NFL Draft Vorschau 2021: Skill Player | Teil 2

Ein Blick auf einige weitere spannende Skill-Player-Prospects aus der zweiten Reihe im NFL Draft 2021.

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Lesezeit: 11 Minuten

Die besten Quarterbacks und den ersten Schwung Skill-Playern haben wir schon analysiert. Heute folgt Teil 3 unserer Draft-Vorschauserie 2021 mit den interessantesten Skill-Player-Prospects aus der zweiten Reihe.

„Skill Player“ – das sind die Offensivspieler, die mit dem Ball arbeiten: Runningbacks, Receiver, Tight Ends. Der Receiver-Jahrgang gilt als hervorragend besetzt, was man von den Backs und Tight Ends so nicht behaupten kann.

Jan Weckwerth und Julian Barsch stellen sich meinen kritischen Fragen – und sind sich, wie es sich für Pre-Draft-Prozesse gehört, nicht immer ganz einig.

#1 Oft genannt als beste Runningback-Prospects in diesem Draft: Najee Harris aus Alabama und Travis Etienne aus Clemson. Was zeichnet die beiden Backs aus? Warum werden sie als Prospects trotzdem nicht auf einer Stufe mit einem Saquon Barkley gesehen?

Jan Weckwerth: Harris ist ein Big Back mit einem ungewöhnlich variablen Skillset. Er gewinnt im Inside Running nicht unbedingt mit brachialer Power, sondern mit guter Vision und subtilen lateralen Richtungswechseln durch sein starkes Footwork. Im offenen Feld kann er seine ungewöhnliche Athletik ausspielen, wie sich unter anderem an seinen spektakulären Hürdensprüngen zeigt. Zudem ist er ein ziemlich guter Receiver – sogar auf echten Receiver-Routen.

Harris bricht (oder absorbiert) ziemlich viele Tackles, aber generiert daraus zu wenig Extrayards, weil es ihm trotz starker Contact Balance etwas am nötigen Burst fehlt. Hier macht sich auch sein aufrechter Laufstil bemerkbar. Harris ist nicht der große Big Play-Runner. Als Passblocker braucht er eine komplette Neuerung seiner Technik.

Um den Begriff „Contact Balance“ – auf den eigenen Beinen bleiben trotz Hit – auch einmal zu visualisieren, hier ein Beispiel aus der Saison 2019:

Etienne ist längst kein reiner Speed-Back mehr, sondern hat in den vergangenen Jahren deutlich an Masse und Kraft zugelegt und seine Receiving-Skills verfeinert. Dadurch hat er eventuell ein wenig seines absoluten Top-Bursts und Speeds verloren zugunsten eines vielseitigeren Profils. Gefährlich ist er natürlich weiterhin vor allem wegen seiner enormen Geschwindigkeitsaufnahme, nur kann diese auch vermehrt bei kurzen Pässen nach außen eingesetzt werden, wo er im freien Feld regelmäßig mit Schwung und sichtlich verbesserter Contact Balance einfach durch Armtackles läuft. Mit seinem Footwork und der großen Beweglichkeit der Hüften und des Oberkörpers ist er schwer zu stellen. Inside ist er weniger effektiv. Hier verlässt ihn manchmal seine Vision, und er gewinnt seltener mit plötzlichen Moves. Sein Passblock braucht ebenfalls noch Arbeit. Insgesamt ist Etienne vor allem wegen seiner dauernden Big Play-Gefahr natürlich sehr interessant.

Beide Runner sehe ich doch eine Ecke hinter Saquon Barkley, der doch deutlich kompletter war. Barkley hatte den Burst, Speed und die Big Plays von Etienne vereint mit der Contact Balance und Körperbeherrschung von Harris, war brandgefährlich als Receiver und Returner, hatte ein sensationelles Footwork und war deutlich weiter in Pass Protection. Ich mochte Etienne und Harris am College sehr, aber bei genauerem Hinsehen habe ich doch ein paar mehr Fragezeichen als erwartet identifiziert.

