Das Quarterback Memo: Next Gen Lads

Langsam aber sicher müssen wir Abschied von einer gewissen Generation Quarterback nehmen. Und obwohl Brady, Big Ben und Co. noch nicht fertig sind, lohnt es sich auf die nächste Generation zu schauen.

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Das Monday Night Game zwischen Patriots und Chiefs war eine gute Erinnerung, auf was für einem hohen Niveau das Quarterback Play in der NFL ist – normalerweise zumindest. Ohne Cam Newton gaben Hoyer und Stidham ihr Bestes Punkte zu verhindern, mit Erfolg. Doch genug des Lästerns. Da ich mich in den ersten beiden Ausgaben Veteranen gewidmet habe, gibt’s heute ein paar Takte zur Zukunft der Liga. Ich präsentiere Quarterbacks aus den Draftklassen 2020, 2019 und 2018.

Justin Herbert – weiter als befürchtet gedacht

Als die Chargers in Woche 2 die amtierenden Super Bowl Champions aus Kansas City empfingen, bot sich den TV-Kommentatoren ein ungewöhnliches Bild: Anstelle des eigentlichen Starters Tyrod Taylor trabte nach dem Opening Kickoff Rookie Justin Herbert aufs Feld… und blieb. Später würden wir erfahren, dass ein Team Arzt Taylor bei einer Injektion einen Lungenflügel punktierte, doch für den Moment war das Broadcasting Team ratlos.

Ratlos war später auch ich, als ich Ausschnitte der Pressekonferenz mit Head Coach Anthony Lynn schaute. Sein Team hatte erst in Overtime durch einen Butker-Kick verloren. Doch unter Fans und Experten herrschte Einigkeit, dass Herbert eine positive Überraschung bot. “Es gab einiges, dass wir mit Justin gestern auf dem Feld nicht hinbekommen haben. Er ist Backup aus einem Grund”, war das markanteste Statement. Sei Taylor erst wieder fit, starte er zu 100%.

Hatten wir das gleiche Spiel gesehen? Denn was ich sah, war ein Rookie Quarterback, der bei Weitem nicht perfekt spielte, aber kaum überwältigt von der Situation war und nichts desto trotz sein großes Talent aufblitzen ließ. Wieso in aller Welt sollte man sich so zu einer Rookie Performance äußern, selbst wenn man den Anschein wahren wollte, dass Taylor Starter bleibt?

Nun, verunsichert wirkte Herbert durch diese unnötig harschen Aussagen kaum – im Gegenteil. Was folgte, war eine weitere solide Performance trotz Niederlage gegen Carolina. Und dann das Spiel am Sonntag: Gegen eine aus allen Rohren feuernde Buccaneers Offensive ging Herbert Schritt für Schritt mit Tom Brady und zauberte einige der absurdesten Würfe dieser laufenden Saison aufs Parkett. Nicht nur tiefe Bomben mit Play Action, sondern auch Dropbacks unter Druck, bei denen andere Quarterbacks längst nen Sack oder den Throwaway genommen hätten. Mark Schofield hat sich einige der Plays mal im Detail angeschaut.

Das ist deutlich mehr als man sich von Rookies in ihren ersten Starts erwartet, zumal Herbert auch kein lupenreines Prospect a la Burrow war. Erinnern wir uns an sein College-Tape:

Irgendwie fehl am Platz in Oregons Offensive wirkte er von Zeit zu Zeit und hinzu recht panisch unter Druck. Wenn sein erster Read nicht offen war, traf er zu oft falsche Entscheidungen und jede Genauigkeit seiner Würfe ging flöten. Und dann war da noch die Sache mit seiner Größe. Dass Quarterbacks auch kleiner als 6’0 sein dürfen, war ja spätestens seit Kyler Murray geklärt, aber können sie zu groß sein? Denn Beispiele für Passer mit Herberts Größe 6’6 gibt es wenige – oder sind nicht schmeichelhaft. Ab einer gewissen Größe ist es schwierig die Flinkheit zu haben, um sich in engen NFL Pockets zu bewegen. Auch die Wurfbewegung von hohen, langen QBs ist oft inkonstant.

Nichts davon scheint ein Problem für Justin Herbert darzustellen. Klar, die Interception darf er so nicht werfen und mit der Zeit wird er lernen, weniger in der Pocket zu driften. Doch er ist athletisch, hat einen Raketenarm und er zeigt mehr als genug, um ihn als Starter zu behalten.

Tyrod Taylor ist ein guter Backup Quarterback, aber mehr eben auch nicht. Bill Parcells würde ihn einen “Progress Stopper” nennen, denn Herbert ist die Zukunft.

Josh Allen – auf einmal Elite?

Wo wir gerade über Quarterbacks reden, bei denen sich Fans und Experten vor dem Draft uneinig waren:

Josh Allen übertrifft dieser Tage selbst die kühnsten Erwartungen seiner größten Supporter. Die Buffalo Bills stehen bei 4-0 und das nicht trotz, sondern auch wegen Allen.

Die Kritik in der Phase vor dem Draft: Er war während der High School kein sonderlich akkurater Passer, im College bei Wyoming auch nicht. Wieso sollte das sich in der NFL plötzlich ändern? Denn Quarterbacks können sich in vielen Bereichen verbessern, aber Accuracy gehört selten dazu. An der Fußarbeit kann man arbeiten, die Wurfbewegung kann effizienter gedrillt werden, aber ungenaue Passer werden in der Regel nicht zu genauen. Dass Allen diese Regel brechen kann, haben viele (mich eingeschlossen) nicht geglaubt. Doch er ist auf dem besten Weg dahin. Zur Einordnung, in CPOE von Next Gen Stats rankte Allen in seinen ersten beiden Jahren jeweils in den Bottom 5 – dieses Jahr ist er elfter.

Und diese Entwicklung sieht man auf dem Platz. Schon letztes Jahr wirkte er bei Würfen in der mittleren Distanz etwas sicherer, zumindest verglichen mit seiner Shotgun-Accuracy aus seiner Rookie Saison. In den ersten vier Spielen beeindruckt besonders sein Touch. Dass er einen Raketenarm hat und den Ball 70 Yards weit werfen kann, wussten wir, doch dass er das Feintuning dieser Pferdestärken besser hinbekommt, ist neu. Bei Crossing Routes und anderen Routen, die auf Yards nach dem Catch für Receiver ausgelegt sind, braucht ein Passer Ball Placement. Dieses ist dazu da, dem Quarterback zu helfen und endlich lässt Allen sich helfen.

Natürlich verdient nicht er allein die Lorbeeren dieser starken Saison. Bills GM Brandon Beane hat in den vergangenen Offseasons einen fantastischen Job gemacht, ein gutes Roster zusammenzustellen. 2019 wurde gerade die Offensive Line neu bestückt und der Trade für Stefon Diggs im März zahlt sich absolut aus. Josh Allen hat einen klaren #1 Receiver, der ständig offen ist und das gibt ihm Sicherheit. Nicht nur das, auch das Coaching hilft. Seit 2019 sind die Bills das Team mit der siebthöchsten Passrate bei Early Downs und am acht-aggressivsten bei 4th Downs. Damit halten sie ihre Offensive aus zu vielen 3rd & Long Situationen heraus.

Hinzu kommt, dass OC Brian Daboll sich zu einem der besten Playcaller der Liga gemausert hat. Viel Motion, viel Play-Action, viel Misdirection – die Bills haben ständig offene Receiver. Und man möge es mir verzeihen, wenn ich auf die geringe Sample Size von nur vier Spielen hinweise: Natürlich kann es sein, dass Allen gegen bessere Defensiven schlechter aussieht, die verrückten Plays hat er ja noch nicht ganz abgestellt. Doch dass der Trend sehr positiv ist, kann man nicht abstreiten. Endlich hat Josh Allen es uns Analytics-Nerds gezeigt!

Kyler Murray – noch läuft’s nicht rund

Als die Cardinals in Woche eins durch ein spätes Comeback die Divisionsrivalen in San Francisco besiegten, war die Welt noch heile. Kyler Murray wirkte zu Beginn zwar noch etwas unsicher, drehte gegen Ende aber auf und war besonders am Boden gefährlich. Das Playcalling wirkte zwar sehr aufs Kurzpassspiel ausgelegt, aber gegen andere Defensiven würde das sicher anders aussehen. Nicht jedes Team hätte schließlich eine Defensive Line wie die der Niners. Nicht immer würde man die eigene Offensive Line verstecken müssen.

Es stellt sich heraus: Scheinbar ist das doch der Fall. Kliff Kingsburys Offensive ist noch immer ein Screen-Fest, das nur selten von Pässen downfield unterbrochen wird. Nur sechs Quarterbacks werden den Ball schneller los als Kyler Murray. Seine Statline von 24 angebrachten Pässen, aber nur 133 Passings Yards am Sonntag passen kurioserweise ins Bild. Das soll nicht als ultimative Kritik an Murray verstanden werden, er spielt insgesamt eine solide Saison. Solide, aber mehr bisher nicht. PFF-Grade und Effizienz Metriken gehen in Richtung Durchschnitt, auch weil er als Runner derzeit fast eine höhere Gefahr als als Passer darstellt. Murrays Scrambles und designte Läufe stellen Defenses vor riesige Probleme, denn kaum jemand versteht es besser, unnötige Hits und Tackles zu vermeiden.

Insofern geht ein Großteil meiner Kritik eher in Richtung Kingsbury. Gegen Ende der letzten Saison wurde er dafür gelobt, sein System erfolgreich an die angespannte Receiver-Situation angepasst zu haben. Jetzt hat er DeAndre Hopkins und dennoch ist Arizonas Rate der explosiven Pass Plays die drittgeringste der Liga. So völlig ohne Big Plays durch die Luft wird es extrem schwierig lange Drives aufrecht zu erhalten. Es muss mehr Downfield-Elemente geben, denn ständige Screenpässe sind auch nicht anderes als ein verlängertes Laufspiel. Wenn wir mehr davon sehen, könnte auch Murray weiter aufblühen und zu dem Breakout Star werden, den man sich vor der Saison erhofft hat.

2 KOMMENTARE

  1. Meine Kritik: Artikel zu kurz. 😀
    Aber sonst super. Jetzt könnte als nächstes ja die Generation dazwischen angegangen werden (Wentz’ Einbruch z.B.) oder die backup-sleeper oder oder oder

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