Am runden Tisch: Unsere Experten blicken auf die SEC

Die Southeastern Conference (SEC) ist seit vielen Jahren so etwas wie die Königsklasse im College Football: Hier spielen die meisten Topmannschaften, hier coachen die bekanntesten Coaches, hierher kommen die meisten Top-NFL-Spieler.

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Lesezeit: 12 Minuten

Mit den LSU Tigers kommt auch der regierende Landesmeister aus der SEC. Doch die Tigers gelten im Vorfeld der Saison 2020 nur als ein Team unter vielen. Die Favoriten in einer tief besetzten Conference sind andere.

Den Alabama Crimson Tide und Georgia Bulldogs als vermeintlich besten Teams der SEC haben wir schon eigene Vorschau-Texte spendiert. Heute schauen Jan Weckwerth (@giannivanzetti), Julian Barsch (@julianbarsch) und Thomas Psaier (@sidelinerep) auf die spannendsten Aspekte bei den anderen Mannschaften, und geben dann ihre Tipps ab.

#1 Ist die SEC nach wie vor der sportliche Primus im College Football?

Julian Barsch: Auch wenn ich ja eigentlich Big Ten-Fan bin, muss ich hier leider mit “ja” antworten. Mit Alabama, Georgia und Teams wie LSU und Florida hat man eine Tiefe in der Spitze, die es sonst so nicht gibt. Dazu fehlt es Teams wie Michigan und Penn State einfach zu sehr an Talent. Außerdem entwickeln sich Programme wie Tennessee und vor allem Kentucky sehr positiv. Das kann keine andere Conference auf dem Level vorweisen. 

Jan Weckwerth: Ja, da gibt es überhaupt keinen Zweifel. Ich bin traditioneller Big Ten-Anhänger, aber gerade die Teams #3 bis #8 heben die SEC von allen anderen Conferences ab. Einige NFL-Spieler haben gesagt, dass das Qualitätslevel der SEC die beste Vorbereitung auf die Pros war, da man wirklich jede Woche gegen künftiges NFL-Talent spielen musste. So sehr mich der überbordende SEC-Hype von ESPN und Konsorten nervt: Ich bin geneigt, dem zuzustimmen.

Thomas Psaier: Um noch ein bisschen Kontext zu liefern wie dominant die SEC im Vergleich zu den anderen Conferences ist, poste ich hier mal den Durchschnittswert der Mannschaften nach dem ESPN Football Power Index (FPI) in der letzten Saison.

  1. SEC (+12.1 Punkte)
  2. Big Ten (+8.6 Punkte)
  3. Big 12 (+7.3 Punkte)
  4. Pac 12 (+6.7 Punkte)
  5. ACC (+3.2 Punkte)

Man kann das so lesen: Das durchschnittliche SEC-Team wäre gegen ein durchschnittliches Team aus der FBS mit 12 Punkten favorisiert gewesen.

12 der 14 SEC-Teams waren unter den besten 50 Teams des Landes klassiert. Fünf in den Top-10. Nur Arkansas und Vanderbilt fielen als Teams jenseits der Top-90 negativ ab.

#2 Dein Coach-Ranking der SEC-Coaches?

Julian Barsch: Die Spitze gestaltet sich natürlich recht einfach, aber gerade in der Mitte gibt es dann schon einiges an Spielraum. Außerdem muss man durchaus beachten, ob man die Fähigkeit als Recruiter oder Coach höher bewertet. Am Ende führt aber natürlich nur beides zum ganz großen Erfolg. Hier das Ranking: 

  1. Nick Saban
  2. Ed Orgeron
  3. Dan Mullen
  4. Kirby Smart
  5. Gus Malzahn
  6. Jimbo Fisher
  7. Mark Stoops
  8. Mike Leach
  9. Jeremy Pruitt
  10. Lane Kiffin
  11. Eli Drinkwitz
  12. Will Muschamp
  13. Derek Mason
  14. Sam Pittman

Jan Weckwerth: Ich bin kein Freund solcher Rankings, allein schon, da es im College Football verschiedene Faktoren gäbe, um diese zu erstellen. Nach Recruiting? Nach Talententwicklung? Nach Vorbereitung der Spieler auf die NFL? Nach Scheme? Oder schlicht nach Erfolg? Dafür müsste man sich aber nur die jeweils aktuelle Tabelle ausdrucken.

Thomas Psaier: Lass es uns definieren als „Reihenfolge, in der ich die Coaches draften würde, wenn wir das Alter außen vor lassen“. Die Top-8 habe ich wie Julian, wenn auch in anderer Reihenfolge.