Julian Barsch:

Ich mag beide Prospects wirklich gerne, sehe Harris aber als klare Nummer eins. Harris kann praktisch alles, nur ist er nicht der beste Speed-Athlet. Seine Physis und Contact Balance ist hervorragend. Doch ein Saquon Barkley war dann athletisch nochmal besser. Dass der Alabama-RB dieses Jahr noch mehr als Receiver zeigen konnte, hat ihn dann nochmal in eine höhere Tier gehoben. In den meisten Fällen müssen NFL-Teams mit einem Receiving-Back auf Physis und Size verzichten. Das ist bei ihm definitiv nicht der Fall.

Travis Etienne von Clemson – Bild: Wikipedia

Etienne ist mein RB3. Er bringt dann aber genau diesen Speed mit. Wenn die meisten Spieler am Limit sind, kann Etienne den nächsten Gang einlegen. Ich würde ihn aber eher als straight-line Speedster einordnen. Natürlich bringt er auch mal Jump Cuts ein, aber das ist nicht seine Stärke. Es sollte der Fokus sein, ihm offenen Space zu verschaffen. Denn dann ist er nur sehr schwer aufzuhalten. Der ehemalige Clemson Tiger wird ein Monster bei Screens sein. Er ist ein Big-Play-Back mit guter Contact Balance. Sein Route Running ist maximal Durchschnitt, aber dadurch muss er als Receiver auch nicht gewinnen. Außerdem gewinnt Harris das Duell, wenn es um das Thema Geduld geht, was bei Running Backs nicht unterschätzt werden sollte.

#2 Memphis schickt nach Tony Pollard, Darrell Henderson und Antonio Gibson jetzt den nächsten Back in den Draft: Kenneth Gainwell. Was kann er? Warum ist Memphis die neue “Runningback-Uni”?

Jan Weckwerth: Zunächst mal danke, dass du mein Lieblingsthema angerissen hast. Beschäftige mich mit Memphis ja seit einigen Jahren intensiver und habe da immer wieder echte Draft-Kleinode entdecken können, die später oft Hype generieren konnten.

Die Karrieren der vier genannten Spieler verliefen allerdings recht unterschiedlich: Pollard war seinerzeit eigentlich nur 3rd string RB, aber nebenbei ein gefährlicher Receiver und Returner. Mein großer Mancrush Gibson spielte in seiner College-Karriere eigentlich ausschließlich Receiver, bis man eher nebenbei bemerkte, wie unfassbar gut er bei Reverses und Endarounds agierte (gerade mit seiner exzellenten Contact Balance). Das gab man ihm die letzten Spiele ein paar mehr designed Runs. Wirklich umgeschult wurde er erst im Pre-Draft-Prozess. Henderson und Gainwell sind dagegen eher als klassische Runner eingesetzt worden. Memphis ist also keine klassische RB-Uni, eher eine Uni für variable Playmaker oder offensive Waffen.

Gainwell mag ich ebenfalls sehr. Lustigerweise hatte ich ihn schon einmal in einem Mid-Major-Q&A als Nachfolger von Henderson genannt, weil ich ihn in seinen wenigen Einsätzen und aufgrund seines explosiven Skillsets spannend fand. Ich glaube, dass er ziemlich gut in die heutige NFL passt. Gainwell ist ein kleiner untersetzter Runner, den ich mit seinen Cuts, seiner Entschlossenheit und seinem Burst am ehesten in einem one-cut Zone Scheme sehe.

