Three and Out: Week 7

Der etwas andere Rückblick auf den 7. Spieltag der NFL-Saison 2020.

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Die NFL ist eine Liga der schillernden Figuren, der starrköpfigen Funktionäre und des kunterbunten Spektakels. Zum Abschluss des Spieltags blicke ich Woche für Woche einordnend und nicht immer ganz ernst gemeint auf drei der Augenroll-Momente, Mundsperrangelweitoffen-Highlights und Kopfkratzer-Szenen. Three and Out, Week 7 – Film ab!

#1: Déjà-vu an der Goalline

Warum es nicht so clever war vom Runningback der Atlanta Falcons, etwas mehr als eine Minute vor Spielende in die Endzone zu fallstolpern, haben die Kollegen hier bereits ausführlichst erklärt. Kurios an der Sache: Für die Frage, wann so ein Missgeschick schon einmal passiert ist, muss man nicht einmal 24 Stunden zurück gehen.

In der College-Partie zwischen Penn State und Indiana fiel Devyn Ford am frühen Sonntagmorgen deutscher Zeit ebenfalls erst auf der Goalline ein, dass er eigentlich überhaupt nichts in der Endzone zu suchen hat. Genau wie die Falcons hätten die Nittany Lions einfach kurz vor dem farbigen Bereich abknien und die Uhr ablaufen lassen können. Genau wie die Falcons-Runningback Gurley war beim Läufer der Nittany Lions, Ford, die Macht der Gewohnheit zu stark. Und genau wie die Falcons verloren die Nittany Lions am Ende die Partie (wenngleich erst in der Overtime).

Vielleicht noch kurioser in Bezug auf Gurleys Fauxpas: Er handelte in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen zweimal besonnener. Im Oktober 2018 entschied sich der Runningback, knapp eine Minute vor Spielende vor der Endzone zu Boden zu gehen, um seinen damals noch Los Angeles Rams den Sieg zu sichern und auf keinen Fall Aaron Rodgers noch eine Chance zu geben. Der Buhmann war Gurley am Ende trotzdem bei einigen Zuschauern. Sein Nicht-Touchdown killte die Over-Under-Sportwetten vieler Fans, denn so blieb die Gesamtpunktzahl unter den angesetzten 57. Auch die Fantasy-Spieler waren kurz gesagt not amused über Gurleys Abknien. Dem Spieler jedoch war das zurecht herzlich egal.

Ein paar Wochen später – lustigerweise gegen die Detroit Lions – entschied sich Gurley dafür, an der Endzone entlang zu spazieren, um weitere Sekunden ablaufen zu lassen. Die Rams hatten zu diesem Zeitpunkt sieben Punkte Vorsprung mit noch etwas mehr als zwei Minuten auf der Uhr. In die Endzone durfte Gurley wenig später dennoch laufen.

Trotz all dieser Erfahrung im Spiel mit der Uhr – am vergangenen Sonntag hatte Abknie-Routinier Gurley den Finger nicht am Puls der Zeit.

#2: Das Stadion, das die Legion of Boom zerstörte

Sunday Night Football war ein weiteres historisches Spiel in der Serie zwischen den Arizona Cardinals und den Seattle Seahawks. Hier eine Liste der verrückten Dinge – positiv und negativ behaftet – die sich in den vergangenen Jahren abspielten, wenn die zwei Teams aus der NFC West aufeinandertrafen:

Hinzu kommen eine Reihe von Dramen, die sich im State Farm Stadium (früher: University of Phoenix Stadium; selbst die Namensänderung hat den Fluch nicht besiegt) in Glendale zutrugen:

  • Achillessehnenriss CB Richard Sherman, der das Ende seiner Zeit in Seattle einläutete
  • Nackenverletzung SS Kam Chancellor, die zum Karriereende führte
  • Beinbruch FS Earl Thomas, der das Ende seiner Zeit in Seattle einläutete

Übrigens: Am frühen Montagmorgen standen die Seahawks drei Yards vor der südlich gelegenen Cardinals-Endzone mit den großen roten Planen und den dicken weißen Lettern “REDZONE”. Als Quarterback Russell Wilson zum Touchdown-Pass ansetzte, dachten außer dem Spielmacher vermutlich viele Fans an einen gewissen Super Bowl, in dem Seattle kurz vor Schluss an gleicher Stelle einen Passspielzug vollenden wollte.

Give us a break, State Farm Stadium.

#3: Nick Foles pinkelt seinem Play Caller ans Bein

Der fromme Christ Nick Foles, der nach seiner NFL-Karriere wohl irgendwo in einer Kirche in den USA die Sonntagsmesse abhalten wird – also: die andere Sonntagsmesse, die ohne Lederbälle und ohne die Männlichkeit betonende Hosen – hat sich was getraut.

ESPN-Kommentator Brian Griese erzählte während der Live-Übertragung von Monday Night Football, Nick Foles habe ihm in der Sendungsvorbereitung gesteckt, dass er bei manchen Play Calls seines Cheftrainers schon wisse, dass diese nicht funktionieren würden.

Der Kommentator präzisierte seine Aussage später in der Sendung. Foles beklage, dass er durch die Protection manchmal nicht genug Zeit habe, den Call seines Head Coaches entsprechend umzusetzen.

Aus Sicht des sonst so ruhigen und bedächtigen Foles wirkt das fast schon wie ein Hilferuf. Der Quarterback ist gewiss nicht unschuldig am schwachen Auftritt der Chicago Bears bei der 10:24-Niederlage gegen die Los Angeles Rams und generell in dieser Saison. Doch er scheint aktuell auch nicht ganz ohne Grund kein Vertrauen in seine O-Line und das Play Calling seines Trainers zu haben.

Foles und Nagy äußerten sich ebenfalls zum Thema und nahmen der Sache die Brisanz:

Nagy: “Nick and I have a pretty good relationship, and he hasn’t said that. I’m sure he’ll explain what he meant by that.”

Foles: “Part of that was [that sometimes I say], ‘Hey, maybe we don’t have the time right now for this type of drop because of what they’re bringing, the pressures they’re bringing.’ It’s easier with that to go, ‘Hey, 1, 2, 3, ball out.’ That’s where the miscommunication lies.”

Aufgebauschte Story hin oder her. Der vermeintliche Zwist zwischen Foles und Nagy weckte weit hinten im Gedächtnis ein paar Erinnerungen. Deshalb gibt’s hier die spektakulärsten Coach-Spieler-Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre als kleine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder journalistische Seriosität:

Nun ja, mit Saint Nick und seinen harmlosen Äußerungen haben diese Herren alle nicht viel gemein. Aber vielleicht sitzen sie eines Tages bei Pastor Foles im Beichtstuhl und wollen über ihre Allüren sprechen.

Welche Momente haben euch staunend zurückgelassen? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.

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