  1. Saban ist die #1, daran gibt es keine Zweifel.
  2. Dahinter Kirby Smart, weil er aus dem langjährigen Underachiever Georgia in Windeseile einen Contender gebaut hat.
  3. Malzahn für seine Offense.
  4. Jimbo Fisher, der noch ein bissl von seinen Vorschusslorbeeren lebt.
  5. Mike Leach, auch wenn er an keine der größeren Unis jemals passen würde.
  6. Mullen: Bei Mississppi State mit starker Aufbauarbeit, in Florida noch ein zwiespältiges Zeugnis
  7. Orgeron
  8. Stoops, wenn auch noch mit etwas „Projection“

Dahinter habe ich keine Ahnung, weil die Coaches vielleicht vielversprechend, abe noch zu kurz im Amt (Pruitt, Drinkwitz), schon früher mal krachend gescheitert (Kiffin, Muschamp), an ihrer aktuellen Station praktisch gescheitert (Mason) oder schlicht eine komplette Unbekannte sind (Pittman).

SEC West

#3 LSU gewann letztes Jahr überraschend – und in sensationeller Manier – den Landesmeistertitel. Wie groß war der Anteil von Headcoach Ed Orgeron daran? Hat sich Orgeron mit dem Coup in die Elite-Klasse der Footballcoaches gekrächzt?

Julian Barsch: Sicherlich hat sich Ed Orgeron mit diesem Erfolg ganz weit oben in der Rangfolge der College Football Coaches platziert, allerdings muss man natürlich auch sagen, dass dieses Team auf so vielen Positionen unglaublich besetzt war. Da es mit sein Verdienst war, darf ihm dies angerechnet werden. Die kommende Saison wird für meine persönliche Einschätzung aber sehr relevant werden. LSU verliert sehr viele Spieler und trotzdem sind die Erwartungen hoch. Kann er auch mit dem deutlich jüngeren Kader oben angreifen? 

Jan Weckwerth: Ich kann das häufig anzutreffende Bedürfnis nicht ganz nachvollziehen, den einen klaren Verantwortlichen für den Erfolg zu benennen. War es der HC? Oder doch der OC? Der DC? Oder profitierten alle eh nur vom Quarterback?

Nein nein, Coach O hat als Hauptverantwortlicher natürlich einen riesengroßen Anteil an dem Erfolg der Tigers. Für die Eliteklasse braucht es aber noch etwas mehr, nämlich konstante Spitzenklasse. Das kann er dann ja in den kommenden Saisons beweisen.

Thomas Psaier: Ich bin da deutlich skeptischer. Wenngleich man Orgeron wohl nicht mehr als Gene-Chizik-eske (Auburn 2010) Eintagsfliege abtun kann, so war Orgerons Headcoach-Karriere vor 2019 äußerst bescheiden. Bei Ole Miss war er ein Vollflop, das USC-Intermezzo war zu kurz für eine ernsthafte Bewertung, und bei LSU hatte er mit AP-Poll-Abschlussrankings von #14, #18 und #7 die Erwartungen bestenfalls erreicht. Bestimmt nicht übertroffen.

Dann kam 2019. Das Jahr war natürlich einzigartig. Aber es fühlt sich auch an wie „perfect storm“. Orgeron gebührt als Chef natürlich viel vom Credit. Doch die richtig schwierige Aufgabe wartet erst jetzt auf ihn. Lass uns schauen, ob er bestehen kann – ich meine da nicht einen weiteren National Title, sondern ein paar konstante Jahre in oder um die Top-10.

#4 LSU hat, obwohl Titelverteidiger, nach extrem vielen Spielerabgängen sowie dem Verlust der beiden wichtigsten Trainerfiguren in Offense (Passing-Game Coordinator Joe Brady) und Defense (DefCoord Dave Aranda) zur anstehenden Saison kaum jemand auf dem Zettel – zurecht?

Jan Weckwerth: Zurecht, weil die Unwägbarkeiten zu groß sind. Natürlich ist weiterhin viel Talent vorhanden. Aber man muss sich das nochmal vor Augen führten: Nur WR Terrace Marshall, RT Austin Deculus, DT Glen Logan, CB Derek Stingley und S JaCoby Stevens sind von den regulären Startern der letzten Saison noch dabei. Da wird es beinahe zwangsläufig zu Gewöhnungsprozessen kommen.

Zudem muss in der Defense des neuen (und alten) DC Bo Pelini ein ganz neues System installiert werden. Pelini steht auf eine 4-3 Defense, die sich in einigen Punkten wesentlich von der 3-4 Defense seines Vorgängers Dave Aranda unterscheidet – nicht nur bezüglich der Front. In der so dicht besetzten SEC wird es für LSU schwer werden. Aber wer weiß, vielleicht überraschen uns die Tigers ja allesamt noch einmal.

Julian Barsch: Es hat sicherlich einen guten Grund, dass sich LSU nicht aktiv nach einem der wirklich guten Transfer-Quarterbacks umgeschaut hat. Sie mögen das, was sie ihn Myles Brennan haben. Das Team um ihn herum ist noch immer äußerst talentiert, wenn auch unerfahren. Viele erwarten, dass die Tigers nach all den Abgängen ins Bodenlose fallen und das sehe ich nicht. Auch wenn ich nicht erwarte, dass sie um den SEC Titel mitspielen, werden sie ein gutes Jahr haben. 

Thomas Psaier: Ich bin da eher bei Jan und erwarte ein Übergangsjahr. Der Übergang auf Pelini klingt steinig, und Scott Linehan als Joe-Brady-Nachfolger ist maximal uninspirierend. Drei oder vier Niederlagen würden mich absolut nicht wundern.

#5 Wie bewertest du Auburns QB Bo Nix nach seiner Freshman-Saison: Enttäuschung oder gemessen an zu hohen Erwartungen von anderen Freshman-QBs wie Kedon Slovis, Sam Howell oder zuvor Trevor Lawrence? Kann Nix den Sprung zum Superstar schaffen?

Julian Barsch: Sicherlich konnte Bo Nix die hohen Erwartungen als Freshman nicht erfüllen, doch das war auch fast unmöglich. Ich erwarte einen großen Sprung von ihm und alleine durch seine Athletik wird er in den kommenden Jahren ein wirklich guter College-Quarterback sein. Deutlich mehr Zweifel habe ich, wenn es um sein Upside als NFL Quarterback geht. Doch ist auch das noch komplett unsicher und ihm stehen alle Optionen offen. Er hat ein talentiertes Team um sich herum und wird schon bald mehr Fans mit seiner Spielweise überzeugen. 

Jan Weckwerth: Lawrence würde ich aus der Aufzählung rausnehmen, weil der sowieso mit niemandem vergleichbar ist. Doch auch sonst fehlte zu den passgewaltigen Freshman-Quarterbacks wie Howell und Slovis natürlich schon ein wenig.

Nix ist als echter dual-threat ein anderer Spielertyp, doch traue ich ihm durchaus zu, sich als Passer weiterzuentwickeln. Letzte Saison mangelte es an Pocket Presence und Accuracy, teils verbunden mit schlechten Entscheidungen. Er zeigte in wichtigen Momenten aber, dass er ein absoluter Gamer ist und sein Team zum Erfolg führen kann.

Nix ist voraussichtlich kein besonderer NFL-Prospect, doch als College-Quarterback hat er durchaus das Potenzial zum Superstar. Nur ist es bis dahin noch ein Weg – und nun muss er sich erstmal auf eine neue Offense einstellen.

#6 Wäre Auburn auch ohne eine überragende Quarterback-Vorstellung komplett genug um die SEC West zu gewinnen?

Julian Barsch: Das sehe ich persönlich nicht. Das Team ist gut, keine Frage. Aber nur mit einem wirklich gutem Jahr von Bo Nix kann man für die Überraschung sorgen. Das halte ich auch nicht für komplett ausgeschlossen. Gerade auf die Wide Receiver um Seth Williams und Speedster Anthony Schwartz bin ich sehr gespannt. Ohne einen starken Bo Nix wird es aber nicht gut genug sein.

Jan Weckwerth: Nein, dazu braucht es den Quarterback, insbesondere in der passlastigeren Offense des neuen OC Chad Morris. Qualität auf Receiver ist vorhanden mit meinem langjährigen Mancrush Seth Williams (einer der besten contested Catch-Receiver des Landes), dem ultraschnellen Anthony Schwartz und dem erfahrenen Slot Eli Stove. Doch in anderen Mannschaftsteilen gibt es zumindest Fragezeichen. Als erstes wäre hier wohl die O-Line zu nennen.

Ich habe eine Schwäche für die Tigers-Defense, die trotz diverser Abgänge wieder oben mitspielen dürfte. Das Linebacker-Trio aus K.J. Britt, Owen Pappoe und Zakoby McClain gehört zu den besten der SEC. Wenn die neuformierte Secondary schnell an die Leistungen ihrer Vorgänger anknüpft, dann könnte den Tigers die eine oder andere Überraschung gelingen. Insbesondere auf die neuen Safeties wird es ankommen, da diese Position in der Defense von DC Kevin Steele große Verantwortung innehat.

Insgesamt erscheinen mir andere Teams aktuell halt kompletter.

#7 Deine kritischen Worte in Richtung der Headcoach-Neulinge in Mississippi: Lane Kiffin (Ole Miss) und Mike Leach (Mississippi State)? Kann das funktionieren?

Julian Barsch: Natürlich kann es funktionieren. Beide bringen viel Potential mit, offensiv mehr aus ihrem Kader herauszuholen, als es die jeweiligen Vorgänger in den letzten Jahren vollbracht haben. Es ist nur Frage, was “funktionieren” in diesem Fall bedeutet. Es besteht durchaus die Chance, dass eines der beiden Teams eine ausgeglichene Bilanz am Ende der Saison hat. Das wäre aber auch das Ceiling für mich. Wenn ich tippen müsste, wäre es Ole Miss, da ich ihre Kombination aus Quarterback und Running Back sehr mag. Sophomore Back Jerion Ealy sollte nach seinem tollen ersten Jahr wieder enorm spannend sein. 

Jan Weckwerth: Kann es durchaus irgendwann, nur noch nicht in diesem Jahr. Bei Kiffin bin ich insgesamt minimal optimistischer. Persönlich halte ich nicht viel von ihm, doch der Schritt zurück zu FAU hat ihm offenbar gutgetan. Aktuell hat er in der Offense einige gute Skillplayer zur Verfügung mit RB Jerrion Ealy, TE Kenny Yeboah und natürlich Slot WR Elijah Moore, der den meisten Fans aber noch in anderer Hinsicht bekannt sein dürfte:

Bei Leach bin ich langfristig skeptischer. Dieses Jahr könnte er mit dem erfahrenen Stanford Transfer QB K.J. Costello und RB Kylin Hill besser abschneiden als Ole Miss. Allerdings frage ich mich, ob sich sein reiner Air Raid-Ansatz ohne größere schematische Anpassungen in der SEC durchsetzen kann. Die Verteidigungen dieser Conference sind möglicherweise zu gut organisiert und zu schnell, um sie nur mit Execution zu schlagen. Vielleicht wird Leach so aber mittelfristig gezwungen, etwas mehr auf den Gegner zu reagieren.

Ich bin kein großer Fan dieser beiden auf ihre spezielle Weise jeweils extrovertierten Coaches, aber eins ist klar: Der Egg Bowl ist absolutes Pflichtprogramm.

Thomas Psaier:

Ich bin da optimistischer. Leach ist Leach. Wir wissen, wofür er steht, und zumindest offensiv hatte er in den letzten 20 Jahren überall Erfolg.

Kiffin mag als Typ noch umstrittener sein, aber lass uns eins nicht vergessen: Der Mann kann coachen. Seinen Anteil an der Modernisierung der Alabama-Offense würde ich nicht unterschätzen – er hatte die Eier, einem Nick Saban die Stirn zu bieten. Mit mittlerweile 45 gilt er als gereift und dürfte sich auch im zwischenmenschlichen Bereich nicht mehr so sehr im Weg stehen wie früher, als er überall verbrannte Erde hinterließ.

#8 Over/Under für Arkansas-Siege 2020?

Julian Barsch: Ich würde das Over/Under bei 1.5 Siegen ansetzen. Spoiler: Ich würde under gehen. 

Jan Weckwerth: Da gehe ich mit Julian mit: 1.5, aber ich setze mal vollkommen grundlos optimistisch auf over.

Thomas Psaier: Ich würde mich bei 1.5 gerne zum Over durchringen, weil allein glückliche Zufälle oft helfen. Aber viel brutaler als der Hogs-Schedule geht nicht. Daher tippe ich tatsächlich auf 1-9.

SEC East

#9 Ist es vermessen zu behaupten, dass die SEC East zur heurigen Saison qualitativ im Vergleich zur jahrelang überragenden SEC West aufgeholt hat?

Julian Barsch: Überhaupt nicht! Florida und Georgia stellen enorm talentierte Teams. Und Programme wie Kentucky und Tennessee habe ich bereits erwähnt. Gerade die Wildcats von Mark Stoops sind so gut gecoached und bekommen für die Saison viel Erfahrung zurück. 

Jan Weckwerth: Da würde ich zustimmen. Allerdings hat sich dieser Trend bereits in den vergangenen zwei Saisons abgezeichnet. Die riesige Kluft von Mitte der 2010er Jahre existiert nicht mehr.

Thomas Psaier: Gerade wenn sich Tennessee nach zig Anläufen wieder als eine ernst zu nehmende dritte Kraft etabliert – und danach sah es in den letzten Jahren aus – dann könnte die SEC East der West-Division in Kürze sogar ernsthaft die Stirn bieten.

Georgia ist ein Juggernaut. Florida kratzt mit Dan Mullen wieder am Elite-Status. South Carolina und Kentucky sind auf dem Weg nach oben. Wenn jetzt auch noch Tennessee in etwa auf einem Level mit Auburn agieren könnte, dann look out.

#10 Traust du Florida-QB Kyle Trask einen Sprung zu, der groß genug ist um Georgia ernsthaft Konkurrenz zu machen?

Julian Barsch: Um die Frage direkt zu beantworten: Ja, aber muss er gar nicht zwingend. Kyle Trask hat mir bereits letztes Jahr gut gefallen und es wäre erstmal wichtig, wenn er wieder auf dem Level spielt.

Die Skill Position-Spieler um ihn herum sind so gut besetzt, dass dies bereits ausreichen würde. Da finde ich es eher wichtig, dass X-Faktoren wie Senior WR Kadarius Toney endlich das aufs Feld bringen, was sie wirklich können. Wer ihn nicht kennt: Kaum ein Spieler macht mehr Spaß und ihr solltet das Wochenende unbedingt mit einem Highlight-Tape von ihm einläuten.

Damit komme ich aber bereits zu meinem Punkt: Diese Gators haben einen enorm starken Kader und auch das ist für mich der Grund, warum ich sie dieses Jahr knapp vor Georgia sehe. Die Wide Receiver sind talentiert und defensiv sollte man ebenfalls wieder eine der besten Units im College Football stellen. Die Tiefe auf Cornerback ist beeindruckend und man sollte den Abgang von CJ Henderson gut wegstecken können. 

Jan Weckwerth: Halte ich nicht für ausgeschlossen. Trask hat nach der Verletzung des Stamm-QB Feleipe Franks die Spread-Offense von HC Dan Mullen hervorragend umgesetzt. Schnelles, rhythmisches Kurzpassspiel, wenig Fehler, den Ball verteilen. Es hilft natürlich, wenn man mit Kyle Pitts einen der besten Tight Ends des Landes hat. Der war für Trask in den Kurz- und Mitteldistanzen die große Lebensversicherung.

Die Defense wird trotz Abgängen im Passrush wieder zu den besseren der SEC zählen. Insbesondere die Secondary ist bockstark besetzt. Allerdings gehört Georgias Defense mindestens in dieselbe Kategorie. Es wird womöglich wirklich darauf hinauslaufen, welche Offense etwas konstanter in Schwung kommt.

#11 Oder ist die Tennessee-Vols-Defense im dritten Jahr von Headcoach Jeremy Pruitt gut genug um eine suspekte Offense durchzuschleifen und endlich mal wieder um den Divisionssieg mitzureden?

Jan Weckwerth: Nein, noch nicht. Immerhin haben die Vols eine exzellente O-Line zusammen um Top-Prospect OG Trey Smith, den hochtalentierten jungen LT Wanya Morris und bald dann hoffentlich auch Georgia Transfer OG Cade Mays. Wenn die Skillplayer etwas besser wären, könnte man hier einiges draus basteln. Sind sie aber leider (noch) nicht.

Die Defense sollte trotz der Abgänge gut aufgestellt sein, zumindest wenn der Passrush etwas zulegen kann. LB Henry To’o To’o hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sondern das Potenzial zum Star. Die Secondary ist tief besetzt und ließ schon 2019 verhältnismäßig wenig zu.

Also: Es bewegt sich langsam etwas.

Thomas Psaier: Die Vols waren 2019 gut genug um die meisten gutklassigen Teams zu schlagen. Doch gegen die SEC-Granden hagelte es ein Debakel nach dem nächsten:

3-34 @Florida
13-43 gegen Georgia
13-35 @Alabama

Da ist noch ein kleiner Weg zu gehen – und solange die Offense um QB Guarantano nicht wesentlich stabiler performt, und darauf kann man eigentlich nicht wetten, reicht das dieses Jahr noch nicht.