Wenn er eine Lücke sieht, explodiert er geradezu dadurch. Seine Größe und vor allem seine Power eignen sich allerdings nicht besonders gut für einen beständigen Inside Runner. Wo Gainwell wirklich gewinnt, ist im Receiving. Er ist nicht nur ein herausragender Receiving Back, sondern ein echter Receiver mit richtig guten Ball Skills, der auch Erfahrung bei komplexeren Routen hat. Im offenen Feld kann er seine spektakulären Jukes und Jump Cuts besonders gut ausspielen. Hier beweist er zudem seine unterschätzte Vision für Running Lanes. Also ein großes Talent, das unter dem richtigen Offensive Coordinator richtig aufblühen könnte.

Julian Barsch: Ich bin da bei Jan. Gainwell ist trotz Opt-out in 2020 ein ganz hervorragender Running Back, der vor allem mit seinen Receiving Skills überzeugen kann. In einem Spiel gegen Tulane überzeugte er mit 100+ Rushing und 200+ Receiving Yards. Noch viel besser: Er gewinnt mit gutem Route-Running und war in der Lage, auch outside tiefe Pässe zu fangen.

Zwar hat er auch einige Konzentrations-Drops, fängt dann aber auch Bälle außerhalb seines Frames. Als Runner gehört er eher zu den leichten, aber sehr agilen Kandidaten. Seine Richtungswechsel und Cuts sind die vielleicht besten in dieser Klasse. Allerdings muss auch angesprochen werden, dass es ihm an Physis fehlt. Das ist auch der häufigste Grund, warum ihn viele Experten niedriger in ihren Rankings sehen. Ich sehe ihn noch vor Etienne als RB2.

#3 Warum redet niemand über Trey Sermon, den ex-Oklahoma und ex-Ohio-State-Back mit grandiosen College-Statistiken?

Jan Weckwerth: Sagen wir mal eher: Der mit den grandiosen College-Spielen. Sermon ist ein grundsolider Back, der mit seiner Vision, seinen harten Cuts und seiner richtig starken Balance ideal für ein Zone Scheme geeignet ist. Insbesondere sein Gefühl für Cutback Lanes ist hier hervorzuheben. Ansonsten sticht er in einer sowieso eher mäßigen RB-Klasse nicht besonders heraus.

Er bringt die Anlagen zu einem Back für alle drei Downs mit, wurde aber nur wenig als Receiver eingesetzt. Sein Passblock ist vergleichsweise okay. Im Inside und Power Running müsste er seine Statur und Kraft viel besser zur Entfaltung bringen, hier agiert er oftmals überraschend ineffektiv. Sermon hat meiner Meinung nach Starterpotenzial, ist jedoch Scheme-abhängig und braucht in einigen Bereichen definitiv noch weitere Entwicklung. Nicht der sexy Pick mit dem großen Upside, daher wohl weniger im Gespräch.

Julian Barsch: Das ist eine gute Frage. Sicherlich weil der Hype der letzten, wirklich hervorragenden Spiele, mittlerweile abgeklungen ist. Zu Beginn der Saison 2020 wurde sogar diskutiert, ob er noch der Starter für Ohio State sein sollte. Doch was er dann zum Ende der Spielzeit gezeigt hat, war absolut spektakulär. Ohne ihn wäre Ohio State wohl nicht im Playoff gestanden. Sermon ist nicht der abrupte spektakuläre Athlet. Er bewegt sich sehr flüssig und arbeitet mit subtilen Cuts, sowie guter Vision und Contact Balance. Mit seinem Speed wird er für wenig Homeruns sorgen, kann aber regelmäßig drei zu fünf Yards machen. Er hat seine Limits, wird aber ein mehr als solider NFL Running Back sein.

#4 Kommen wir zur zweiten Reihe der Receiver. Was traust du dem hoch aufgeschossenen Terrace Marshall zu?

