Das Quarterback-Memo: erste Sorgenfalten

Wir haben erst zwei Wochen der Regular Season hinter uns und schon jetzt scheinen nicht nur Coaches auf dem Hot Seat zu sitzen, es wird schon nach ersten Quarterback-Benchings geschrien. Zeit für ein paar einordnende Worte.

0
688
5
(17)
Lesezeit: 4 Minuten

Dass die Position under Center die mit Abstand wichtigste auf dem Gridiron ist und jeder Snap und jedes Play unter besonderer Beobachtung stehen, muss ich niemandem erzählen. Aber gerade deshalb lohnt es sich, von Zeit zu Zeit die aktuellen Entwicklungen ein paar der 32 Starter unter die Lupe zu nehmen. In dieser hoffentlich regulären Artikelreihe werde ich mir regelmäßig drei Quarterbacks raussuchen, die in irgendeiner Hinsicht herausstechen. Sei es positiv oder negativ. Ich könnte auch zehn nehmen, aber man sollte ja nicht sein ganzes Pulver im ersten Quarter verschießen, richtig?

Drew Brees – ziemlich (h)armlos?

Schon nach dem ersten Auftritt der Saints gegen die Buccaneers wurde über das Duell der Quarterback-Oldies heiß diskutiert. So richtig frisch sahen beide nicht aus, doch gerade Drew Brees’ Performance Montagnacht in Las Vegas war fragwürdiger als meine Überschrift.

Kontext: In den vergangenen Jahren hatte Sean Payton seine Offensive immer mehr aufs Kurzpassspiel umgebaut. Die Zeiten, in denen er seinen Spielmacher lange in der Pocket hängen ließ und versuchte, den Ball tief werfen zu lassen, waren vorbei. Das wurde möglich gemacht, weil Brees mit Alvin Kamara und Michael Thomas exzellente Ziele im Bereich bis zehn Yards hatte und weil seine herausragende Genauigkeit bei diesen Würfen die Möglichkeiten für Yards nach dem Catch maximierte. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass Payton umstellen musste, weil sein Quarterback nicht mehr die Armstärke hatte, um 16 Spiele plus Playoffs eine aggressivere Offensive zu spielen.

Es scheint, als mache sein Arm auch das nicht mehr in alter Effizienz mit. Verdächtig viele seiner Würfe scheinen in der Luft zu schweben und das, obwohl er noch seltener das Matchup downfield sucht. Sicher, die Sample Size von zwei Spielen ist nicht groß, aber sein AYTS ist nochmals gewaltig zurückgegangen. “Yards to the Sticks” misst die Entfernung seiner Anspielstationen zum First Down. Ein positiver Wert sagt aus, dass er im Durchschnitt über den Marker hinaus wirft, ein negativer dementsprechend das Gegenteil. 2019 lag er mit -2,0 schon an sechstletzter Stelle, momentan ist er mit -4,0 Letzter.

Das andere Problem: Nicht nur ist er bei den wenigen tiefen Würfen wacklig, er trifft auch in den kurzen Zonen des Feldes nicht mehr konstant seine Receiver. In CPOE, einer Statistik in der er in den letzten drei Jahren konstant in den Top-3 rangierte, rankt er momentan an drittletzter Stelle. Nicht nur wirft er öfter Checkdowns und kurze Pässe als jeder andere Quarterback, er bringt selbst davon 8,4% weniger an den Mann, als der Average Joe. Ich will ihn bei weitem nicht abschreiben und begraben, aber die Zeichen sprechen dafür, dass das Ende nah ist.

Aaron Rodgers – Revenge Tour?

Von einem Hall-of-Famer zum nächsten: Ich weiß nicht, ob’s noch jemandem aufgefallen ist, aber Aaron Rodgers sieht wieder aus wie 2014er Aaron Rodgers!

In den letzten Jahren machte sich schon ein gewisser Einbruch bei seinen Leistungen bemerkbar. Nicht, dass irgendjemand Rodgers für einen schlechten Quarterback hielt, nein. Nur zur echten Elite der NFL-Passer gehörte er auch nicht mehr. Im Gegensatz zu Brees hatten seine physischen Voraussetzungen kaum nachgelassen, aber die mentale Ebene stimmte irgendwie nicht. Seine einst so zelebrierte Fähigkeit zu improvisieren und Plays zu verlängern, schlug ins Gegenteil aus. Zu oft brach er aus funktionierenden Plays aus und drehte sein eigenes Ding – mehr oder weniger starke Konflikte mit seinen Coaches inklusive.

Jetzt haben wir 2020 und nicht nur verweigerten die Packers ihrem Quarterback kurzfristige Receiver-Hilfe im Draft, sie zogen in Jordan Love sogar seinen Nachfolger! Wie passend, dass gerade jetzt Rodgers Anstalten macht, eben wieder in diese Riege der Elite-Starter zurückzukehren. Obwohl er mit Davante Adams nur einen (zugegebenermaßen sehr guten) Receiver hat, wirkt er deutlich sicherer und besonders zielstrebiger in der Pocket. Das Improvisieren gehört natürlich immer noch zu seinem Spiel, aber er wählt mittlerweile öfter die offene Route underneath, ohne ständig das Big Play zu suchen.

Die Packers Offensive läuft tadellos, belegt Platz #1 in DVOA und auch Rodgers selbst hat die höchste Passing Grade aller Quarterbacks nach PFF. Auch in EPA/Play rangiert er an #4, obwohl nur Brady, Stafford und Wentz mit mehr Drops zu kämpfen hatten. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Rodgers so diszipliniert bleibt, wenn die Gegner schwieriger und die Spiele enger werden. Wenn es hart auf hart kommt und Rodgers und LaFleur noch immer am selben Strang ziehen, kann viel gehen in Green Bay!

Ganz am Rande: Hier Rodgers’ Antwort auf die Frage eines Reporters, wie er zu Dak Prescotts Aussagen zu Mental Health stehe. Große Klasse!

Carson Wentz – schon wieder?

Zum dritten Mal: Ja, wir haben erst Woche 3, deshalb sollte man keine absoluten Aussagen für die Saison treffen. Das vorangeschoben – Carson Wentz performt grauenhaft momentan. Er ist seltsam inakkurat, trifft schlechte Entscheidungen und macht eher Schritte zurück als nach vorn. Er spielt nicht so, wie man es von einem Quarterback im fünften Jahr erwarten würde. Schon gar nicht von einem 2nd Overall Pick.

Und sicher, sein Supporting Cast ist nach einer Verletzungswelle kaum besser als letztes Jahr in Richtung Dezember. Desean Jackson ist gesund, aber das war’s auch schon. Aber das allein kann kaum Entschuldigung sein für die Leistungen, die Wentz leistet. Gegen die Rams startete er zwar ganz ordentlich, baute dann aber krass ab. Nicht, dass er unter Druck nicht spielen könnte, selbst einfache Screenpässe zu seinen Receivern lässt er momentan schwer aussehen. In sauberen Pockets setzt er seine Füße nicht und wirkt flat-footed – nur Arm, keine Footwork. Im nebenstehenden Video gibt’s kaum Schönes. Immerhin die Musik ist nett.

Der Couch-Psychologe in mir sagt, dass Wentz im Laufe des Spiels nervöser wird, aber wieso? Auch Head Coach Doug Pederson wurde gefragt, wieso sein Quarterback eher Rück- als Fortschritte macht: “Gute Frage.” Fragen gibt’s viele, Antworten hab auch ich nicht. Ich könnte jetzt wieder Advanced Metrics bis zum Umfallen zitieren, Wentz wird eh in den Bottom-Five bei den meisten davon liegen.

Ich gehe absolut davon aus, dass er sich einigermaßen aus diesen Regionen herausspielt, aber zu welchem Maße? Ein schlechter Spieler war er ja nie, aber seine letzte wirklich gute Saison war 2017. Das ist schon eine Weile her…

Ein paar weitere Gedanken…

Es gibt unendlich viele Storylines zu Quarterbacks, die ich hätte ansprechen können und sicher auch noch werde. Kann der Jaguar King weiter an seine Form anknüpfen und sich zu einem ernstzunehmenden Starter entwickeln? Ein Sieg im Bart-vs-Schnorres Duell mit Ryan Fitzpatrick würde sicher helfen.

Und wie kommen Jimmy Garoppolo und Drew Lock von ihren Zwangstimeouts zurück? Wie finden sich Brady und Arians miteinander zurecht? Ich bezweifle, dass mir der Stoff für diese Reihe ausgeht.

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung: 5/5 (17 Stimmen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

James Wiebe
Podcaster. Fan von NFL, CFB und jeder zukünftigen Spring-Football-Liga. Ewiger Dante-Pettis-Believer.

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen