NFL-Saison 2020 – Gewinner und Verlierer Teil 3

Das Footballjahr ist vorbei, die Tampa Bay Buccaneers haben den Sieg im eigenen Stadion geschafft. Zum Abschluss dieser äußerst ungewöhnlichen Saison, gibt es nun den letzten Teil dieses Rückblicks.

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Lesezeit: 8 Minuten

Nach Teil 1 und Teil 2 blicken wir im letzten Durchgang unsereres NFL Rückblicks unter anderem auf Gewinner und Verlierer des Super Bowl Siegers. Wir blicken auf den Rückzug John Elways und den leisen Abstieg einer anderen Quarterback Legende.

Thomas Psaier

Gewinner: Wyatt Teller

Teller war in dieser Saison 2nd-Team-All-Pro, obwohl er inklusive Playoffs nur 13 Spiele bestritt. Das sagt viel aus über diesen noch im Sommer völlig unbekannten Guard. Teller war 2018 als relativ alter 23-jähriger Prospect in den letzten Runden von Buffalo gedraftet worden und ein Jahr später für einen Late-Rounder an Cleveland weitergereicht worden. Teller war ein nur durchschnittlicher Pass-Blocker, aber der vielleicht wichtigste Treiber der heißgelaufenen Rushing-Maschine in Cleveland. Über sein Gap machten die Browns 6.1 Yards/Run.

Verlierer: Die Secondary

Ich weigere mich, Odell Beckham jr. als Verlierer abzustempeln, bloß weil die Offense just mit seinem Verletzungsausfall zu klicken begann. Beckham muss eigentlich eine Verstärkung bedeuten, sollte er noch einmal ins Browns-Lineup zurückkehren. Das wahre Problem in Cleveland war die unterirdische Secondary.
CB Denzel Ward hat sich dort zu einem Top-Corner entwickelt – solange er nicht Travis Kelce bewacht. Aber alle anderen Positionen müssen infrage gestellt werden. Clevelands Slot-Defense war eine der drei schwächsten in der NFL und beide Safety-Positionen blieben die ganze Saison über ein offenes Scheunentor. Es ist beruhigend, wenn man genau weiß wo man personell für die nächste Saison ansetzen muss. Aber es ist beunruhigend wenn man weiß, dass man wohl vier neue Starter in der Secondary braucht.

Jessica Fehlhaber

Gewinner: Garett Bolles

Der größte Gewinner der Broncos-Saison ist Garett Bolles. Vergangenes Frühjahr stand die Zukunft des 28-jährigen noch auf der Kippe. Die Broncos verzichteten auf die Fifth Year Option, da der Offensive Tackle nicht die Erwartungen als Erstrundenpick voll erfüllen konnte. Bolles, nun in einem “Make it or break it”-Jahr, konnte seine Leistungen auf ein andere Ebene anheben. Er erlaubte keinen Sack, auch nur dreizehn QB Pressures und reduzierte die Zahl an Holding-Strafen deutlich. Der Lohn: Im Herbst gab es einen 68 Millionen Dollar-Vertrag über vier Jahre Laufzeit.

Falcons Looser: John Elway & Drew Lock

Nach zehn Jahren war Schluss. Broncos-Legende John Elway trat vom Posten des General Managers zurück. Künftig wird er “nur noch” als President of Football Operations weniger im Tagesgeschäft involviert sein. Während die letzten Jahre auch ohne sportliche Erfolge blieben, bereitete das Fehlen eines potentiellen Franchise-Quarterbacks sorgen. Seit Peyton Manning fehlte den Broncos dort jegliche Konstanz, so auch 2020. Hoffnungsträger Drew Lock konnte die positiven Ansätze aus 2019 in fast keinem Spiel bestätigen und ist 2021 kaum noch als Starter zu verkaufen.

James Wiebe

Gewinner: Frank Ragnow

Nehmt’s mir nicht übel, aber es war wirklich nicht einfach nach so einer Saison echte Gewinner bei den Lions zu finden. Ich war versucht Matthew Stafford zu nehmen, weil er in der kommenden Saison um die Playoffs spielen wird – aber das wäre gemein, oder? Gehen wir mit einer etablierten Größe, die ihren Status als Top-Starter etabliert hat: Center Frank Ragnow. Keinen abgegebenen Sack, nur einen abgegebenen Hit, insgesamt nur neun Pressures – dazu ein zuverlässiger Runblocker. Ein absoluter Leistungträger für die Zukunft.

Verlierer: Jeffrey Okudah

Die Auswahl war groß (nochmal: sorry), aber kein Lion hatte eine enttäuschendere Saison als 3rd Overall Pick Jeffrey Okudah. Nach einem von Verletzungen geprägten Training Camp wurde er in Woche zwei Davante Adams zum Fraß vorgeworfen und konnte sich nie wirklich erholen. Laut ESPNs WAR (wins above replacement) gab es keinen Nicht-QB in der gesamten Draftklasse, der weniger Value generierte als Okudah.
Nichts davon heißt, dass er sich nicht noch zu einem Lockdown Corner entwickeln könnte, aber die Vorzeichen könnten besser stehen.