Jan Weckwerth: Marshall hat eines der höchsten Potenziale der gesamten Receiver-Klasse. Er ist ein echter Height-Weight-Speed-Prospect, bringt also körperlich beinahe ideale Voraussetzungen mit. Für seine Größe ist er überraschend beweglich und kann dies dank seiner starken Fußarbeit bereits relativ gut auf sein Route Running transferieren. Er hat einen beeindruckenden Catch-Radius und eigentlich auch weiche und sichere Hände, weswegen mich seine zu häufigen Drops ein wenig überraschen. Dennoch ist er eine der wenigen ausgewiesenen Red Zone-Waffen unter den besten Receiver-Prospects. Wenn man ihm ein wenig seiner Lethargie austreiben kann, ist extrem viel möglich.

Julian Barsch: Marshall ist sehr schwer zu evaluieren. Ich hatte konstant das Gefühl, dass er nicht mit voller Energie spielt. Doch ist das jetzt gut oder schlecht? Das Potential ist riesig, denn er bringt eine tolle Kombination aus Größe, Athletik, Route Running und Upside am Catch Point mit. In der NFL muss er dies aber erstmal so umsetzen.

Aus der Distanz sind wir natürlich nicht in der Lage, den Charakter zu evaluieren und sollten dies auch weitgehend anderen überlassen. Marshall sollte definitiv in Runde 2 vom Board gehen. Er zeigt in keinem Bereich Elite-Skills. Dazu die von Jan angesprochenen Drops. Dafür ist er fast überall gut. Er hat definitiv das Talent, um ein erfolgreicher und vielseitiger NFL Wide Receiver zu sein. Gleichzeitig sehe ich ihn als Boom-or-Bust-Kandidaten.

#5 Kommen wir zu Clemson-Connection. Du hast nur einen Pick – wer wird es: Amari Rodgers oder Cornell Powell?

Jan Weckwerth: Rodgers. Powell ist zwar ebenfalls ein solider Prospect mit relativ hohem Floor, Rodgers bietet mir jedoch zugleich mehr Upside. Er wurde in der Offense der Tigers meist im Slot eingesetzt und übernahm dort effizient die Rolle der underneath-Waffe. Er ist zwar klein, dafür extrem kräftig gebaut und mit netten Moves und exzellenter Balance ausgestattet.

Dadurch erinnert er nach dem Catch manchmal ein wenig an einen Running Back. In Clemsons Offense musste er nicht besonders prononcierte Routen laufen, allerdings bewies er bei den Senior Bowl-Practices seine diesbezüglichen Fähigkeiten. Rodgers wird vielleicht nie der spektakulärste NFL-Receiver, aber einer, dem ich eine längere Karriere im Slot durchaus zutraue.

Julian Barsch: Für mich dagegen tatsächlich Cornell Powell. Ich war etwas überrascht, als ich sein Tape geschaut habe. Aber er ist echt ein super spannender Wide Receiver. Größe und Physis sind vielversprechend, da wir in dieser Klasse wenige Receiver mit diesen Skills haben. Am besten hat mir sein (deep) Ball-Tracking und Adjustment zum Ball gefallen. Powell ist schwer zu Boden zu bringen und agiert besser im Route Running als man es erst denkt. Dabei zeigt er gutes Timing und verrät die Routen nicht zu früh. Der Release kann noch besser werden, doch wir sprechen hier von einem sehr spannenden Prospect für die dritte Runde.

#6 Zu den Mini-Receivern: Was hat D’Wayne Eskridge, was ein Tutu Atwell nicht hat?

Jan Weckwerth: Einiges. Zunächst mal ist Atwell vom Gewicht her eigentlich unterhalb der NFL-Grenze angesiedelt, während Eskridge zumindest einen passablen Körperbau mitbringt.

Beide sind superschnell und haben enormes Big Play-Potenzial, aber Eskridge läuft bessere Routen, hat die etwas sichereren Hände (wenngleich ebenfalls zu viele Drops) und den größeren Catch-Radius. Als ehemaliger Teilzeit-Cornerback verfügt er über ein gut ausgebildetes Footwork, was ihm bei kürzeren Routen und insbesondere Comeback-Routes (Hook, Hitch, Curl) regelmäßig Separation verschafft.

