Mid-Season All-Rookie Offense 2020

Für die Umstellung vom College in die NFL hatten die Talente des vergangenen Drafts wegen COVID-19 noch weniger Zeit als gewöhnlich. Dennoch hat die Klasse bis zur Mid-Season Marke der Saison 2020 besonders in der Offense schon viel Potenzial angedeutet.

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Die starke Reduzierung der Off-Season Workouts wegen COVID-19 war besonders für die Picks des NFL Drafts 2020 eine Katastrophe. Sowohl die physische als auch die mentale Vorbereitung litten unter dieser Tatsache. Besonders für Talente aus späteren Runden war es deshalb sehr schwer, sich früh Plätze in den Aufstellungen der Teams zu erspielen. Deshalb überrascht es nicht, dass zehn der 22 Spieler in meinem All-Rookie Team Erstrundenpicks sind. Dennoch schafften es immerhin auch fünf an Tag drei (vierte bis siebte Runde) ausgewählte Spieler in meine Aufstellung der besten Rookies. Sogar ein undrafted Free Agent ist dabei. Besonders die Offense bestätigte schon bis zur Mid-Season Marke den Hype um die Klasse.

Quarterback: Joe Burrow (Bengals)

Diese Auswahl dürfte direkt sehr kontrovers sein. Joe Burrow und Chargers-Quarterback Justin Herbert liefern sich einen packenden Kampf um den Award des Offensive Rookie of the Year. Der spektakulärere von beiden ist ohne Frage Herbert. Nur wenige hätten dem an sechster Stelle gepickten Spielmacher einen derartigen Start in seine Karriere zugetraut. First overall Pick Joe Burrow besticht hingegen mit beeindruckender Konstanz. Bei den gängigen Effizienzmetriken liegen beide etwa gleichauf. Da Konstanz bei Rookie-Quarterbacks normalerweise recht selten ist, sehe ich den leichten Vorteil beim Spielmacher der Bengals.

Running Back: James Robinson (Jaguars)

Die Tatsache, dass der einzige undrafted Free Agent dieses All-Rookie Teams ausgerechnet der Running Back ist, dürfte innerhalb der Analytics-Community mal wieder zu “Victory Laps” führen. Auf keiner Position ist es so einfach, spät im Draft oder danach gute Talente zu finden. Robinson erhielt seine Chance zum Saisonstart durch die Entlassung von Leonard Fournette. Seine größte Stärke ist seine Vielseitigkeit. Auch als Receiver ist der RB schon recht weit. In Pass Protection braucht er hingegen noch etwas Arbeit. Laut Pro Football Focus ließ Robinson bisher vier Sacks zu.

X-Receiver: Chase Claypool (Steelers)

Zweitrundenpick Chase Claypool war eine der größten Überraschungen der Pittsburgh Steelers bis zur Mid-Season-Marke. Die Kombination aus Speed und Größe macht ihn zu einer gefährlichen vertikalen Waffe für Ben Roethlisberger. Auch Claypools Hände waren dabei bisher sehr zuverlässig. Erst in Woche neun glitt ihm erstmals ein fangbarer Ball durch die Hände. Insgesamt ist die Konkurrenz innerhalb der Receiver-Klasse 2020 groß. Auch Bengals Receiver Tee Higgins wäre für die Position im All-Rookie Team infrage gekommen.

Z-Receiver: Justin Jefferson (Vikings)

Das Label des reinen Slot Receivers hat Vikings-Erstrundenpick Justin Jefferson schnell abgelegt. Für das Team aus dem Norden entwickelte sich Jefferson erstaunlich schnell zu einem würdigen Nachfolger von Stefon Diggs. Das LSU-Produkt ist der bisher wohl kompletteste Receiver dieser Klasse. Mit Speed, einem großen Catch-Radius, gutem Route-Running, perfekten Adjustments zum Ball und großer Gefährlichkeit nach dem Catch sticht Jefferson bisher heraus. Mit 3,12 Yards pro gelaufener Route bis zur Mid-Season-Marke führt Jefferson seinen Jahrgang an und liegt in der NFL auf Platz zwei hinter Davante Adams.

