Psaier & Sommer – Sunday Watch NFL Week 17

Eine Vorschau auf den 17. NFL-Spieltag 2020 mit den Takes von Fabian Sommer und Thomas Psaier zu ausgewählten Spielen.

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Lesezeit: 8 Minuten

Letzter Spieltag der NFL-Saison und es stehen noch etliche Entscheidungen an! Sieben der 14 Playofftickets sind noch zu vergeben, dazu zwei Divisionssiege und der #1 Seed in der NFC. Lasset uns darauf blicken – Thomas übernimmt die NFC, Fabian die AFC. Willkommen zum letzten Sunday Watch der Regular Season.

Psaier: Packers fixieren den #1 Seed

Chicago Bears (8-7) – Green Bay Packers (12-3) – 22h25
San Francisco 49ers (6-9) – Seattle Seahawks (11-4) – 22h25
Carolina Panthers (5-10) – New Orleans Saints (11-4) – 22h25

Kurz zur Ausgangslage im Rennen um den Top-Seed der NFC, der zur spielfreien Woche in der Wildcard-Runde berechtigt:

  • Die Packers holen sich den #1 Seed dank eines Spiels Vorsprung auf die Saints mit einem eigenen Sieg. Verlieren die Packers, brauchen sie eine Seahawks-Pleite zur Qualifikation.
  • Die Seahawks brauchen einen eigenen Sieg und Niederlagen von Packers und Saints. Sie gewinnen nur den 12-4 Tie-Breaker gegen Green Bay.
  • Die Saints brauchen einen eigenen Sieg, einen Sieg der Seahawks und eine Niederlage der Packers. Sie brauchen die Konstellation mit drei 12-4 Teams an der NFC-Spitze.

Es spricht alles für die Packers. Ihr Gegner Chicago wird zwar mit voller Power spielen, weil die Bears selbst noch im Wildcard-Rennen mit Chancen bedacht sind – wir kommen gleich dazu – aber die Packers haben eigentlich alle Trümpfe in der Hand. Und sie werden gegen den NFL-Erzrivalen mit voller Power spielen.

Die QB/WR Combo aus Aaron Rodgers und Davante Adams war schon in den letzten Wochen für jeden Gegner überwältigend.

Die Packers haben vor einem Monat die Bears im Sunday Night Game an die Wand gespielt. Nicht nur konnte Rodgers gegen einen Haufen junger Cornerbacks den Ball nach Gutdünken auf seine Receiver verteilen – auch das Laufspiel war ultraeffizient mit 34 Runningback-Carries für 163 Yards. Ebenso problematisch: die Bears haben keine vernünftige Antwort auf TE Robert Tonyan.

Die große Chance für die Bears ist der Ausfall von LT David Bakhtiari, der mit Kreuzbandriss den Rest der NFL-Saison verpasst. Wenn EDGE Khalil Mack gegen Backup (Ex-Bear Charles Leno Billy Turner) dominiert, tut sich ein kleines Fenster auf. Wenn nicht sehe ich keinerlei weitere Angriffspunkte für die Bears. Und damit sind die anderen beiden Spiele nur mehr für den #2 Seed relevant. Packers werden mit Sieg die #1.

Psaier: NFC West holt zwei weitere Playofftickets

Los Angeles Rams (9-6) – Arizona Cardinals (8-7) – 22h25
Chicago Bears (8-7) – Green Bay Packers (12-3) – 22h25

Es ist das Rennen um die letzten beiden Wildcards in der NFC. Die Ausgangslage ist ziemlich simpel:

  • Die Cardinals qualifizieren sich für die Playoffs, wenn sie die Rams schlagen. Andernfalls sind sie ausgeschieden.
  • Die Rams sind mit einem Sieg sicher durch. Bei einer Niederlage müssen sie auf eine gleichzeitige Niederlage der Bears hoffen.
  • Die Bears qualifizieren sich mit einem eigenen Sieg oder mit einer Niederlage der Cardinals.

Weil ich den Bears trotz Offense-Auferstehung nach Systemwechsel und QB Mitchell Trubiskys Rückkehr keine Überraschung gegen die Packers zutraue, ist Chicago auf das Parallelspiel angewiesen. Und dieses ist ziemlich spannend.

Rams vs. Cardinals

Die Rams-Offense ist für Arizona ein ziemliches Kryptonit – in den drei Spielen der Kingsbury-Ära hat L.A. jedes Mal über 400 Yards und 30 Punkte gemacht.