Zudem musste er sich als X-WR in der Broncos Offense öfter mit Press-Coverage herumschlagen. Dabei zeigte er variable Releases und vor allem exzellente Arm- und Handarbeit gegen Jams und sonstige Behinderungen des Cornerbacks auf den ersten Schritten. Eskridge habe ich deutlich über Atwell gerankt. Er bietet für die NFL deutlich variablere Einsatzmöglichkeiten.

Julian Barsch: Ja, Eskridge ist ein viel kompletteres Paket. Ich mag Eskridge sehr viel mehr als der Konsens. Er zwar schon recht alt. Außerdem hat er gegen etwas schwächere Konkurrenz gespielt. Alles richtig. Und trotzdem mag ich, denn er ist in meinen Augen kompletter als ein Toney oder auch Rondale Moore.

Als ehemaliger Defensive Back und Running Back spielt er mit einer unglaublich aggressiven Mentalität. Er ist einer dieser Spieler, die ich als “Easy Mover” bezeichnen würde. Gerade die Geschwindigkeit der Footwork sind toll. Eskridge ist ein Playmaker, der mit seinem Route Running sowohl im Slot als auch Outside spielen kann. Atwell hingegen ist ein sehr kleiner, schmaler Receiver, den ich aufgrund seiner Explosivität mag. Aber wir sprechen bei ihm von einem Spieler in einer deutlich kleineren Rolle als Eskridge.

#7 Ich habe jüngst den komplett unbekannten Frank Darby von Arizona State in einer Top-10 WR-Liste gefunden. Was hat der entsprechende Scout gesehen?

Jan Weckwerth: Upside. Darby ist einer der spannendsten deep-threat Sleeper im Draft. Dabei gewinnt er nicht unbedingt mit Geschwindigkeit, sondern mit subtilen Route-Adjustments und vor allem herausragenden Skills im Bereich des Ball Trackings. Wenn der Ball in der Luft ist, hat er ein natürliches Gefühl für Positionierung und Leverage gegenüber dem Cornerback. Over-the-shoulder Catches fallen ihm leicht. Zudem bringt er von Fußarbeit und Wendigkeit Potenzial für einen variablen Route Tree mit, den er bisher nicht laufen musste. Ein sehr spannendes Talent, das wohl noch ein wenig Entwicklungszeit braucht. Auch wenn er nicht in meiner Top 10 ist: Watch out.

Julian Barsch: Einen Outside Receiver, der bei Arizona State auf jedem Level mit seiner Physis gewonnen hat. Darby überzeugt mit sehr gutem Ball Tracking und spielt als wäre er größer als 6-0. Sein Speed baut sich eher auf, als dass er wirklich explosiv ist. In diesem Fall hat es ihm aber trotzdem geholfen. Durchschnittlich konnte er pro Catch mehr als 20 Yards generieren und 73% seiner Catches führten zu First Downs oder Touchdowns.

Ich sehe Darby dann aber doch eher an Tag drei. Sein Route-Running muss noch versierter werden, denn mit dem Speed-Profil sehe ich nicht die notwendige Separation. Das hat der Senior Bowl auch bestätigt. Außerdem hatte er 11 Drops bei 58 gefangenen Bällen in den letzten drei Saisons.

#8 Ein Wort zum deutschstämmigen Amon-Ra St. Brown: Was macht ihn als Draft-Prospect aus, und wie gut stehen seine NFL-Aktien verglichen mit seinem Bruder Equanimeous?

Jan Weckwerth: Als ich mir meine Draft-Scouting-Notizen zu Amon-Ra St. Brown durchsah, stand in fast allen Bereichen die Einschätzung „gut“ und einige Male „okay“. Das beschreibt ihn als Prospect einigermaßen treffend: Er hat keinen besonderen oder spektakulären Skill, der ihn heraushebt, zugleich nur wenige gravierende Schwächen.

