Psaier & Sommer – Sunday Watch Championship Round

Eine Vorschau auf die NFL Championship Round 2020/21 mit den Takes von Fabian Sommer und Thomas Psaier zu allen vier Spielen.

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Lesezeit: 6 Minuten

Die volle Punktzahl bei den Tipps auf die siegreichen Teams haben wir in der letzten Woche erreicht, einzig Fabians Erwartung an ein Shootout in Arrowhead blieb unerfüllt. Nun sind wir schon im “Halbfinale” der NFL-Saison 2020/21 angekommen und haben lediglich noch drei Partien vor der Brust.

Psaier: Die Packers ziehen die richtigen Lehren und knacken die Bucs-Defense

Tampa Bay Buccaneers @ Green Bay Packers (Sonntag, 21.00 Uhr)

In Woche 6 haben die Tampa Bay Buccaneers die Green Bay Packers bekanntlich 38-10 demontiert. Dass solche Kantersiege nicht immer ein klares Omen für die Playoffs sein müssen, hat Tampa Bay erst letzte Woche selbst bestätigt. Die Bucs gewannen mühelos bei den Saints, von denen man vor zwei Monaten noch an die Wand gespielt worden war.

Einen konkreten Anhaltspunkt, um das Woche-6-Spiel nicht zu hoch zu hängen, liefert die Art und Weise des Bucs-Sieges. Nach einer schnellen 10-0 Führung für Green Bay begann Tampa Bay ab zweitem Viertel, wie verrückt zu blitzen. Die Packers hatten keine schematischen Antworten, Aaron Rodgers warf zwei Interceptions (eine davon als Pick-Six) und war danach sichtlich von der Rolle.

WR Davante Adams machte aus dem missratenen Gameplan von damals jüngst im Cris-Collinsworth-Podcast mit Richard Sherman keinen Hehl und gab selbstkritisch zu, dass die Packers damals schlicht keinen „Plan B“ hatten. Man habe dadurch einfach kurz nach dem Pick-Six das Handtuch geworfen.

Diesmal wird vieles anders sein. Die Packers werden auf eventuelles Blitzing vorbereitet sein und diverse Hot-Reads einbauen. Und sie werden Adams mehr am Feld umherschieben als damals und damit die Tampa-Secondary schematisch fordern. Adams gegen Slot-CB Sean Murphy-Bunting liest sich wie ein krasses Mismatch – auch wenn Letzterer vor einer Woche Michael Thomas ganz gut kontrollieren konnte. Doch Adams ist ein komplett anderer Spielertyp als Thomas. Adams kannst du an der Line of Scrimmage nicht „jammen“.

Letztlich hängt an der Packers-Offense aber vieles am angehenden NFL MVP Rodgers selbst. Der war im „Hinspiel“ unabhängig von Plan A oder Plan B einfach „off“. Das Left-Tackle-Problem bei den Packers scheint mit einem akzeptabel spielenden Billy Turner ein nicht so schlimmes Problem zu sein. Rodgers wird also entweder Zeit bekommen – oder die notwendigen Scheme-Adjustments ausnutzen, sollte Tampa doch fröhlich blitzen. Ich erwarte mehrere Big Plays für die Packers-Offense.

Das große Fragezeichen: Bucs-Playcalling

Und wenn Green Bay im Scoring vorlegt, muss Tampa antworten. An dieser Stelle kann man gleich vorausschicken: Gehen Head Coach Bruce Arians und Off-Coord Byron Leftwich das Spiel mit demselben Gameplan wie letzte Woche an, haben die Bucs keine Chance. Man wird nicht nochmal drei kurze Feldpositionen zu Touchdowns geschenkt bekommen und ohne organische eigene Offense durchkommen.

Standard-Bucs-Playcalling mit 30 Läufen geradewegs ins Herz der Defensive Line hinein ist am Sonntag ein Rezept für ein Desaster. Selbst gegen die durchaus wackelige Rushing-Defense der Packers wird dann nicht viel gehen.

Wenn der third string RG Aaron Stinnie einigermaßen so gut hält wie zuletzt, wird QB Tom Brady zumindest Zeit bekommen. Zeit, rücksichtlos die Schwachstelle namens „Packers-Linebacker“ (Gronkowski!) auszutesten.

Und Zeit für seine Receiver. Die Packers haben in CB Jaire Alexander nur einen nominell hochkarätigen Manndecker – aber Tampa wirft dem auch ohne den verletzten Antonio Brown in WR Mike Evans und WR Chris Godwin sowie den nicht zu unterschätzenden Role Players Scotty Miller und Tyler Johnson in der Hinterhand exzellente Receiver entgegen. Die Defensive Backs hinter Alexander werden alle Hände voll zu tun haben.

Das Problem für diese Offense nennt sich aber letztlich „Konstanz“. Es gibt brillante Momente, in denen das individuelle Talent durchscheint. Aber mit stupide störrischem Coaching und zu wenigen „billigen“ Scheme-Hilfen befürchte ich zu viele schnelle Punts, um mit einer zündenden Packers-Offense mitzuhalten.

Und dann ist da noch das Wetter: Es wird kalt mit Temperaturen unter null Grad und möglicherweise Schnee. So etwas favorisiert die Offense – vor allem jene der Packers, die solche Bedingungen kennt.

Also in aller Kürze: Das Spiel wird über die bessere Offense entschieden. Tampa ist insgesamt balancierter aufgestellt, aber ich hege zu großes Misstrauen in deren Play-Calling. Weil die Packers schematische Antworten auf die Probleme im Regular-Season-Spiel finden werden und Rodgers nicht nochmal einen so schlechten Tag haben wird, gehe ich mit Green Bay. Es wird die zweite Superbowl-Qualifikation in Rodgers‘ illustrer Karriere.