Der Hoffnungsschimmer diesmal: Die Rams müssen mit QB John Wolford antreten. Der hat in der NFL noch nie gespielt und ist als Werfer eine ziemliche Unbekannte. Nur wenn Sean McVay es schafft, Wolford die Pocket freizublocken und seine Stärken als Scrambler einzusetzen, gibt es eine Chance auf eine Wiederholung des 49ers-Gustostücks von letzter Woche.

Doch Arizona hat eine wuchtige Defensive-Front entwickelt und kreierte jüngst in vielen Spielen in über 40% der Pass-Snaps QB-Pressure. Wie ein Grünschnabel à la Wolford darauf reagiert, ist völlig unklar.

Arizona wird nicht nur einige Defense-Pressures brauchen, sondern auch wieder etwas mehr Leben der eigenen Offense. QB Kyler Murray ist nicht ganz fit. Wie er in angeschlagenem Zustand ohne brandgefährliche läuferische Bedrohung aussieht, haben wir in den letzten Wochen immer wieder gesehen: Nicht allzu gut. Trotzdem wird ohne Zone-Read und Fokus auf Murrays Mobilität nicht viel gehen.

Denn: Schon im „Hinspiel“ vor ein paar Wochen war auch WR Nuk Hopkins bei CB Jalen Ramsey ziemlich abgemeldet. Trotz unzähliger Targets gabs nur knapp über 50 Yards. Arizona muss Hopkins diesmal variabler einsetzen, um der Rams-Defense eine ihrer größten Stärken zu nehmen: Ihre Fähigkeit, mit ihrem Scheme der Offense den Stempel aufzudrücken. Arizona muss mit jedem erdenklichen Stellhebel selbst vorgeben, was gespielt wird. Ich glaube nur dran, weil die Cards gegen eine Unbekannte auf Rams-QB keine 35 Punkte auflegen müssen. Arizona gewinnt und nimmt mit der Bears-Pleite auch die Rams mit in die NFL-Playoffs.

Psaier: Die NFC East hängt an Alex Smith

New York Giants (5-10) – Dallas Cowboys (6-9) – 19h
Philadelphia Eagles (4-10-1) – Washington (6-9) – 02h20

Es geht um den Divisionssieg in der für NFL-Verhältnisse nahezu historisch schlechten NFC East! Der Sieger wird wird den #4 Seed bekommen und damit nächstes Wochenende höchstwahrscheinlich auf die Tampa Bay Buccaneers treffen. Die Ausgangslage ist simpel:

  • Washington ist mit einem eigenen Sieg Divisionssieger.
  • Verliert Washington, ist der Sieger von Giants – Cowboys in den Playoffs
  • Wollen wir tatsächlich ein Unentschieden mit einrechnen, dann lautet das Cheat-Sheet so: Dallas muss ein besseres Resultat als Washington einfahren.

Ich sehe das Rennen ziemlich pragmatisch: Dallas sollte bei den Giants gewinnen, da New York nicht die Offense-Power hat, um mit den Scoring-Drives der Cowboys mitzugehen. Deren QB Andy Dalton hat in den letzten Wochen immer besser ins System gefunden und keine Angst davor, den jeweils freien seiner zahlreichen Top-Receiver um Amari Cooper, CeeDee Lamb oder Michael Gallup in Szene zu setzen. Es gibt sogar eine Absicherung gegen Zeke-Elliott-Fumbles: Daniel-Jones-Fumbles.

Und dann kommt es darauf an, welcher Quarterback für Washington im Sunday Night Game aufläuft. Ist es Alex Smith, gehe ich mit Washington. Ist er es nicht, kommt Dallas in die NFL-Playoffs. Es kann zwar sein, dass Washington sogar mit Backup Tyler Heinecke eine kleine Chance hat, weil die Front Seven des „Football Teams“ genug Power kreieren kann, um Phillys QB Jalen Hurts aufzuscheuchen. Doch Hurts hat genug Mobilität, um dann trotzdem genug Plays zu machen.

Spielt jedoch Smith, wird die Washington-Offense auch ohne einen Terry McLaurin (questionable Stand heute) effizient genug sein, um sich mit Kurzpässen und wenigen Fehlern den Sieg zu erschleichen.

Spannung total im AFC-Wildcardrennen

16 Wochen liegen hinter uns und plötzlich sind wir nur noch 16 Partien von den Playoffs entfernt. Und diese haben es am nächsten Wochenende schon in sich, denn das Format wurde von 12 auf 14 Teams erweitert. Dadurch spielen sechs Teams in jeder Conference am Wildcard-Wochenende, nur jeweils der Conference-Sieger darf bis zur Divisional-Round durchschnaufen.

In der AFC gehört dem amtierenden Super-Bowl-Sieger der erste Platz. Die Chiefs (14-1) stehen vor einer „meaningless“ Partie gegen die Los Angeles Chargers – Leute wie Patrick Mahomes oder Tyreek Hill werden gar nicht erst auflaufen.

Die Plätze zwei und drei sind ebenfalls vergeben, lediglich die Reihenfolge ist noch offen. Die Bills stehen mit 12-3 auf dem zweiten Platz, halten den Head-To-Head-Tiebreaker gegenüber den Steelers. Um die restlichen vier Wildcard-Plätze streiten sich die Ravens, Dolphins, Titans, Browns und die Colts. Letztere sind dabei zurzeit das „Odd team out“ und müssen auf einen Schnitzer der anderen Konkurrenten hoffen. Ansonsten würde Indy mit einem Record von 11-5 die Playoffs verpassen. Die Titans würden sich mit einem Sieg die Krone der AFC South aufsetzen und mit einem Heimspiel in der kommenden Woche auftrumpfen. Im Prinzip gilt: wer verliert, hat schlechte Karten. Bei einer Niederlage eines Wild-Card-Teams rutschen alle Konkurrenten einen Platz auf:

4. Titans

5. Dolphins

6. Ravens

7. Browns

Den Start-Nachteil haben die Colts auf Rang 8.

Sommer: Zwei Heimspiele für die Billsmafia

Miami Dolphins (9-6) @ Buffalo Bills (12-3) – 19h

Bills HC Sean McDermott hält sich noch bedeckt (Stand Samstagmittag). Niemand weiß, ob Buffalo seine Starter – vor allem Josh Allen – ins Rennen schickt. Für Buffalo geht es zwar „nur“ um den Unterschied zwischen Seed zwei und drei. Doch die Bills dürfen während der Playoffs 6700 Fans der „Billsmafia“ ins Stadion lassen – es wären die ersten beiden Heimspiele in den Playoffs seit 1996. Eigentlich müsste das Grund genug sein, zumindest mit der ersten Brigade zu starten.

Bei den Dolphins wird QB Tua Tagovailoa starten und diesmal mit höherer Wahrscheinlichkeit auch durchspielen. Denn Ryan Fitzpatrick, der gegen die Raiders bei Rückstand im vierten Viertel übernommen hat, wurde positiv auf COVID-19 getestet. Im Vorfeld gab es bereits heiße Diskussionen darüber, was Dolphins HC Brian Flores diesmal vor der Partie oder während dieser bei Rückstand tun wird. 

Fitzpatrick ist in dieser Saison nach allen erdenklichen, relevanten Metriken der mit Abstand bessere Quarterback. Tua spielt nicht katastrophal, aber auch nicht gut. Viele seiner Schwächen können von der erstarkten Bills-Defense (#5 in EPA/Play während der 2. Saisonhälfte) attackiert werden. An der Line of Scrimmage haben die Bills auf beiden Seiten ein gutes Matchup. Auch ist der WR-Corps der Dolphins noch immer angeschlagen.

Wenn Buffalo mit seinen Startern kommt, erwarte ich einen klaren Sieg der Bills. Die Offense ist einfach zu gut und wird auch gegen die Dolphins genügend Punkte auflegen, um Tua in einen Shootout zu zwingen, währenddessen er den Ball in der Pocket halten muss. Vorteil Bills. Miami sollte darauf hoffen, dass McDermott früh die Starter vom Feld holt.

Pittsburgh Steelers (12-3) @ Cleveland Browns (10-5)

Ohne Schlüsselspieler wie QB Ben Roethlisberger, EDGE TJ Watt und DI Cameron Heyward sollten die Browns eigentlich ein leichtes Spiel haben. Doch in Cleveland geht schon wieder das Coronavirus herum: TE Harrison Bryant, CB Denzel Ward, LB Malcolm Smith, S Karl Joseph und S Andrew Sendejo stehen aktuell auf der COVID-Liste. Bryant, Ward und Smith sind positiv getestet und drohen damit auch für die Playoffs auszufallen.

Trotzdem sollte es am Ende irgendwie reichen, ein von Mason Rudolph angeführtes Steelers-Team zu bezwingen. Rudolph war vergangene Saison einer der schlechtesten Starting-Quarterbacks und wird in Cleveland einige Male die Burschen EDGE Myles Garrett und EDGE Olivier Vernon im Gesicht haben.

Auf der anderen Seite sollte die gute Browns-Offense (#5 nach EPA/Play) gegen eine ersatzgeschwächte Steelers-Defense punkten können. Es wird womöglich keine Machtdemonstration, doch Cleveland wird sich hier mit mehr als einem Touchdown durchsetzen.

Sommer: Klare Favoritensiege für Titans, Colts und Ravens

Tennessee Titans (10-5) @ Houston Texans (4-11) – 22h25

Es schaut so aus, als würde QB Deshaun Watson tatsächlich spielen. Dieser hatte sich zuletzt gegen Ende der Partie gegen die Bengals am Ellbogen verletzt. Zu allem Überfluss fehlen den Texans LT Laremy Tunsil, RT Tytus Howard und Backup-Tackle Brent Qvale. Es scheint nahezu haarsträubend, seinen Franchise-Quarterback in solch einem belanglosen Spiel mit einer Verletzung hinter einer wackeligen Offensive Line auf das Feld zu schicken. Eventuell hat ja die Ansprache von JJ Watt etwas damit zu tun.

Mit einem tendenziell angeschlagenen Deshaun Watson hinter Backup-Tackles wird es schwierig, in einem Shootout mit den Titans mitzuhalten. Houston stellt zurzeit womöglich die schlechteste Defense der Liga – es sollte niemanden wundern, wenn die Titans nicht ein einziges Mal punten. Was auch damit zu tun hat, dass Punter Brett Kern auf der COVID-Liste steht. Derrick Henry könnte für 200 Yards laufen und die WR AJ Brown sowie Corey Davis haben sehr softe Matchups. Ich gehe von einem Sieg der Titans mit mindestens 30 eigenen Punkten aus und würde mich nicht wundern, wenn Watson in der Halbzeit vom Feld genommen wird.

Jacksonville Jaguars (1-14) @ Indianapolis Colts (10-5)

Hier fing alles an – die Partie, welche den Colts die Playoffs kosten könnte. In Week 1 gelang den Jags zu Hause die große Überraschung, der Sieg über die hochfavorisierten Colts. Auf dem Papier ist es diesmal eine glasklare Sache. Die Colts müssen zwar ohne Key-Starter wie LT Anthony Castonzo, CB Rock Ya-Sin und S Khari Willis auskommen. Doch gegen die stolzen Besitzer des ersten Picks im kommenden Draft sollte es trotzdem reichen. Zudem werden bei den Jags mit DJ Chark die wichtigste Waffe im Passing Game und Rookie-RB James Robinson verletzt ausfallen. Eine gesunde Jaguars-Offense hätte hier einige Punke auf das Bord zaubern können, doch so sieht es arg mau aus.

Klingt langweilig, aber: Die Colts gewinnen mit mindestens zehn Punkten Unterschied und schielen ab Minute 31 auf die Resultate in den anderen Stadien.

Baltimore Ravens (10-5) @ Cincinnati Bengals (4-10-1)

Auf dem Papier ebenfalls eine klare Angelegenheit. Die Bengals überraschten zuletzt gegen die Steelers und Texans, doch die Ravens sind von einem anderen Schlag. Die Offense um Lamar Jackson läuft zur richtigen Zeit heiß und auch in der Defensive könnten wichtige Säulen wie CB Marcus Peters, CB Marlon Humphrey und CB Jimmy Smith zurückkehren. Die Run-Defense der Bengals muss ohne DT Mike Daniels auskommen und kann gegen die Ravens eigentlich nur schwach aussehen. Dazu könnten aufgrund enger Kontakte noch einige Bengals-Spieler zusätzlich ausfallen. Ravens mit mindestens zwei Touchdowns Vorsprung.

2 KOMMENTARE

  1. Kleine Anmerkung zum Packers@Bears Spiel: Charles Leno spielt (leider) immer noch bei den Bears und nicht bei den Packers.

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