Der richtige Umgang mit Rankings am Draft Day

Rankings zu benutzen ist der erste richtige Schritt, worauf ihr dabei aber achten sollt und warum Positional Rankings am Besten sind.

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Lesezeit: 6 Minuten

Die Fantasy Football Draft Season steht vor der Tür und wieder einmal versuchen Fantasy Spieler den perfekten Draft hinzulegen. Vorab sei gesagt: Den perfekten Draft gibt es nicht. Eure Liga gewinnt ihr nicht am Draft Day, sondern am Waiver Wire und durch Trades. Dennoch könnt ihr eure Liga am Draft Day verlieren. Wie ihr das verhindern könnt, wie man sich am besten auf den Draft vorbereitet, wie man richtig mit Rankings umgeht, worauf ihr achten sollt und warum es von mir keine Overall oder Tiered-Based Rankings gibt, sondern nur Positional Rankings, erfahrt ihr jetzt.
Für die Erläuterung habe ich einen Redraft Mock Draft am 01.08.2020 durchgeführt. Einstellungen waren wie folgt.

Pick Position 7 in einer 12 Team Liga.
1 QB, 2 RB, 2 WR, 1 TE, 1 Flex, 5 Bench (0,5 PPR).
Rankings des aktuellen ECR (Expert Consensus Ranking) wurden beim Draft berücksichtigt.

Warum Overall Rankings Bullshit sind

Fangen wir damit an zu begründen, warum Overall Rankings Bullshit sind.
Die bisherigen Picks, aufgrund des Overall Rankings vom ECR waren:

  • 1.07 Derrick Henry TEN
  • 2.06 Miles Sanders PHI
  • 3.07 Todd Gurley ATL

So weit, so gut. Ziemlich genau meine Strategie für 2020. Running Back Heavy.
Und jetzt? Laut Overall Ranking muss ich James Conner nehmen!
Noch einen Running Back? Statt meinem Kader mehr Balance mit einem Wide Receiver Pick zu geben?
Aber gut. Statt Keenan Allen, D.J. Chark, Devante Parker oder Terry McLaurin zu nehmen, picken wir unseren vierten RB in der vierten Runde. 4.06 James Conner PIT. Als wäre der Pick in der vierten Runde nicht schon bedenklich genug, sagt uns das Overall Ranking, David Montgomery CHI mit dem Pick 5.07 zu picken. Ich denke es ist offensichtlich worauf ich hinaus möchte.

Overall Rankings sind nicht zum Draften geeignet. Da man stur nach dem Ranking draftet und man den Positional Value oder bereits getätigte Picks vollkommen außer Acht lässt. BPA (Best Player Available) ist nichts anderes als nach Overall Rankings zu draften. Bei BPA würde man in der dritten Runde Kelce picken, selbst wenn man in der zweiten Runde schon Kittle gepickt hat, weil Kelce in dem Moment der “Best Player Available” ist. Leider wird BPA aber immer noch oft als Draft Ratschlag erwähnt. Ein Draft-Killer für jeden Anfänger.

Tiered-Based Rankings sind besser aber fehlerhaft

Tiered-Based Rankings, also Rankings, die nicht nur positionsbezogen sind, sondern auch nochmal unterteilt in verschiedene Tiers in den einzelnen Positionen. Sprich das Tier 1 bei Running Backs ist besser als das Tier 2 bei Wide Receivern.
Wieder befinden wir uns in der vierten Runde des Drafts. Einstellungen sind die gleichen wie oben.
Nur diesmal waren meine Picks, aufgrund des Tiered-Based Rankings, folgende:

  • 1.07 Julio Jones ATL Tier 1 WR (Tier 1 RB alle weg)
  • 2.06 Chris Godwin TB Tier 2 WR (Tier 2 RB alle weg)
  • 3.07 JuJu Smith Schuster PIT Tier 3 WR (Tier 3 RB alle weg)

Wow. Ich befinde mich in der vierten Runde in einer Redraft Liga und darf erst jetzt zwischen einem WR und einem RB wählen, weil beide Positionen Spieler im Tier 4 haben. Die Runden zuvor wurden klar vom Ranking diktiert. Eine strategische Überlegung war mir aufgrund der Gewichtung von Tiers, abgegrenzt durch die Positionen nicht möglich. Dalvin Cook, Derrick Henry, Joe Mixon (Tier 2 Runningbacks) vor einem Julio Jones (Tier 1 Wide Receiver) zu picken hat mir das Tiered-Based Ranking nicht erlaubt. Selbst wenn ich eigentlich RB Heavy draften wollte. Denn Tier 1 WR > Tier 2 RB. Nicht zu vergessen Tier 1 TE Zach Ertz ist aktuell noch auf dem Board.

Darf ich einen RB aus dem Tier 4 über einen TE aus dem Tier 1 draften? Ab wann ist der Positional Value des Tight Ends höher? Was ist, wenn ein QB aus dem Tier 2 in der nächsten Runde noch da ist? Aber schweifen wir nicht ab. Was sagt mir das Tiered-Based Ranking in der elften Runde, wenn mein Kader größtenteils aus Floor WR besteht und ich nun Upside WR brauche?

Wide Receiver wie N’Keal Harry NE oder Allen Lazard GB sind Upside WR, die sich im Tier 7 befinden. Jamison Crowder NJY ein Tier 6 WR mit höherem Floor ist ebenfalls noch da. Darf ich einen Upside WR aus dem Tier 7 nicht draften, weil Jamison Crowder aus dem Tier 6 mehr Value hat? Oder hat der Experte Harry und Lazard wegen dem fehlenden Floor nicht im Tier 6? Was hat der Experte in dem Moment gedacht, als er Harry oder Lazard ein Tier tiefer gerankt hat? Würde er vielleicht in diesem Fall doch einen WR aus dem tieferen Tier bevorzugen? Wenn er ein Tiered-Based Ranking erstellt hat, wird er wohl diesen Faktor eingerechnet haben und guten Gewissens sagen können: Tier 6 WR > Tier 7 WR. Oder doch nicht? Oder vielleicht ja doch?

Ihr seht es, Tiered-Based-Rankings sind zwar um Längen besser als Overall Rankings, aber immer noch mit zu vielen Fehlern behaftet, wenn es darum geht die Rankings am Draft Day zu benutzen.

Zusammenfassung der Schwächen von Overall und Tier-Based Rankings

Wie ich am Anfang erwähnt habe, sehe ich daher keinen Grund ein Tiered-Based Ranking oder ein Overall Ranking zu erstellen. Am Draft Day kommt es in jeder Situation des Drafts auf verschiedene Komponenten an.
Will ich in den ersten Runden Floor Spieler? Nehme ich Risiken in Kauf und picke “High Risk High Reward” Spieler? Brauche ich Upside? Welche Strategie will ich bei QB und TE befolgen? Wie benutzt man Tiered-Based Rankings, wenn man eigentlich RB Heavy draften möchte. Genau wie BPA zwängt dich ein Tiered-Based Ranking in eine Zwangsjacke. Man hat etwas mehr Platz sich zu bewegen, aber entfalten kann man sich nicht.

Mein größtes Problem mit Tiered-Based Rankings ist das Erstellen eines solchen Rankings. Was bewegt einen Experten Spieler “X” im Tier 4 zu haben und Spieler “Y” im Tier 5. Aufgrund welcher Kriterien ist ein Spieler letzter im Tier 4, aber erster im Tier 5? Wie groß ist der Unterschied der beiden Spieler wirklich? Darf man den ersten WR im Tier 5 nicht über dem letzten RB im Tier 4 draften, weil der Value kleiner ist?
Diese Frage gilt es klar mit Nein zu beantworten. Einzig die Komponente MIPA in das Tiered-Based Ranking einfließen zu lassen, würde die Rankings sinnvoll machen. Womit wir bei der Lösing sind.

Was ist die Lösung?

MIPA (Most Impactful Player Avalaible)
Most Impactful Player Available bedeutet, dass ihr nicht nach einer bestimmten Position draftet, sondern den Spieler mit dem größten (besten) Einfluss auf euren Kader. Diese Strategie sorgt für die größte Balance in euren Rostern. Außerdem bietet dieses Vorgehen eine hohe Flexibilität in Drafts.

Mit der MIPA Variante, draftet man in jeder Situation, zu jeder Zeit einen Spieler oder eine Position, die den den größten (besten) Einfluss auf euren Kader hat. Welche Position ihr picken sollt? Ob ihr einen Upside Spieler statt einem Floor Spieler picken sollt? Ein weiterer Vorteil von MIPA ist es, dass man nicht in ein Korsett gezwängt wird, wonach man zu draften hat. Egal mit welcher Strategie man in den Draft geht, die MIPA Variante wird einen nicht daran hindern es umzusetzen. Im Grunde genommen, könnte man sogar einen Draft mit Overall Rankings durchführen, wenn man MIPA berücksichtigt. Ebenfalls kann man auch mit Tiered-Based Rankings draften, wenn man MIPA berücksitigt. Warum dann also nicht gleich nur Positional Rankings erstellen und im Draft MIPA anwenden, um den bestmöglichen Ausgang am Draft Day zu forcieren?

Vor allem für Neulinge ist es wichtig die Bezeichnung BPA aus dem Wortschatz zu streichen, weil es ein falsches Vorgehen beim Draft suggeriert. Tiered-Based Ranking Verfechter, werden spätestens in den mittleren und späten Runden merken, dass Tiered-Based Rankings ebenfalls ungeeignet sind. Bisher hat sich nur noch keiner darüber Gedanken gemacht und die alten unangefochtenen Begriffe wie BPA und Tiered-Based hinterfragt. Man kann sicherlich auch anderer Meinung sein. Dies macht die große Fantasy Football Welt auch aus. Gerade wenn es um die Rankings an sich geht, aber der Umgang mit Rankings am Draft Day darf ab sofort nur noch in Zusammenghang mit MIPA vonstatten gehen.

Weitere Ratschläge für euren Draft

  1. Know Your League Settings.
    Das mag offensichtlich klingen, aber eure Vorbereitung auf den Draft beginnt damit, sich mit den Regeln der Liga zu beschäftigen und daraufhin die Evaluation zu beginnen. Je nach Variante müssen die einzelnen Positionen unterschiedlich bewertet werden. Auch Rankings oder Draft Prioritäten müssen gegebenenfalls angepasst werden.
  2. Wenn möglich erstellt eure eigenen Rankings.
    Bedient euch dazu natürlich auch unseren Rankings, für eine bessere Einordnung. Aber wenn du für dich selber evaluiert hast, dass Diontae Johnson ein absoluter Breakout Spieler ist, dann lass dich von Experten nicht beeinflussen und justiere die Expertenrankings ein wenig.
  3. Achtet auf eure Mitspieler.
    Bezieht bei eurer Wahl, welche Position ihr draftet auch die bereits getätigten Picks eurer Mitspieler ein. Haben die Teams, die nach euch picken schon einen Tight End gedraftet, wäre es ratsam eine weitere Runde mit einem TE Pick zu warten, um stattdessen Upside Spieler auf RB / WR zu picken. Kennt ihr eure Mitspieler? Vielleicht kennt ihr deren “My Guys” bzw. Targtes? In Gewissen Situationen wird euch das einen großen Vorteil verschaffen.

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Raphael Gruhn
24 / 7 Fantasy Football Experte

3 KOMMENTARE

  1. Alle Argumente hier (und im Podcast) sind nachvollziehbar, und hat Spaß gemacht zu lesen bzw. eurer Debatte zuzuhören.
    Imho sind Artikel und Diskussion aber leider sehr unsauber, weil zwei Fragen vermischt werden:

    1) Wie erstellst du dein Ranking / deine Spielerliste PRE-DRAFT?
    a) Overall Ranking
    b) Tier-Based Ranking
    c) Positions-Ranking ohne Tiers

    2) Wie pickst du WÄHREND DES DRAFTS vor?
    a) Wie vergleichst du den Value verschiedener Positionen? Einmal musst du überlegen ob QB3 ein besserer Pick wäre als TE3 oder WR18, ein anderes Mal ob QB Tier 1 besser als WR Tier 3 wäre etc.
    b) Pickst du nach BPA / strikt nach Ranking
    c) Pickst du MIPA / stärker abhängig von Needs

    Deine Hauptkritik an Overall Ranking und Tier-based Rankings gilt der deiner Meinung nach stupiden Umsetzung im Draft.
    Die Argumente Floor- vs. Upside-Spieler gelten z.B. komplett identisch für deine Positional Rankings ohne Tiers. Und auch um die Positions-Quervergleiche kommt man so oder so nicht herum.

  2. Danke für dein Feedback.
    Ich werde in den kommenden Tagen einen Nachtrag schreiben und anhand eines Beispiels meine Interpretation darstellen.

  3. Ich versteh deinen Ansatz und kann die Argumentation zu den Rankings nachvollziehen aber ich halte MIPA in der Form auch für ein schlechtes Konzept. Warum? Weil es leer ist. Du sprichst die Flexibilität von MIPA selber an und genau das ist auch das Problem. MIPA ist so flexibel, dass es nicht dazu geeignet ist herauszufinden welcher Spieler als nächstes gefragter werden sollte. Es gibt halt nicht wirklich Anhaltspunkte wer MIPA ist. Man müsste meiner Meinung nach das Konzept noch ausdefinieren, Anhaltspunkte für und gegen Impact finden. Das schränkt dann natürlich auch wieder ein bisschen die Flexibilität ein, wäre meiner Meinung nach aber ein guter Mittelweg.

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