NFL Draft Vorschau 2021: Defensive Front Seven

Ein Blick auf die interessantesten Prospects in der Defensive Front Seven im NFL Draft 2021.

5
738
4.8
(6)
Lesezeit: 11 Minuten

„Front Seven“ – das ist in einer Liga, die in mittlerweile über 70% der Snaps nur noch maximal sechs Defensive Liner und Linebacker aufstellt, ein eigentlich überholter Begriff. Aber noch ist er in einer von Nickel und Dime dominierten NFL eine gängige Zusammenfassung für die drei „vorderen“ Positionen einer NFL-Verteidigung: Defensive Tackle, Edge Rusher, Off-Ball Linebacker.

Über diese drei Positionen im NFL Draft 2021 geht es in der heutigen Vorschau, in der Jan Weckwerth (@giannivanzetti) und Jonas Stärk (@JonasStaerk) die Fragen von Thomas Psaier (@sidelinerep) beantwortet haben.

#1 Wie sehen die Draft-Jahrgänge auf Defensive Tackle, Edge Rush und Off-Ball Linebacker kurz zusammengefasst im Vergleich zu den letzten 2-3 Jahren aus?

Jan Weckwerth: Bei den Defensive Tackles haben wir eine eher schwache Klasse, allerdings nicht ganz so übel wie 2018. Auf Defensive End fehlt vielleicht das absolute Toptalent eines Chase Young oder Nick Bosa, doch bietet diese Klasse ein paar unterschiedliche 1st Round Talente und einen sehr tiefen zweiten Draft-Tag.

Diesbezüglich halte ich sie für besser als im vergangenen Jahr. Beide D-Line-Positionen reichen natürlich nicht an die historisch starke 2019er Klasse heran, doch daran sollte man die wenigsten Klassen messen. Die Off-Ball-Linebacker-Klasse ist im mittleren Bereich einzusortieren: kein Vergleich mit der fantastischen von 2018, aber sowohl Top-Talente also auch eine gewisse Tiefe über die ersten Runden.

Jonas Stärk: Ja, da gehe ich mit. Die Klasse der Edge Rusher ist extrem faszinierend. Irgendwie scheint da alles drin zu sein zwischen einer Ansammlung von Busts und mehreren Top-Spielern. In der Gruppe tummeln sich einige außergewöhnliche Athleten, denen aber der Feinschliff fehlt.

Sehr enttäuschend ist hingegen die Klasse der Interior Defensive Linemen. Außer ein paar wenigen interessanten Rollen-Spielern scheint da nicht viel zu holen zu sein.

Die Linebacker sind eine unauffällige Gruppe aber durchaus nicht zu unterschätzen. Hinter Parsons finden sich mich JOK, Collins und anderen einige wirklich gute Prospects.

#2 Was zeichnet DT Christian Barmore aus Alabama so sehr aus, dass ihn viele Analysten in die erste Runde schreiben, obwohl er keine 800 College-Snaps gespielt hat?

Jan Weckwerth: Barmore hat in der Tat noch nicht viel gespielt und ist erst ein redshirt Sophomore, doch konnte er sich im Verlauf der letzten Saison von Woche zu Woche steigern und dominierte geradezu in den Playoffs.

Mein Urteil: Großer und schwerer DT mit langen Armen und ziemlich guter Beweglichkeit, der theoretisch auf allen Interior-Positionen einsetzbar ist und daher eine gewisse Positionsflexibilität bietet. Er bringt einiges Upside im Passrush mit durch einen guten Get-Off, schnelle seitliche Schritte und einen extrem effektiven Swim-Move. In den Playoffs sorgte er konstant für Pressure über innen. Dazu hat er brachiale Kraft in den Händen, die ihm auch gegen den Lauf und im Duell mit double teams helfen. Wenn er noch an seinem zu aufrechten Pad-Level arbeitet und weitere Passrush Moves lernt, ist enorm viel drin. Insbesondere als sehr kräftiger 3-tech DT könnte er für einige Unruhe sorgen.

Jonas Stärk: Barmore ist ein gefährlicher Pass-Rusher, der streckenweise das komplette Spiel an sich reißen kann, wie in den Play-Offs geschehen. Er ist explosiv, beweglich und kräftig. Seine Hände sind immer aktiv, auch wenn er hier variantenreicher agieren könnte. Gegen den Lauf ist er hingegen etwas zu inkonstant. Sein Draft-Status profitiert sicher auch von dem Mangel an anderen Alternativen.

#3 Die Defensive-Tackle-Klasse hinter Barmore gilt als richtig traurig besetzt. Hilf mir: Welche Prospects könnten sich trotzdem in der 2ten oder 3ten Runde lohnen?

Jan Weckwerth: Der erste Name wäre sicherlich Levi Onwuzurike von Washington. Der bringt nicht so viele Kilos auf die Waage, weswegen er als reiner 3-tech DT projectet. Obwohl seine Statistiken nicht besonders wirken, bringt er einiges an Passrush-Potenzial mit. Insbesondere sein Get-Off ist hier zu erwähnen: Er explodiert geradezu aus dem Stance und setzt allein damit schon seine Gegenspieler gehörig unter Druck. Er hat aktive Hände und ein schon recht vielseitiges Arsenal an Passrush Moves. Auch er müsste allerdings noch an seinem Pad Level arbeiten. Bringt enormes Potenzial als disruptiver DT mit.

Dahinter wird es dann schnell dünn. Wer einen leichteren Passrusher benötigt, wird sich mit dem Superathleten Milton Williams (Louisiana Tech) oder Osa Odighizuwa (UCLA), der ein paar mehr Power-Elemente in seinem Spiel hat, beschäftigen. Für einen kräftigen Run Defender, der im Passrush noch entwickelt werden müsste, käme etwa ein Alim McNeill (NC State) in Frage. Eine Wildcard ist Daviyon Nixon (Iowa): Hochtalentiert und mit einer Menge Big Play-Potenzial gegen Lauf und Pass, aber noch extrem inkonstant und teilweise undiszipliniert.

Jonas Stärk: Es gibt ein paar interessante Three-Techniques für den zweiten Tag. Da wäre zum einen der von Jan schon genannte Onwozurike, der wirklich gute Tools hat, aber noch zu inkonstant agiert. Aber auch Tommy Togiai sehe ich hier als interessante Alternative. Der ehemalige Buckeyes-Tackle besticht mit sehr guter Handarbeit und sehr gutem Padlevel.

Der extrem athletische Milton Williams könnte am zweiten Tag gehen, obwohl er erst ein Jahr Erfahrung in der interior Line hat. Einer meiner Favoriten ist UCLAs Odighizuwa. Er hat ein extrem gutes Padlevel und trotz seiner geringen Größe recht lange Arme. Durch sein tiefes Padlevel spielt er deutlich schwerer als die gelisteten 280 Pfund nahelegen.

Unter den Nose Tackles sehe ich nur Alim McNeill als würdigen Day Two Pick im Draft. Er ist erstaunlich athletisch und explosiv für einen Spieler seiner Statur. Das konnte er aber kaum zeigen, da er bisher oft als Two-Gap Defender eingesetzt wurde.

#4 Die Miami Hurricanes schicken zwei spannende Passrusher in den Draft. Der eine ist Jaelen Phillips, der andere Gregory Rousseau. Welcher ist der bessere Prospect?

Jan Weckwerth: Phillips, und zwar deutlich. Er bringt das kompletteste Skill-Set aller Edge-Rusher dieser Klasse in der Draft mit. Zum einen ist er ein herausragender Athlet mit überragender Beweglichkeit, so dass er mit seinen 260 Pounds auch problemlos 3-4 OLB spielen könnte.

