Am runden Tisch: Fünf Thesen zur NFC North

Die NFC North war letztes Jahr lange knapp und wurde erst mit dem Sieg Green Bays in Minnesota entschieden. Mit etwas Glück und einem gesunden Matthew Stafford, hätten vielleicht sogar die Lions Anschluss halten können. Wer wird dieses Jahr König des Nordens? Wir fragen unsere Autoren.

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1) Das einzige was den Lions zu einem ernsthaften Contender fehlt, ist ein Top-20 Coach.

Florian Schmitt: Matt Patricia ist zweifelsohne das Puzzleteil, das nicht so recht passen will. Nicht nur, dass die Lions Defense über die letzten beiden Jahre deutlich hinter den zugegeben hohen Erwartungen zurück blieb. Nein, auch von ehemaligen Spielern hört man immer wieder Zweifel an den Führungsqualitäten Patricias. Letztes prominentes Beispiel ist hierbei Darius Slay, der die Lions in der abgelaufenen Offseason gen Philadelphia verließ und nicht müde wird, den Lions HC zu denunzieren.

Jonas Arand: Schwierig. Die verstaubten Ansätze des Coachings der letzten Jahre haben zu einigen Personalentscheidungen geführt, die man noch reparieren müsste. Man hat den besten Quarterback der Division, daher sollte man um den Sieg immer mitspielen. In den Playoffs sieht das dann aber zumeist anders aus und da sehe ich bei den Lions noch ein paar Fragezeichen zu viel.

Martin Senfter: Contender ist ein großes Wort, vor allem im Zusammenhang mit den Detroit Lions. Ich wär fürs erste ja auch mit einem Playoff-Sieg zufrieden, aber warum nicht gleich von ganz großen Ding träumen? Matt Patricia ist sicherlich nicht DIE Head Coach-Offenbarung, für die er gerne verkauft wurde. Ein weiterer Coach aus dem Belichick-Tree, der es nicht schafft, aus dem Schatten des Meisters hervorzutreten. Seine Defensivansätze und Überlegungen sind gut, die Ausführungen und Coaching-Entscheidungen während des Spiels allerdings oft sehr grausam mit an zusehen. Und auch nicht jeder ehemalige Spieler ist gut auf Patricia zu sprechen. Ja, ein ordentlicher Head Coach wäre schon eine schöne Sache. Das Team scheint geladen zu sein, es liegt an ihm jetzt endlich was zählbares aufs Feld zu bekommen. Sonst war es das für ihn in Detroit. Also um die These zu beantworten – ja, mit einem Top 20 Coach, müsste man die Lions zum größeren Favoritenkreis zählen.

Jonas Stärk: Die Frage ist, wie man Contender definiert. Deshalb würde ich es so formulieren: Hätten die Lions einen halbwegs kompetenten Coach, wären sie für mich der klare Favorit auf den Division-Sieg. Auf der Quarterback-Position sehe ich Detroit etwa auf Augenhöhe mit Green Bay und Minnesota. Ihre Waffen sind klar stärker. Zudem könnten die Lions mit Trufant, Okudah und Coleman die beste Cornerback-Gruppe der NFC North stellen und hätten mit Amani Oruwariye sogar noch einen starken Back-Up in der Hinterhand. Am Ende stellt sich die Frage, wie viel ein schlechter Head Coach zerstören kann. Wegen dems starken Rosters tippe ich trotz Matt Patricia auf einen Division-Sieg der Detroit Lions nach einem knappen Dreikampf mit Packers und Vikings.

2) Die Packers hatten eine vielkritisierte Offseason, gewinnen aber trotzdem die Division.

Jonas Stärk: Mein Tipp sind die Packers in diesem Jahr nicht. Allerdings erwarte ich einen knappen Dreikampf an der Spitze mit Beteiligung der Packers. Die Chance ist also da. Man darf trotz der zurecht kritisierten Offseason nicht vergessen, dass die Packers nach wie vor einen starken Kader haben und nur wenige Leistungsträger abgeben mussten. Allerdings waren die 13 Siege ebenfalls kein realistisches Leistungsbild und es spricht alles für eine deutliche Regression. Insgesamt sehe ich die Packers zwischen neun und zehn Siegen und knapp hinter Detroit.

Martin Senfter: Darüber will ich nicht sprechen.

Jonas Arand: Die Division ist vollkommen offen, daher wäre das möglich. Wenn die jungen Receiver einen riesigen Sprung nach vorne machen und LaFleur entgegen aller Spekulationen mit seiner Idee, wie die genau auch aussehen mag, Erfolg hat, ist alles offen. Wenn dann Rodgers nach seinen durchwachsenen letzten Jahren zurück an die Spitze findet und man wieder Glück hat…
Ihr merkt: einige „wenns“. Unrealistisch ist es nicht, wahrscheinlich aber auch nicht.

Florian Schmitt: Halte ich persönlich für äußerst unwahrscheinlich. Die Offense entwickelt sich schematisch und vom Talent her gesehen in die falsche Richtung. Die Defense spielte letztes Jahr über ihren Möglichkeiten. Das wird schwierig zu wiederholen und der First Place Schedule beschert den Packers Spiele gegen die 49ers und Eagles.

3) Mike Zimmer ist der beste Head Coach der NFC North.

Martin Senfter: Auf Grund der Konkurrenz geh ich da mit. Zimmer ist zwar altbacken, aber er zaubert trotzdem immer ein schlagkräftiges Team hervor. Man scheint mit ihm zufrieden zu sein, erst im Juli gab man ihm einen neuen Dreijahresvertrag. Die Spieler scheinen sich ihm verschrieben zu haben.

Jonas Stärk: Der Vergleich zwischen Head Coaches ist naturgemäß schwierig. Zimmer ist ein brillianter Defense Coach. So viele Jahre hintereinander eine Top-10 Defense zu stellen, ist ungewöhnlich. Auch seine Entscheidungen bei der Bildung seines Coaching Staffs waren insgesamt häufiger gut als schlecht. Dass sein Staff in sechs Jahren zwei Head Coaches hervorgebracht hat, spricht für Zimmer. Sein Game-Management ist hingegen ausbaufähig. Hier würde ihm mehr Aggressivität gut stehen.

Der Titel des besten Head Coaches der Division entscheidet sich für mich zwischen Zimmer und Matt Nagy. Ich bin ein großer Fan vom aktuellen Bears-HC und rechne es ihm hoch an, dass er sich trotz Trubisky nicht zu einer Run-First-Offense verleiten ließ. Nagy hat in seinen zwei Jahren das Maximum aus einer unterdurchschnittlichen Offense mit einem miesen Spielmacher geholt. Ich würde seine Offense gerne mal mit einem vernünftigen Quarterback sehen.

Jonas Arand: Auch wenn mich andere Packers Fans gleich abschießen: Ja.
Zimmer hat einige komische Entscheidungen letztes Jahr getroffen und seine Einmischung in die Offense muss man hinterfragen. LaFleur aber muss sich dieses Jahr beweisen. Durch die Unruhe rund um Rodgers und die komplette Offseason hat er den Druck auf sich erhöht. Nagys Kicking Battle hat ihn für mich disqualifiziert, Patricia ist bisher jede Eignung schuldig geblieben.

Florian Schmitt: Uneingeschränkte Zustimmung. Zimmer ist – insbesondere in Bezug auf seine offensive Philosophie – mit Sicherheit nicht über jeden Zweifel erhaben. Er ist aber das mit Abstand beste Defensive-Mind der Division und kann die meiste Erfahrung vorweisen.

4) Wenn Nick Foles nicht zündet, wird es heiß unter dem Sessel von Ryan Pace.

