Sportwetten ist Kunst – Die Magie der Wettsteuer

Zum profitablen Wetten gehören gescheite Quoten. In der Serie "Sportwetten ist Kunst" geht es diesmal um die problematische Wettsteuer.

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Meine allererste Wette habe ich bei Topsportwetten platziert. Das ist eine Kette, die man in vielen deutschen Städten vorfindet – meistens gepaart mit einem kleinen Casino und Bildschirmen, auf denen man die jeweiligen Spiele schauen kann. Meine erste Online-Wette ging bei bwin über die virtuelle Theke, später kamen dann bet365 und Pinnacle dazu. Letzterer – einer der größten und besten Buchmacher der Welt – ist mittlerweile nicht mehr für deutsche Kunden zugänglich.

Soweit ich informiert bin sind wir, aus welchem Grund auch immer, das einzige Land auf der Welt mit einer Wettsteuer (Hier könnte man ein GIF mit einem explodierenden Kopf einfügen). Stolze fünf Prozent des Wettumsatzes wandern jedes Mal in die Tasche des Fiskus. Deshalb wollen manche Länder nichts mit deutschen Kunden zu tun haben und sperren diese direkt aus. Es ist beispielsweise extrem schwer, sich irgendwo online in England anzumelden. Bei der Anmeldung entdecken die mittlerweile gut programmierten Geo-Tracker unsere Location. Und selbst wenn wir zugelassen werden, muss der Buchmacher – zumindest in Europa – die Wettsteuer an den deutschen Fiskus abführen.

Das Problem Wettsteuer

Das große Problem an der Wettsteuer: es gestaltet sich unheimlich schwierig, langfristig profitabel zu wetten. Denn fünf Prozent auf den Umsatz sind beim Wetten massiv. Die Miami Heat sind während ich diese Zeilen schreibe bei bet365 mit 4.5 Punkten gegen die New York Knicks am Montagabend favorisiert. Die Quote dafür ist 1.909 oder auch -110. Das ist die internationale Standard-Quote für Spreads und Totals und das Equilibrium bei Zwei-Weg-Ereignissen. Ich könnte 110 Euro setzen, um 100 zu gewinnen. Durch die Wettsteuer bekomme ich aber nur 89.50 Euro als Gewinn heraus. Denn vom Gesamtumsatz der Wette (210 Euro) werden 5 Prozent (10.50 Euro) direkt abgezogen. Wenn die Wette verliert, bleibt es bei 110 Euro Verlust.

Dadurch wird aus der angezeigten Quote von 1.909 bei einer erfolgreichen Wette eine reale Quote von 1.814. Ja wirklich, 1.814. Aus -110 wird knapp -123. Die verlorene Wette bleibt natürlich bei -110. Das bedeutet, dass sich der Breakeven-Punkt für profitables Wetten drastisch erhöht. Sprich die implizierte Wahrscheinlichkeit unserer Wette. Bei -110 (1.909) liegt dieser bei 52.4%. Durch die Wettsteuer springen wir auf 55.1%. Bei 100 Wetten müssten wir ohne Wettsteuer 53 richtig haben, mit der Wettsteuer dann 56 – nur um einen minimalen Profit zu generieren. Bei 1000 Wetten wären es 525 versus 552. Und das nur für break-even. Für eine Einordnung: die besten der Welt treffen in der NBA langfristig bei gescheitem Volumen wohl so um die 56-58%.

Es ist für Otto-Normalo, der bei solch einem europäischen Buchmacher wie bet365 wettet, somit schier unmöglich, langfristig profitabel zu sein. Versteht mich nicht falsch: wer ein bisschen zwecks Entertainments wettet, den wird das nicht stören. Aber sobald jemand über das Entertainment hinaus und die Sache etwas ernster angehen möchte, für den sind diese Quoten komplett sinnfrei. Denn jeder startet als Coinflipper, der langfristig 50% Trefferquote erwarten kann. Jeder kann mal eine begrenzte Zeit lang auf der positiven Seite der Varianz reiten und auch bei bet365 ordentlich Geld mitnehmen. Aber das ist nicht der Normalfall.

Der Italiener und der Deutsche

Dann gibt es noch die Buchmacher wie Tipico, die potenziellen Kunden mit ihrer teuren Marketing-Kampagne „Wir schenken euch die Wettsteuer“ locken. Das gilt anscheinend aber nur für Online-Kunden und ist eine Milchmädchen-Rechnung, denn die Wettsteuer wird einfach nur in die Marge des Buchmachers eingebaut – ihr erhaltet einfach schlechtere Quoten. Bei Tipico liegt die Durchschnittsquote ohne Wettsteuer bei 1.85 und nicht bei 1.909. Das ist zwar besser als beispielsweise bei bet365, bedeutet aber trotzdem einen Breakeven-Punkt von 54.1%. Bei 110 Euro Einsatz erhaltet ihr bei Tipico statt 100 Euro dann lediglich 93.50 Euro Gewinn.

Kleines Beispiel: Die Bankroll eines Italieners und eines Deutschen beträgt 10.000 Euro, beide geben dieselben 1000 NBA-Wetten á 110 Euro auf Spreads und Totals bei bet365 ab und treffen 53% bei einer angezeigten Durchschnittsquote von 1.909, was schon ziemlich gut ist. Der Italiener hätte hinterher 11.300, der Deutsche 5735 Euro. Das ist die Magie der Wettsteuer.

Wetter müssen, um profitabel zu sein, langfristig die Marge des Buchmachers schlagen. Natürlich können wir in unserem Wettprozess besser werden. Das ist aber leichter gesagt als getan. Der einfachste Schritt ist daher, einfach die Marge in die wir „hineinwetten“, zu senken. Wir wollen die Marge so gut wie möglich in Richtung 0% bringen. Wenn ihr etwas seriöser wetten wollt und euch die Verluste nicht egal sind, dann müsst ihr jeden europäischen Buchmacher mit Wettsteuer links liegen lassen. Es gibt genügend Alternativen. Ein paar werde ich im nächsten Artikel vorstellen.

Kleiner Ausflug: Professionelle Wetter haben in der Regel gute Netzwerke, einen Zugang zu einer Vielzahl an Buchmachern, aus denen sie sich die besten Quoten herauspicken und sind dadurch in der Lage, einen Teil ihres Volumens komplett ohne Marge zu wetten. Beispielsweise gibt es das sogenannte „Crossing“ – man wettet direkt gegen andere Wetter ohne einen Buchmacher. Man rechnet aus den Quoten einfach die Marge heraus, Wetter 1 nimmt Team A und der Gegenüber Team B. Die Tendenz geht bereits jetzt und in den nächsten Jahren immer mehr in Richtung Plattformen, auf denen man peer-to-peer gegeneinander wettet, also komplett ohne einen Buchmacher als Zwischenstation. Die Blockchain-Technologie wird das unter anderem ermöglichen.

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