Psaier & Sommer: Sunday Watch NFL Week 7

Eine Vorschau auf den siebten NFL-Spieltag 2020 mit den Takes von Fabian Sommer und Thomas Psaier zu ausgewählten Spielen.

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Neues Spiel, neues Glück! Die Wikinger haben Fabian in der letzten NFL-Woche komplett im Stich gelassen und der Take zu Andy Dalton und den Cowboys war im Nachhinein wohl der mieseste der Saison. Dank der zahmen Packers-Offense fiel auch der Shootout in Tampa Bay aus. Schwarze Woche für Herrn Sommer.

Etwas besser lief es bei Herrn Psaier: Die Eagles waren tatsächlich am Ende knapp an den Ravens dran. Bei Baker Mayfield gegen die Steelers schlug die “schlechte Seite” von Baker Mayfield ein – entsprechend erwartet schnell war das Spiel gelaufen. Doch dann kam das Sunday Night Game, und die Rams machten ganz anders als angekündigt keinen Stich.

Lass uns auf NFL-Spieltag #7 blicken.

Hungrige Löwen freuen sich auf zahme Falken

Sommer: Detroit Lions @ Atlanta Falcons (Sonntag, 18 Uhr)

Wir kommen langsam in die Phase der NFL-Saison, in der wir mehr und mehr wissen, was wir von den 32 Teams zu halten haben. Wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Wir stellen die Frage: „Inwiefern muss ich meine Einschätzung aus der Pre Season aufgrund der bisherigen Leistungen anpassen“?

Die Defense der Falcons spielt in dieser Saison etwas besser gegen den Lauf, aber ist gegen den Pass wie erwartet ein Schweizer Käse. Die Offense um Matt Ryan, Calvin Ridley und Julio Jones kann ihr Potenzial eher weniger ausschöpfen. Ein müder 22. Platz in Total DVOA. Trotzdem könnte ein Record von 3-3 statt 1-5 zu Buche stehen, wenn die üppigen Führungen gegen die Cowboys und Bears besser verwaltet geworden wären.

An die Lions hatte ich vor der Saison hohe Erwartungen, die bisher keineswegs erfüllt worden sind. Aber hier ist etwas Kontext gefragt. Mit einer 23:6-Führung über die Bears haben sich die beiden Starting-Cornerbacks Desmond Trufant und Justin Coleman verletzt – trotz Rückstand hatte D’Andre Swift am Ende den Walk-In-Touchdown in der Hand. WR1 Kenny Golladay war erst in Woche drei verfügbar. Seitdem steht Detroit offensiv auf Rank 6 in EPA/play und 5 in EPA/dropback. Laut Pro Football Focus haben sie die beste Offensive Line im Run-Blocking. Eventuell sollte man den Ball öfter an D’Andre Swift geben, als an den 35-jährigen Adrian Peterson. Die Defense kann den Lauf nicht verteidigen, steht aber auf Platz 12 in Pass DVOA. Coleman und Trufant kommen allmählich zurück. Starten die Lions jetzt durch? Man könnte davon ausgehen.

Ich glaube, dass die Falcons-Defense den Löwen in diesem Matchup wenig entgegensetzen kann. Auf der anderen Seite könnte den Lions ein paar Key-Stops mehr gelingen. Vor der Saison habe ich die Lions als das bessere Team angesehen und ich glaube, dass sie sich der Pre-Season-Erwartung immer mehr annähern. In Atlanta sollte dem besseren NFL-Team ein Sieg gelingen.

Der Titans-Express rollt weiter. Ebenso der Steelers-Express

Sommer: Pittsburgh Steelers @ Tennessee Titans (Sonntag, 19 Uhr)

Die Defense der Steelers sieht optisch und zahlentechnisch sehr gut aus. Die womöglich beste Defensive Line der Liga kreiert ohne Ende Druck. Was wir dabei aber berücksichtigen müssen: Die gegnerischen Quarterbacks lauteten bisher Daniel Jones, Jeff Driskel, Deshaun Watson mit Bill O’Brien, Carson Wentz ohne Offense, und Baker Mayfield. Bei all dem brachialen Pass Rush zeigen die Steelers seit Wochen Schwachstellen in der Secondary. Beispielsweise liegt das Coverage Grade von Pro Football Focus nur im Liga-Mittelfeld. Jetzt fehlen auch noch Mike-Linebacker Devin Bush und womöglich Slot-Cornerback Mike Hilton.

Die etwas überbewertete Defense trifft nun auf eine NFL-Passing-Offense um Ryan Tannehill, die absolut on fire ist. Dazu bekommt Tannehill mit WR Corey Davis eine weitere Waffe zurück – er war seit Woche 4 auf der COVID-Liste. Davis hatte während der ersten drei Wochen so etwas wie seinen persönlichen Breakout. PFF listet ihn laut Grading-Prozess als elftbesten Receiver in dieser Saison. Auch wenn LT Taylor Lewan sich das Kreuzband gerissen hat – Tannehill und OC Arthur Smith sind in der Lage, hier wieder an die 30 Punkte aufs Board zu zaubern.

Auch die Steelers sollten einiges an Punkten machen. Es ist das erste Spiel, indem Chase Claypool, Diontae Johnson und JuJu Smith-Schuster als Starter beginnen. Die Titans können keinen Pass Rush generieren und haben auch hinten nicht die größte Qualität. Diese Partie könnte ein weiteres Shootout werden – es sollte niemanden wundern, wenn wir die 60-Punkte-Marke knacken.

Donner, Blitzen!

Sommer: Jacksonville Jaguars @ Los Angeles Chargers (Sonntag, 22.25 Uhr)

In Woche eins haben die Jaguars die Welt geschockt – als krasser Underdog wurden die Indianapolis Colts mit einer tollen Offensivleistung und zwei Interceptions überraschend bezwungen. Dieser Sieg hat lange in unseren Hinterköpfen gesteckt und unsere Meinung über das Team minimal verblendet. Seitdem ging nahezu gar nichts mehr. Die Defense ist die mit Abstand schlechteste der Liga nach sämtlichen Effizienzmetriken. Die Offense um Gardner Minshew baut mit jedem Spiel mehr ab. Mit Myles Jack und Tyler Eifert fehlen auf beiden Seiten zwei nicht unerhebliche Stützen.

Die Chargers kommen aus ihrer Bye Week und das große Lazarett lichtet sich immer mehr. RT Bryan Bulaga hat diese Woche wieder trainiert, ebenso wie DE Melvin Ingram, CB Casey Hayward und WR Keenan Allen. Die Passing Offense um Rookie Justin Herbert sah bisher erstaunlich gut aus und sollte wenig Probleme haben, die Defense der Jags zu zerlegen. Das einzige Problem ist Anthony Lynn, der immer noch auf Teufel komm raus den Lauf etablieren möchte. Das Problem: die Chargers können es nicht. Sie sind effizienztechnisch die zweitschlechteste Run Offense nach den Buffalo Bills. Auf 1st & 10 gelingt ihnen im Durchschnitt in etwa -0.30 EPA/rush – grauenhaft schlecht. Trotzdem wird auf diesem Down sehr viel gelaufen. Das ist das einzige, was die Bolts gegen die Jaguars zurückhalten könnte. Ansonsten sieht das nach einem sehr klaren Matchup aus, das die Bolts mit mehr als einem Touchdown Unterschied für sich gestalten sollten.

Nostalgietreff für Räuber und Seeräuber

Psaier: Las Vegas Raiders – Tampa Bay Buccaneers (Sonntag 21:05 Uhr)

Wir werden alle älter, nächster Teil: Das Kind, das am Tag der Superbowl XXXVII Raiders gegen Buccaneers geboren wurde, wird in ein paar Monaten volljährig. Es hat in seinem Leben nicht mehr viele Erfolge dieser beiden Teams gesehen, denn seit die Tampa-2 Defense den Raiders-QB Rich Gannon in jenem Spiel komplett verarscht hat, haben beide Teams zusammen drei NFL-Playoffspiele gespielt. Siege dabei: Null.

Die Buccaneers haben damals die Superbowl dominiert. Die Chancen stehen gut, dass sie auch in diesem Spiel gewinnen werden.

Tampa Bay ist in vielen Facetten noch kein komplettes Team: Die Offense verschläft zu viele 1st Downs mit sinnlosen Laufspielen. Die Receiver-Superstars um Mike Evans und Chris Godwin haben noch gar nicht so viele Snaps gemeinsam am Feld gestanden. Play-Action, für QB Tom Brady jahrzehntelang Grundstein der Offense, ist in Tampa fast ein Fremdwort.

Und trotzdem nimmt die Bucs-Offense langsam Gestalt an. Die Wetten stehen gut, dass Tampa gegen eine Raiders-Defense mit lauwarmem Passrush und richtig schwacher Pass-Coverage eines der seiner besten Offensiv-Spiele machen kann.

Ob die Raiders dann dagegenhalten können? Nicht sehr wahrscheinlich. WR Henry Ruggs ist zwar wieder fit, was die tiefen Passrouten öffnet und QB Derek Carr sogar zu langen Bällen überzeugt. Aber ich sehe an zu vielen Stellen ein Mismatch:

  • Die komplette Offensive Line der Raiders ist nach dem positiven Coronatest von RT Trent Brown ein Fragezeichen. Wer auflaufen darf und wer nicht, steht noch nicht fest.
  • Ruggs trifft in CB Jamel Dean auf einen der bis jetzt dominantesten Manndecker der Saison
  • Selbst für TE Darren Waller hat Tampa in LB Lavonte David einen passablen Gegenspieler.
  • Wenn die Raiders glauben, dass Laufspiel hilft: Nope. Tampa besitzt um DT Ndamukong Suh herum die #1 Run-Defense nach EPA/Play

Es wird kein Kantersieg. Aber Tampa gewinnt auswärts.

Treff alter Freunde

Psaier: New England Patriots – San Francisco 49ers (Sonntag 21:25 Uhr)

Bill Belichick gegen Kyle Shanahan ist so etwas wie das ultimative Coaching-Duell der NFL. Die gegenseitige Bewunderung vom einen für den anderen ist landesweit bekannt. Jetzt, wo beide Teams durch eine schwierige Phase gehen (Niners sind 3-3, Patriots gar 2-3), ist das Coaching umso wichtiger.

Das Mega-Duell lautet natürlich Shanahan-Offense gegen Belichick-Defense. Belichicks Defense lebt seit Jahrzehnten davon, dass sie dem Gegner seine beste Waffe wegnimmt. Doch die beste Waffe von Shanahans 49ers ist kein einzelner Spieler, sondern dessen Play-Design, das auf maximale Raumnutzung erpicht ist.

Die Chance, dass Belichick versuchen wird, einen TE George Kittle mit Doppeldeckung aus dem Spiel zu nehmen, ist eher gering. Eher überlässt Belichick die Arbeit an den Flanken seinen Outside-Cornerbacks wie Gilmore oder Jackson und bringt innen den einen oder anderen Blitz gegen seinen Ex-Backup-QB Jimmy Garoppolo, dessen Stärken und Schwächen Belichick aus dem Effeff kennen dürfte.

Spannend ist aber auch die andere Seite des Matchups. Die Patriots haben letzte Woche gegen Denver offensiv krass enttäuscht, aber ich erwarte Besserung gegen San Francisco. WR Julian Edelman sollte fitter sein und der Pats-Offense auch in der Spielfeldmitte wieder eine valide Option geben. Die Offense Line dürfte der Niners-DL überlegen sein und das von QB Cameron Newton angeführte Laufspiel wieder etwas mehr Zunder als zuletzt haben.

Ich sehe viele Beobachter, die auf die 49ers tippen, aber die Wettbüros sehen New England vorn. Kleine individuelle Vorteile und der Glaube, dass Belichick vielleicht nicht Shanahan, aber zumindest Garoppolo durcheinanderbringen kann, lassen mich hier sehr knapp mit den Patriots gehen.

Hawks fliegen höher

Psaier: Arizona Cardinals – Seattle Seahawks (Sonntag/Montag 1:20 Uhr)

Divisionsduell in der NFC West – und das Aufeinandertreffer der bislang effizientesten Red-Zone-Offenses der NFL: Die Seahawks haben 89% ihrer Red-Zone Besuche zu Touchdowns verwertet, die Cardinals 80%. Schon allein das dürfte uns Sicherheit genug geben, dass wir nicht erneut ein 6-6 nach Overtime wie vor auf den Tag genau vor vier Jahren befürchten müssen.

Red-Zone-Effizienz für sich ist jedoch kein besonders stabiler Wert. Er taugt allerdings gerade bei den Cardinals dafür, ihre 4-2 Bilanz nach sechs Spieltagen mit zu erklären, denn:

  • Auch die Defense der Cardinals ist #2 nach Red-Zone-TD-Percentage: Sie hat nur in 42% der Fälle einen TD zugelassen.
  • Abseits der Red Zone sind die Cardinals bis jetzt ein eher wackeliges Team ohne allzu großen Offense-Rhythmus

Kyler Murrays Scrambling ist die bis jetzt beste Waffe dieser Offense – neben natürlich dem famosen WR DeAndre Hopkins, der Woche für Woche stärker in jede Facette des Passing-Games eingebaut wird. Murrays Scrambling ist ein wesentlicher Faktor in der Red-Zone (u.a. 6 Rush-TD). Mal schauen, ob die Seahawks ihn mit einem Spy in Schach halten können. Und zum anderen ist Hopkins nicht ganz fit, und ohne ihn in Hochform wird die Cardinals-Offense schnell ziemlich eindimensional.

Divisionsspiele sind immer so eine Sache, weil sich die Mannschaften sehr gut kennen. Aber prinzipiell halte ich den Vorteil der Seahawks in diesem Spiel auch auswärts für größer als der Vegas-Spread von 3 Punkten impliziert.

Die Seahawks haben zwar keinen NFL-würdigen Passrush, um Murray einzuheizen, aber sie haben Russell Wilson in Hochform, ein Receiver-Trio DK Metcalf, David Moore und Tyler Lockett, das den gegnerischen Cornerbacks Patrick Peterson, Dre Kirkpatrick und Byron Murphy deutlich überlegen sein sollte – und sie kommen aus der Bye-Week. Wenn Brian Schottenheimer auf dem Gaspedal bleibt, wird das eine klare Sache: Seahawks mit 10.

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Fabian Sommer
Sportwetten. Analytics. Podcaster. Die Quote steht über allem.
Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.

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