Sommer: Die beste Quarterback-Coach-Combo der NFL setzt sich durch

Buffalo Bills @ Kansas City Chiefs (Montag, 0.40 Uhr)

Die Chiefs haben in diesem Matchup einen besonderen Vorteil. Zum einen spielen sie zu Hause, aber andererseits hatten sie die einzige Bye Week in der AFC und konnten schon in Week 17 ihre Starter schonen. Normalerweise haben im Duell der beiden besten Teams einer Conference beide in der Wildcard-Runde eine Bye Week – diesmal nicht.

Seit Einführung der Wildcard stehen Heimteams in den Championship Games bei 28-12 und gewinnen durchschnittlich mit 6.9 Punkten Unterschied. Das bringt etwas Selection Bias mit sich, denn normalerweise hat das beste Team der Conference ein Heimspiel, das ohnehin schon sehr gut ist. Aber der Heimvorteil und die Bye-Week haben sicherlich einen Vorteil. Und historisch gesehen performen diese Teams sogar noch über der Erwartung, die durch die Wettmärkte ausgedrückt wird. 

Jeder weiß mittlerweile, wie beide Teams ticken und wo die Stärken liegen. Daher möchte ich mal ein paar Gedanken zu einer möglichen Strategie der Bills äußern und etwas Perspektive zur Dominanz der Chiefs präsentieren. 

Die Defense der Bills hat die Chiefs im ersten Spiel in Week 6 ohne Blitzing und vielen two-high Formationen mit leichten Boxen geradezu zum Laufen eingeladen. Und das ist in der Theorie äußerst clever. Denn als Defense kassiert man viel lieber einen Run über fünf Yards als einen tiefen Pass von Patrick Mahomes. Für eine 40-Yard-Bombe müsste eine Offense im Vakuum acht Mal überdurchschnittlich für 5 Yards laufen. 

Patrick Mahomes auf 1st und 2nd Down den Ball aus der Hand nehmen und die Chiefs in längere 3rd Downs zwingen klingt erstmal äußerst logisch. Das hat die Chiefs aber nicht davon abgehalten, den Ball munter das Feld hinunter zu bewegen, denn sie waren auf dem Boden äußerst effizient (5.3 YPC & 0.18 EPA/rush) und haben die Bills durch die Luft mit erstaunlichen 0.51 EPA/Pass trotzdem auseinandergenommen. Mahomes war ein Genie auf 3rd Down (0.71 EPA/play) – aber auch auf Early Downs konnten die Chiefs für gigantische 0.41 EPA/Pass werfen.

3.25 Punkte pro Drive – Spitzenwert der NFL?

Durch das viele Laufen hatten die Chiefs insgesamt nur acht „echte“ offensive Drives (auf dem neunten wurde nur abgekniet) und haben daraus 26 Punkte gezaubert. Das sind 3.25 Punkte pro Drive und entspräche auf die Saison gerechnet dem höchsten Wert der Liga – die Packers stehen mit 3.22 Punkten pro Drive auf Rang eins.

Wird Buffalo – diesmal mit einem fitten LB-Duo Matt Milano und Tremaine Edmunds – die gleiche Strategie auspacken? Eventuell. Das Problem ist, dass die Chiefs auf die Saison auf Early Down Runs auf Platz 4 in EPA/Rush und Rushing Success Rate stehen. Also selbst, wenn man sie zum Laufen zwingt, machen sie sich mit solchen Runs nicht viel kaputt. Den Bills muss es bei der Strategie gelingen, den Lauf aus leichten Boxen zu stoppen und nicht auf die ganzen Run-Pass-Options hereinzufallen. Und gleichzeitig gilt es, Mahomes durch die Luft aufzuhalten. 

Ihr merkt schon, ich rede mich hier um Kopf und Kragen. Denn letztendlich sprechen wir vom aktuell besten Quarterback-Coach-Duo der Liga. Der mögliche Ansatz, die Chiefs zum Laufen zu zwingen, ist in der Theorie gut. Aber in der Praxis muss die Bills-Offense immer noch mehr Punkte pro Drive auf das Board bringen und die Defense auf Fehler hoffen. 

Um die Chiefs zu schlagen, muss man viele, viele Punkte machen. In allen neun Niederlagen mit Mahomes als Starter haben die Chiefs durchschnittlich 31.3 Punkte erzielt und nur zweimal weniger als 28 – 13 gegen die Colts und 24 gegen die Texans. Gegen die Colts fehlten Tyreek Hill und Sammy Watkins, darüber hinaus hat sich Mahomes kurz vor der Pause einen High Ankle Sprain zugezogen.

Die Bills, denen ich nach dieser fantastischen Saison meinen größten Respekt zolle, müssen in der Lage sein, ihre Drives tendenziell in mehr Touchdowns umzumünzen und schlichtweg mehr Punkte zu scoren als die Chiefs. Ist das möglich? Definitiv. Mit Stefon Diggs, Cole Beasley, Gabriel Davis und John Brown hat diese pass-orientierte Offense genug Waffen, um die Secondary der Chiefs ordentlich herauszufordern. Chiefs DC Steve Spagnuolo muss sich den ein oder anderen Kniff einfallen lassen. Doch am Ende stellt sich für mich die Frage, wem ich über 60 Minuten mehr vertraue. Und da fällt die Wahl auf Patrick Mahomes und Andy Reid. Mit Heimvorteil.

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