Jonas Arand: Zweifellos. Die Bears haben viel riskiert mit Khalil Mack und vor allem Mitchell Trubisky. Wenn das alles nicht zündet und die letzte Hoffnung in Foles verpufft, wird man in Chicago sicher einiges auf den Prüfstand stellen. Ein letzter Platz in der Division ist nicht unrealistisch.

Florian Schmitt: Es wird Zeit, dass die Bears das Kapitel “Ryan Pace” abschließen. Sein Track Record liest sich nicht sonderlich positiv.

Jonas Stärk: Der Stuhl unter Pace sollte längst brennen. Der Foles-Trade war nur die Spitze des Eisbergs von Fehlern, die der Bears-GM in den letzten Jahren beging. Pace hat Chicago in eine schwierige Salary-Cap-Situation geführt, ohne die meiste Zeit einen teuren Quarterback zu bezahlen. Hinzu kommt der äußerst verschwenderische Umgang mit Draft-Picks. Aktuell halten ihn noch einige gute Picks über Wasser. Langfristig kann man auf diese Weise aber keinen erfolgreichen Kader bauen.

Martin Senfter: Unabhängig von Foles ist es schon heiß unter dem Sessel von Pace. Die Entscheidungen die er in den vergangenen Jahren getroffen hat, sind nachhaltig schwierig auszubessern. Vom grausamen Trubisky-Pick (statt Watson oder Mahomes, ich muss das noch einmal betonen) über den teuren Mack-Deal und seiner Liebe zu 300 Tight Ends – Pace und Nagy müssen auf eine 2018er Saison hoffen. Was nur schwer möglich sein wird. Wenn er geht, dürfte er durchaus viel verbrannte Erde in Chicago hinterlassen.

5) Am Ende der Saison liegt die Differenz zwischen erstem und letztem Team bei zwei Siegen.

Florian Schmitt: Hier würde ich vorsichtig widersprechen. Ich sehe den Sieger der Division bei neun bis zehn Siegen, die Bears aber nur bei sechs bis acht Siegen. Ich würde sagen, die Chancen stehen 70:30, dass mehr als zwei Siege zwischen Platz eins und vier liegen.

Jonas Stärk: Dass alle vier Teams die Saison mit nur zwei Siegen Unterschied beenden, ist eher unwahrscheinlich. Selbst in den am härtesten umkämpften Divisionen liegt im Normalfall eine etwas größere Differenz zwischen den Plätzen eins und vier. Ich glaube aber, dass die ersten drei sehr knapp beieinander liegen werden. Ich sehe Detroit, Minnesota und Green Bay alle im Bereich von neun oder zehn Siegen. Es ist gut möglich, dass in Woche 17 noch alle drei Teams die NFC North gewinnen können. Die Bears fallen hier jedoch wegen ihrem Quarterback-Defizit ab. Mir fällt es schwer, Chicago bei mehr als sieben Siegen zu sehen.

Martin Senfter: Die Division kann sehr eng werden, keine Frage. Ich denke aber, eine Mannschaft wird wieder nach unten abreißen (und ich hoffe inständig, dass es nicht die Lions sind). Beim Glück der Packers von 2019, müssten sie jetzt im Gegenzug die engen Partien verlieren und mit vier Siegen am letzten Divisionplatz landen.

Jonas Arand: Was es dafür brauchte, wären wohl sechs oder sieben Siege der Bears.
Daher: nein.

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Martin Senfter
Über New Orleans aus unerklärlichen Gründen in Detroit gelandet. Draft Season ist beste Season!
Jonas Stärk
NFL- und Draft-Enthusiast, Podcaster; Im deutschen Football unterwegs als Spieler und Jugend-Coach der Bochum Rebels und als Schiedsrichter.
Florian Schmitt
Passionierter Titans Fan und Lead Blogger der ersten Stunde. Analytics-Nerd und Liebhaber des Passing Games. Fantasy Football Enthusiast und Graphics-Guy.

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