Zum anderen ist sein Passrush extrem ausgereift: von gutem Get-Off über raumgreifende erste Schritte und einen starken Bend um den OT herum bis zu einem riesigen Arsenal an Passrush Moves (Chop/Rip, Long Arm, Arm Over, Club etc.) und ansatzlosen Counters (u.a. Inside Counter nach Euro Step, Spin). Er kann gleichermaßen über außen und über innen zum Erfolg kommen. Bei ihm weiß der gegnerische O-Liner nie, wie und wo er attackiert wird. Gegen den Lauf kann er ebenso Akzente setzen, lässt sich nicht leicht zurückschieben und zeigt unglaublichen Einsatz bei Plays auf die andere Seite.

Phillips‘ Draft-Aktien sind trotz großer gesundheitlicher Fragezeichen wegen seiner Gehirnerschütterungen in den letzten Wochen im Steigen begriffen. Für mich ist er auf Tape schon länger ein Top 10-Prospect.

Rousseau bringt körperlich ebenfalls einiges Potenzial mit, hat jedoch technisch noch einige Limitationen. Sicherlich ein vielversprechendes Talent, ihn sehe ich aber eher in Runde 2.

Jonas Stärk: Phillips ist der talentiertere, athletischere und technisch besser ausgebildete Spieler. Gegen ihn spricht in diesem Draft-Vergleich eigentlich nur seine Verletzungshistorie.

Rousseau hingegen ist extrem roh, spielte in der letzten Saison wegen seinem Opt-Out nicht und konnte mit seinen Pro Day Resultaten die Erwartungen vieler Scouts nicht ganz erfüllen. Seine Produktion in der Saison 2019 in Kombination mit seinen guten körperlichen Voraussetzungen kann man dennoch nicht einfach ignorieren.

#5 Ronnie Perkins: Heimlicher bester Passrusher im Draft. Zustimmung? Widerspruch?

Jan Weckwerth: Widerspruch, obwohl ich Perkins wirklich mag und für unterschätzt halte. Er kann in punkto Athletik sicherlich nicht mit einigen der absoluten Toptalente mithalten. Dafür ist er technisch bereits erstaunlich gut entwickelt und überrascht immer wieder mit effektiven Inside Counters. Für einen eher kleinen DE spielt er erstaunlich physisch und mit hoher Intensität. Perkins traue ich zu, dass er sich schnell in der NFL akklimatisieren wird und früh starten könnte. Sein Ceiling zum absoluten Sack-Monster ist womöglich begrenzt, aber er ist verglichen mit einigen anderen Prospects eine recht sichere Wahl mit hohem Floor.

Jonas Stärk: Auch eher Ablehnung! Dennoch gehört er zu den besseren Speed-Rushern der Klasse. Es wäre gut, wenn er noch ein paar mehr Power-Elemente etablieren könnte, um seinen Pass-Rush noch variabler gestalten zu können. Die Voraussetzungen dafür hätte er (frag nach bei Teven Jenkins).

#6 Wie kann es sein, dass Jayson Oweh von Penn State 1st-Round-Hype bekommt, obwohl er letztes Jahr keinen einzigen Sack fabrizierte?

Jan Weckwerth: Oweh ist aktuell eindeutig mehr Projektion als Produktion. Einen solchen Freak-Athleten hat man selten auf DE gesehen: Keiner dieser leichten Speedrusher und dennoch unfassbar schnell (4.37 auf 40 Yards), dazu mit enormer Sprungkraft und Wendigkeit ausgestattet.

Diese Athletik transferiert sich durchaus aufs Feld. Allerdings fehlt es ihm noch deutlich an Mitteln um am Gegenspieler vorbeizukommen. Er konnte durchaus halbwegs regelmäßig Druck auf den Quarterback ausüben, diese Plays jedoch (noch) nicht beenden. Interessanterweise ist er in den Power-Elementen (initial punch, Leverage am point-of-attack) schon etwas weiter, zudem überzeugt er als Tackler. Allgemein müssen das Gefühl fürs Play und die Instinkte noch ausgebildet werden.

