Draft Lingo – eine sprachliche Einführung

Du versuchst englischsprachige Draft Reports zu lesen und versteht kein Wort? Hier wird dir geholfen (eventuell).

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Lesezeit: 4 Minuten

Unser schönes Footballdeutschland produziert mittlerweile massig an Content – zu dieser Jahreszeit besonders gerne Draftcontent. Podcasts, Artikel, mehr als jeder Gelegenheitsfan konsumieren könnte. Doch spätestens, wenn wir am kommenden Samstag in den dritten Tag des Drafts einsteigen, könnte es mit deutschsprachigen Infos knapp werden. Dieser Longsnapper, den die Vikings an #199 ziehen? Bezweifle, dass sich zu dem Spieler deutschsprachige Infos finden lassen.

In so einem Fall wird man auf Artikel unserer Freunde von Übersee zurückgreifen müssen und wir alle wissen – das einzige was der Amerikaner mehr liebt als Freedom, Nascar und Pick-Up Trucks, sind verwirrende Scouting-Neologismen, die man auch mit aufgeschlagenem Wörterbuch maximal übersetzen, aber nicht verstehen kann. Deshalb hier eine Hilfestellung. Wenn unsere Draft-Vorschau euch nicht reicht, nutzt diesen Artikel als Glossar. Ihr werdet ihn brauchen, um euch im linguistischen Dschungel zwischen Butterbrotsdosen und Sand in der Hose zurechtzufinden.

“He can’t read defenses!”
Der Quarterback kann entweder Defenses lesen oder nicht. Der Nutzer dieser Formulierung kann es auf gar keinen Fall.

“He just looks the part!”
Der Scout glaubt, dass dieser Prospect einschlagen wird. Begründen kann er das nicht und so hört sich das dann an. Wird gerne bei hellhäutigen Spielern genutzt, noch lieber bei Quarterbacks.

“He’s a proven winner!”
Er war in der High School gut und ist an ein ordentliches College Programm gekommen. Zu den Wins… Korrelation ungleich Kausalität.

“He’s got all the intangibles, his teammates and coaches love him!”
Kann absolut kein Football spielen, sorry. Wenn die beste Eigenschaft seine netten Umgangsformen sind, willste den Jungen auf dem Feld besser nicht sehen. Aber wenn der ‘ne Geburtstagparty schmeißt, steht der ganze Locker Room auf der Matte!

“North-South runner”
Dieser Running Back vertrödelt selten viel Zeit an der Line of Scrimmage – ein Cut und ab dafür! Ist meistens positiv gemeint, kann aber auch heißen, dass genannter Back die Beweglichkeit eines Müllwagens hat. Siehe dafür -> Qadree Ollison.

“Tweener”
Man kann ihm keine feste Position in der NFL zuordnen. Er kann also entweder zwei Spots sehr gut oder sehr schlecht spielen. Wäre er auf einem schlecht und dem anderen gut… dann würde er da ja die ganze Zeit spielen, oder?

“He’s got sand in his pants”
Ok, wie formuliere ich das delikat. Ein Großteil seiner Körpermassen ist in der Hüftregion angesiedelt. (Er hat nen dicken Arsch, aber von der athletischen Art)

“He’s got football speed”
Spieler hat eine grausame 40 Time gelaufen, sieht aber auf Tape ziemlich athletisch aus. Gefährlich bei Small School Prospects, weil die Gegenspieler da in der Regel zukünftige Anwälte und Geschichtslehrer sind. Im Vergleich zu denen sähe auch 2020 Larry Fitzgerald schnell aus.

“Hog Molly”
Ganz ehrlich, keine Ahnung. Vermutlich ein stabiler Defensive Lineman, aber mit Sicherheit bei Dave Gettleman hoch auf dem Board. Vermutlich begriffsverwandt mit “Space Eater”.

“High Motor”
Er läuft viel – hinterher. Wäre er ein guter Spieler, müsste er nicht so viel laufen. Packers-Fans wissen, welchen Ex-Linebacker ich meine. Chancen sind hoch, dass er viele Tackles macht. Nicht Tackles for Loss allerdings, nein. Tackles sieben Yards downfield.

“Gadget Guy”
Gib ihm den Ball und er wird zwei Gegner aussteigen lassen. Und dann für zwei Yards Raumverlust out of bounds gehen. Aber mal im Ernst: gäbe es Tarik Cohen nicht, würde niemand solche Spieler vor der sechsten Runde anfassen.

“High Floor Guy”
Die Chance, dass er bustet, ist gering. (Ist sie nicht, aber noch geringer ist die Chance, dass er sich zu einem überdurchschnittlichen Starter entwickelt.) Vermutlich klein und oder langsam.

“Upside Guy”
Spieler suckt, könnte aber besser werden. Oder er hört den Upside Fantasy Podcast, was nie eine schlechte Idee ist.

“Hands like Feet”
Autsch. Selbsterklärend oder? Bin aber froh, dass Ted Ginn Jr. trotzdem eine gute NFL Karriere hatte.

“Long Strider”
Receiver, der keinen guten Antritt hat, aber einen Nachbrenner zünden kann. Passt gut in Systeme, in denen QBs im Durchschnitt zehn Sekunden Zeit in der Pocket haben. Ja, ich rede über BYU.

“Lunch Pale Guy”
Den Begriff liest man gerne in Zusammenhang mit kleinen, weißen Slot Receivern wie Wes Welker und Trent Taylor. Keinen Dunst, was das heißen soll. Klingt aber positiv. Oder schmiert ihm seine Mutter sein Brot noch?

“Pile Inspector”
Mein Favorit. Der Pile Inspector ist der Typ, der bei Gang Tackles immer so aussieht, als wäre er reingesprungen, wenn’s nötig gewesen wäre. Bei Fumbles wedelt er als Erster rigoros mit dem Arm und signalisiert, dass sein Team den Ball hat. Er hat in seinem Leben noch nie so einen Menschenhaufen von unten gesehen. Meistens Defensive Backs, eigentlich immer Cornerbacks mit einer #1 auf dem Rücken. Come on, du bist kein Deion, zeig ein bisschen Einsatz!

“He’s got a chip on his shoulder”

Das Brady Special. Die Änderung der Nummern-Regeln wird er sich so zu Herzen nehmen und in sich brodeln lassen, dass es ihn antreibt, ihn nachts nicht schlafen lässt und schließlich zu Höchstleistungen bewegt, die die Buccaneers zu drei weiteren Ringen in der Post-Jerseynumber-Ära führen. In den anderen 99% der Fälle heißt es, dass ein Spieler zurecht kritisiert wird, vermutlich weil er schlecht ist.

Richtige Drafts Nerds werden sich vielleicht an einen Artikel von Jon Ledyard aus dem Jahre 2018 erinnern mit ähnlichem Konzept. Der ist leider nicht mehr aufzufinden, aber ich habe Tränen gelacht.

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James Wiebe
Podcaster. Fan von NFL, CFB und jeder zukünftigen Spring-Football-Liga. Ewiger Dante-Pettis-Believer.

1 KOMMENTAR

  1. High Football IQ: Unathletischer weißer QB, der den Ball weder tief noch outside the numbers mit Zip werfen kann. Daher muss der OC ihm alles per RPO underneath frei schemen. Diesen Read bekommt er zuverlässig hin und trifft kaum schlechte Entscheidungen.

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