Cowboys 2021: Return of the Dak

Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Die Dallas Cowboys sind America‘s Team, und sie gehen mit hohen Erwartungen in das neue Jahr. Dak Prescott scheint gesund und entschlossen zu sein, dass dieses Jahr etwas Besonderes sein wird. Wir werden es sehen.

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Quarterback

Die Cowboys gingen mit hohen Erwartungen in die Saison 2020. War der Start mit 1-3 nicht schon enttäuschend genug, erlitt Dak Prescott in Woche 5 gegen die Giants eine Fraktur des Sprunggelenks. Damit war die Saison für den Quarterback vorzeitig beendet. Andy Dalton übernahm und konnte das Spiel gegen die Giants gewinnen. Zwei Spiele später verletzte sich auch Dalton. Die Backups Ben DiNucci und Garret Gilbert betraten die Bühne. Nicht überraschend wurden die nächsten beiden Spiele unter den Backup-Backup-Quarterbacks verloren. Danach konnte Andy Dalton zurückkehren und plötzlich ging ein Ruck durch das Team und die Cowboys konnten vier ihrer letzten sieben Spiele gewinnen. Sie beendeten die Saison mit einer Bilanz von 6-10 und hatten damit sogar noch die Chance, ihre Division zu gewinnen. Doch in Woche 17 wurde das entscheidende Spiel gegen die Giants verloren.

Aber was änderte sich bei den Cowboys mit Daltons Rückkehr? Ganz einfach – die Turnover. In den ersten vier Spielen der Saison lagen die Cowboys in Sachen First-Down-Quote auf Platz 11 der Liga. Dennoch starteten sie mit einer Bilanz von 1-3. Das lag vor allem an einer Turnover-Rate von -7. Diese steigerte sich in den letzten neun Spielen deutlich auf +10, was nach Andy Daltons Rückkehr für die Siege sorgte.

Vor seiner Verletzung spielte Dak Prescott, trotz der Bilanz, den besten Football seiner Karriere. Prescott brachte 68,0% seiner Pässe an, im Schnitt für 8,36 Yards pro Versuch. Dabei sprangen 9 Touchdowns bei 4 Interceptions heraus.

Um Dak Prescott zu halten, mussten die Cowboys tief in die Tasche greifen. Schließlich einigte man sich auf einen Vierjahresvertrag für 160 Millionen US-Dollar. Die Geschichte legt nahe, dass es für Teams sehr schwer ist, den Super Bowl zu gewinnen, wenn ein Quarterback einen erheblichen Teil des Cap Space verschlingt. Außer es handelt sich um Quarterbacks mit Hall of Fame Attitüde.

Es ist gut möglich, dass die Zahlen vor Prescotts Verletzung sein neuer Standard werden und er sich zu diesem konstanten Elite-Quarterback entwickelt, der den Cowboys am Ende dann auch Titel bringt.

Ein erneuter Ausfall von Dak Prescott könnte in dieser Saison allerdings verehrende Folgen haben. Mit Will Grier und  Cooper Rush stehen zwei Backups im Kader, die es insgesamt gerade einmal auf 55 Passversuche in der NFL gebracht haben.

Offensive Line

Nicht nur Dak Prescott verpasste in der Offense viel Spielzeit. Auch die Offensive Line der Cowboys war stark betroffen. Vor allem das häufig Ausfallen ihrer besten Offensive Linemens. In der Saison 2019 belegte Right Tackle La’El Collins Platz 4 unter den Offensive Tackles auf PFF, Right Guard Zack Martin Platz 3 unter den Guards und Left Tackle Tyron Smith Platz 15 unter den Offensive Tackles. Im Jahr 2020 verpasste Collins die gesamte Saison, Martin kam in zehn Spielen nur auf 618 Snaps und Smith in zwei Spielen nur auf 154 Snaps. Da alle drei für 2021 zurückkehren werden, könnte dies der Grundstein für eine bessere Offense sein. Letzte Saison stellte die Offensive Line eine offensichtliche Schwäche dar und rangierte bei PFF auf Platz 26 im Pass Blocking Grade und auf Platz 29 im Run Blocking Grade.

So dominant alle drei Spieler auch waren, Zack Martin hat die beeindruckendste Karriere von allen. Seine gesamte Karriere betrachtet ist er wahrscheinlich der beste Interior Offensive Lineman der Liga. Martin war in allen seiner 7 Spielzeiten unter den Top 5 der Guards, davon fünf Mal in Folge unter den Top 3. Alter und Verletzungen werden für ihn allerdings immer mehr zum Problem. Hatte Martin in seinen ersten vier Spielzeiten noch alle 64 Spiele bestritten, verpasste er in den letzten drei Saisons zusammen insgesamt acht Spiele. Trotzdem belegte er im verletzungsgeplagten letzten Jahr den zweiten Platz unter den Guards. Solange Zack Martin auf dem Spielfeld steht, sollte er einer der wenigen Top-Spieler auf seiner Position bleiben.

Letzte Saison musste Martin kurzzeitig als Right Tackle aushelfen. Auch auf dieser Position trat er fast so dominant auf wie auf seiner Stammposition. Da aber La’el Collins zurückkehren wird, sollte es für Martin keinen Grund geben, weiter als Right Tackle zu spielen. Es sei denn, Collins verletzt sich wieder. Mit 28 Jahre ist Collins im besten Footballalter, so dass er gute Chancen haben sollte, eine weitere schwere Verletzung zu vermeiden. Collins wird vielleicht nicht so gut sein wie 2019. Nach seiner schweren Verletzung ist es fraglich, ob er das beste Jahr seiner Karriere wiederholen kann. 2017 und 2018 belegte er bei PFF Platz 53 beziehungsweise 31 unter den Offensive Tackles. In seiner dominanten Saison 2019 war er auf Platz 4 zu finden. Trotzdem sollte er zumindest ein überdurchschnittlicher Starter bleiben. 

Tyron Smith ist wahrscheinlich derjenige, um den man sich am meisten Sorgen machen muss. Er ist genauso alt wie Martin, hat aber eine viel längere Verletzungshistorie. Smith hat in seiner Karriere vier Top-7-Platzierungen und acht Top-16-Platzierungen als Offensive Tackle auf PFF in erreicht. Selbst wenn er nach seiner Verletzung nicht mehr ganz zu alter Stärke zurückfinden sollte, wäre er wahrscheinlich immer noch ein überdurchschnittlicher Left Tackle.

Es sind aber nicht nur diese drei Spieler, über die sich die Cowboys freuen können. Denn auch die junge Garde konnte in der Saison 2020 zeigen, was in ihnen steckt. Einer dieser Spieler ist der linke Guard Connor Williams. Nach mittelmäßigen Noten in seinen ersten beiden Spielzeiten in der Liga (21 Starts), beendete er die letzte Saison auf Platz 14 unter den Guards bei PFF.

Connor McGovern machte in der letzten Saison ebenfalls einen Schritt nach vorne. Er verpasste sein gesamtes Rookie-Jahr wegen einer Verletzung, erhielt aber bei 8 Starts im Jahr 2020 mittelmäßige Noten von PFF. Diese Starts erfolgten auf der Right Guard Position, die normalerweise von Zack Martin besetzt wird. McGovern könnte aber eine Option sein, um nach innen in die Mitte zu wechseln, wo sein einziger Konkurrent Tyler Biadisz wäre. McGovern scheint die bessere Option zu sein. Aber auch Biadisz könnte in seiner zweiten Saison einen Schritt nach vorne machen. Der Verlierer dieses Wettstreits würde auf jeden Fall für mehr Tiefe im Interior sorgen.

Receiver Korps

Während die Cowboys-Quarterbacks nicht viel Hilfe von ihrer Offensive Line bekamen, hatten sie zumindest eine talentierte Gruppe von Skill-Position-Spielern. Darunter eines der besten Wide Receiver-Trios der Liga. Waren es 2019 noch eines der besten Wide-Receiver-Duos der Liga. Amari Cooper und Michael Gallup waren eines von drei Wide-Receiver-Paaren, die in dieser Saison beide über 1.100 Receiving Yards erzielten. Dann kam CeeDee Lamb im Draft dazu und aus dem Duo wurde ein Trio. Trotz der Quarterback-Probleme erzielten alle drei im Jahr 2020 beeindruckende Receiving-Werte. Mit 92 Targets für 1114 Yards und 5 Touchdowns (Cooper), 59/843/5 (Gallup) beziehungsweise 74/935/5 (Lamb). Alle drei erhielten von PFF überdurchschnittliche Noten. Mit der Rückkehr von Prescott im Jahr 2021 haben die drei Wide Receiver gute Chancen, ihre Zahlen noch weiter zu steigern.

Es war nicht immer so, dass Prescott eine dominante Gruppe von Wide Receivern hatte. Diese wurde erst nach und nach aufgebaut. Michael Gallup war im Grunde der erste Neuzugang. Allerdings hatte Gallup erst in seiner zweiten Saison seinen Breakout. Mit Cooper als weiteren Neuzugang, mitten in der Saison 2018, wurde die Transformation des Wide Receiver Korps erst richtig eingeleitet.

Obwohl die Cowboys zu diesem Zeitpunkt zwar dringend Hilfe auf der Wide Receiver Position brauchten, war der Kauf von Cooper kein Volltreffer. Um Cooper zu bekommen, mussten die Cowboys einen Erstrundenpick investieren. Und das für einen Spieler, der in den letzten anderthalb Jahren in 23 Spielen nur 70 Pässe für 960 Yards und 8 Touchdowns gefangen hatte und nur noch anderthalb Jahre seines Rookie-Vertrags hatte. Allerdings war Cooper zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt und hatte 2015 und 2016 gute Werte aufgelegt (72/1070/6 und 83/1153/5). Die Cowboys konnten ihn außerdem mit einem Fünfjahresvertrag über 100 Millionen Dollar an sich binden.

Mit Gallup, der sich an seiner Seite entwickelt, und Lamb, der ebenfalls in den Mix aufgenommen wurde, ist diese Gruppe sehr schnell sehr gut geworden. Alle drei Spieler sind immer noch im besten Alter, wobei Cooper mit seinen 27 Jahren der älteste ist. Auch wenn sie in dieser Gruppe nicht viel Tiefe brauchen, haben die Cowboys mit Cedrick Wilson jemanden, der in seinen 306 Karriere-Snaps gute Ansätze gezeigt hat. Zusätzlich haben die Cowboys im diesjährigen Draft Simi Fehoko in der fünften Runde gepickt. 

Tight End Dalton Schultz hatte mit 63 Targets für 615 Yards und 4 Touchdowns ebenfalls eine anständige Slash-Line. Obwohl sein Schnitt von 1,11 Yards pro Route Run zu wünschen übrig ließ, war er ein fähiger Blocker und verdiente sich eine mittelmäßige Note von PFF. Ursprünglich sollte ein anderer junger Tight End in der letzten Saison den Durchbruch schaffen. Blake Jarwin erhielt seine erste Startchance in seiner Karriere. Doch leider riss sich Jarwin in der ersten Woche das Kreuzband, was Schultz den Weg in die Starterrolle ebnete. 

Jetzt, da Jarwin zurückkehren wird, ist unklar, wie die Cowboys die Arbeit aufteilen wollen. Ich erwarte, dass beide zum Einsatz kommen werden. Jarwin hat als Receiver ein größeres Potenzial als Schultz. Somit könnte sich seine Rückkehr als eine weitere Verstärkung für dieses Receiver-Korps erweisen, das zu den besten der Liga zu gehört.

Running Backs

Die Cowboys verfügen auch auf der Position des Running Backs über ordentlich Talent. Auch wenn man das anhand ihres Yards pro Carry-Schnitt von 4,16 in der letzten Saison nicht vermuten würde. Das war in erster Linie die Schuld der Offensive Line. Denn mit Ezekiel Elliott haben die Cowboys einen hochtalentierten Lead Back und mit Tony Pollard einen der besseren Backup-Running Backs der Liga. Das zeigt einmal mehr, dass es selbst für gute Running Backs schwer ist, etwas zu produzieren, wenn sie nicht geblockt werden können. Der Schlüssel zum Aufbau eines konstant guten Laufspiels liegt eher im Aufbau einer guten Offensive Line als in der Investition in Running Backs.

Die Cowboys haben beides getan. Die Leistung der Offensive Line im letzten Jahr war eher das Ergebnis von Verletzungen als von mangelnden Investitionen. Aber die Leistung von Elliott in der letzten Saison muss zumindest die Verlängerung des Vertrages über sechs Jahre und 90 Millionen US-Dollar in Frage stellen. Auch Elliott selbst hat relativ gut gespielt, aber er hat bewiesen, dass er mehr von seinem Blocking und den Talenten um ihn herum abhängig ist, als die meisten zuvor wahrhaben wollten. Er lief für 979 Yards, 4,01 Yards pro Carry und 6 Touchdowns, alles Karrieretiefstwerte. Außerdem erhielt er von PFF die schlechteste Rushing-Note seiner Karriere.

Ein großes Problem für Elliott in der letzten Saison war die Fumbles. Er führte die Liste der Running Backs mit 5 Fumbles in der Saison an. Eine absolute Ausnahme, denn 4 dieser Fumbles passierten in den ersten 5 Spielen der Saison. Elliott hatte zuvor in 66 Spielen seiner Karriere insgesamt nur 6 Fumbles. Die größere Sorge war sein Problem im Passspiel, da er im Schnitt nur 4,76 Yards pro Target und 0,87 Yards pro Route Run erzielte.

Tony Pollard war mit durchschnittlich 4,98 Yards pro Target und 1,07 Yards pro Route Run nicht viel besser. Aber er war als Runner sehr beeindruckend. Pollard hat bislang in seiner Karriere bei 187 Carries durchschnittlich 4,76 YPC erzielt, davon 4,02 YPC nach Kontakt und 46 Broken Tackles bei 187 Rushes. 

Ob Pollard diese Zahlen auch als Starter auflegen würde, ist fraglich. Trotzdem ist er einer der talentiertesten Backup Running Backs der Liga.

Edge Defender

Während die Offense der Cowboys ohne Dak Prescott und ihre verletzten Offensive Linemen nicht völlig einbrach, hatte ihre Defense während der gesamten Saison zu kämpfen.

Die Cowboys hoffen auch auf ein besseres Coaching, da der frühere Defensive Coordinator Mike Nolan und seine veralteten Schemes den meisten Spielern in dieser Defense ein schlechtes Jahr beschert haben. Nun ist der ehemalige Head Coach der Falcons, Dan Quinn, am Ruder. Quinn hat einige Jahre Erfahrung als Defensive Coordinator bei den Seahawks gesammelt. Bei den Cowboys verfügt er zwar nicht mehr über das gleiche Talent wie in Seattle und hat bei den Falcons größtenteils unterdurchschnittliche Defensivleistungen gezeigt. Trotzdem sollte es schwer für ihn sein, schlechter als Nolan zu werden.

Die Cowboys haben ihre defensiven Needs am Draft-Tag klar erkannt. Sie hatten fünf Picks an den ersten 2 Tagen und haben alle fünf für Defensivspieler verwendet. Dazu kam auch der erste Pick in Runde 4. Dagegen hatten die Cowboys nicht den finanziellen Spielraum, um in dieser Offseason erfahrene Spieler zu halten oder zu verpflichten. Tatsächlich sind nur zwei der neun besten Spieler in Bezug auf die gespielten Defensive Snaps noch im Kader. Dies könnte 2021 eine überarbeitete, verbesserte Gruppe sein, die nicht nur in Bezug auf das Personal mit den letzten Defenses vergleichbar sein wird.

Eine Konstante in dieser Defense ist Defensive End DeMarcus Lawrence – das dienstälteste Mitglied dieser Einheit. Für die Saison 2018 wurde er mit einem Franchise-Tag ausgestattet und dann vor zwei Offseason mit einem Fünfjahresvertrag über 105 Millionen Dollar gebunden. Es scheint, dass Lawrence’ Produktion seit der Vertragsverlängerung zurückgegangen ist. In den letzten beiden Spielzeiten erzielte nur 11,5. Verglichen mit 25 Sacks in den beiden Spielzeiten vor der Vertragsverlängerung, ist das ein deutlicher Schwund. Dafür sind seine peripheren Pass Rush-Zahlen sind nicht wesentlich gesunken. Von 15,1 % Pressure Rate in den Jahren 2017-2018 auf 12,3 % in den Jahren 2019-2020, trotz deutlich mehr Double Teams in den letzten beiden Spielzeiten.

Lawrence war in der vergangenen Saison mit Abstand der beeindruckendste Spieler in dieser Defense. Er beendete die Saison trotz der geringen Anzahl von Sacks als Fünfter unter den Edge Defenders. Damit landete er in seiner vierten Saison in Folge unter den Top-13 der Edge Defenders auf PFF. Zusätzlich hat in den letzten vier Spielzeiten alle 64 möglichen Spiele bestritten. Er ist ganz klar ein Lichtblick für diese Defense.

Der Rest dieser Edge Defender-Gruppe ist allerdings in viel schlechterer Verfassung. Aldon Smith war in der letzten Saison der Starter gegenüber von Lawrence. Er hat solide 809 Snaps gespielt, obwohl er aus Gründen außerhalb des Spielfeldes für etwa 5 Spielzeit nicht Teil der Liga war. Smith hatte allerdings einen weiteren Vorfall außerhalb des Spielfeldes während dieser Offseason und wurde nicht behalten. Stattdessen werden sich die Cowboys auf andere Spieler verlassen – Randy Gregory sowie auf Dorance Armstrong. Auch Rookie Chauncey Golston sollte in dieser dünnen Positionsgruppe eine bedeutende Rolle spielen.

Gregory hat das meiste Potenzial von allen, auch wenn er in der letzten Saison nur 270 Snaps gespielt hat. Er glänzte als situativer Pass Rusher mit 3,5 Sacks, 8 Hits und einer Pressure Rate von 13,7%. Allerdings hat er auch eine Menge Nachteile. Gregory wurde in seiner Karriere häufig suspendiert und hat aufgrund von Verletzungen und Suspendierungen nur 26 Spiele in seiner Karriere bestritten. Gregorys Pressure Rate von 12,2 % zeigt, dass er während seiner gesamten Karriere ein beständiger Pass Rusher war, nicht nur im Jahr 2020. Aber er hat sich nie gut gegen den Run behauptet und würde wahrscheinlich hauptsächlich auf situative Edge Rush-Arbeit beschränkt sein, selbst wenn er es schafft, die ganze Saison über auf dem Feld zu bleiben.

Armstrong war in der vergangenen Saison in seinen wenigen Einsätzen eher ein Spezialist für das Stoppen von Runs. Sonderlich gut behaupten konnte er sich in dieser Rolle allerdings nicht. Außerdem hat er noch nie mehr als 368 Snaps in einer Saison absolviert. Auch seine Karriere-Pressure Rate von 6,4 % lässt zu wünschen übrig. Armstrong hat in seinem vierten Jahr in der Liga vielleicht noch ungenutztes Potenzial, aber man erwartet von ihm, dass er in dieser Saison eine deutlich größere Rolle spielt als in der Vergangenheit. 

Interior Defender

So schlecht die Cowboys in der letzten Saison an der Außenlinie waren, umso schlechter waren sie in der Innenverteidigung. Im Laufe der Saison wechselten die Cowboys zwischen sieben verschiedenen Interior Defender. Aber irgendwie schaffte es keiner von ihnen, auch nur eine durchschnittliche Note von PFF zu erhalten. Die Cowboys haben diese Position in dieser Offseason überarbeitet und die meisten ihrer Veteranen entlassen. Geblieben sind:  Trysten Hill (212 Snaps),  Neville Gallimore (416 Snaps) und Justin Hamilton (236 Snaps). 

Hamilton ist inzwischen im Practice Squad gelandet. Hill laboriert noch an einem Kreuzbandriss und Gallimore ist auf der Injury Reserve und ist damit „Out for Season“.

Angesichts der Verletzungsprobleme von Hill und Gallimore sind die Veteranen Brent Urban und Carlos Watkins die erfahrensten der Interior Defender. Auch wenn keiner von ihnen eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen kann. Watkins seine ersten vier Spielzeiten bei den Texans, kam dort aber hauptsächlich als Backup (212 Snaps pro Spielzeit) zum Einsatz. Letzte Saison belegte Watkins, mit etwas mehr Spielzeit (542 Snaps), Platz 122 von 139 in Frage kommenden Interior Defender.

Urban war in der vergangenen Saison in kurzen Einsätzen für die Bears recht dominant gegen den Run, spielte aber insgesamt nur 370 Snaps. Er war während seiner gesamten Karriere ein durchweg solider Laufverteidiger. Allerdings hat er in den letzten drei Spielzeiten durchschnittlich nur 379 Snaps pro Saison absolviert. Urban hat nur eine Pressure Rate von 6,5 % in seiner Karriere.

Im diesjährigen Draft haben sich die Cowboys zudem die dringend benötigten Talente gesichert. DT Osa Odighizuwa von der UCLA und DT Quinton Bohanna von der University of Kentucky stoßen zu dieser dünnen Positionsgruppe. Auf die beiden wartet in ihrem Rookiejahr recht viel Spielzeit, bei der sie sich beweisen müssen. 

Linebacker

Vor ein paar Jahren schienen die Cowboys eines der besten Linebacker-Duos der Liga zu haben und eines, das lange zusammenbleiben würde. Leighton Vander Esch und Jaylon Smith beendeten die Saison 2018 auf Platz 5 beziehungsweise 6 der Off-Ball-Linebacker auf PFF. Vander Esch war mit einem Rookie-Vertrag langfristig an das Team gebunden, während Smith eine Verlängerung über 6 Jahre und 68,421 Millionen US-Dollar unterzeichnete.

Die Dinge haben sich jedoch schnell verschlechtert. Vander Esch hat in den letzten beiden Spielzeiten 13 von 32 möglichen Spielen verpasst und auch seine Spielstärke hat deutlich nachgelassen. Smith hingegen war gesund und hat kein Spiel verpasst, fiel aber 2019 auf Platz 19 der Off-Ball Linebacker und 2020 auf Platz 53. In dieser Offseason stand eine Entscheidung über Vander Eschs Option für das fünfte Jahr an. Die Cowboys entschieden sich, einen Erstrundenpick für einen Linebacker zu verwenden, nämlich Micah Parsons von Penn State. Anschließend lehnten sie Vander Eschs Option ab, so dass dies sehr wahrscheinlich seine letzte Saison in Dallas ist.

Smith hat in vier Spielzeiten kein Spiel verpasst und hat viel mehr Potenzial als Vander Esch. Solange Vander Esch nicht so etwas wie seine Form aus dem Rookie-Jahr zeigt, sollte Parsons als Rookie vor ihm spielen. Es ist auch möglich, dass er sogar vor Smith spielen könnte. Insgesamt haben alle drei Spieler ein hohes Potenzial. Dennoch gibt es bei allen gewisse Unsicherheiten. Selbst der Rookie Parsons könnte beispielsweise Probleme haben, sich an die NFL anzupassen.

Die Cowboys haben sich mit dem Draft von Jabril Cox von der LSU und der Verpflichtung des Veteranen Keanu Neal, der zumindest teilweise als Linebacker spielen soll, weiter verstärkt. Neal wurde 2016 von Dan Quinns Falcons in der ersten Runde gedraftet. Er schien auf dem besten Weg zu sein, sich zu einem der besseren Safeties der Liga zu entwickeln. In seinen ersten beiden Saisons erhielt er von PFF überdurchschnittlich gute Noten und zeichnete sich besonders durch seine Stärke gegen den Run aus. Doch dann brachten Verletzungen seine Karriere völlig zum Erliegen.

Ein Kreuzband und eine gerissene Achillessehne in zwei aufeinanderfolgenden Jahren beschränkten ihn auf insgesamt nur 4 Spiele in den Jahren 2018 und 2019. Bei seiner Rückkehr im Jahr 2020 war Neal nicht mehr derselbe Spieler. Er zeigte eine deutliche verringerte Athletik und erhielt nur eine mittelmäßige Note von PFF. Obwohl er derzeit in erster Linie als Linebacker aufgeführt wird, ist es unklar, wie seine Einsatzzeit in einem tiefen Linebacker-Korps aussehen wird.

Secondary 

Neal könnte möglicherweise mehr Einsatzzeit auf der Safety-Position finden. Schließlich ist diese nach wie vor ein Schwachstelle der Defense. Xavier Woods, der diese Gruppe mit 990 Snaps bei 15 Starts anführte und dafür eine mittelmäßige Note erhielt, verließ die Cowboys in dieser Off-Season als Free Agent. Um Woods zu ersetzen kam Neal zusammen mit seinem ehemaligen Falcons-Kollegen Damontae Kazee. Weiters wurden der Routinier Jayron Kearse und der Rookie Israel Mukuamu geholt. Sie werden zusammen mit Donovan Wilson, der in der letzten Saison mit 673 Snaps recht vielversprechend war, um die Rollen kämpfen.

Wilson scheint die beste Chance zu haben, sich eine Rolle in der Startelf zu sichern. Vor allem wenn man bedenkt, wie er die letzte Saison beendet hat, als er ab Woche 7 auf Platz 5 der PFF-Rangliste der Safeties stand. Allerdings hatte er zu Beginn der Saison so sehr zu kämpfen, dass er über die gesamte Saison gesehen nur auf Platz 19 unter den Safeties landete. Hinzu kommt, dass Wilson vor Woche 4 der letzten Saison nur 16 Karrieresnaps gespielt hatte. Er ist also noch sehr unerfahren. Es ist möglich, dass er dauerhaft die Kurve gekriegt hat und in Zukunft ein überdurchschnittlicher Safety bleiben wird.

Da Neal technisch gesehen bei den Linebackern gelistet ist, ist Kazee der Erfahrenste im Bunde. Als umgewandelter Cornerback, der den verletzten Keanu Neal im Jahr 2018 bei den Falcons ersetzte, führte er die Liga mit 7 Interceptions an. Allerdings war Kazee 2019 eher ein Hybrid-Cornerback/Safety und kam nicht annähernd an sein Spielniveau aus dem Vorjahr heran. Die Saison 2020 endete für Ihn dann bereits nach 241 Snaps mit einem Achillessehnenriss. Die Verletzung ist natürlich besorgniserregend, aber er hat in seiner Karriere bewiesen, dass er als Safety besser ist als als Cornerback. Wenn Kazee gesund ist und bleibt, sollte er ein überdurchschnittlicher Starter als Vollzeit-Safety sein.

Jayron Kearse ist seit fünf Spielzeiten in der Liga, war aber meist nur ein Backup und belegte in der letzten Saison mit 503 Snaps Platz 73 von 99 in Frage kommenden Safeties. Mukuamu wird wahrscheinlich zu unfertig sein, um als Rookie einen großen Beitrag leisten zu können. Solange Neal nicht zurück auf die Safety-Position wechselt, scheinen Wilson und Kazee die Favoriten für die Startposition zu sein, obwohl es möglich ist, dass die Cowboys im Laufe der Saison ein paar verschiedene Optionen durchspielen.

Die Cowboys haben seit Jahren Probleme mit den Cornerbacks. In der Saison 2019 hatten sie urplötzlich ein gutes Cornerback-Spiel, als Byron Jones, Chidobe Awuzie und Jourdan Lewis bei PFF mit 917 Snaps, 1020 Snaps und 590 Snaps auf Platz 17, 27 und 41 unter den Cornerbacks lagen. Jones verließ jedoch in der letzten Saison als Free Agent das Team. Awuzie und Lewis hatten im Schema von Mike Nolan zu kämpfen und landeten auf Platz 102 beziehungsweise 116 von 136 in Frage kommenden Cornerbacks.

Lewis hat nach dem Weggang von Nolan ein gewisses Comeback-Potenzial. Awuzie hat in dieser Offseason bei den Bengals unterschrieben. Lewis muss somit um seine Rolle in einer Gruppe konkurrieren, zu der auch Trevon Diggs, der erfahrene Cornerback Anthony Brown sowie ein Spieler der noch nie einen Defensive Snap in der NFL gespielt hat gehören: Rookie Nahshon Wright.

Diggs wurde letztes Jahr gedraftet, um Byron Jones zu ersetzen. Mit 758 Snaps in seinem Rookiejahr konnte er sich behaupten. Dies machte Diggs zum besten Cornerback der Cowboys, so dass ich erwarte, dass er in seiner zweiten Saison eine Starterrolle erhält. Anthony Brown hat in 5 Saisons in der Liga 41 Starts absolviert, hat aber nie mehr als eine mittelmäßige Note von PFF erhalten.

Jourdan Lewis wird ebenfalls um seine Rolle kämpfen müssen. Lewis war in den ersten drei Spielzeiten seiner Karriere vor der letzten Saison ein überdurchschnittlicher Slot Cornerback mit durchschnittlich 508 Snaps pro Saison. Außerdem wurde er von den Cowboys als Free Agent mit einem nicht unerheblichen Dreijahresvertrag über 13,5 Millionen US-Dollar ausgestattet. Deswegen sollten seine Chancen recht gut stehen, sich zumindest für die Rolle des Slot Cornerbacks gegen andere Optionen durchzusetzen.

Fazit

Die Cowboys hatten in den letzten beiden Spielzeiten etwas Pech: 2019 konnten sie keines ihrer knappen Spiele gewinnen. 2020 entgleiste ihre Saison dann völlig. Die Turnover Rate sprach zu Beginn der Saison deutlich gegen sie. Zusätzlich mussten die Cowboys ohne ihren Starting Quarterback und ihre Top-3-Offense-Spieler auskommen als die Turnover Rate wieder anstieg.

Es wird erwartet, dass diese Spieler 2021 zurückkehren. Die Offensive der Cowboys sollte sich deutlich verbessern. Tatsächlich könnte eine Offensive, die 2019 bei der First-Down-Rate auf Platz 2 und in den ersten vier Spielen von 2020, vor Prescotts Verletzung, auf Platz 4 lag. Somit sollten sie zu den besten der Liga gehören, vorausgesetzt ihre Schlüsselspieler bleiben gesund. Ihre Defense ist weniger vielversprechend. Im Vergleich zu 2020 sollten sie dennoch bei wichtigeren Downs (3. und 4.) besser sein und besser gecoacht werden.

Die NFC East kann durchaus gewonnen werden. Die Cowboys brauchen nicht mehr als ein passables Defense Spiel, wenn ihre Offense die Erwartungen erfüllen kann. Aber ihre junge Defense muss die Erwartungen übertreffen, damit dieses Team ein legitimer Super Bowl-Anwärter ist. Das liegt im Bereich des Möglichen. Allerdings gehe ich davon aus, dass dies ein weiteres gutes Jahr für die Cowboys sein wird, es aber nicht für den ganz großen Wurf langen wird.

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