Christian Schimmel

Gewinner: Bradley Roby

Nach der Saison, inklusive dem Trade Wunsch des Franchise Quarterbacks fällt es schwer einen Gewinner zu finden. Bradley Robey hatte ein gutes Jahr in der Secondary der Texans. Insofern steht er hier als Gewinner, da er sich nach seiner Zeit bei den Denver Broncos sichtlich nach vorne entwickelt hat. Zyniker würde JJ Watt als Sieger betrachten, nachdem die Texans ihn aus seinem Vertrag entließen. Denn das Eindringlichste, was positiv von dieser Saison in Erinnerung bleiben wird, ist diese PK von Watt.

Verlierer: Deshaun Watson

Normalerweise müssten hier „Die Fans“ stehen. Sportlich keine Weiterentwicklung, die Teamführung übergeht deinen wichtigsten Spieler in der Suche nach neuem Head Coach und General Manager und dieser fordert anschließend, einen Trade. DeShaun Watson hat Vieles ertragen, inklusive des Trades von Star Receiver Hopkins zu den Cardinals. Der Prozess der GM Suche, der wohl letztlich am Ende die alleinige Entscheidung des Owners war, hat deutlich gemacht, wie wenig auf die Meinung des Quarterbacks gegeben wird. Bleibt die Frage, ob die Texans ihren Quarterback nun traden, nachdem mit Watt und Hopkins zwei Franchise-Ikonen nun woanders auflaufen.

Thomas Psaier

Gewinner: James Robinson

Einer der Posterboys für die „Runningbacks don’t matter“-Debatten: Robinson kam als völlig unbekannter Runningback in die NFL. Letzten April wurde er nicht gedraftet. Und dann war er der „bright spot“ in einer kaputten Offense, machte 4.5 Yards/Carry, 49 Catches, insgesamt 10 Touchdowns und über 1400 Total Offensive Yards. Robinson war agil, wendig, vielseitig. Er wird seinen Stammplatz erstmal behalten.

Verlier: Gardner Minshew

Eine 1-15 Saison fabriziert viele Enttäuschte – selbst bei den Jaguars, die im massiven Umbruch gar keine wettbewerbsfähige Mannschaft auflaufen lassen wollten. Man könnte einige Namen aufzählen. Doch der offensichtlichste ist Minshew, dessen Pornoschnäuzer letztlich nicht reichte um ihm einen längerfristigen Starter-Posten zu sichern. Von Minshew konnte man als 5th Rounder nie einen großen Sprung erwarten – höchstens erhoffen. Aber dass Jacksonville am Saisonende dann lieber mit Langhals Mike Glennon zu Ende spielte als mit Minshew, war dann doch enttäuschend.

Thomas Psaier

Gewinner: Darious Williams

Williams ist der Gewinner der Saison bei den Rams. Vor drei Jahren als ungedrafteter Rookie zum Team gestoßen, hat Williams nach bloß vier Snaps im ersten Jahr eine rasante Entwicklung genommen. 2019 spielte er schon über 200 Snaps, und heuer war er in der verblüffend guten Rams-Defense mit über 900 Snaps ein Fixstarter. Und wie gut er dabei war! Beobachter sahen ihn als klaren CB2 und Counterpart für Jalen Ramsey. Williams beging nur zwei Strafen, ließ nur zwei Touchdowns zu und fing fünf Interceptions.

Verlierer: Jared Goff

Wer anderes sollte der Verlierer sein? Vor zwei Jahren stand Goff als Starting-QB der Rams-Offense noch im Finale, jetzt nehmen die Rams einen Cap-Hit von über 20 Millionen Dollar auf ihre Kappe und zahlen den Detroit Lions zirka einen 1st Rounder on top auf den Stafford-Trade um Goff loszuwerden.
Ein tiefer Fall für den einstigen #1 Draftpick. Goff ist als immobiler QB mit limitiertem Spielverständnis ein QB der auslaufenden Sorte. Er hat sich in den letzten zwei Jahren als nicht mehr als durchschnittlich erwiesen, die QB-freundliche Sean-McVay-Offense anzuführen. Das ist kein gutes Zeugnis für die mittelfristige Zukunft.

Thomas Psaier

Gewinner: Marcus Williams

Williams ist schon vier Jahre einer der besseren Starting-Safetys in der NFL, und wird noch immer ein bisschen von den Geistern des „Minnesota Miracles“ verfolgt. Seinem Wert für die auch diese Saison starke Saints-Secondary wird das nicht ganz gerecht: Williams war in jedem Jahr ein verlässlicher Ankermann – egal in welchem Coverage-Scheme New Orleans auflief. Er wird jetzt Free Agent – und wird recht sicher in einem neuen Team gut abcashen, denn starke Safetys werden mit der Tendenz zu mehr „two high“ Coverages mehr und mehr gefragt sein.

