Das Quarterback Memo: gemischte Gefühle

Gleich zwei Quarterbacks dominierten die Schlagzeilen des fünften Spieltags. Der eine kam nach schwerer Verletzung zurück, ein anderer verletzte sich schwer.

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Nur an wenigen NFL-Sonntagen im Jahr gibt es Momente, in denen die Footballwelt innehält. Für wenige Minuten gibt es nur ein Thema, bis sich die Aufregung verläuft und man zum Usus übergeht. Am Wochenende gab es gleich zwei dieser Momente und in beiden standen Quarterbacks im Mittelpunkt.

Zuerst gegen 20:15 Uhr freuten wir uns und waren vielleicht auch etwas schockiert, als Alex Smith nach 693 Tagen und 17 Operationen wieder das Feld betrat. Kyle Allen hatte einen harten Hit genommen und wurde auf eine Gehirnerschütterung getestet – Smith musste ran. Kaum Reps im Training Camp, schon gar nicht mit Kontakt hatte er bekommen. Jetzt stand ihm Aaron Donald gegenüber, die beiden nur getrennt durch eine Offensive Line, die sich als löchrig herausstellen würde. Wenn ich vor meinem Fernseher schon Playoff-Nervosität hatte, wie ging es dann erst seiner Frau in den Rängen?

Später am Abend trafen wir uns dann wieder, als Dak Prescott nach einem QB-Draw mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden liegen blieb. Man musste kein Sportmediziner sein, um zu wissen: in die Richtung sollte der Fuß eigentlich nicht stehen, auch wenn Tony Romo noch auf einen Krampf hoffte. Prescotts Saison war beendet und die Szene, als sein Ex-Coach und Giants-OC Jason Garrett übers Feld lief, um ihn zu trösten, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Genau deshalb hassen Spieler das Franchise Tag. Ein unglücklicher Spielzug und die Karriere kann vorbei sein. Nun, an Daks Situation wird sich vermutlich nicht viel ändern. Was er dieses Jahr zeigte, was mehr als genug, um einen Monstervertrag zu rechtfertigen und die Diagnose sieht ebenfalls verhältnismäßig gut aus. Zwar ist der Knöchelbruch ein offener, doch die Heilungschancen sind an sich sehr hoch. Kein Vergleich zu Alex Smiths Verletzung vor zwei Jahren. Zu Beginn der nächsten Saison sollte der Quarterback fit sein.

Stühlerücken in San Francisco?

Jimmy Garoppolo ist kein schlechter Quarterback. Er hatte gegen Miami eine horrende Vorstellung, aber sein angeschlagener Knöchel bereitete ihm sichtliche Probleme. Wenn es darum ging, sich in der Pocket zu bewegen und mehr Kraft in seine Würfe zu legen. Daher kamen auch die uncharakteristischen Lame Ducks, bei denen er Receiver völlig überwarf. Ich erwarte nicht, dass er Sonntagnacht gegen die Rams ähnlich performt. Soweit die guten News für 49ers Fans.

Die schlechten News sind, dass San Francisco vermutlich ins Quarterback Purgatory rutscht, wenn Jimmy G keinen massiven Schritt nach vorne macht. Zu schlecht, um in der Postseason was zu reißen, zu gut für einen hohen Draftpick. Auch wenn der 28-jährige letztes Jahr solide bis überdurchschnittlich spielte und die Niners den Super Bowl erreichten, scheint das Vertrauen der Franchise in ihn nicht riesig zu sein. Das ist kein Gefühl meinerseits, es gibt klare Anzeichen.

Was ist der Standard-Move eines GMs, um Capspace freizuschaufeln? Er nimmt sich die Verträge von Leistungsträgern, konvertiert das Grundgehalt zu einem Signing Bonus und kann ihn deshalb auf die nächsten Jahre aufteilen. Vorteil: kurzfristig ein höheres Budget. Nachteil: es ist deutlich schwerer, sich schnell von dem Spieler zu trennen. Die Bezahlung bleibt zwar die gleiche, doch deutlich mehr von seinem Gehalt ist garantiert. In der Regel ist das den GMs egal, da man mit solchen Leistungsträgern ja eh langfristig plant und sie nicht loswerden möchte. John Lynch restrukturierte die Verträge von Kwon Alexander und Dee Ford, nicht jedoch den von Jimmy Garoppolo. Von dessen 137-Millionen-Deal sind der Großteil der Garantien nämlich schon ausgelaufen. Entließen ihn die 49ers nach dieser Spielzeit, verblieben nur 2,8 Millionen an Dead Cap. Also praktisch nichts. Diese Hintertür schien man sich offen halten zu wollen.

Lynch und Shanahan werden sich spätestens nach dieser Saison also gründliche Gedanken über die Zukunft ihres Quarterback-Jobs machen müssen. Denn wie heißt es doch in dieser ganz lustigen Werbung, die im Gamepass ständig kommt: “Just okay, is not okay!”

Quarterbacks to watch

Obwohl bei Carson Wentz mal wieder zwei Interceptions gegen Pittsburgh zu Buche standen, steigen seine Aktien. Er scheint sich zumindest einigermaßen gefangen zu haben und sieht nicht mehr so aus, als hätte er das Werfen verlernt. Das kann den Eagles nur gut tun, jetzt wo die Krone der NFC East noch greifbarer zu sein scheint.

Ryan Fitzpatrick spielt fantastisch momentan! Gegen San Francisco warf er ausschließlich nur auf Backup-CBs mit Nummern in den 40ern (was von hoher Spielintelligenz zeugt), doch sein bisheriges Resümee ist nicht zu verachten. Top-10 Werte in den meisten wichtigen Metriken, nie unterdurchschnittlich. Schafft er es, Tua Tagovailoa das gesamte Jahr auf der Bank zu halten? Und wäre das überhaupt eine gute Sache für den Rookie?

Und was unbedingt im Auge zu behalten ist: das Let-Russ-Cook Movement. Die Seahawks sind extrem pass-heavy auf Early Downs, vermeiden Runs bei 2nd & long – was ist in dieser Offseason mit Carroll und Schottenheimer passiert? Sie legen den Ball in die Hände ihres besten Spielers und der dankt es ihnen mit wahnwitzigen Leistungen. Danke Pete!

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