Das Licht im Dunkeln: Diversität im American Football

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Die Tage werden dunkler. Auch wenn heute hier die Sonne schien, ging sie schon viel zu früh unter. Ich sitze in Sachsen, wo die Corona-Zahlen durch die Decke gehen, straffe Maßnahmen versucht werden, die Straßen geflutet sind von jenen, für die der Begriff Idiot ein Euphemismus ist.

In der NFL zerfällt der Spielplan zusehends, im College Football ist man da teils schon einen traurigen Schritt weiter. Hello Darkness, my old friend.

Zeit also für ein paar Feel-Good Stories, denn die gibt es noch. Und nicht zu knapp.

Von Lippenbekenntnissen zu Symbolen

Den American Football prägten im Sommer Diskussionen um Diversität, befeuert durch die Black Lives Matter-Bewegung. Die Rooney-Rule sollte ausgebaut, die Helme mit Botschaften und Namen von Opfern rassistisch motivierter Gewalt bedruckt, Aufrufe und Forderungen in den Stadien sichtbar gemacht werden.

Im Vergleich zu den anderen großen US-Ligen verliefen die Protestformen und Konflikte in der NFL jedoch vergleichsweise mild. Was daran gelegen haben mag, dass die Saison erst begann, als der große Aufschrei um die Ermordung von Floyd, Taylor oder Blake bereits abgeflaut war. Oder weil mit Corona in der Liga ein anderes Thema den Diskurs überschattete. Oder weil die – primär – von Weißen rezipierte und geführte NFL mit der – primär – von Schwarzen gespielten Liga einen Kompromiss zu allseitigem Wohlwollen fand.

Inwiefern dieses Spannungsfeld aufgearbeitet und publik verhandelt werden kann, wird sich zeigen. Was sich aber in den vergangenen Tagen offenbarte, sind Sprünge nach vorn, die man schwerlich als PR-Stunts abwiegeln kann. Gelebte Diversität wird sichtbar.

Diversity zur Primetime

Beim Spiel der Rams in Tampa – Monday Night Football, im ganzen Land übertragen – standen sieben schwarze Umpires am Feld. Ein absolutes Novum in der NFL. NBA-Star Magic Johnson umriss in seinem Tweet, was dies für die schwarze Community bedeutete:

Frauen im Football

Über diesen Lichtblick hinaus ergab sich eine Perspektive für Sarah Fuller – Torhüterin beim SEC-Soccer-Champ Vanderbilt – auf die eine Frau hierzulande wohl noch einige Zeit warten müsste: Sie durfte bei den Männern kicken.

Sarah Fuller als Kickerin der Vanderbilt Commodores
Quelle: https://theathletic.com/2227533/2020/11/30/sarah-fuller-vanderbilt-kickoff-reaction/?article_source=search&search_query=sarah%20f

Bedingt durch die fatale Leistung ihres Teams bot sich jedoch außer einem Squib Kick nach der Halbzeit für Fuller keine Möglichkeit zu zeigen, was sie kann. Die Plattform, die sich ihr als erste Frau in einem CFB-Team in der SEC bot, nutzte sie dennoch, um auf das Project Play Like a Girl hinzuweisen. Sie steht in einer Reihe von Frauen, die lange vergessen wurden, die aber mittlerweile nicht mehr zu übersehen sind.

Callie Brownson, erste Frau als Positionscoach an der Seitenlinie eines NFL Spiels
Quelle: https://www.cbssports.com/nfl/news/browns-callie-brownson-to-become-first-woman-to-coach-a-position-group-during-nfl-regular-season-game/

Weniger publik wurde, dass beim Spiel der Browns gegen die Jaguars mit Callie Brownson das erste Mal eine Frau als Positionscoach in einem NFL-Spiel an der Seitenlinie stand. Ihr eigentlicher Job ist Chief of Staff. Sie ist also verantwortlich für organisatorische Probleme, wurde aber von Head Coach Kevin Stefanski am Spieltag als Coach für die Tight Ends berufen – eine Würdigung ihrer Arbeit und Skills. Und ein Ausdruck des Schritts nach vorne, den der Sport im Bezug auf Diversität gemacht hat und – hoffentlich – weiter geht.

Chaos und Stringenz: Diversity als Ausblick

Eine endgültige Einschätzung, inwiefern diese Fortschritte hin zu mehr Diversität im Football nicht auch Konsequenzen dieser chaotischen Situation sind, in der sich sowohl die Ligen als auch deren Fans befinden und ob diese Entwicklung nachhaltig ist, mag ich hier nicht geben. Aber es ist bemerkenswert und gibt Anlass zur Hoffnung. Denn wenn Corona irgendwann vorbei sein wird, werden gewisse Zwangsläufigkeiten oder vermeintliche Notlösungen zuvorderst als das erscheinen, was sie jetzt sind: Kontinuität, Verlässlichkeit, Fortschritt. Es wird kaum ein Weg mehr hinter heute zurück führen. Und das ist in diesem Fall gut so.

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