Packers 2020: Angst vor Unruhe und Regression

Das alles überstrahlende Thema der Off-Season der Green Bay Packers war der Uptrade für QB Jordan Love. Was hält Aaron Rodgers davon? Und wohin soll er eigentlich werfen?

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Lesezeit: 5 Minuten

Offense

Die Frage nach den Hintergründen für die Draftentscheidungen und – vor allem in der Packers-Bubble – dessen Sinnhaftigkeit sind offen. Wie sieht der Plan von Coach Matt LaFleur aus? Wohin führt er die Offense, die letztes Jahr mit Glück viele enge Spiele gewann.

Quarterback

Aaron Rodgers spielte eine gute Saison. Keine überragende Saison. Keine Pro-Bowl-würdige Saison. Bei den Advanced Stats liegt er knapp über Durchschnitt, in einer Gruppe mit Matt Ryan, Jimmy Garoppolo, Jameis Winston oder Deshaun Watson. Sowohl das Thema Throwaways, als auch das Thema aus Plays ausbrechen setzte sich fort. Dazu bespielte er die Mitte des Feldes wenig (aber immerhin gut). Das könnten Gründe sein, wieso ein junger, formbarer QB mit Jordan Love geholt wurde, dessen Talent umstritten, aber zweifellos vorhanden ist. Aus Rodgers’ Vertrag kommt Green Bay zunächst nicht raus. Die Diskussionen werden nicht abreißen, Rodgers ist aber zweifelsfrei ein Leader und ein Musterprofi, der sich seiner Situation bewusst ist. Was er daraus macht, bleibt abzuwarten.

Quarterback advanced stats entnommen von https://rbsdm.com/stats/stats/

Offensive Line

Die nach Pass-Blocking Win-Rate (PBWR) beste Pass-Blocking-Line der letzten Saison hatte einen prominenten Abgang: RT Bulaga ist weg, seine Nachfolge ist noch ungeklärt. Wahrscheinlich ist, dass der aus Detroit gekommene Ricky Wagner diesen Spot übernimmt und die anderen vier Starter der letzten Saison bleiben. Tiefe gibt es mit drei Picks im letzten Draft und der Rückkehr von G Lane Taylor.

Receiving

Nachdem sich Jimmy Graham ins Tight-End-Mekka nach Illinois verabschiedet hat, sollte eigentlich Devin Funchess die neue Red-Zone-Waffe werden. Nach seinem Opt-out bleibt jedoch als einziger Neuzugang – mit Abstrichen – TE/FB Hybrid Josiah Deguara. Equanimeous St. Brown kehrt zurück, Geronimo Allison ist weg, sonst bleibt alles quasi beim Alten. Abseits von Davante Adams steht damit ein großes Fragezeichen über dem Receiving-Corp. Wo letztes Jahr noch zu gut zwei Dritteln der Snaps drei Wide Receiver auf dem Feld standen, wird das dieses Jahr vermutlich anders aussehen (dazu später mehr). Um jene Snaps spielen Marquez Valdez-Scandling, Jake Kumerow, Allen Lazard und St. Brown. Einen Ausfall von Adams mag man sich aus Packers-Sicht nicht vorstellen.

Rushing

Das Laufspiel der Packers war eines der besten der Liga – scheinbar gut genug aus Coaching-Sicht, dass es die Grundlage der nächsten Saison bilden soll. RB Jones war nebenbei auch der beste Receiver im Team hinter Adams. Hinter der herausragenden Offensive Line fand er – oft in Führung liegend – Wege, die Packers zum Sieg zu bringen. Seine Stats im Passspiel stachen heraus, sein Workload im Rushing aber auch. Vermeintlich bildet die diesjährige Draftklasse den Grundstein für mehr Laufspiel, mit multiplen Tight-End-Sets und Fullbacks.

Coaching

LaFleur verstand es letztes Jahr sehr gut, das Spiel zu starten. In den ersten Drives nach Beginn sah das Spiel der Packers flüssig aus, eine frühe Führung war öfter gegeben. Danach tat sich das Team jedoch hin und wieder schwer. So blieben einige Spiele gegen vermeintliche Underdogs lange offen.

Das Passspiel stand – entgegen seiner Zeit in Tennessee – in frühen Downs klar im Vordergrund. Davon scheint er jetzt abweichen zu wollen, betrachtet man die Draft-Strategie und seine Aussagen.

“I personally think it’s more of having plays that play off each other, just so you keep the defense off balance, whether it’s running the ball 10 times in a game or running the ball 50 times in a game, it really doesn’t matter to me.”

Die Packers waren eines der besten Teams im Laufspiel, was neben der guten Line auch an einer überragenden Saison von Aaron Jones lag. Darauf – so scheint es – will LaFleur aufbauen. Damit er gewinnt. Inwieweit das erfolgversprechend sein wird, wird man beobachten müssen. Sollte aber allgemein Laufspiel über Passspiel gestellt werden, graust es mir vor der nächsten Saison. Und niemand in Green Bay will je Rodgers in Chicago sehen.

Defense

In den letzten Jahren der Ted-Thompson-Ära war die Defense stets ein Sorgenkind. Das änderte sich letztes Jahr schlagartig. Nach vielen hohen DB-Picks in den letzten Drafts und der Verpflichtung der beiden Smiths (Za’Darius und Preston), konnte DC Mike Pettine eine solide Unit aufs Feld bringen.

Front

Die Packers spielten letztes Jahr nur jeden fünften Snap mit Base Defense, die eigentlich als 3-4 gedacht war. In der D-Line überstrahlte Kenny Clark, der neben den Smiths gerne vergessen wird, alle. Die Pressure Rates, besonders die von Za’Darius Smith, gehörten zur Liga-Spitze und versprechen Konstanz. Die Inside Linebacker waren ein Manko, bei denen mit Blake Martinez noch ein Schlüsselspieler das Team verlassen hat. Diese Gruppe war und ist auch jene, die die meisten Sorgen bereitet, aber auch am meisten verstärkt wurde. Letztes Jahr konnte man dieses Loch oft überspielen. Inwiefern das im nächsten Jahr funktioniert, bleibt abzuwarten. D-Line und Edgerush sollte in Anbetracht der zahlreichen QB-Pressures und des generellen Fokus auf Pass-Defense gut aussehen, der Mitte des Feldes fehlt aber ein bisher stabiler Linebacker gegen den Pass.

Secondary

Über Jahre gehörte diese Positionsgruppe zum Bodensatz der Liga. Mit Jaire Alexander, Kevin King, Adrian Amos und Darnell Savage sieht das mittlerweile vollkommen anders aus. Definitiv fehlt hier noch die Tiefe. Hoffen kann man auf einen Sprung von Josh Jackson, der in Sub-Packages als Nickelback eine Rolle spielen könnte, wenn er denn endlich in Green Bay ankommt.

Coaching

DC Pettine verstand es letztes Jahr, moderne Defense zu kreieren: Pressure schemen, Coverage halten. Die Run-Defense war oftmals schwach, but who cares. Gegen den Pass kreierte man up front Druck, die Secondary war aggressiv und deckte mehr als solide. Pettine könnte nächste Saison beweisen, dass er zu den Masterminds der Liga gehört. Ich traue ihm das zu.

Ausblick

In unserer Analytics-Abteilung werde ich demnächst einen Artikel veröffentlichen, indem ich untersuchen will, worin die Packers gut waren. Also so gut, dass sich der 13-3 Record erklärt. Ob es diese Punkte gibt oder ob die Packers der Regression zur Mitte anheimfallen – das werden wir sehen. Aber es bleibt zu befürchten: In vielen volatilen Stats waren die Packers so gut, dass sie wahrscheinlich abbauen werden.

Lichtblick bleibt eine Division, die vollkommen offen ist. Dazu kommt ein Quarterback, der einer der besten aller Zeiten ist, ein exzellenter DC, eine Defense mit dem richtigen Fokus. Ich mache mir Sorgen um die Ausrichtung der Offense. Wenn Rodgers aber – bedingt durch den Druck auf seine Stellung und mit Sorge um sein Vermächtnis – noch einmal groß aufspielt (und LaFleur ihn lässt), könnte man in Green Bay eine große Saison sehen. Was bis dahin bleibt, das ist der Zweifel.

Anm.: In einer vorherigen Version wurde Marcedes Lewis als Neuzugang bezeichnet. Tatsächlich wurde sein Vertrag jedoch verlängert. Danke für den Hinweis.

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2 KOMMENTARE

  1. Erstmal vielen Dank an alle hier, toll was ihr auf die Beine stellt.
    Dieses ungute Gefühl, was die Ausrichtung der Offense angeht teile ich seit dem Draft. Wobei der größere Einfluss für diese Saison von der letztjährigen Klasse kommen sollte. Hoffe da auf Sternberger, und mit St. Brown hat man quasi noch einen Neuzugang auf Receiver.
    Die Bilanz wird wohl kaum zu halten sein, es sei denn Rodgers zieht seine ganze Motivation aus seinem glühendem Zorn auf alle Verantwortlichen, was ich mir durchaus vorstellen kann.
    Kleine Anmerkung noch: Marcedes Lewis ist kein Neuzugang sondern wurde verlängert. Ist schließlich der einzige ehemalige Firstrounder im Receiving Corps.

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