Cowboys 2020: Jahr Eins nach Garrett

Die zehnjährige Ära von Jason Garrett als Head Coach der Dallas Cowboys endete mit einem enttäuschenden 8-8 Record in der Saison 2019. Mit Mike McCarthy soll es nun zurück in die Play-Offs gehen.

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Insgesamt gesehen war die Saison 2019 für die Dallas Cowboys eine große Enttäuschung. Wenig überraschend setzte Owner Jerry Jones seinen Head Coach Jason Garrett nach Zwölf Jahren in Texas – davon zehn als Head Coach – vor die Türe. Zwar ist der Offense dafür wenig Schuld anzurechnen, am Ende war Garrett aber eben für den Gesamterfolg des Teams verantwortlich. Dieser blieb aber zum wiederholten Male aus.

Offense:

Die Unit um Quarterback Dak Prescott und Rookie-Play-Caller Kellen Moore beendete die Saison mit dem zweitbesten Offense DVOA der NFL. Nur die Offense der Baltimore Ravens erzielte einen höheren DVOA-Wert. So war es dann auch keine Überraschung, dass Neu-Head Coach Mike McCarthy an Kellen Moore als Offensive Coordinator festhielt. Die Mischung aus McCarthys West-Coast-Offense und Moores vertikalen Pass-Konzepten könnte spannend werden.

Quarterback:

Ja, es gab viel, was man an der Off-Season der Dallas Cowboys loben konnte. Dass man Quarterback Dak Prescott aber nach wie vor nicht mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet hat, ist jedoch ein schwerer Fehler. In der kommenden Saison wird der Spielmacher unter dem Franchise Tag spielen.

Dak Prescott. Quelle: https://www.flickr.com/photos/joeglo/48740713303

Dabei ist Prescott aber in vielen Bereichen nah am Prototyp des modernen Quarterback-Spiels. Einerseits ist Prescott ein effektiver Passer in und außerhalb der Pocket. Andererseits bringt er aber auch genug Athletik mit, um ein gefährlicher Runner zu sein und Plays zu verlängern. In der vergangenen Saison hatte Prescott den drittbesten Wert bei EPA pro Play (0,21), die beste Success Rate (53%) und die zwölftbeste Completion Percentage over Expectation (+0,8). Der verbesserte Supporting Cast und der Wechsel in McCarthys passlastige Offense dürften Prescotts Statistiken in der kommenden Saison weiter aufbessern. Billiger wird es für die Cowboys in der kommenden Off-Season also wohl kaum.

Hinter Prescott haben die Cowboys mit Andy Dalton den wohl besten Back-Up-Quarterback der NFL verpflichtet. Sollte der Spielmacher also verletzungsbedingt ausfallen, wäre das also zumindest kurzfristig zu überbrücken.

Skill Positions:

Während seiner NFL-Abstinenz soll sich Head Coach Mike McCarthy stark mit dem Thema “Football Analytics” befasst haben. Diese wolle er zukünftig auch stärker einbinden. So war es dann wohl auch nicht so überraschend, dass die Dallas Cowboys in der ersten Runde nicht ihre Löcher in den beiden interior Lines stopfte. Stattdessen wurde mit Receiver CeeDee Lamb ein bereits starker Receiving Corps noch weiter verbessert.

Interessant könnte die Rollenverteilung der Receiver auf dem Feld werden. Amari Cooper, Michael Gallup und Lamb sind alle primär Outside Receiver. Der letztjährige Slot Receiver Randall Cobb verließ die Cowboys trotz der Verpflichtung seines alten HCs (Cobb spielte von 2011 bis 2018 unter McCarthy in Green Bay) in Richtung Houston. Laut aktuellen Berichten planen die Cowboys aktuell hauptsächlich CeeDee Lamb im Slot einzusetzen, obwohl er in seiner letzten College Saison nur 26,4% seiner Snaps im Slot spielte. Auch Amari Cooper könnte öfter als gewohnt in den Slot rotieren. Für gegnerische Slot Corner dürften sowohl Lamb als auch Cooper physisch ein schwieriges Match-Up sein. Dies könnte einige Gegner dazu zwingen, größere Passverteidiger im Slot aufzustellen.

Deutlich weniger bedrohlich ist hingegen die Tight End Gruppe. Nach dem Abgang von Jason Witten wird wohl Blake Jarwin starten. Ein großer Impact auf das Passing Game ist aber wohl weder von ihm, noch von Dalton Schultz zu erwarten. Besser sieht es dafür bei den Running Backs aus. Ezekiel Elliott und Tony Pollard sind beide gute Passempfänger. In McCarthys Schema dürften beide eine gute Rolle im Passing Game spielen.

Offensive Line:

Kaum ein Team hatte in den vergangenen Jahren so einen konstanten Erfolg mit der Offensive Line wie die Dallas Cowboys. Auch in der vergangenen Saison ermöglichte die Unit das drittbeste Running Game der Liga (+8,9% DVOA). Mit Tyron Smith und La’el Collins bleibt Dallas zudem das wohl stärkste Tackle-Duo der Liga erhalten.

Dallas Cowboys Offensive Line. Quelle: https://www.flickr.com/photos/keithallison/37320016964/

Ein bisschen mehr Unsicherheit gibt es hingegen in der Mitte der Offensive Line. Einzig Zack Martin zeugt hier noch vom Glanz vergangener Tage. Auf Center wird wohl wie in der Saison 2018 Joe Looney Travis Frederik (Karriereende) ersetzen. Besonders als Run-Blocker ist Looney jedoch ein drastisches Downgrade vom ehemaligen All-Pro-Center. In Pass Protection ist Looney grade gut genug, um nicht als Unsicherheitsfaktor klassifiziert zu werden. Auf Left Guard wird wohl erneut Connor Williams starten. Allerdings war er in den letzten Jahren sowohl im Passing Game als auch als Run-Blocker die Schwachstelle der Cowboys Line. Laut einigen Berichten könnte er seinen Platz sogar an Connor McGovern verlieren. Der Drittrundenpick aus dem Jahr 2019 verpasste seine Rookie-Saison verletzungsbedingt. Trotz allem werden die Cowboys aber wohl auch 2020 eine der besten Offensive Lines der Liga haben.

Offense Coaching:

Nach zehn Jahren wird Jason Garretts Air Corryell Offense in Dallas durch die West Coast Offense von Mike McCarthy ersetzt. Während seiner Zeit in Green Bay war McCarthy besonders für eine hohe First Down Pass-Rate bekannt. Dass er während seiner Abwesenheit viel mit Football Analytics gearbeitet hat, dürfte das wohl noch verstärken. McCarthys starker Fokus auf Iso-Routen wurde in Green Bay zum Ende seiner Amtszeit durch die abnehmende Qualität des Receivin Corps zum Problem. Seine neue Gruppe in Dallas sollte dafür qualitativ aber gut genug sein.

Spannend dürfte die Kombination der Systeme von McCarthy und Offensive Coordinator Kellen Moore sein. McCarthy gilt als Verfechter einer Offense mit vielen kurzen Completions. Moore hingegen favorisiert vertikalere Routenkonzepte. Finden die beiden Coaches in diesem Bereich eine gute Mischung, könnte Dallas erneut eines der effizientesten Passing Games der Liga haben.

Defense:

Nach einer vielversprechenden Vorstellung in der Saison 2018 machte die Defense der Dallas Cowboys 2019 einen großen Schritt zurück. Laut dem Football Outsiders DVOA lag die Verteidigung in der vergangenen Saison nur auf Platz 19. Anders als in der Offense wurden deshalb in der Defense die Koordinatoren ausgetauscht. Mike Nolan ersetzt auf diesem Posten Rod Marinelli.

Defensive Front:

In der vergangenen Off-Season wurde die Defensive Line der Cowboys beinahe komplett umgebaut. Von den Startern der letzten Saison kehrt nur Demarcus Lawrence zurück. Den nach Chicago abgewanderten Robert Quinn ersetzt der langjährige Vikings Pass-Rusher Everson Griffen. Zudem holten die Cowboys den ehemaligen All-Pro Aldon Smith nach vierjähriger NFL-Abstinenz. Rookie Bradlee Anae wird sich in der Rotation vorerst hinten anstellen müssen. Die Berichte über ihn aus dem Training Camp sind aber positiv. Insgesamt stellen die Cowboys eine der gefährlicheren und tieferen Rotationen ligaweit auf Defensive End.