Slot-Receiver: CeeDee Lamb (Cowboys)

Vor dem Draft galt CeeDee Lamb bei vielen Analysten eigentlich als klassischer Outside Receiver. Die Cowboys hatten jedoch ihre beiden Positionen außen bereits mit Amari Cooper und Michael Gallup besetzt. Deshalb musste sich der ehemalige Sooners-Receiver früh umstellen. Insgesamt 400 seiner 440 offensiven Snaps spielte Lamb im Slot. Für die Cowboys ging diese Taktik bisher auf. Mit seiner Physis dominiert Lamb die oft etwas kleineren Slot Cornerbacks. Trotz der großen Konkurrenz innerhalb des Teams bekam Lamb bereits 66 Targets. Kein anderer Rookie Receiver bekam bisher so viele Bälle in seine Richtung geworfen.

Tight End: Harrison Bryant (Browns)

Die diesjährige Tight End Klasse steht in einem krassen Kontrast zur starken Receiver-Gruppe. So war es sogar schwierig, überhaupt Rookie Tight Ends zu finden, welche meine Mindestanforderungen für Spielzeit bis zur Mid-Season-Marke (mindestens 200 Snaps) erfüllen. Auch deshalb habe ich ernsthaft überlegt, statt einem Tight End eher einen vierten Receiver (Tee Higgins) aufzustellen. Harrison Bryant ist einer von nur zwei Rookie Tight Ends mit mehr als zehn Targets in der laufenden Saison. Zuletzt profitierte er auch vom Ausfall des Starters Austin Hooper und der TE-freundlichen Offense von Head Coach Kevin Stefanski.

Left Tackle: Mekhi Becton (Jets)

Ähnlich wie die Receiver-Klasse hält auch die Gruppe der Offensive Tackles, was man sich vor der Saison von ihr versprach. Mekhi Becton ist in einer ansonsten bisher eher trostlosen Jets-Saison ein großer (im wahrsten Sinne des Wortes) Lichtblick. Besonders in Pass-Protection ist der Riese aus Louisville bereits weiter, als viele (inklusive mir) das vor der Saison vermutet hätten. Im Run-Blocking ist er zudem ein wandelndes Highlight-Tape. Trevor Lawrence dürfte mit Wohlwollen auf seinen künftigen Blindside-Beschützer schauen.

Left Guard: Michael Onwenu (Patriots)

Als Rookie eine Position zu lernen ist schon schwierig. Für Michael Onwenu blieb es jedoch nicht dabei. Wegen Verletzungen innerhalb der Line musste der Sechstrundenpick bereits auf Left Guard, Right Guard und Right Tackle spielen. Dennoch spielte er auf allen Positionen konstant guten Football. Neben soliden Leistungen in Pass-Protection glänzt das 170 Kilogramm schwere Michigan-Produkt besonders im Run-Blocking.

Center: Tyler Biadasz (Cowboys)

Vor einer verletzungsgeplagten 2019er Saison mit den Badgers galt Tyler Biadasz für viele als möglicher Erstrundenpick. Die Cowboys holten ihn zunächst als Back-Up. Wegen vieler Verletzungen innerhalb der O-Line, wurde Biadasz in Woche fünf zu Starter befördert. Seine Leistungen sind bisher sowohl im Passing- als auch im Running Game durchwachsen. In den letzten Wochen schlichen sich insbesondere in Pass Protection einige Fehler ein.

Right Guard: Damien Lewis (Seahawks)

Im Draft-Prozess stand Damien Lewis oft im Schatten seines LSU-Teamkollegen Lloyd Cushenberry (für mich nicht nachvollziehbar). In der NFL hat er sich zu einem der besten Interior Linemen der Klasse entwickelt. Zwar war sein Start in die Saison in Pass Protection mit sieben erlaubten Pressures in zwei Spielen etwas holprig. In der Folge fing sich der Right Guard jedoch und erlaubte in den restlichen sechs Spielen bis zur Mid-Season-Marke nur noch vier Pressures. In diesem Zeitraum gab PFF ihm eine Pass Block Grade von 66.3. Seine größten Stärken hat das LSU-Produkt jedoch im Run Blocking.

Right Tackle: Tristan Wirfs (Buccaneers)

Tristan Wirfs war der letzte der “Big Four” Offensive Tackles auf dem Board im Draft. Allerdings ist er bisher der Beste. Seit dem ersten Spieltag liefert das Iowa-Produkt mit einer fast selbstverständlichen Konstanz gute Leistungen. In fast 400 Pass-Block-Snaps ließ Wirfs bisher nur 16 Pressures zu. Mit seiner Pass Block Grade (78.7) liegt er innerhalb seines Jahrgangs nur knapp hinter Browns Left Tackle Jedrick Wills. Im Run-Blocking bewertet PFF den RT der Buccaneers sogar etwas besser als Jets-Monster Mekhi Becton.

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