Couch Referee: Die Kunst des Crew-Calls

Nur wenige Sportarten haben während ihren Spielen gleichzeitig so viele Schiedsrichter auf dem Feld. Die Crew muss genauso gut aufeinander abgestimmt sein wie die Teams.

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American Football ist eine komplexe, schnelle und oft unübersichtliche Sportart. Auch deswegen hat jedes Mitglied der Schiedsrichter-Crew bei jedem Spielzug klar definierte Bereiche zur Überwachung. Dennoch müssen bei vielen Entscheidungen mehrere Schiedsrichter eingebunden werden. Auch deshalb liegen bei vielen Fouls mehrere Flaggen. Bei der Bestimmung des Succeeding Spots nach dem Play können sich die gegenüberstehenden Line-Schiedsrichter helfen (Cross-Field-Mechanics).

Crew-Call Intentional Grounding

Intentional Grounding ist ein klassisches Beispiel für einen Crew-Call. Zwar kann die Flagge für dieses Foul nur vom Hauptschiedsrichter geworfen werden. Der Rest der Crew ist aber dennoch zwingend involviert. Der Hauptschiedsrichter hat seinen Blick auf dem Quarterback. Bei einem möglichen Intentional Grounding muss er bestimmen, ob der Quarterback unter Druck stand und ob er sich noch innerhalb der Pocket befand. Die Linienschiedsrichter und die tiefen Mitglieder der Crew überwachen hingegen, ob ein berechtigter Receiver in der Nähe des Passes war. Zuschauer vor dem Fernseher können das sehen, wenn der überwachende Schiedsrichter auf einen Receiver zeigt. Damit signalisiert er dem Hauptschiedsrichter, dass sich der Receiver im Umkreis des Passes aufgehalten hat. Wirft der Quarterback den Ball von außerhalb der Pocket, müssen die Linienschiedsrichter überwachen, ob der Ball die Line of Scrimmage überquert. Dieser Teil der Entscheidung wurde im Beispiel aus der Frage offensichtlich versäumt.

Eine Review ist bei Intentional Grounding nicht möglich. Auch die Entscheidung, ob der Ball die Line of Scrimmage überquert, kann von den Coaches nicht angefochten werden. Die Seahawks hatten also in diesem Fall keine Chance für eine Challenge.

Delay of Game der Steelers

Delay of Game ist vielen Zuschauern nur in einer Form bekannt. Die Offense snappt den Ball nicht rechtzeitig vor dem Ablauf der Play Clock. Allerdings können die Teams dieses Foul auch auf andere Arten begehen. Ein Beispiel dafür lieferten die Pittsburgh Steelers kurz vor der Halbzeit im Spiel gegen die Baltimore Ravens. Die Defense der Steelers blieben nach dem Spielzug auf dem Ballträger Gus Edwards liegen und hielten ihn auf dem Boden. So verzögerten sie bei laufender Uhr den nächsten Snap deutlich. Eine Delay of Game Strafe wäre also angebracht gewesen. Die Schiedsrichter-Crew verweigerte diese aber. Der Ärger von John Harbaugh war also verständlich.

Roughing the Passer von Olivier Vernon

In den imaginären Charts für die häufigsten Erwähnungen in dieser Kolumne liefern sich Roughing the Passer und Pass Interference wohl ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen. In dieser Woche ist Roughing the Passer mal wieder dran. Im Fokus der Aufregung stand diesmal Browns Defensive End Olivier Vernon. Durch die Flagge gegen ihn bekamen die Jaguars nach einem vierten Versuch ein neues First Down.

Dabei erübrigen sich eigentlich alle Diskussionen. Die Entscheidung war eindeutig. Vernon trifft mit seiner Helmkrone den Kopf von Mike Glennon, der sich in einer stationären Passing-Position befand. Somit erfüllte der Browns Defenser gleich mehrere Kriterien für das Foul. Den Schiedsrichtern blieb also überhaupt keine Wahl.

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Jonas Stärk
NFL- und Draft-Enthusiast, Podcaster; Im deutschen Football unterwegs als Spieler und Jugend-Coach der Bochum Rebels und als Schiedsrichter.

1 KOMMENTAR

  1. Delay of Game: klar hatten es die Steelers nicht eilig, allerdings habe ich habe gelesen, dass die NFL 10 Sekunden veranschlagt, dass sich die Teams nach einem simplen QB Sack wieder sortieren. Die 14 Sekunden in dieser Situation finde ich jetzt im Vergleich nicht unangemessen, wenn man bedenkt, dass sage und schreibe 17 Spieler im Pile waren.

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