Gescheiterte NFL-Konkurrenz I: COFL (1965-1969)

Wir schreiben das Jahr 1965, die NFL und AFL dominieren den Football Markt. Doch dann kommt ein ehemaliger Gouverneur und Baseball-Funktionär und möchte einen dritten Big Player installieren.

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Lesezeit: 7 Minuten

In der ersten Folge dieser Reihe blicken wir auf die Continental Football League (COFL). Eine Liga, die 1965 von Commissioner Albert Benjamin “Happy” Chandler aus der Taufe gehoben. Chandler, zwei Mal Gouverneur von Kentucky und ehemaliger Senator, war im Sport kein gänzlich Unbekannter: von 1945-1951 war er Commissioner der Major League Baseball.

1965 startete diese Liga in ihre erste Saison, bestand damals aus zehn Mannschaften, die alle in der östlichen Hälfte Nordamerikas beheimatet waren. Die besten Teams der kleinen United Football League und der Atlantic Coast Football League schlossen sich zusammen und wurden durch einzelne neue Franchises ergänzt. In zwei Divisions, Eastern und Western, traten diese Teams nun an. Kurios: Selbst die „Western Division“ war mit 3 Teams nur einen Steinwurf von der Atlantikküste entfernt… Warum man die Bezeichnungen Ost und West wählte, ist mir ein Rätsel. Gerade wegen dieser Aufteilung, die man auf den ersten Blick wohl anders hätte treffen können. Eine Mannschaft fällt aber aus dieser Liste heraus: Auch Kanada war vertreten. Die Toronto Rifles waren das erste professionelle American Football Team des Landes (Die Teams der Canadian Football League werden unter Canadian Football geführt).

Die Gründer-Teams:

Eastern Division: Newark Bears, Norfolk Neptunes, Philadelphia Bulldogs, Toronto Rifles, Wheeling Ironmen (auf der Karte in blau)

Western Division: Charleston Rockets, Fort Wayne Warriors, Hartford Charter Oaks, Rhode Island Indians, Richmond Rebels (auf der Karte in rot)

Unterschiede zur NFL:

Die Liga startete mit leichten Unterschieden zu den damaligen NFL-Regeln:

  • Bei Gleichstand gab es eine Sudden Death-Overtime
  • Ging der Kickoff über die Endzone hinaus, musste das kickende Team mit einer 5 Yards-Strafe erneut kicken.
  • Fair Catches waren verboten
  • Versuchte ein Team einen Kickoff Return aus der Endzone und erreichte nicht die 20 Yards-Linie, wurde der Ball automatisch dort platziert
  • Die Roster waren auf 36 Spieler beschränkt, dazu kamen 5 Practice Squad Plätze.

Die Liga wollte bewusst eine Trennung zur NFL. Es wurde den Teams untersagt Spieler von NFL/AFL Teams zu leihen oder eigene Spieler an diese Ligen abzugeben. Dazu peilte man einen großen TV-Vertrag an. Blicken wir dazu kurz auf die US-amerikanische Fernsehlandschaft der 60er zurück: Damals gab es nur drei große, überregionale Networks. FOX wurde erst 1986 gegründet. Die NFL war mit CBS verbunden, die AFL hatte bei NBC ihren Platz. Das dritte Network im Bunde war ABC, allerdings ohne großen Football. Chandler und seine Kollegen wollten das ändern, aber es wurde nichts daraus. ABC hatte kaum Interesse und die COFL startete mit einer ersten Niederlage in ihre Gründungssaison.

Die erste Saison:

Die Regular Season ging über 14 Wochen. Anschließend gab es das „League Championship“-Finale zwischen den beiden Divisionsiegern. Im Osten setzten sich die Toronto Rifles mit 11-3, trainiert von Leo Cahill, durch. Der 2018 verstorbene Coach war sehr lange in der Canadian Football League aktiv, vor allem bei dem Traditionsteam der Toronto Argonauts. Im Westen schafften die Charleston Rockets mit 14-0 die perfekte Saison. Dort trainierte Perry Moss, der 1974 Quarterback Coach der Packers war und vor allem in der Arena Football League Erfolge feierte. D

Das Finale ging mit 24:7 an Charleston, die bereits zuvor in der regional operierenden United Football League gespielt hatten. MVPs gab es in der Saison gleich zwei: Philadelphias Quarterback Bob Brodhead und Torontos Full Back Joe Williams.

Season 1965 der COFL

1966: Zweiter Anlauf mit einer Legende

Zur Saison 1966 mussten bereits erste Teams die Pforten schließen. Die Fort Wayne Warriors, Newark Bears und die Rhode Island Indians wurden durch die Orlando Panthers, Montreal Beavers und Brooklyn Dodgers ersetzt. Brooklyn wartete dabei mit einer echten Sportlegende auf. GM war der MLB Hall of Famer Jackie Robinson. Außerdem verabschiedete sich “Ligagründer” Happy Chandler. Da der große TV Vertrag nicht zu Stande gekommen und daher ein dauerhafter Profistatus schwer aufrecht zu halten war, gab es von den Teambesitzern mehrere Versuche mit den NFL und AFL-Teams Kooperationen einzugehen. Für Chandler ein No-Go, welches dann im Rücktritt des Commissioners endete. Nachfolger wurde Sol Rosen, Besitzer der Newark Bears.

Einer der bekanntesten Spieler in dieser Zeit war Coy Bacon. Der Defensive Lineman spielte für die Charleston Rockets und machte im Anschluss ab 1967 Karriere in der NFL. Dort spielte er bis 1980, unter anderem für die Rams und Bengals, wurde drei Mal in den Pro Bowl gewählt. Das Championship Game gewannen diesmal die Philadelphia Bulldogs mit 10:3 gegen die Orlando Panthers.

Season 1966 der COFL

1967: Im Westen viel neues

Obwohl so mancher Versuch deutlich gescheitert war, bspw. wurden die mit großem Tamtam gestarteten Brooklyn Dodgers bereits wieder eingemottet, versuchte die Liga einen großen Schritt. Die Western Division wurde nun auch geographisch in den Westen verfrachtet. 7 Teams wurden entlang der Pazifikküste gegründet: Die Eugene Bombers, Long Beach Admirals, Orange County Ramblers, Sacramento Buccaneers, San Jose Apaches, Seattle Rangers und Victoria Steelers. Dazu kamen im Osten die Akron Vulcans hinzu. Doch die West-Erweiterung war nicht von Erfolg gekrönt, mehrere Teams gaben nach der Saison wieder auf. Die Toronto Rifles schlossen bereits im Saisonverlauf die Tore, nachdem das CFL Team der Argonauts diverse Starter und den Head Coach abgeworben hatte.

Am bizarrsten waren aber die Geschehnisse in Akron. Der Geschäftsmann Frank Hurn hatte die Lizenz der Brooklyn Dodgers gekauft und das Team nach Ohio verlegt. Blöd nur: Dieses Geld entstammte den Kreisen eines Chicagoer Mafia-Syndikats. Zusätzlich lockte er weitere Geschäftsleute dazu Geld in das Team zu investieren und weigerte sich parallel Gehälter der Spieler und Coaches zu bezahlen. Das führte dazu, dass das Team nach drei Wochen mit Streik drohte. Unmittelbar vor dem Spiel in Woche 4 bei den Wheeling Ironmen weigerte sich das Team anzutreten. Doch die Eisenmänner waren Ehrenmänner, denn sie zahlten den geprellten Spielern Akrons einen Teil des Gehaltes um das Spiel stattfinden zu lassen. Betrüger Hurn machte sich aus dem Staub, war später noch in allerhand kriminellen Aktivitäten involviert.

Im Finale konnten die Orlando Panthers die Finalniederlage des Vorjahres wett machen und gewannen mit 38:14 gegen Orange County.

Eine spätere San Francisco 49ers-Legende gab in dieser COFL-Saison sein Debüt als Head Coach: Bill Walsh. Nachdem er zuvor bei den Oakland Raiders im Coaching Staff war, trainierte er die San Jose Apaches. 1979 übernahm er die 49ers und gewann mit ihnen drei Mal den Super Bowl (XVI, XIX, XXIII)

Season 1967 der COFL

1968: Zwei spätere Super Bowl Sieger schauen vorbei

1968 wurde die Liga wieder kräftig umgewürfelt. Man vereinigte sich mit der im mittleren Westen ansässigen Professional Football League of America (PFLA). Diverse Teams zogen sich im Vorfeld zurück, darunter die 1966 noch siegreichen Philadelphia Bulldogs. Mit Danny Hill gab es einen neuen Commissioner, der ob der fraglichen finanziellen Situation die Zügel anzog. Teams bekamen eine Gehaltsobergrenze von wöchentlich 5.000 $. Nicht pro Spieler, sondern für den gesamten Kader.

Zwei Spieler dieser Saison schafften es auch in die NFL. Der Kicker Garo Yepremian, welcher zuvor schon bei den Lions war, kickte kurzfristig bei den Michigan Arrows. Er gewann später mit den Miami Dolphins die Superbowls VII und VIII. Noch etwas größer war die Karriere von Ken Stabler. Die Raiders Legende spielte 1968 zwei Mal für die Spokane Shockers bevor er bei den Oakland Raiders landete und dort diverse Erfolge feierte und unter anderem den Super Bowl XI gewann.

Das Endspiel der Vorsaison wiederholte sich und erneut ging der Sieg nach Orlando, diesmal mit 30:23. Das Finale verfolgten 10134 Zuschauer, das bestbesuchte Continental Football League Finale.

Season 1968 der COFL

1969: Zum Ende bis nach Mexiko

Trotz des Rekordfinales war die Liga in ihren letzten Zügen. Zwar gab es noch eine 1969er Saison, aber die Liga wurde immer weiter aufgeblasen, bspw. kamen zu dieser Saison 8 Mannschaften der kleinen Texas Football League hinzu. 22 Teams traten nun in fünf Divisionen an. Eine letzte Besonderheit war der Versuch eine Franchise in Mexico zu installieren. Die Mexico Golden Aztecs hielten aber kaum mehr als einen Monat durch, ehe alles nach acht von zwölf Wochen bei einem 2-6-Record eingestampft wurde. Auch Hawaii sollte ursprünglich mit einem Team bedacht werden, musste aber noch vor Saisonstart aufgeben. Es gelang nicht ausreichend Geld zu akquirieren um eine komplette Saison zu finanzieren. Das Team wurde 18 Tage vor dem Start nach Portland transferiert.

Das Finale am 13.12.69 gewannen die Indianapolis Capitols gegen die San Antonio Toros mit 44-38 nach Overtime. Der MVP des Spiels, Quarterback Johnnie Walton, sollte es später immerhin noch in die NFL schaffen. Er war von 1976 bis 1979 bei den Philadelphia Eagles und kam in insgesamt 15 Spielen zum Einsatz (31 von 65 Versuchen für 338 Yards, 3 Tds, 3 INT).

Nach der Saison endete die COFL. Neun Teams hatten angekündigt die Liga zu verlassen. Fünf Teams gründeten die Trans-American Football League, vier schlossen sich der Atlantic Coast Football League an. Die restlichen Teams, darunter auch die verbliebenen Ligagründer der Wheeling Ironman (seit 1968 Ohio Valley Ironmen) wurden eingestampft.

Season 1969 der COFL

Ein letzter Abgesang:

An die Chance eine echte Konkurrenz zur NFL zu werden glaubten wohl nur vereinzelte, auch wenn der erste Commissioner auf dem Papier ein äußerst nahmhafter Mann zu sein schien. Aber mit jedem Jahr wurde die minimale Wahrscheinlichkeit geringer und selbst Publicity Stunts wie das Team von Jackie Robinson halfen der Liga nicht. Ganze 56 Spieler/Trainer der COFL kommen heute auf einen Eintrag in der englischen Wikipedia. Neben ihren wohl größten sportlichen „Erzeugungen“ Ken Stabler und Bill Walsh wurde noch jemand aus der Liga berühmt: John Amos. Dieser spielte mehrere Jahre in der COFL, versuchte sich auch erfolglos in der AFL bei den Denver Broncos und Kansas City Chiefs. Bekannt wurde der heute 80-jährige aber als Schauspieler. Seit den 70ern war er in allerhand Serien und Kinofilmen vor der Kamera, z.B. im Serien-Epos Roots oder den Blockbustern Der Prinz aus Zamunda und Stirb Langsam 2.

Final noch mal ein letzter Blick auf die Landkarte der COFL. Die Teams, die zwischen 1965-1969 mal mehr, mal weniger erfolgreich antraten:

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Jessica Fehlhaber
NFL-Fan und Fantasy-Spielerin. Verliebt seit dem ersten Snap als aktive Spielerin. Fly, Eagles, Fly!

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