Oweh bringt ein fast überirdisches Potenzial mit, aber da er noch sehr roh ist, hat er bei mir kein 1st Round Grade mehr bekommen.

Jonas Stärk: Ja, Oweh ist athletisch ein unfassbarer Freak! Athleten wie Oweh sind ganz große Ausnahmen. Außerdem sollte man die Produktion nicht nur an Sack Nummern festmachen. Owehs Pressure-to-Sack Conversion Rate war extrem niedrig, weshalb hier mit einer positiven Regression gerechnet werden muss. Dennoch draftet man ihn fast ausschließlich für Upside, und nicht wegen seines Track-Records.

#7 Payton Turner = Chaos auf zwei Beinen. Ist er der neue Marcus Davenport?

Jan Weckwerth: Nein, für mich ist er weder der neue Davenport noch Chaos auf zwei Beinen, sondern ein verdammt guter Prospect, den ich wesentlich höher habe als die meisten anderen. In den letzten Wochen hat er zunehmend Draft-Hype aufnehmen können.

Turner ist ein langer und schwerer DE mit überlangen Armen. Solchen Typen sagt man oftmals nach, in der Base-Defense außen zu spielen und bei Passing Downs nach innen zu rücken. Das könnte Turner zwar auch, aber er ist für seine Maße ein sehr gefährlicher Outside-Rusher.

Insbesondere sein Bend und seine starke Balance ermöglichen es ihm, mit Dip unter die Schulter des OTs außen in einem engen Boden zum Quarterback zu gelangen. Dank seiner Lasso-artigen Arme reicht dem dann oft auch nicht mehr der Schritt in die Pocket. Er kann bereits eine ausgeprägte Handarbeit vorweisen und kommt mit Inside Counter oder Gap Shooting zwischen OT und OG zum Erfolg. Dazu ist er ein unbarmherziger Tackler mit großer Tackling-Reichweite.

Er muss noch ein wenig an seiner Leverage im Kontakt mit dem O-Liner arbeiten. Doch bringt er alles mit um wirklich überraschen zu können. Mittlerweile kein Geheimtipp mehr, sondern aus meiner Sicht im erweiterten Kreis der Top-Prospects zu finden.

Jonas Stärk: So chaotisch spielt Turner für mich nicht. Seine Handtechnik ist durchaus gut anzuschauen und war in der vergangenen Saison erstmals wirklich effektiv für ihn. Er hat noch Schwierigkeiten, Play Designs und Blocking Schemen rechtzeitig zu erkennen. Ansonsten sind die Ansätze aber schon sehr vielversprechend.

#8 Solche langen, schlanken Passrush-Prospects wie Joe Tryon sind immer spannend, weil sie wie Augenweide aussehen, aber einige von ihnen in der NFL immer wieder kläglich gescheitert sind. Ist Tyron eher Brian Burns oder Leonard Floyd?

Jan Weckwerth: Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass Tryon vom Typ her mit diesen beiden Spielern zu vergleichen ist. Er hat eine deutlich kräftigere Statur und ein anderes Passrush-Profil.

Tryon wurde bei Washington nicht ganz ideal eingesetzt. Die Huskies spielen mit einer 3er und teilweise sogar nur 2er Line, bei der die Spieler naturgemäß weiter innen aufgestellt werden. So musste Tryon oft von der Innenschulter des OTs starten und teilweise sogar als 3-tech auflaufen.

Tryon hat einen guten Burst und Bend, aber ist in diesem Bereich nicht als exzellent einzustufen. Mir gefallen vor allem seine aktiven Hände – wenngleich es da noch Feinschliff braucht –, seine Punches, die er unter anderem effizient bei Speed-to-Power Rushes einsetzt, und sein durchaus physisches Tackling. Er kann sich recht flüssig im Raum bewegen, daher wäre er eben auch für 3-4 Defenses ein Gewinn. Ich glaube allerdings nicht, dass er als reiner Speedrusher Karriere machen wird.

Jonas Stärk: Burns oder Flody – eher letzterer! Tryon bringt physisch alles mit, was man braucht. Sein Pass-Rush Plan steht jedoch noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. In seiner Toolbox findet man nur eine extrem limitierte Sammlung von Rush-Moves.

#9 Azeez Ojulari aus Georgia ist eigentlich prädestiniert dafür, unterschätzt zu werden: Nicht ultra-explosiv, aber eine Körperbeherrschung vor dem Herrn. In welcher Runde würdest du ihn einordnen?

Jan Weckwerth: Ojulari ist auf meinem Board der zweite Edge-Rusher der Klasse und ein klarer Kandidat für die erste Runde. Im outside Speedrush sortiere ich ihn ganz oben ein, obwohl er – wie du schon sagtest – nicht die größte Explosivität oder den allerbesten Bend mitbringt.

Dafür ist seine Handarbeit in diesem Bereich als exzellent einzustufen. Insbesondere die herausragend getimeten und platzierten Chops auf die Arme des OTs sorgen für einen engeren Bogen zum Quarterback. Zudem ist Ojulari trotz seiner geringen Größe und Masse ein unterschätzter Run Defender und starker Edge-Setter. Hier kommen ihm seine ungewöhnlich langen Arme und seine exzellente Leverage zugute. Wenn er sich noch ein paar Counter Moves aneignet, hat er das Potenzial zu einem echten Klassespieler.

Jonas Stärk: Azeez Ojulari ist für mich ein Erstrundenpick, da er für mich der beste Pass-Rusher im Draft ist. Sein Bend ist absolut absurd, weshalb er auch sehr eng um Offensive Tackles herumkommt. Zudem arbeitet Ojulari gut mit seinen Händen und hat ein gutes Arsenal mit Pass-Rush Countern. Auch sein Get-Off ist gut, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie manche das bei seiner Statur hoffen.

#10 Einen Edge-Rusher hast du noch frei: Wen willst du mir schmackhaft machen?

Jan Weckwerth: Wenn ich freie Auswahl habe, nehme ich einen aus den späteren Runden, und zwar Cameron Sample von Tulane. Sample ist einer dieser DL-Hybride, nicht besonders groß, aber sehr kräftig gebaut. Er hat einen ordentlichen Punch und spielt mit guter Leverage, ist meiner Ansicht nach allerdings mehr als nur ein Run Defender. Er verfügt zumindest über eine passable Explosivität auf den ersten Schritten, vor allem gefallen mir seine flinken und ansatzlosen Inside Moves. Damit stellte er beim Senior Bowl sowohl OTs als auch OGs vor gewaltige Probleme. Sein technisches Repertoire halte ich für gar nicht so schlecht. Vielleicht kann er ja überraschen.

Jonas Stärk: Carlos Basham jr. hat das Potenzial zu einem wirklich guten Power-Rusher in der NFL. Anders als viele andere in dieser Klasse hat Basham einen relativ hohen Floor. Allerdings muss er noch lernen, seine physischen Vorteile besser zu nutzen.

#11 Micah Parsons ist in jeder Hinsicht extrem: Sportlich wie menschlich. Wie wahrscheinlich ist es, dass er den legendären Ruf der „Linebacker U“ Penn State um einen weiteren All-Pro-Namen erweitern kann?

Jan Weckwerth: Die Linebacker-U-Ära ist ja schon ein paar Jahre her und stammt aus der Frühzeit meiner Beschäftigung mit der Draft. Wenn Parsons seinen Kopf und sein Verhalten abseits des Feldes in den Griff bekommt, stehen die Chancen allerdings sehr gut, dass er eine neue Ära der Nittany Lions-Linebacker einläuten kann.

In und nahe der Box ist er eine echte Naturgewalt, ein Enforcer, wie man ihn nicht alle Jahre erlebt. Parsons hat die ideale Kombination aus sensationeller Athletik und brachialer Kraft. Dadurch kann er hinter der Line die horizontale Reichweite zu beiden Seitenlinien abdecken und downhill zur Line of Scrimmage attackieren.