#12 Was ist von Mizzou mit dem neuen Headcoach Eliah Drinkwitz zu erwarten?

Jan Weckwerth: Bei neuen Head Coaches für mittelmäßige Teams bin ich in der SEC naturgemäß skeptisch. Dazu ist die Dichte in dieser Conference schlicht zu hoch.

Drinkwitz lässt eine interessante Offense spielen: eine hurry-up Spread, allerdings relativ lauflastig. Wenn sich wie erwartet TCU-Transfer QB Shawn Robinson durchsetzt, könnte die Offense durchaus überraschen. Die Tigers haben zwar keine besonders bekannten, aber sehr solide Skillplayer.

Drinkwitz hat den vorigen DC Ryan Walters behalten. Ganz sicher eine gute Entscheidung, denn der hat die extrem löchrige Verteidigung 2019 auf ein hohes Niveau gecoacht. Keine Big Play-Defense, dafür sehr diszipliniert und smart. Mit LB Nick Bolton hat man zudem einen echten Leader in der Mitte.

Mittelfristig könnte das also durchaus was werden.

#13 Irgendeine Chance, dass die Nachzügler wie South Carolina, Kentucky oder Vanderbilt die eine oder andere Überraschung oder sogar eine positive Saisonbilanz („Winning Season“) zustande bringen?

Julian Barsch: Für Vanderbilt sehe ich es nicht und bei South Carolina würde ich nach der überraschenden Quarterback-Entscheidung für Collin Hill erst nochmal abwarten wollen. Kentucky sollte es aber zumindest mal zu einer ausgeglichenen Bilanz schaffen. Dieser Kader darf nicht unterschätzt werden und ist nicht nur an der Line of Scrimmage stark besetzt. Alles unter fünf Siegen wäre eine Enttäuschung. 

Jan Weckwerth: Hier würde ich mein Geld auf Kentucky setzen. Die Wildcats sind hervorragend gecoacht von HC Mark Stoops. Der hat nach all dem Verletzungspech 2019 gezeigt, dass er das beste aus jeder Situation machen kann. Er stellte den eigentlichen WR Lynn Bowden auf Quarterback und ließ damit eine Wildcat-Offense bei den Wildcats laufen. Mit Erfolg. Nun wird es wieder eine konventionellere Spread sein, aber dank einer hervorragenden O-Line und einer ebensolchen Rushing-Attacke wird Kentucky mindestens einen Favoriten überraschen.

Prognose

#14 Drei Dinge: Wer erreicht das SEC-Finale? Wer gewinnt? Und wieviele Playoff-Teilnehmer wird die SEC in dieser Saison stellen?

Julian Barsch: Im SEC-Finale werden wir einen Showdown zwischen Alabama und Florida bekommen. Das dürfte richtig viel Spaß machen. Am Ende sind die Crimson Tide aber doch zu talentiert. Nach meiner Einschätzung sehen wir dann auch diese beiden Teams im Playoff. Alabama an Position eins oder zwei. Florida rutscht als letztes Team rein.

Jan Weckwerth: SEC-Finale: Ich bleibe da ganz konservativ, auch weil ich von diesen Duellen nie genug kriegen kann: Alabama vs. Georgia. Saban vs. Smart. Leider wird der Drachen dieses Mal erneut nicht erlegt: Bama siegt.

Zu den Playoffs: Ich hoffe nur einen. Wetten würde ich nicht drauf.

Thomas Psaier: Wettregel Nummer 1 – Wette niemals gegen Nick Saban. Alabama kriegt die schwersten Gegner allesamt zuhause im eigenen Stadion. Obwohl sich Kirby Smart mit seiner Georgia-Maschine auch endlich mal „dran“ anfühlt, glaube ich an einen weiteren Alabama-Conference-Titel.

Alabama ist damit auch der Playoff-Tipp. Dass Georgia dazustößt, glaube ich insbesondere deswegen nicht, weil sie in der Regular Season schon auswärts bei Alabama ran müssen. Und mit zwei Pleiten, und sei es immer gegen Alabama, wird das dann eher nix.

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Thomas Psaier
Football-Blogger seit 2010. Allesfresser in NFL und College Football.
Julian Barsch
Alles rund um die Themen College Football, NFL Draft und Recruiting. Host des Saturday Kickoff-Podcasts. Fan der Ohio State Buckeyes.
Jan Weckwerth
College Football- und Draft-Veteran. Podcaster. Sportromantiker. Running game still matters.

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