Ganz anders sieht es in der Mitte der Line aus. Free Agent Neuzugang Dontari Poe ist als Nose Tackle gesetzt. Neben ihm sieht es aber nach der verletzungsbedingten Entlassung von Gerald McCoy finster aus. Starten wird in der ersten Woche wohl der letztjährige Zweitrundenpick Trystan Hill. Der spielte in seiner Rookie-Saison aber kaum eine Rolle und war als Pass-Rusher harmlos. Rookie Neville Gallimore könnte also bereits früh eine Rolle in der Rotation haben. Da DC Mike Nolan zudem gerne mit flexibelen Fronts spielt, könnte auch einer der starken Edge Rusher phasenweise in die Mitte rücken. Besonders bei Passing-Downs wäre das eine wahrscheinliche Lösung. Everson Griffen sammelte bei den Vikings besonders in den letzten Play-Off Spielen Erfahrung als Inside Rusher. Auch mit Aldon Smith wird im Training Camp wohl in dieser Richtung experimentiert.

Deutlich weniger Fragezeichen gibt es in der Reihe dahinter. Jaylon Smith führt als Middle Linebacker eine auf dem Papier starke Linebacker-Unit an. Leighton Vander Esch konnte hingegen nicht an die guten Leistungen seiner Rookie-Saison anknüpfen. Das war jedoch auch auf Verletzungen zurückzuführen. Veteran Sean Lee konnte in seiner Rotations-Rolle als dritter Linebacker endlich mal wieder alle 16 Spiele bestreiten. Allerdings hat er altersbedingt in den letzten Jahren aber abgebaut. Bleiben alle fit, haben die Cowboys in der kommenden Saison aber wohl eine überdurchschnittliche Linebacker-Gruppe.

Secondary:

In der Secondary hatten die Dallas Cowboys den wohl prominentesten Abgang zu verzeichnen. Mit Byron Jones ließ man den bisher besten Cornerback des Teams ziehen. Chidobe Awuzie hat sich in den vergangenen Jahren zu einer guten Nummer zwei im Backfield der Cowboys entwickelt. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie er mit der neuen Rolle als Nummer eins zurecht kommt. Das größte Fragezeichen ist die Besetzung des zweiten Cornerback-Spots. Hier duellieren sich Anthony Brown und Rookie Trevon Diggs. Brown kam in der Vergangenheit primär als Slot Defender zum Einsatz. Ob er außen bestehen kann, ist also fraglich. Langfristig sollte der diesjährige Zweitrundenpick Trevon Diggs hier klar vorne liegen. Die stark verkürzte Off-Season könnte ihm aber den Platz in Woche eins kosten. Im Slot sind die Cowboys hingegen mit Jourdan Lewis solide besetzt.

Der aktuell wohl beste Spieler in der Cowboys Secondary ist Free Safety Xavier Woods. Neben ihm galt nach seiner Verpflichtung im Frühjahr HaHa Clinton-Dix als der klare Favorit auf den zweiten Safety-Spot. Laut einigen Camp-Berichten könnte er diesen Spot aber an Darian Thompson verlieren. Eine Idealbesetzung wohl wäre keiner der beiden.

Defense Coaching:

Der Wechsel auf Defensive Coordinator bedeutet für die Dallas Cowboys wohl ein deutlich komplexeres Schema in der kommenden Saison. Mike Nolan favorisiert eine flexibele Front mit ständig wechselnden Allignments. Auch die Blitz-Rate dürfte im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich steigen. In der Secondary sollen ebenfalls deutlich variabelere Coverages gespielt werden nachdem unter Marinelli fast ausschließlich mit Single-High Looks gearbeitet wurde.

Team Projection:

Mit dem 8-8 Record wurden die Dallas Cowboys in der vergangenen Saison klar unter Wert geschlagen. Das starke Punktverhältnis und die 0-5 Bilanz in One-Score Games sprechen für eine starke positive Regression. Auch der Wechsel des Head Coaches und eine deutlich passlastigere Offense sollten sich positiv auswirken. Mit Prescott haben die Cowboys einen guten Quarterback, der durch starke Receiver und eine gute Offensive Line unterstützt wird. Die Offense könnte also erneut zu den effektivsten Units der Liga zählen. In der Defense hängt alles davon ab, wie gut die junge Secondary hält. Wenn die Pass-Defense funktioniert, hat Dallas gute Chancen auf zehn bis elf Siege und den Gewinn der NFC East.

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