Verlierer: Jameis Winston

Winston unterschrieb letzte Offseason für einen Hungerlohn in New Orleans – insofern ist es vielleicht vermessen bei ihm von einer großen Enttäuschung zu sprechen. Doch für einen ehemaligen 1st Round Pick, der in Tampa Bay durchaus viele positive Momente hatte, war es doch krass übel, dass er in New Orleans noch nichtmal einen shot bekam, als Drew Brees wochenlang ausfiel. Taysom Hill wurde ihm vorgezogen – von Sean Payton, einem Offense-Mind, der es wissen muss. Vielleicht kommt mit Brees‘ bevorstehendem Rücktritt aber jetzt die zweite Chance: Mit Hill kann man nicht ernsthaft in eine volle Saison gehen – und Winston ist wahrscheinlich die einzige bezahlbare kurzfristige Alternative für die Saints.

Florian Schmitt

Gewinner: Alex Highsmith

Dem aufgehenden Stern Highsmiths ging ein eher trauriger Moment voraus. Edge Rusher Bud Dupree riss sich in Woche 12 das Kreuzband. Nur dank dieser Verletzung rotierte Highsmith in die Starter-Rolle und wusste dort zu überzeugen. Ein 73er- Pass Rush Grade liest sich ordentlich für einen Rookie. In Woche 13 bis 17 verzeichnete er sogar mehr Pressures als TJ Watt, den man fraglos ebenfalls als Gewinner der Saison hätte anführen können.

Verlierer: Ben Roethlisberger

Viele Steelers-Fans hatten sich von der Rückkehr ihres Quarterbacks wohl deutlich mehr erwartet. Der Zahn der Zeit nagt unentwegt an Big Ben und die Steelers Offense wurde wahnsinnig eindimensional. Das Deep Passing Game wurde beinahe komplett eingestellt und man spielte fast ausschließlich Quick Passing Game. Das Problem: Ben war dabei so wackelig, dass die Offense nur selten einmal eine ernst zu nehmende Gefahr für den Gegner darstellte.

Jessica Fehlhaber

Gewinner: Devin White

Bei einem Super Bowl Sieger einen bestimmten Spieler herauszupicken ist schwierig. Man hat Brady, der es allen gezeigt hat. Dazu starke Rookies wie Antoine Winfield Jr., die von Tag eins an Leistung zeigten. Meine Wahl fällt aber auf Devin White. Der Linebacker machte 2020 einen riesigen Sprung nach vorne und belegte hohe Plätze in den Tackle-Ranglisten. Platz drei in den Solo Tackles (97), den fünftbesten Wert bei Tackles Combined (140) und den dritten Rang bei Tackles For Loss (15). Vor allem im Saisonendspurt konnte White auftrumpfen, auch wenn er zum Start der Playoffs Corona bedingt ausfiel.

Verlierer: O. J. Howard

Der Erstrundenpick von 2017 sollte in diesem Jahr endlich durchstarten. Die Bucs zogen im Frühjahr 2020 die Fifth Year Option, obwohl Howard aus einer verkorksten 2019er Saison kam. Doch mit dem neuen QB Tom Brady und einem starken Fokus auf Tight Ends schien alles perfekt für Howard. Die Zeit für das große Breakout Jahr war angebrochen. Aber denkste. Howard verletzte sich in Woche 4 und fiel mit einem Achillessehnenriss für den Rest der Saison aus.

Florian Schmitt

Gewinner: Corey Davis

Zugegeben: Die aus seiner Draftposition (5th Overall) resultierenden Erwartungen wird er wohl in diesem Leben nicht mehr erfüllen. Dennoch legte er im letzten Jahr seines Rookie Deals ein Career-Year hin. Als zweite Geige im Passing Game einer lauflastigen Offense lesen sich knapp 1000 Yards und 5 Touchdowns bereits ordentlich. Ein PFF-Grade von 86.9 (#8 WR) unterstreicht die herausragende Saison von Corey Davis nochmals. Da Davis Free Agent wird, kann er sich diese Leistung wohl vergolden lassen.

Vierlierer: Isaiah Wilson

Wilson brachte es in seiner Rookie Saison auf ganze 4 Snaps auf dem Feld. In Woche 12 durfte er einmal bei einem Extrapunkt ran (und wurde prompt auf den Hosenboden gesetzt) und anschließend durfte er noch dreimal mit der Victory Formation aufs Feld. Das waren die positiven Höhepunkte aus Wilsons Rookie Saison. Aber dem gegenüber stehen mehrere Aufenthalte auf der Corona-Liste, ein Sprung vom Balkon, als die Polizei eine Studentenparty auflöste, gegenüber. Dazu nächtliches “Donuts-Drehen” auf einer Kreuzung und zu guter Letzt noch das Verursachen eines Auffahrunfalls unter Alkoholeinfluss. Danach wurde Wilson bis auf Weiteres suspendiert. To be continued.

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