Ted Thompson, Architekt des Erfolgs: Ein Nachruf

Für die Packers steht das Spiel des Jahres an. Das erste Mal seit 2007 findet ein Championship Game in Wisconsin statt. Doch alles scheint weniger feierlich, seit traurige Nachrichten vom Ableben des Vaters des Erfolgs Green Bay erreichten. Ein Nachruf.

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An dieser Stelle sollte ein Text über das NFC-Championship Game stehen. Eine Analyse des Regular Season Duells der Bucs gegen die Packers. Eine Mahnung an letztes Jahr und das Ausscheiden gegen die 49ers. Zum einen hat aber Matt Schneidman diesen Text schon für theathletic geschrieben, zum anderen erreichten am Donnerstag traurige Nachrichten die NFL Community: Ted Thompson ist tot. Daher folgt ein Nachruf auf den General Manager, der dieses Jahrtausend in Green Bay prägte und den Grundstein für den heutigen Erfolg legte – unabhängig vom Ausgang des Spiels am Sonntag.

Ted Thompsons Weg zum GM in Wisconsin

Geboren und aufgewachsen in Texas, kam er als UDFA 1975 zu den Oilers nach Houston. Dort spielte er 10 Jahre als Linebacker, vor allem als Backup und Special Teamer. 1992 begann er seine Laufbahn in Green Bay als assistant director of pro personnel. Nach einem Aufstieg in der Franchise folgte ein vierjähriges Intermezzo in Seattle.

2005 kehrte er zurück und übernahm die Position des GMs von Mike Sherman. Dieser übte nach Hall of Fame GM Ron Wolfe den Posten neben seiner Headcoach-Tätigkeit aus. Thompson krempelte die Organisation gleich einmal um. Sein erster Pick war Aaron Rodgers. Die Geschichte um ihn und Brett Favre ist tausend Mal erzählt.

Ted Thompson mit seinem ersten Pick als General Manager: Aaron Rodgers
Quelle: https://www.packers.com/video/ted-thompson-recalls-the-day-he-drafted-aaron-rodgers

Die Saison 2005 war desaströs (4-12). Und trotz der bis dato zweitbesten Bilanz eines Head Coaches in der Franchise-Geschichte entließ Thompson Sherman und holte Mike McCarthy nach Green Bay. Mit diesem GM-HC-Gespann schafften es die Packers in den kommenden 12 Jahren neun Mal in die Postseason. Sie erreichten vier Championship Games und gewannen Superbowl XLV.

Build and develop through the draft – Thompsons Weg

Thompson baute seine Teams über die Draft und die Weiterentwicklung der eigenen Spieler. Prominente Free-Agent-Signings findet man unter seiner Ägide wenige. Charles Woodson und Julius Peppers sind die größten Namen, die mit fetten Verträgen ausgestattet wurden. Ein Axiom schien: In den frühen Runden der Draft findet man ähnlich häufig Talent, nur zu scheitern ist weitaus billiger. Die Fallhöhe bei langfristigen, teuren Verträgen für Veteranen ist dagegen groß. Running Backs und Inside Linebacker betrachtete er als weniger wertvoll, analytics darlin’ sozusagen.

Über ihn persönlich findet sich wenig. Aus den Aussagen dieser Tage gewinnt man den Eindruck, er sei ein zurückhaltender, teils distanzierter Typ gewesen, der gemocht, aber vor allem geschätzt wurde. Dafür, dass er sich um seine Spieler bemühte, deren Interessen er aber nicht über die der Organisation stellte.

Die späten Jahre zwischen Kritik und Vermächtnis

Zum Ende seiner Zeit als General Manager wurde die Kritik immer lauter. Die Fans erwarteten ein fettes Signing, Stars um Rodgers‘ Titelfenster auszunutzen und ihm den zweiten Ring zu bescheren. Tatsächlich hatte Thompson zu Beginn des letzten Jahrzehnts ein paar fragwürdige Drafts – nichts, was in einer so langen Zeit überraschen sollte. Er erhöhte jedoch kontinuierlich und systematisch seine Chancen durch compensatory picks. Ahnlich, wie wir das aus Baltimore und von den Patriots kennen. Und auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Team dauerhaft besser als das andere draftet: Thompson hat eine außergewöhnliche Bilanz vorzuweisen. Die Stützen der Offensive Line dieser Saison, die All-Pros Left Tackle David Bakhtiari und Center Corey Linsley, fand er beispielsweise in der fünften Runde. 17 seiner Picks kamen in den Pro Bowl.

Als sich Rodgers in der Saison 2017 verletzte und Brett Hundley übernahm, verpassten die Packers nach acht Saisons erstmals die Playoffs. Thompson wurde vom Manager zum Berater und zog sich in eher repräsentativer Funktion aufs Altenteil zurück. Im November 2018 würdigte Green Bay seine Leistungen mit einem Platz in der hauseigenen Hall of Fame.

Inwiefern nicht doch der Leistungsabfall Rodgers‘ in den Jahren davor ausschlaggebend dafür war, dass der große Wurf ausblieb – mehr als sein zurückhaltendes Gebahren auf dem freien Markt – wird sich nie beantworten lassen. Sollte dieser mit einem wieder erstarkten Quarterback dieses Jahr doch noch gelingen, ist die Rolle Thompsons nicht hoch genug herauszuheben. Er verstarb in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Haus seines Bruders in Texas, gezeichnet von einer nicht näher benannten degenerativen Erkrankung.

Neben seinem Nachfolger Brian Gutekunst arbeiteten die heutigen General Manager John Schneider (Seahawks), John Dorsey (Chiefs, Browns) und Reggie McKenzie (Dolphins) unter ihm. Ein beeindruckendes Vermächtnis.

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