Herausragender Blitzer und Gap Shooter, der auch mal im regulären Passrush eingesetzt werden kann. Sein Tackling ist ultrahart und exzellent. In Coverage hat er etwas weniger Erfahrung, wenngleich ich seine Plays in Zone gar nicht so schlecht fand. Ein absolutes Toptalent, das vor 15 Jahren wohl noch gute Chancen auf mindestens einen Top 3- Pick gehabt hätte.

Jonas Stärk: Sportlich ist Parsons alles zuzutrauen. Als Run-Defender und Blitzer ist Parsons bereits sehr gefährlich. Er kann Play-Designs sehr schnell erkennen und deckt durch Spielverständnis und Athletik einen extrem großen Bereich ab. Etwas unerfahren ist er hingegen noch in Coverage. Sein zukünftiges Team sollte ihn in diesem Bereich langsam an eine größere Rolle in Coverage heranführen.

#12 Einen hab ich noch: Jeremiah Owusu-Koramoah von Notre Dame, genannt „JOK“. Extrem talentiert, aber mit 6‘1 ungewöhnlich klein für einen Linebacker. Wie muss er eingesetzt werden, damit aus JOK kein JOKE wird?

Jan Weckwerth: Bitte, bitte kreativ und nicht in eine starr festgelegte Position gedrängt. Ich bin ein riesengroßer Fan von Owusu-Koramoah und hatte ihn im Sommer bei einer Preview auf dieser Seite als kommenden Star bezeichnet.

Mit seinem Profil passt er meiner Ansicht nach ideal in die moderne NFL: zwar klein und undersized, aber sehr athletisch und mit einem unglaublichen Spielverständnis ausgestattet. Er hat bei Notre verschiedene Aufgaben übernommen (vom OLB über den Overhang-Defender bis zum Slot-DB) und musste seine Run/Pass-Keys blitzschnell lesen.

Mit seinem fantastischen Burst ist er im Nu an der Line oder in der Flat beim Ballträger – und kann diesen auch überraschend hart zu Boden bringen. Zugleich brilliert er geradezu in Coverage, gleich ob Man oder Zone. Er bewegt sich extrem flüssig übers Feld und beeindruckt durch starke Breaks auf Ball oder Spieler.

In einigen Bereichen muss er noch etwas disziplinierter werden (Angles, Tackling), doch selbst da reden wir schon jetzt von sehr hohem Niveau. Dennoch hat Owusu-Koramoah ein gewisses Bust-Potenzial, da NFL-Coaches oftmals noch zu konservativ an ihren Positionen und deren Zuständigkeiten hängen. Diese Diskussion haben wir schon im letzten Jahr um Isaiah Simmons geführt (wenngleich der ein anderer Prospect-Typ war).

In einer „positionslosen Defense“ könnte man aus ihm wohl das Maximum herausholen, da er als OLB, Slot oder sogar gelegentlich tieferer Safety denkbar wäre. JOK wird am besten zur Geltung kommen, wenn man ihn als defensive Version einer Matchup-Waffe versteht. Dann wäre er kein JOKE, sondern ein JOKER.

Jonas Stärk: Grundsätzlich ist Owusu-Koramoah ein extrem athletischer Linebacker, der in fast allen Systemen einsetzbar ist. Trotz seines Körperbaus kann JOK auch die traditionellen Aufgaben von Linebackern übernehmen. Am besten wäre für ihn ein System, welches seine Vielseitigkeit nutzt und ihn nicht in eine einzelne Position zwängt.

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung: 4.8/5 (6 Stimmen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.
Jan Weckwerth
College Football- und Draft-Veteran. Podcaster. Sportromantiker. Running game still matters.
Jonas Stärk
NFL- und Draft-Enthusiast, Podcaster; Im deutschen Football unterwegs als Spieler und Jugend-Coach der Bochum Rebels und als Schiedsrichter.

5 KOMMENTARE

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen