NFL-Saison 2020 – Gewinner und Verlierer Teil 2

Nach dem ersten Rückblick schauen wir auf die nächsten Gewinner und Verlierer der NFL-Saison, diesmal vermehrt aus der AFC. Neben dem Überraschungsteams aus Buffalo blicken wir unter anderem auf den Super-Bowl-Finalisten aus Kansas City. Dazu stehen die drei Teams mit frühen gedrafteten Quarterbacks auf dem Zettel.

Thomas Psaier

Gewinner: Marlon Humphrey

Die Ravens haben eine schwierige Saison hinter sich, aber Humphrey ist ganz klar einer der Gewinner. Er hat wieder über 1000 Defensive-Snaps gespielt, ist die wichtigste Schachfigur der Secondary geworden. Er ist Outside-Corner und Slot-Corner zugleich, eingesetzt je nach Bedarf und Matchup. Humphrey hat in vier Jahren weniger als 1 Yard pro Coverage-Snap aufgegeben, was extrem rares Gut ist. Seine Flexibilität erlaubt den Ravens das zu spielen, was sie wollen. Und so ist es keine Überraschung, dass Baltimore ihm schon früh in der Saison die fette Vertragsverlängerung gab, die er sich verdiente.

Verlierer: Hollywood Brown

Hollywood Brown war der 1st Round Pick der Ravens 2019. Als Rookie blitzte sein Potenzial als Big-Play-Waffe immer wieder auf, doch in Jahr 2 wurde Brown ziemlich entblößt. Nicht, dass seine rohen Stats nicht brauchbar gewesen wären: 69 Catches für 965 Yards mit 8 Touchdowns sind keine Katastrophe. Aber Brown ist nicht gut genug um die Passing-Offense als echter WR1 zu tragen. So werden die Ravens in der Offseason gezwungen sein, massiv auf Receiver zu investieren. Das heißt nicht, dass Hollywood keine Zukunft in Baltimore hat. Als #2 oder Speed-Option #3 bleibt er eine Waffe. Aber der Zug als #1 ist abgefahren.

Florian Schmitt

Gewinner: Josh Allen

Josh Allen galt als gescheitert. Als Gunslinger mit haarsträubender Accuracy und teils äußerst fragwürdigen Reads. Kaum jemand traute ihm in Jahr drei noch den großen Sprung zu. Doch Allen strafte seine Zweifler Lügen und legte das wohl beachtlichste Third-Year-Breakout der NFL Geschichte hin. Von einem PFF-Grade von knapp 65 katapultierte er sich auf 90.3. Damit belegte er Rang 5 unter allen Quarterbacks und führte seine Bills bis ins AFC Championship Game.

Verlierer: Devin Singletary

Einen wirklichen Verlierer dieser Bills-Saison auszumachen fiel schwer. Die Wahl fällt letzten Endes auf Devin Singletary. Denn zum einen wurde ihm in Zack Moss ein Rookie vor die Nase gesetzt. Zum anderen konnte Offensive Coordinator Brian Daboll keinen Head-Coaching-Gig ergattern und bleibt bei den Bills. Warum das schlechte Neuigkeiten für Singletary sind? Weil die Bills das wohl passlastigste Team der abgelaufenen Saison waren. Knapp über 65% Passquote auf frühen Downs schlagen die Steelers auf Platz zwei um satte 2.5 Prozentpunkte.

Jessica Fehlhaber

Gewinner: Roquan Smith

Nach sehr guten ersten Jahren hatte Roquan Smith 2020 sein großes Breakout Jahr. Der 2018 an Position 8 gepickte Linebacker spielte die komplette Saison hindurch auf einem All-Pro Level und war eine dominante Figur in der starken Bears-Defense. Auch an Hand der hervorragenden Zahlen lässt sich sein Sprung in die Linebacker Elite aufzeigen. Mit 98 Solo Tackles verpasste er die dreistellige Schallmauer knapp, war aber noch immer ligaweit die Nummer zwei. Auch in tackles for loss belegt Smith Platz zwei in der Liga. 18 Mal konnte er die Distanz zum First Down vergrößern.

Verlierer: Nick Foles

So wirklich überzeugt waren die wenigsten, als man bei den Bears den Zweikampf zwischen Nick Foles und Mitch Trubisky ausrief. Trubisky war längst angezählt und der ehemalige Super Bowl MVP Foles wurde in der Vorsaison bei den Jaguars aufs Abstellgleis geschoben. In Woche frei durfte Foles erstmals übernehmen und startete mit einem spektakulären 4th Quarter Comeback gegen die Falcons. Doch damit schien das Pulver verschossen. Es folgten mehrere weit unterdurchschnittliche Auftritte. Ab Woche 11 wechselte HC Matt Nagy zurück auf Trubisky, welcher sich auf einem zumindest durchschnittlichen Niveau etablierte.

Fabian Sommer

Gewinner: Jessie Bates

Der Free Safety hat sich im dritten NFL-Jahr zur absoluten Bank in der Mitte des Feldes gemausert und trumpfte mit der besten Grade aller Safeties seitens Pro Football Focus auf. Einzelne Spieler haben diese Defense trotz einiger Ausfälle zusammengehalten und Bates hat dabei eine große Rolle gespielt. Daher könnte schon vor seinem vierten NFL-Jahr ein netter Payday winken.

Falcons Looser: A. J. Green

Der ehemalige Superstar-WR stand eineinhalb Spielzeiten verletzungsbedingt an der Seitenlinie. Doch im „fitten” Zustand kam er trotz der Ankunft von Joe Burrow nicht ansatzweise an alte Leistungen heran. Im Alter von 32 Jahren wird es mit einem neuen Vertrag in Cincinnati äußerst schwer. Aber auch auf dem offenen Markt sollte er in der Free Agency nicht auf die großen Scheine hoffen.

Fabian Sommer

Gewinner: Xavier Rhodes

Der ehemalige Wikinger galt nach einer katastrophalen 2019er Saison in Minnesota als abgeschrieben. Das Signing seitens der Colts wurde von vielen Experten belächelt. Doch der bald 31-jährige Rhodes revitalisierte unter DC Matt Eberflus seine Karrier und trumpfte im zone-heftigen Scheme in Indianapolis groß auf. Einer Verlängerung im März sollte nichts im Weg stehen.

Verlier: Parris Campbell

Der athletische Sophomore-WR hätte ‚wie Arsch auf Eimer’ zum Spielstil von Philip Rivers gepasst – Crossing-Routen Galore. Im Woche 1 gegen die Jaguars hat er sein Talent auch aufblitzen lassen – 6 Receptions für 71 Yards. Doch in Woche 2 war verletzungsbedingt schon wieder Schicht im Schacht. In seinen ersten beiden Saisons kommt der ehemalige Second-Round-Pick bislang auf lediglich fünf Einsätze als Starter. Je nach Situation muss sich Campbell in der kommenden Offseason erst einmal hintenanstellen. Das Talent ist da, das Pech aber auch.

James Wiebe

Gewinner: L’Jarius Sneed

Wer ist kein Gewinner bei den Chiefs? Bei guten Teams muss man solche Awards wohl abhängig von der Erwartungshaltung machen und von einem Viertrunden-Cornerback erwartet man eben nicht viel. Sneed spielte hauptsächlich im Slot und etablierte sich schnell als überdurchschnittlicher Starter. Dazu präsentierte er sich als äußerst sicherer Tackler, obwohl er Mitte der Saison zeitweise mit einem gebrochenen Schlüsselbein ausfiel. Funfact: seit Woche 15 in jedem Spiel ein Sack als Blitzer!

Verlierer: Le’Veon Bell

Mitte Oktober von den New York Jets entlassen, hatte Le’Veon Bell die Chance eines der größten In-Season-Comebacks hinzulegen. Als Running Back zu den Chiefs, als besondere Receiving Waffe für Patrick Mahomes? Eine bessere Chance auf einen Ring gibt es kaum.
Den könnte Bell tatsächlich bekommen, sein Anteil daran ist allerdings gering. Nicht nur konnte er Rookie CEH nicht verdrängen, er fiel in der Depth Chart auch hinter Darrel Williams zurück. Tough Scene.

Maximilian Länge

Gewinner: Nelson Agholor

So wie Nelson Agholor früher bei den Philadelphia Eagles Bälle droppte, droppte er bei den Las Vegas Raiders in Week 16 nach der Niederlage gegen die Miami Dolphins die Bombe. Noch vor seinem Trainer wandte er sich an die Mitspieler und warf ihnen Egoismus und Faulheit vor. Niemand übernehme Verantwortung für die jüngsten Niederlagen. Der Nelson Agholor aus der Saison 2020 kann sich das aber erlauben. Als Veteran auf Minimalgehalt sammelte er mit 47 Fängen 839 Yards und acht Touchdowns. Er war gemeinsam mit Darren Waller Alleinunterhalter im Passspiel der Raiders.

Verlierer: Cory Littleton

Eine andere Free-Agency-Verpflichtung ging bei den Raiders gründlich in die Hose. Cory Littleton unterschrieb vor der Saison einen Dreijahresvertrag über rund 35 Millionen US-Dollar. Der bei diesem Preisschild erwartete, das komplette Feld abdeckende Linebacker, war er aber in keinem einzigen Spiel 2020. Littleton – sonst souverän tackelnd – verfehlte plötzlich Gegenspieler und strauchelte mit dem Systemwechsel. Als er sich gerade halbwegs wohl fühlte in der Defensive der Raiders, erwischte ihn Corona.

Christian Schimmel

Gewinner: Justin Herbert

Sicherlich gab es außer Herbert auch weitere Kandidaten, Offensive Tackle Storm Norton wäre dort beispielsweise zu nennen. Herbert hat alle Erwartungen übertroffen. Zumal sich viele Sorgen, nach der Darstellung des Training Camps in der Serie Hard Knocks, noch verstärkten. Herbert brach etliche Rookie Rekorde und war insbesondere während Abwesenheit von Austin Ekeler eine der wenigen Gründe der Chargers Offense zuzusehen.

Verlierer: Tom Telesco

Kann man hier einen GM erwähnen, der den nächsten Franchise Quarterback gezogen hat? Telesco musste seinen zweiten Head Coach entlassen. Die Draftbilanz der letzten Jahre sieht dürftig aus, obwohl auch Linebacker Kenneth Murray in Jonas All Rookie Team steht. Zu viele Draftpicks erfüllen die Erwartungen nicht und die hoch gesteckten Erwartungen in Bryan Bulaga und Trai Turner wurden nicht erfüllt. Die Offensive Line bleibt, wie seit Jahren schon, ein großes Problemfeld.

Jessica Fehlhaber

Gewinner: Xavien Howard

Zehn Interceptions sind einfach ein herausragender Wert. Seit Antonio Cormartie 2007 konnte kein anderer Spieler eine zweistellige Zahl in einer Saison erreichen. Mit 20 Deflected Passes eroberte sich der Cornerback auch in dieser Kategorie die Pole Position der NFL. Diese Zahlen fordern allerdings ihren finanziellen Tribut, Howard scheint eine Gehaltserhöhung anzustreben. Seub sein Verbleib in Miami ist nicht gesichert.

Verlierer: Tua Tagovailoa

Die Tua-Festspiele sind ausgeblieben und wohlmöglich dauerhaft abgesagt. Zumindest in Miami. Denn der Rookie hatte solide Auftritte, wurde aber auch in zwei Spielen vorzeitig vom Feld genommen. Dadurch konnte Tua kein Standing aufbauen. Es wirkte nicht als ob Brian Flores riesiges Vertrauen in seinen Schützling hatte. Auch rund um das Saisonfinale gegen die Bills gab es vermehrt die Hoffnung auf eine Rückkehr von Ryan Fitzpatrick. Ob es mit Tua 2021 weiter geht darf bezweifelt werden. Das Werben der Dolphins um Deshaun Watson ist mehr als offensiv.

Fabian Sommer

Gewinner: Leonard Williams

Der ehemalige “6th Overall” kam die ersten dreieinhalb Saisons bei den Jets überhaupt nicht in Fahrt und wurde dann Mitte der 2019er Saison für einen recht üppigen Preis zum Nachbarn getradet. Doch im letzten Jahr seines Rookievertrages blühte Leonard Williams so richtig auf. Er konnte laut PFR mit 11.5 Sacks, 14 TFLs und 30 QB Hits Argumente für einen Folgevertrag liefern. Ob die Saison eine Eintagsfliege war, wird sich noch herausstellen. Allerdings kam sie für Williams finanziell zum richtigen Zeitpunkt.

Vierlierer: Evan Engram

Es war sicherlich keine Seuchensaison, denn diesmal ist Engram weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben. Doch es wurde auch nicht die mehr oder weniger die erhoffte Breakout-Saison werden. Es mag sicherlich auch damit zusammenhängen, dass der athletische Tight End von OC-Granate Jason Garrett nicht immer den eigenen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurde (Bring the Hitches). Doch insgesamt konnte Engram mit seinen Leistungen (und natürlich auch “Stats”) das Management um GM Dave Gettleman nicht wirklich zu einer frühen Vertragsverlängerung zwingen.

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