Pässe sowie zwei Interceptions.

Kommen die 49ers mit Verrett, Moseley und Williams durch die Saison?

K’Waun Williams hatte in der 2020 ein Seuchenjahr erwischt. Der Nickelback wollte seine starken Leistungen aus der Saison 2019 wiederholen und sich für einen großen Vertrag empfehlen. Williams wurde nach der Spielzeit 2020 zum Unrestricted Free Agent. Aber er hatte das Glück nicht auf seiner Seite. Im Training Camp musste er schon mehrere Wochen verletzungsbedingt aussetzen und auch in der Saison musste er zwei Mal aussetzen. Williams landete mit einer Knieverletzung (MCL Sprain) einmal auf der Short-term Injured Reserve List. Dadurch verpasste er die Begegnungen gegen die Miami Dolphins, Los Angeles Rams und Seattle Seahawks.  Gegen die Green Bay Packers zog er sich einen High-Ankle Sprain zu. Daraufhin verpasste er auch die Begegnungen gegen die New Orleans Saints, Los Angeles Rams, Buffalo Bills und das Washington Football Team. Dazu verpasste er das Saisonfinale gegen die Seattle Seahawks.

Mit Verrett, Moseley und Williams (den Robert Saleh auch gerne als Blitzer einsetzte) haben die 49ers eine gute Starting Secondary – sofern keiner der drei Starter längerfristig ausfällt. Dahinter stehen in der Depth Chart mit Ambry Thomas (Michigan) und Deommodore Lenoir (Oregon) zwei Rookies. Um für ein wenig Tiefe und Leadership zu sorgen verpflichtete man in der Woche vor dem Saisonstart mit Josh Norman einen Veteran. In seiner ersten sieben Spielzeiten (2012 bis 2015 bei den Carolina Panthers und anschließend von 2016 bis 2019 in Washington) war Norman ein sehr starker Cornerback, aber in den letzten beiden Spielzeiten brachen seine Leistungen ein. In der letzten Saison bei den Buffalo Bulls kam er nur noch in 446 Snaps zum Einsatz. Es bleibt hier abzuwarten, welchen Einfluss er auf die jungen Cornerbacks Moseley, Thomas und Lenoir haben wird. 

Safeties

Das eingespielte Safety Duo Jimmie Ward und Jaquiski Tartt bildete bereits in den letzten Jahren das Rückgrat des Defensive Backfields der 49ers. Insbesondere Jimmie Ward fliegt bei der Nennung der besten Safeties in der NFL immer wieder unter dem Radar. Ward hatte zu Beginn seiner NFL-Karriere Probleme, obwohl er mit dem Prestige eines Erstrundenpicks in die Liga kam. Jimmie Ward wurde aufgrund seiner Vielseitigkeit während seiner Karriere nicht nur als Safety, sondern auch als Nickelback und auch als Outside Cornerback eingesetzt. Ward hat eine Saison hinter sich, in der er in allen Bereichen des Spiels überdurchschnittliche PFF-Noten erhielt. Seine größte Schwäche war der Mangel an Turnovern mit nur zwei Picks und 25 Pass Breakups in sieben Jahren in der NFL.

Der Free Safety ist kein Ballhawk, aber Ward steht oftmals einfach richtig und macht als Single High Safety oftmals die Route dicht, so dass Quarterbacks nicht häufig in seine Richtung werden. In der vergangenen Spielzeit bekam Ward nur 45 Targets und gab dabei nur einen Touchdown und 9,8 Yards pro Reception ab. In der letzten Saison wurde Ward auch gern als Mann für die schwierigen Aufgaben eingesetzt. Für Ward macht es kaum einen Unterschied, ob in der Coverage gegen einen Tight End, Running Back oder auch Receiver antreten muss. Dazu ist Ward einer der Leader im Locker Room. Seinem Ansehen in der Liga würde die ein oder andere Interception nicht schaden.

Ward und Tartt sind ein eingespieltes Duo

Rechtzeitig zum Saisonstart scheint sich Jaquiski Tartt von seiner Zehenverletzung, die seine letzte Saison beendete, erholt zu haben. Im letzten Preseason Spiel gegen die Las Vegas Raiders präsentierte er sich gut aufgelegt und eroberte einen Roster Spot auf dem 53er Roster. Die Saison 2020 stand für Strong Safety Jaquiski Tartt unter keinem guten Stern. Aufgrund einer Leistenverletzung verpasste der Strong Safety die Partien bei den New England Patriots und den Seattle Seahawks. Dazu verließ er gegen die Los Angeles Rams und die Packers vorzeitig das Spielfeld. Tartt kam nur in sieben Einsätzen auf 30 Combined Tackles (20 Solo, 10 Assisted) und einen Tackle for Loss. Der Safety wehrte vier Pässe ab und fing eine Interception. Sein Gesundheitszustand ist während seiner gesamten Karriere das große Fragezeichen. 

Schaut man dagegen auf die Saison 2019 sieht man zwei Dinge: Die Bedeutung von Tartt für die Secondary und die Flexibilität von Tartt und Ward. In den ersten 13 Spielen lagen die 49ers mit einer zugelassenen Success Rate im Passing Game gegen sich von 35% auf dem zweiten Platz. Dann verloren die Niners Tartt mit einer Verletzung und als Folge davon sank die Dominanz der Niners Secondary deutlich. Zwischen den Weeks 14 bis 17 ließ man in Sachen Success Rate Passing 50% zu und rutschte vom ersten auf den 25. Platz.

Moore verletzt – Hufanga und Wilson als Backups

Dazu sind beide Safeties sehr vielseitig und können auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden. Jimmie Ward spielte 42% der Defensiven Snaps an der Seite von Tartt im Slot bzw. in der Box und 41% als tiefer Safety. Tartt agierte in 37% der Snaps an der Seite von Ward als tiefer Safety und in 46% im Slot bzw. der Box. Die beiden sind je nach Matchup flexibel austauschbar und auch nicht vorhersehbar für die gegnerische Offense.

In der Saison 2020 spielte Ward oft mit Tarvarius Moore (Achillessehnenriss in den OTAs) gemeinsam als zwei tiefe Safeties in einem Cover-4. Es bleibt abzuwarten, ob auch unter dem neuen Defensive Coordinator DeMeco Ryans nun auch Ward und Tartt in diesem System eingesetzt werden. Als Backups von Ward und Tartt haben es Rookie Talanoa Hufanga (USC) und Veteran Tavon Wilson aufs Roster geschafft. Beide setzten sich gegen Ha Ha Clinton-Dix durch, der als Free Agent im Falle einer Verletzung zum Team zurückkehren könnte.

Coaching

Im Gegensatz zur offensiven Seide des Balls könnte sich nach der Ära Saleh unter DeMeco Ryans einiges ändern. Könnte. Der First Time Playcaller wird sicher vieles aus dem funktionierenden Scheme von Saleh übernehmen und nur an der ein oder anderen Stellschraube Veränderungen vornehmen. Einige Spieler und auch Ryans selbst äußerte sich während des Camps dahingehend, dass man aggressiver als unter Saleh spielen möchte. In die Karten schauen ließ sich der ehemalige Linebacker allerdings nicht.

Insgesamt bringen die 49ers neun neue Gesichter in den Coaching Staff. Der junge Defensive Coordinator DeMeco Ryans bekommt mit James Bettcher und Cory Undlin zwei Coaches an die Seite, die bereits in der NFL als Defensive Coordinator (Bettcher bei den Cardinals und Giants und Undlin bei den Lions) gearbeitet haben. Spannend wird zu beobachten sein, in wieweit sich die Spielphilosophien von Bettcher (kommt aus einer 3-4 Base Defense) und Undlin (arbeitete zuletzt unter Matt Patricia mit einer Patriots Defense Variation) im 49ers 4-3 Base Scheme wiederfinden werden. Die weiteren neuen Gesichter sind aufstrebende junge Coaches, zum Teil ehemalige Spieler wie Darryl Tapp und Leonard Hankerson, die mit hervorragenden „Zeugnissen“ zu den 49ers kommen.

Veränderungen im Coaching Staff der 49ers

CoachPosition bei den 49ersLetzte PositionErsetzt
Butch BarryAssistant Offensive Line CoachSenior Analyst (Green Bay Packers)Chris Foerster (Offensive Line Coach, 49ers)
James BettcherSenior Defensive Assistant / Run Game SpecialistDefensive Coordinator (New York Giants (2018-19)Johnny Holland (Linebackers Coach, 49ers)
Chris Foerster*Offensive Line CoachAssistant Offensive Line Coach (49ers)John Benton (Offensive Line Coach, New York Jets)
Leonard HankersonOffensive Quality Control CoachWide Receivers Coach (Stephen F. Austin State University, 2019-20)
Matthew HarperAssistant Special Teams CoachAssistant Wide Receivers Coach (Philadelphia Eagles, 2019-20)Stan Kwan (nicht verlängert), Michael Clay (Special Teams Coordinator, Philadelphia Eagles)
Andrew Hayes-StokeDefensive Quality Control CoachWide Receivers Coach (University of Illinois, 2016-20)
Johnny Holland*Linebackers CoachInside Linebackers Coach/Run Game Specialist (49ers)DeMeco Ryans (Defensive Coordinator, 49ers)
Klay KubiakDefensive Quality Control CoachHead Coach (Strake Jesuit College Preparatory, 2018-20)
August ManginSpecial Teams Quality Control CoachDefensive Analyst (Louisiana State University, 2019-20)
Mike McDaniel*Offensive CoordinatorRun Game Coordinator (49ers)Mike LaFleur (Offensive Coordinator, New York Jets)
DeMeco Ryans*Defensive CoordinatorLinebackers Coach (49ers)Robert Saleh (Head Coach, New York Jets)
Rich ScangarelloQuarterbacks CoachOffensive Assistant, Philadelphia Eagles, 2020), Offensive Coordinator (Denver Broncos, 2019)Shane Day (Quarterbacks Coach, Los Angeles Chargers)
Bobby Slowik*Offensive Passing Game SpecialistOffensive Assistant (49ers)Mike Rutenberg (Linebackers Coach, New York Jets)
Darryl TappAssistant Defensive Line CoachCo Defensive Line Coach (Virginia Tech University)Aaron Whitecotton (Defensive Line Coach, New York Jets)
Cory UndlinDefensive Pass Game Specialist / Secondary CoachDefensive Coordinator (Detroit Lions, 2020)Tony Oden (Senior Defensive Assistant / Cornerbacks Coach, New York Jets

* Chris Foerster, Johnny Holland, Mike McDaniel, DeMeco Ryans und Bobby Slowik gehörten bereits dem Coaching Staff der 49ers an und wurden intern befördert.

Schematisch werden die 49ers ähnlich auftreten wie unter Robert Saleh. Nach den Verletzungen von Bosa, Thomas und Sherman steigerte Saleh das Blitzing um Druck ausüben zu können. Am Ende der Saison blitzte man in 35,6% aller defensive Snaps und lag damit auf dem zehnten Rang in der NFL. Dazu war man sehr gut aufgestellt in Man Coverage. Kein anderes Team in der NFL hatte einen größeren Dropoff von Man zu Zone Coverage als die 49ers. Die am häufigsten verwendeten Coverages waren Cover-3 mit drei tiefen Zonen und vier Underneath Defendern, Cover-4 mit vier tiefen Zonen und drei Underneath Verteidigern und schließlich Cover-1 (Man Coverage mit einem Single High Safety).  

Special Teams

Die Special Teams der 49ers landeten bei die Football Outsiders auf dem 23. Platz in Special Teams DVOA. Noch weiter hinten, genauer gesagt auf dem 27. Platz, landeten die 49ers in Rick Gosselin’s Special Teams Ranking.

Lichtblicke waren Kicker Robbie Gould, der zwar in Week 16 zwei Field Goals verschoss, aber ansonsten über die Saison gesehen 19 von 21 Versuchen traf. Punter Mitch Wishnowsky belegte mit durchschnittlich 46,9 Yards pro Punt den achten Platz ligaweit. Er platzierte 25 Punts innerhalb der 20 Yard Line und nur sechs Punts landeten in der Endzone für einen Touchback. Bei den Kickoffs schaffte er durchschnittlich 63,1 Yards (Rang 13). Mit Taybor Pepper ersetzten die Niners ihren langjährigen Long Snapper Kyle Nelsen nach einem Spiel voller Fehler. Dies war ein guter Griff, denn die schwankenden Leistungen bei den Long Snaps gehörten schnell der Vergangenheit an.  

Ansonsten funktionierte aber beinahe nichts in den Special Teams. Den guten Punting Average machten die andauernden Umstellungen in den Special Teams zwar nicht zu Nichte, aber man vergab deutlich bessere Ausgangspositionen. Ähnlich sieht es bei den Kickoff Returns aus. 42 Touchbacks ließen den Gegner an der eigenen 25 Yard Linie starten, aber bei 23 Returns ließen die 49ers 583 Return Yards (25,3 pro Return) zu. Bei der Auswahl der Neuverpflichtungen (zum Beispiel Trent Sherfield, Talanoa Hufanga) achteten die Niners auch auf die Special Teams Fähigkeiten.

Schwachstelle Return Game

Das größte Problem war aber das eigene Return Game. Man setzte 14 verschiedene Spieler als Returner ein und keiner war produktiv. In Punt Return Yards führte Trent Taylor mit 112 Yards das Team an. Als Punt Returner versuchten sich aber auch Richie James, River Cracraft, Dante Pettis, Brandon Aiyuk und Ken Webster. Jerick McKinnon machte mit 239 Yards bei meisten im Team bei den Kickoff Returns. Dazu leistete sich die 49ers gleich vier Giveaways (zweimal James, Taylor und Pettis) und führten damit die Liga an.

Wer wird der Returner bei den 49ers? Richie James ist auf der Injured Reserve List des Teams und kann ohne ein Injury Settlement in der Saison 2021 nicht spielen. Brandon Aiyuk führte das Team mit durchschnittlich 13 Yards (mit einer sehr kleinen Sample Size von zwei Returns) an und war am College mit 19,2 Yards pro Return am Sierra College bzw. 11,2 Yards pro Return bei Arizona State ein ausgezeichneter Returner. Aber er dürfte bei den 49ers der Nummer 1 Wide Receiver sein und es ist fraglich, ob Shanahan ihn bei den Special Teams einsetzen möchte.

Benjamin oder Mitchell als Returner?

Aussichtsreiche Kandidaten sind Veteran Travis Benjamin (10,9 Yards pro Return über seine Karriere) und Runningback Elijah Mitchell. Der Rookie hat dies zwar während seiner College Zeit nicht gemacht, aber in der Preseason gegen die Raiders zeigte er enormes Potential aufgrund seiner Vision und seiner Schnelligkeit. Eine weitere Option ist Cornerback Ambry Thomas, der bei den Michigan Wolverines als Kick Returner (20,7 Yards pro Return) recht erfolgreich war. Aber er hat noch nicht einen Punt returniert.

Die 49ers warten seit dem Debüt von Jim Harbaugh als Head Coach bei den 49ers auf einen Punt Return Touchdown. Ted Ginn Jr. schaffte das letzte Kunststück gegen die Seattle Seahawks an Week 1 der Saison 2011.   

Ausblick

Es gibt zahlreiche Gründe, die für ein Comeback der 49ers in 2021 sprechen. Zahlreiche Spieler kehren von Verletzungen zurück und das Front Office hat in der Offseason einen hervorragenden Job in der Zusammenstellung des Kaders gemacht. Man konnte seine eigenen Top Free Agents (Trent Williams, Kyle Juszczyk, Jason Verrett, Emmanuel Moseley, K’Waun Williams, Jaquiski Tartt) halten und sich mit Spieler wie Samson Ebukam, Maurice Hurst, Arden Key, Trent Sherfield und Alex Mack sinnvoll verstärken. Dazu schaute man im Draft mehr auf die Einsatzfähigkeit und Verletzungshistorie der Spieler (Negativbeispiele in den letzten Jahren Jalen Hurd und Kentavius Street) als in den vergangenen Jahren.   

In der Saison 2020 setzte man 84 Spieler ein und man war das NFL-Team mit den meisten Verletzungen. Sollte sich das Pendel des Verletzungspechs bzw. Glücks in Richtung des Ligadurchschnitts verschieben, würden die 49ers stark davon profitieren. Mit Spielern auf dem Feld wie Bosa und Ford in der Defense als auch Garoppolo und Kittle in der Offense stellt man schon ein ganz anderes Team auf die Beine als 2020. Bleibt Garoppolo gesund (oder Shanahan kann ein starkes Duo aus Garoppolo und Lance formen bzw. Lance ist bereits im ersten Jahr bereit zu starten) und man kann eine sehr starke Offense ins Rennen schicken, kann man eines der besten Teams in der NFC werden.

Leichterer Schedule, weniger Turnover…

Dazu hatten die 49ers im letzten Jahr den dritthärtesten Schedule aller Teams zu bestreiten. In diesem Jahr rückt man deutlich mehr in Richtung des Ligadurchschnitts, auch wenn man im ersten Jahr mit 17 Spielen in der Regular Season neunmal auf den Plätzen des Gegners antreten muss. Ein weiterer Faktor sind die Turnover. Nach EPA bei Turnovern lagen die 49ers auf dem 30. Rang ligaweit. Mit ein wenig mehr Glück bei getippten Pässen oder Fumble Recoveries bewegt man sich bei den Turnover schnell in die andere Richtung. Insbesondere wenn man auf die Ball Protection mehr Wert legt als dies zum Beispiel Nick Mullens 2020 getan hat.

Nimmt man all diese Zutaten zusammen, haben die 49ers alles um in der NFC West und der NFC für Furore sorgen zu können. Ob es dann allerdings für den Sprung vom letzten Platz in der NFC West auf den ersten Rang reichen kann, hängt in erster Linie vom zur Verfügung stehenden Spielermaterial ab. Bleiben die Key Player wie Kittle, Garoppolo und Warner sowie Bosa gesund, kann man um die Verteilung der Playoff Spots sicher ein gehöriges Wörtchen mitreden.

Auf der anderen Seite sollte man die Fragezeichen im Receiver Corps oder gerade in Secondary nicht ignorieren. Fallen den 49ers Verrett, Moseley oder Williams länger aus, wird sich schnell zeigen, ob die Rookies die Lücken füllen können. Viel wird vom Saisonstart abhängen. Möchten die 49ers bei der Vergabe der NFC West Krone ein Contender sein, muss man mit Siegen in Detroit und Philadelphia starten. Dann kommen in Week 3 die Green Bay Packers zum Home Opener ins Levi’s Stadium.  

1 KOMMENTAR

  1. Frank Höhle macht einem einfach den Football schmackhaft und das nicht nur mit unseren 49ers.
    Einfach immer schön zu lesen seine Artikel, egal ob hier oder auf unserer Homepage, Facebookseite oder sonst wo !

    49ersGermany

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen