Vikings 2021: Die dreifache letzte Chance

Nach einem Umbau liefen die Vikings in der Saison 2020 den Erwartungen hinterher. Besonders die sonst so starke Defense musste viel Lehrgeld zahlen. In der nächsten Spielzeit will das Team mit einigen Neuzugängen wieder die Playoffs angreifen.

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Mit insgesamt 15 Picks stellten die Vikings im vergangenen Jahr die größte Draft-Klasse seitdem der Draft mit sieben Runden durchgeführt wird. Früh war klar, dass einige davon sofort große und wichtige Rollen übernehmen müssen. Dass wegen Corona die das Offseason-Programm auf ein Minimum reduziert wurde, half da sicher nicht. Dennoch erwarteten die meisten im Umfeld, dass man wenigstens um die Playoffs kämpfen könne. Dieses Ziel verfehlten die Vikings jedoch deutlich. Insbesondere Mike Zimmers Spezialität – Die Defense – fiel streckenweise komplett auseinander.

Zimmer selbst geht in seine achte Saison als Head Coach. In seiner Amtszeit verlor das Team nur in zwei Saisons mehr Spiele als sie gewannen (2014 und 2020). Dreimal erreichten die Vikings unter Zimmer die Playoffs. Den letzten Schritt in den Super Bowl konnte das Team unter ihm jedoch noch nicht gehen.

Bereits zwei Jahre länger als Mike Zimmer ist General Manager Rick Spielman bei den Vikings. Sein Markenzeichen sind die sehr großen Draft-Klassen. Kein Team draftete seit 2012 mehr Spieler als die Vikings. Besonders in den mittleren und späten Runden landete Spielman so auch viele Treffer wie Danielle Hunter, Eric Kendricks, Stefon Diggs oder Cameron Dantzler. Getrübt wird seine Bilanz jedoch durch einige teilweise unverschuldete Fehlschläge in der ersten Runde (Sharrif Floyd, Laquon Treadwell, Mike Hughes, Jeff Gladney). Auch seine Bilanz in der Free Agency ist gemischt.

Der größte Free Agency Move in Spielmans Ära war die Verpflichtung von Quarterback Kirk Cousins. Der Spielmacher sollte endlich die anhaltenden Quarterback-Probleme der Vikings lösen und so den Weg in den Super Bowl ebnen. Gelungen ist das dem Spielmacher trotz größtenteils ansprechender Leistungen nicht. In nur einer von seinen drei Saisons für die Vikings führte Cousins sein Team in die Playoffs.

In der kommenden Saison bekommt das Trio mit Zimmer, Spielman und Cousins die nächste Chance auf den großen Wurf.

Offense

Auch, wenn es sich nicht durchschlagend im Teamerfolg widerspiegelte: Die Offense der Minnesota Vikings hatte eine ordentliche vergangene Saison. Mit einem EPA pro Spielzug von 0,089 laut rbsdm.com lag der Angriff um Quarterback Kirk Cousins auf dem zehnten Platz in der NFL. Sowohl im Passspiel als auch im Laufspiel beendeten die Vikings ihre Saison jeweils auf Platz neun.

Offensive Coordinator Gary Kubiak ging nach der vergangenen Saison in den Ruhestand. Sein Sohn Klint Kubiak, der zuvor als Quarterbacks Coach arbeitete, übernimmt ab der neuen Saison die Rolle als Play-Caller. Schematisch wird sich also wenig ändern. Der größte Fokus bleibt das Laufspiel, welches hauptsächlich Wide-Zone Blocking-Schemen beinhaltet. In der Saison 2020 zählten die Vikings zu den Teams mit dem größten Fokus auf das Laufspiel.

Darauf aufgebaut werden die Vikings auch in der neuen Saison das Passspiel mit vielen Play-Action Bootlegs aufbauen. Sowohl beim Lauf als auch beim Pass setzt das Team mehr als jedes andere Team in der NFL auf schwere Personalgruppen mit wenigen Receivern. Nur bei 38,4% der Spielzüge stellte Kubiak in der letzten Saison drei Receiver oder mehr auf. Kein anderes Team in der NFL hat hier einen geringeren Wert.

Quarterbacks

Wenn man insgesamt auf die Zahlen schaut, sieht die vergangene Saison von Kirk Cousins stark aus. Beim EPA pro Play (0,231/9.), Completion Percentage over Expectation (+4,6/5.) und Success Rate (52,7%/6.) legte der Spielmacher Top-10-Werte auf. Allerdings spielte er zwei sehr verschiedene Saisonhälften. Besonders am Anfang der Saison war das Spiel von Kirk Cousins von vielen Fehlern geprägt, welche mehrere Spiele kosteten. So war es kein Wunder, dass die Vikings mit einer 1-5-Bilanz in die Bye-Week gehen mussten. Danach stabilisierte sich Cousins und brachte das Team am Ende fast nochmal in den Kampf um die Playoffs.

Trotz seiner athletischen Limitierungen hat sich Cousins in den letzten Jahren insbesondere gegen Druck deutlich stabilisiert. An seiner Genauigkeit und seinen Fähigkeiten bei tiefen Bällen bestanden sowieso kaum noch Zweifel. Allerdings fehlt ihm insbesondere bei späten Downs noch zu oft die Aggressivität. Zu oft wirft er den Ball in wichtigen Situationen zu kurz. Zudem kann er sich in der kommenden Saison keinen schwachen Start wie in den letzten beiden Jahren leisten. Der Spielplan der Vikings ist schwierig und verzeiht keine Fehltritte.

Zudem könnte es bereits das letzte Jahr für Kirk Cousins in Minnesota sein. Sein Cap Hit von 45 Millionen Dollar in der Saison 2022 wird so nicht stehenbleiben und mit Kellen Mond haben die Verantwortlichen in der dritten Runde einen möglichen Nachfolger gedraftet. Der Start ins Training Camp verlief für den Rookie jedoch nicht wie geplant. Der Drittrundenpick steckte sich kurz nach dem Start des Training Camps mit COVID-19 an und verpasste deshalb einige Trainingstage. Rechtzeitig zum Start der Pre-Season ist Mond jedoch wieder fit.

Browning als Back-Up

Der primäre Back-Up von Kirk Cousins wird aber wohl ein anderer. Jake Browning wusste im Training Camp zu überzeugen. Zwar bringt er physisch nicht annähernd die Tools von Kellen Mond mit. Allerdings ist er ein intelligenter und sicherer Ballverteiler, der besonders mit kurzen Pässen agiert und wenige Fehler macht.

Skill-Positions

Beim Waffenarsenal von Kirk Cousins hat sich personell wenig geändert. Bei den Startern ist einzig durch den Abgang von Tight End Kyle Rudolph ein Platz freigeworden. Diesen wird Irv Smith in der kommenden Saison übernehmen.

Thielen, Jefferson und …?

Dass die Waffen im Passspiel der Vikings von einem absoluten Top-Duo auf der Receiver-Position angeführt werden, ist nicht neu. Nachdem vor der letzten Saison Stefon Diggs getradet wurde, übernahm Erstrundenpick Justin Jefferson den Platz an Adam Thielens Seite und machte da weiter, wo Diggs aufgehört hatte. Der ehemalige LSU-Receiver brach in seiner ersten Saison mehrere Rekorde und wäre die eigentlich logische Wahl zum Offensive Rookie of the Year gewesen. Eine leichte Schulterverletzung aus dem Training Camp sollte für die Saison kein Problem werden.

Hinter Thielen und Jefferson werden die Fragezeichen hingegen größer. In der Offseason verpflichteten die Vikings Dede Westbrook, der bereits in Jacksonville mit dem neuen Receiver Coach Keenan McCardell arbeitete. Allerdings ist Westbrook nach seinem Kreuzbandriss aus der letzten Saison noch nicht ganz fit.

Dafür hat sich im Training Camp K.J. Osborn als Favorit für den Platz hinter Thielen und Jefferson empfohlen. Der Fünftrundenpick aus der 2020er Draft-Klasse spielte in der Offense im letzten Jahr keine Rolle. In der Vorbereitung zeigte er sich aber stark verbessert und nahm nach Jeffersons Verletzung sogar den Platz in der Starting Unit ein.

Ebenfalls ordentlich präsentierte sich Rookie Ihmir Smith-Marsette. Der Fünftrundenpick könnte mit seiner Geschwindigkeit und seinem Route-Running besonders im vertikalen Passspiel eingesetzt werden. Um einen Kaderplatz kämpfen muss hingegen Chad Beebe. Der Nummer-Drei-Receiver aus der letzten Saison verlor im Training Camp etwas an Boden und muss wohl hoffen, dass die Vikings sechs Receiver in den finalen Kader nehmen.

Irv Smith Breakout?

Kyle Rudolph war in den vergangenen Jahren eine der prägendsten Figuren der Vikings auf und besonders neben dem Platz. Seinen Platz als Starting Tight End wird in der kommenden Saison Irv Smith Jr. übernehmen. Der ehemalige Zweitrundenpick zeigte in den letzten beiden Jahren immer wieder gute Ansätze, konnte aber bisher nicht aus dem Schatten anderer Waffen in der Offense treten. Smith verfügt über viel Speed und gute Fähigkeiten als Route-Runner für einen Tight End. Auch sein Catch-Radius ist groß, wenn auch nicht ganz so groß wie der seines Vorgängers. Die Eindrücke aus dem Training Camp machen jedenfalls viel Mut für die neue Saison.

Da die Vikings oft mit zwei Tight Ends spielen, wird auch auf Tyler Conklin eine größere Rolle zukommen. Der ehemalige Fünftrundenpick spielte sich im vergangenen Jahr besonders in der zweiten Saisonhälfte in den Vordergrund. In seinem letzten Vertragsjahr kann er sich für einen guten zweiten Vertrag empfehlen.

Das Rennen um den dritten Platz auf der Tight End Position ist komplett offen. Hier kämpfen Brandon Dillon und die Rookies Zach Davidson und Shane Zylstra um den verbleibenden Kaderplatz.

Starke Gruppe im Vikings-Backfield

Bei den Running Backs der Minnesota Vikings führt weiterhin nichts an Dalvin Cook vorbei. Auch in der kommenden Saison wird er den Großteil des (zu) großen Volumens des Running Games schultern. Mit seiner Beweglichkeit besonders im freien Raum ist Cook einer der am schwersten zu tacklenden Running Backs der NFL. Im Passspiel wird er hingegen weiterhin auf Screens und Checkdowns reduziert.

Hinter Cook haben die Vikings mit Alexander Mattison einen der besseren Back-Up Running Backs der NFL. Anders als Cook, verlässt sich Mattison eher auf seine Power. Bei Passing Downs spielte für die Vikings auch Ameer Abdullah eine kleine Rolle. Allerdings könnte sein Kaderplatz durch die Präsenz von Rookie Kene Nwangwu in Gefahr sein. Der Viertrundenpick verfügt über außergewöhnlichen Speed, spielte als Running Back auf dem College aber keine große Rolle. Es wird interessant, ob und wie Klint Kubiak Nwangwus Geschwindigkeit in die Offense der Vikings einbaut.

Offensive Line

Neue Saison, altes Problem: Die Offensive Line ist wie so oft ein großes Fragezeichen. Im vergangenen Jahr gehörte die Unit besonders in Pass-Protection mal wieder zu den schlechtesten Gruppen der Liga. Zudem verloren die Vikings mit Riley Reiff den zweitbesten Spieler der Unit. Zwar holte man mit Christian Darrisaw bereits in der ersten Runde des Drafts einen möglichen Ersatz. Allerdings verpasste der wegen einer hartnäckigen Verletzung fast die ganze Vorbereitung. Ein Einsatz zum Saisonstart ist mehr als fraglich. Somit wird zunächst wohl Rashod Hill den Job als Left Tackle übernehmen. Auf der rechten Seite bleibt Brian O’Neill der unangefochtene Starter. Der ehemalige Zweitrundenpick war in den letzten Jahren konstant der stärkste Offensive Lineman der Vikings.

Auf Guard wird es ebenfalls zu Personalwechseln kommen. Ezra Cleveland wird nach einer ordentlichen Rookie-Saison von Right Guard auf Left Guard wechseln und somit auf seine ursprünglich angestammte Seite zurückkehren. Auf der rechten Seite konnte sich im Training Camp Oli Udoh gegen Dakota Dozier durchsetzen. Der ehemalige Sechstrundenpick verfügt über viel Kraft und die im Wide-Zone-Schema der Vikings vorausgesetzte Athletik. Allerdings muss sich noch zeigen, wie gut er seine Technik auf die neue Position anpassen kann.

Auf Center bleibt Garrett Bradbury weiterhin der Starter. Nach zwei maximal durchwachsenen Jahren wird der Druck auf den ehemaligen Erstrundenpick aber größer. Für Rookie Wyatt Davis wird es vorerst nicht für einen Platz als Starter reichen.

Auf die erhoffte große Verbesserung der Unit deutet aktuell nicht viel hin. Einzig eine schnelle Genesung von Christian Darrisaw könnte die Unit doch noch aufwerten. Man muss also auch in der neuen Saison damit rechnen, dass die Offensive Line die größte Schwachstelle der Offense bleibt.

Defense

Bei allen Turbulenzen konnte man sich in Mike Zimmers Zeit bei den Vikings auf eines immer verlassen: Die Defense liefert Top-Resultate. Mit dieser Gewissheit war es im letzten Jahr vorbei. Die neu zusammengestellte Gruppe mit mehreren Rookies in wichtigen Positionen zahlte reichlich Lehrgeld. Bei zugelassenen EPA pro Spielzug lag Mike Zimmers Gruppe nur auf Platz 25 der Liga (0,095). Die Probleme traten gleichermaßen gegen den Lauf (EPA pro Run: 0,019/27.) und den Pass (EPA pro Dropback: 0,150/24.) auf.

Neben diversen personellen Änderungen, wird es wohl auch schematisch ein paar Anpassungen geben. Head Coach Mike Zimmer kündigte während der Offseason an, zusammen mit seinen beiden Co-Defensiv Coordinators Andre Patterson und Adam Zimmer das System deutlich zu überarbeiten und nach neuen Ideen zu suchen. Davon war im Training Camp besonders in der Front einiges zu sehen. Zwar bleibt die 4-3-Aufstellung weiterhin der Standard für die Front-Seven. Allerdings experimentierte man im Camp auch mit 5-2-, 4-3 Under- und Tide-Fronts.

Auch bei den Coverages wird sich nach dem letzten Jahr wieder einiges ändern. Die von Zimmer wegen der vielen neuen Spieler und fehlender Offseason extrem simplifizierten Coverages sollen wieder komplexer werden. Hier könnte auch der neue Defensive Backs Coach Karl Scott einen gewissen Einfluss bekommen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Pattern Match Coverage Elemente aus Alabama in Minnesota eingebaut werden. Zudem dürfte auch Safety Harrison Smith wieder deutlich mehr Freiheiten von den Vikings bekommen.

Defensive Front

Einen derart schwachen Pass-Rush hatte man bei den Vikings schon lange nicht mehr gesehen. Mit Jared Allen, Brian Robison, Everson Griffen und Danielle Hunter haben die Vikings eigentlich durchgehend in den letzten zehn Jahren mit starken Pass-Rushern glänzen können. Davon war in der vergangenen Saison nichts mehr zu sehen. Danielle Hunter fiel die gesamte Saison aus. Der Trade für Yannick Ngakoue verkam in Rekordzeit zu einem Flop. Von den jungen Spielern dahinter konnte der Pass-Rush dann nicht mehr getragen werden.

Auch gegen den Lauf sah es nicht besser aus. Insbesondere eine extrem schwache interior Defensive Line und eine ersatzgeschwächte Linebacker-Gruppe ließen Gegner zu leicht durch die Defense laufen. Das gipfelte in Alvin Kamaras Rekord-Gala an Weihnachten.

Frisches Fleisch für die Mitte

Insbesondere das Weihnachtsdebakel schien bei Mike Zimmer tiefe Spuren zu hinterlassen. Dadurch wurde die interior Defensive Line zur größten Priorität der Free Agency. Dabei wurde einer der Neuzugänge bereits in der Offseason 2020 verpflichtet. Wegen seinem Asthma entschied sich Michael Pierce jedoch gegen eine Teilnahme an der letzten Saison. Mit einem Jahr Verspätung ist er nun dabei und machte im Training Camp bereits einen extrem dominanten Eindruck.

Neben Pierce wird mit Dalvin Tomlinson ein weiterer Run-Stopper auflaufen. Somit opfert das Team zwar mögliches Pass-Rush Potential von der Three-Technique-Position. Allerdings gibt die Präsenz von Pierce und Tomlinson Zimmer die Freiheit mit weniger Spielern in der Box zu spielen und so mehr Möglichkeiten in Coverage zu haben. Mit Sheldon Richardson und Armon Watts haben die Vikings zudem ein Back-Up-Duo in der Rotation, welches qualitativ stärker ist, als das Starting-Duo mancher Teams auf dieser Position. Insgesamt hat sich die interior Defensive Line Gruppe in einer Offseason von der ligaweit schlechtesten in eine der besten Gruppen entwickelt. In den Joint Practices der letzten Woche bekam das bereits die eigentlich solide Offensive Line der Denver Broncos zu spüren.

Hunters Rückkehr

Auch beim Pass-Rush gibt es wieder Grund für Optimismus. Mit Danielle Hunter kehrt der beste Vikings Edge Rusher nach seinem Bandscheibenvorfall im Nacken zurück. Seine alte Stärke scheint er nach den letzten Eindrücken aus dem Training Camp wiedergefunden zu haben. Seine Präsenz sollte es auch der restlichen Gruppe wieder deutlich einfacher machen. Abgesehen von Hunter beinhaltet diese nämlich einige Fragezeichen.

Als zweiter Defensive End Starter wird zunächst wohl Stephen Weatherly auf dem Feld stehen. Der ehemalige Siebtrundenpick kehrte nach einem Jahr bei den Carolina Panthers zu seinem ersten NFL Team zurück. Den Nachweis der Qualität eines Starters bleibt er bis jetzt aber schuldig.

In der Rotation dürfte auch D.J. Wonnum wieder eine gewichtige Rolle spielen. Als Rookie sorgte der Viertrundenpick aus der 2020er Draft-Klasse bereits für ein paar Highlights. Insgesamt war seine erste Saison dennoch maximal durchwachsen.

Auch die beiden Rookies aus der diesjährigen Draft-Klasse werden Weatherly seinen Platz als Starter wohl nicht streitig machen. Drittrundenpick Patrick Jones II zeigte im Training Camp einige gute Momente gegen den Lauf. Als Pass-Rusher fehlt ihm aber noch einiges. Viertrundenpick Janarius Robinson hingegen hatte ein wirklich schlechtes Camp und wird wohl keine ernsthafte Rolle in der kommenden Saison spielen.

Letzte Saison für UCLA-Gespann?

Auch die Linebacker-Gruppe hatte in der vergangenen Saison mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Anthony Barr verpasste große Teile der Saison. Im Saisonendspurt musste dann auch All-Pro Eric Kendricks passen. Beide sind vor dem Saisonstart wieder fit. Insbesondere die Präsenz von Eric Kendricks wird dringend gebraucht. Der Middle Linebacker ist extrem gut in Coverage und taucht eigentlich permanent in der Nähe des Balles auf.

Für Outside Linebacker Anthony Barr könnte es hingegen die letzte Saison mit den Vikings werden. Der erste Erstrundenpick der Zimmer-Ära geht in sein letztes Vertragsjahr und braucht eine extrem gute Saison, um sich erneut eine Verlängerung zu erspielen. Somit könnte das langjährige Tandem aus Barr und Kendricks, die bereits an der UCLA Teamkollegen waren, nach der Saison gesprengt werden.

Neben Barr und Kendricks wird in Base Defense wohl Neuzugang Nick Vigil auflaufen. Wegen der starken Nutzung von Nickel-Paketen, wird er aber wohl keine große Rolle spielen.

Defensive Backfield

In kaum einem Mannschaftsteil hatten die Vikings während Mike Zimmers Ära so viel Kontinuität wie im Defensive Backfield. Damit war es in der letzten Saison vorbei. Vor der letzten Saison musste das Team alle drei Starting Cornerbacks ersetzen. Wegen mehrerer früher Verletzungen musste dafür eine Gruppe aus drei Rookies und einigen notdürftig zusammengekaufter Free Agents herhalten. Die Resultate entsprachen dann auch diesen Voraussetzungen.

Komplettumbau auf Cornerback

Wegen der schlechten Leistungen im letzten Jahr wurde die Cornerback-Gruppe erneut radikal erneuert. Weiterhin dabei ist allerdings Cameron Dantzler. Der letztjährige Drittrundenpick war eine der wenigen positiven Erscheinungen in der Defense der vergangenen Saison. Besonders in der zweiten Saisonhälfte wusste Dantzler zu überzeugen.

Geholfen wird ihm in der kommenden Saison von der Veterans Patrick Peterson und Bashaud Breeland. Auf Outside Cornerback wird es also auch in der kommenden Saison eine Rotation geben. Wegen der neuen Zusammenstellung ist ein hopriger Start trotz insgesamt guter Qualität nicht auszuschließen.

Für den Slot kehrt Mackenzie Alexander nach einem Jahr in Cincinnati zurück. Mit Harrison Hand haben die Vikings zudem einen flexibel einsetzbaren Back-Up.

Nicht mehr dabei ist hingegen Jeff Gladney. Der Erstrundenpick aus dem Jahr 2020 wurde vor der Saison von den Vikings wegen häuslicher Gewalt entlassen.

Hitman bekommt neuen Partner

Harrison Smith ist eine der größten Konstanten der Vikings Defense in den letzten Jahren. Der vielseitige Safety geht in sein letztes Vertragsjahr mit den Vikings, wobei eine Vertragsverlängerung als wahrscheinlich gilt. Durch die verbesserte Cornerback-Gruppe und ein komplexeres defensives Schema, dürfte “Harry the Hitman” in der kommenden Saison wieder eine deutlich vielseitigere Rolle spielen.

Neben ihm wird nach dem Abgang von Anthony Harris Neuzugang Xavier Woods spielen. Er bekam nach einer durchwachsenen Saison in Dallas einen Einjahresvertrag bei den Vikings. An die Qualität von Harris kommt er wohl nicht heran. Dennoch ist er eine solide und erfahrene Alternative.

Bei den Back-Ups wird es hingegen eng. Rookie Camryn Bynum zeigte gute Ansätze, muss aber erstmal die neue Position lernen. Josh Metellus und Myles Dorn blieben ihren Nachweis von NFL-Qualität bisher schuldig. Hier könnte das Team nach den Roster Cuts nochmal nachbessern.

Fazit

Kontinuität in der Offense und der Umbau der Defense sollen den Vikings die vierte Playoff-Teilnahme unter Mike Zimmer sichern. Trotz der angespannten Cap-Situation wurde nochmal einiges investiert, um den Kader sofort wettbewerbsfähig zu machen. Die Botschaft an die Verantwortlichen ist klar: Jetzt oder nie! Wegen der Cap-Situation und der Struktur vom Cousins-Vertrag muss der große Wurf in der kommenden Saison gelingen. Gibt der Kader das her? Fraglich! Zwar ist das Team insgesamt qualitativ hochwertig besetzt. Allerdings gibt es weiterhin große Lücken in der Offensive Line und bei den Edge Rushern. Es bleibt auch abzuwarten, wie schnell die umgebaute Defense funktioniert. Der schwierige Spielplan lässt jedenfalls keinen Raum für Fehler.

Die wichtigste Frage ist allerdings: Kann Kirk Cousins diese Offense auf Titel-Niveau heben? Kann er die Mängel in der Offensive Line kaschieren? Kann er das Team durch einen tiefen Playoff-Run tragen? Die Fähigkeiten dazu hat er und der Kader ist möglicherweise der beste seiner Karriere. Nur den tatsächlichen Nachweis muss er nun endlich liefern.

Insgesamt sind diese Fragen noch zu groß, um die Minnesota Vikings zu einem ernsthaften Titelkandidaten zu erklären. Natürlich haben sie Außenseiterchancen. Es bräuchte dafür aber einige glückliche Umstände. Eine 10-7-Bilanz und ein eher frühes Aus in den Playoffs sind wohl das wahrscheinlichere Ergebnis. Reicht das aber zum Joberhalt für Kirk Cousins, Rick Spielman und Mike Zimmer? Zumindest bei Cousins muss man das wohl mit Blick auf seinen Vertrag verneinen. Es könnte also tatsächlich für alle drei die letzte Chance mit den Minnesota Vikings sein.

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