Variabel innen und außen einsetzbar, guter Route Runner mit guten Cuts, denen allerdings ein wenig die Explosivität abgeht. Gute Hände, guter Catch Radius, gute Körperkontrolle, aber nichts davon ist wirklich Extraklasse. St. Brown projectet vor allem als Possession Receiver auf Z oder im Slot. Kein spektakulärer Prospect, doch solche Receiver-Typen haben ja manchmal längere Karrieren als die hochgehypten.

Von EQ St. Browns Tape war ich seinerzeit kein besonders großer Freund – gerade in einer Klasse, die zwar keine absoluten Top-Prospects hatte, aber am zweiten Tag und darüber hinaus recht hochkarätig besetzt war. Das Potenzial von Amon-Ra auf eine erfolgreiche NFL-Karriere schätze ich daher höher ein.

Julian Barsch: Natürlich schauen viele gerade in Deutschland auf ihn und am Ende ist er sicherlich der beste Wide Receiver in seiner Familie. Die Saison 2020 war wirklich solide, mit einigen tollen Momenten. Dennoch sehe ich ihm nicht mehr als einen soliden Receiver. Er macht vieles wirklich gut und ist ein technisch versierter Route Runner. Doch athletisch ist St. Brown zu limitiert, um ein wirklicher Impact Player in der NFL zu werden. Für mich ein Kandidat ab Runde 3.

#9 Du kriegst noch einen bislang nicht besprochenen Receiver, Tight End oder Runningback, über den du als deinen Sleeper referieren darfst. Bühne frei!

Jan Weckwerth: Dann nehme ich mal einen, den ich im Pac 12-Saisonpreview hier auf Lead Blogger schon einmal als Sleeper beworben habe: RB/WR/RS Demetric Felton von UCLA. Felton ist ein kleiner Playmaker, der zunächst als Slot Receiver, Gadget Player und Returner eigesetzt wurde, letzte Saison nach dem Abgang von Josh Kelley (nun Chargers) primär Running Back spielte.

Er bringt einen starken Burst mit, der für gelegentliche Zone Runs taugt, vor allem aber nach dem Passfang zur vollen Blüte kommt. Extrem wendig und elusive, daher ein Spieler, der den Ball so oft wie möglich bei designed Plays im offenen Feld in die Hand bekommen sollte. Bewies bei den Senior Bowl-Practices seine enormen Fortschritte im nuancierten Route Running mit teils elektrisierendem Footwork.

Felton absolvierte allerdings einen grotesk schlechten Pro Day mit Werten, die deutlich von seinen athletischen Eigenschaften auf dem Feld abweichen. Es ist anzunehmen, dass er im Draft ein wenig fallen wird. Vielleicht ein nettes Präsent für einen kreativen OC am dritten Tag?

Julian Barsch: Here we go! Ihmir Smith-Marsette hat es mir so richtig angetan. Die Meinungen zu ihm gehen extrem auseinander. Von Runde 2 bis Runde 7 sieht man da fast alles. Ich würde ihn ohne Probleme an Tag 2 ziehen. Die Size-Speed-Kombination ist hervorragend! Leider war seine Rolle in der Iowa-Offense eher limitiert, denn als Route-Runner hätte er sich wirklich sehen lassen können. Dazu ist der aus Newark stammende Senior explosiv und kann sowohl bei Gadget-Plays, als auch Returns für Begeisterung sorgen. Smith-Marsette ist sicherlich noch etwas roh und trotzdem bringt er alle Tools mit, um sich zu einem WR2 in der NFL zu entwickeln.

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Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.
Jan Weckwerth
College Football- und Draft-Veteran. Podcaster. Sportromantiker. Running game still matters.
Julian Barsch
Alles rund um die Themen College Football, NFL Draft und Recruiting. Host des Saturday Kickoff-Podcasts. Fan der Ohio State Buckeyes.

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